Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne in Irland, Teil II ……….. Teil I am 23. Juni.

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Amiens, Frankreich, Picardie, Zwischenstation auf den Weg nach Irland.

Jeder hat ja in allen Lebens-Arealen seine bevorzugten Abläufe, Dinge, Geschmäcker, Gerüche, die möglichst ein stabiles Wohlsein unterstützen sollen.
So löffle ich lieber Erbsensuppe als Haferflocken, höre lieber Lou Reed als James Last oder Pere Ubu eher als Smokie, sehe lieber Twombly als Triegel und Rothko als Fischer-Art, fülle meine Vase eher mit Korbblütlern als mit Orchideen und liebe Filme von Kaurismäki, weniger „Tatorte“ aus Bad Salzufflen und Meppen.
Und ich spende eher für die denkmalpflegerische Bearbeitung der hochgotischen Kathedrale Notre Dame in Amiens (s.o.) als für das Leipziger Völkerschlachtdenkmal.

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Amiens, mittleres Hauptportal

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Lismore, Castle, Irland, Waterford, irische Südküste

An gleicher Stelle stand im 12.Jahrh. ein Kloster, danach zahlreiche Veränderungen und Neubauten.
Aktuell sichtbare Architektur aus der ersten Hälfte des 19.Jahrh., mit dominierenden Historismusformen der Gotik. Mit bemerkenswerter Gartenanlage.
Geburtsort von Robert Boyle, Elite-Physiker des 17. Jahrh. Forschte über Gasdruck und ähnlich unverständlichem Zeug.
Außerdem zeitweiliger Wohnort von Adele Astair, Schwester von Fred.
Genau die Information, die keine Sau braucht, mich in ihrer Entbehrlichkeit dennoch beglückt.

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Lismore, Castle, Westflügel als Galerie für Wechselausstellungen mit zeitgenössischer Kunst.

Abbildung: Robert Indiana, „Mississippi“

Robert Indiana ist der Gestalter von „LOVE“ (1966), eine Ansichtskarte als Auftragswerk vom „Museum of Modern Art“ in New York.
Durch die dilettantische Klärung von Rechtsfragen verlor Indiana die Eigentumsrechte, wodurch die Arbeit global genutzt werden konnte. Als innerstädtische Plastik, auf Suppendosen, an Tankstellen, als Cartoon, als Signalmittel gegen den Vietnamkrieg…. Indiana beklagte sich einmal, dass zwar jeder sein „LOVE“ kenne, doch niemand sein Gesicht. Nach meiner Information lebt er noch und müsste inzwischen alterstechnisch sich der Neunzig nähern.
Ich hatte schon die unbeschreibliche Freude durch das „Museum of Modern Art“ zu flanieren und eben auch „LOVE“ wahrzunehmen.
Weitere Aussteller in Lismore waren u.a. Victor Vasarely. Josef Albers, Karel Appel, Roy Lichtenstein…. Ich denke, damit kann man für 1-2 Stunden vorzüglich leben.

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Ardfert, Kathedrale, romanisches Portal, 13.Jahrh.

Auf diesem Gelände soll Brendan (Brendan, der Seefahrer), ein Heiliger Irlands, im 6.Jahrhundert ein Kloster gegründet haben Der Edel-Heilige Irlands ist aber St.Patrick.
Nach der Legende begann er in der ersten Hälfte des 6.Jahrh. eine Atlantik-Reise, mit vermutlich 60 Pilgern, nach einem „Gelobten Land“, von Heiligen bewohnt.
Erst nach sieben Jahren kehrte er zurück.
Die Möglichkeit, dass er den Boden Amerikas betreten hatte, wurde nie ausgeschlossen.
Schiffstechnisch war eine derartige Ozean-Bewältigung schon möglich.
Armer Kolumbus.

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Heiliger Brendan

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Ardfert, romanisches Fenster mit bemerkenswerter Ornamentik, 13. Jahrhundert

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Muckross House (1843), viktorianische Villa und ein Beispiel, dass Historismus im 19.Jahrhundert durchaus ansehnlich sein kann.
Zeitgleich mit dem Londoner Parlamentsgebäude („Gothic Revival“) ab 1840 erbaut.
Mittelpunkt des Killarney Nationalparks im Südwesten Irlands..

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Ringfort Leacanabuaile

Innerhalb des „Rings of Kerry“, unweit von Cahirciveen im südöstlichen Irland. Erbaut 9.Jahrh.

Unterirdische Räume, Souterin-Zugang, Treppen, Kammern und ein Bullaun sind noch erhalten.
Durchmesser ca. 22m, Höhe der Mauern ca. 1,5m.
Im Zusammenhang mit Ringforts müssten auch die Anlagen der Kategorien „Rath“ „Henge“ und „Dun“ beachtet und erläutert werden.
Ist mir aber etwas zu beschwerlich.
Auf der sanften Erhebung am oberen Bildrand links thront ein weiteres Ringfort, Cahergall, doch mit erheblich anderer Struktur.

Über die Funktion deartiger Anlagen wird trefflich gestritten.
Anlagen der Verteidigung, für kultische Zwecke….?

Ringforts gibt es aus der Bronzezeit, Eisenzeit und werden noch bis zum Beginn des späten Mittelalters nachgewiesen (13.Jahrh.)

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Irische Verkehrszeichen

Sie erinnern mich stetig an Abstraktionen klassisch-volkstümlicher Märchen-Illustrationen des 19.Jahrh./Anfang 20.Jahrh.
Hänsel und Gretel, Brüderchen und Schwesterchen…..

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Gallarus Oratory, Halbinsel Dingle, unweit von Kilmalkedar, Irland.

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Schiffskirche, Ahrenshoop, Darß, unweit von Ribnitz-Damgarten, Deutschland.

Nach einer ersten Grobeinschätzung könnten die beiden Kirchen durch ihre äußere Gestalt in eine Schublade eingeordnet werden.

Doch sollten zwei grundsätzliche Tatsachen beachtet werden.
Die zeitliche Differenz zwischen der Erbauung…..

…in Irland: vor ca. 1200 Jahren…
…und Deutschland: vor ziemlich korrekt 65 Jahren

…..und die Wahl des Baumaterials.

Das macht schon etwas aus!
Ohne jegliche Restaurierung und ohne Mörtel hat der irische Bau die erste Hälfte von Zweitausendfünfzehn bewältigt. Wahrscheinlich hat der Innenraum bis heute keinen Regentropfen gesehen. Bei diesem Insel- Klima eine Sonderleistung.
Nur mit unbehauenen Steinen, trocken und akkurat geschichtet. Acht x Fünf x Fünf Meter.
Die Bude in Ahrenshoop musste vor einigen Jahren restauratorisch behandelt werden.

Auch bei Gallarus Oratory kann die eindeutige Funktion nicht eindeitig geklärt werden.
Als Kirchenraum für eine Gemeinde sind die Abmessungen sicher zu dürftig.

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Irischer Sonnenuntergang mit fünf oder sechs Bäumen
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Irland, Cliff of Moher
Links unten lagert als weißer Span ein anständig großes Schiff.

Sicherlich das Touristenzentrum Irlands. Ich denke, ich bin Zeitgenossen aller Kontinente begegnet und habe mich grenzenlos wohlgefühlt.
Im Jahr bis zu 2 000 000 Besucher.
Am höchsten Punkt 214 Meter.
Nichts gegen den Königsstuhl auf der Ostsee-Insel Rügen. Hübsch anzusehen.
Aber gegen die irische Ozeanbegrenzung doch recht übersichtlich.

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Ennis, Denkmal, das Muhammed Ali vor einigen Jahren am Ort seiner irischen Wurzeln einweihte.
Um 1860 übersiedelte Abe Grady nach Kentucky und heiratete eine freigelassene Sklavin.
Deren Enkelin Odessa Lee Grady Clay beschenkte 1942 die Welt mit Cassius Clay.
Die Gradys leben noch heute auf den gleichen Quadratmetern.

Dazu die auffälig begehrte Serie: „Wo ist der Jürgen?“
Heute: Wo ist der Jürgen in Ennis?

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Poulnabrone Dolmen im Burren, um 3500 v.d.Z.
Der Burren ist eine Karstlandschaft, über die Offiziere Cromwells urteilten: „Zu wenig Bäume, um einen aufzuhängen, zu wenig Wasser, um einen zu ersäufen, zu wenig Erde, um einen zu verscharren.“
Doch immerhin haben sich hier etwa sechzig Arten von Pilzgeflecht angesiedelt.

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Küchen-Dekoration in einem irischen Ferienhaus, nahe der Westküste, mit Motiven des „Book of Kells„, eine mittelalterliche Handschrift, die im Leben Irlands ständig gegenwärtig ist, nicht nur in Touristenbuden.

Geschrieben um 780 von Mönchen auf der Insel Iona vor der schottischen Westküste.
Inhalt ist die Vulgata, eine lateinische Bibelbearbeitung des Hieronymus (4.Jahrh.)
Die vier Evangelien (Matthäus, Johannes, Lukas, Markus) wurden mit einer überbordenden Dekoration auf das Pergament verteilt.
Unterschiede der einzelnen kalligrafischen Muster deuten auf mindestens vier Teilnehmer, die ihr Material u.a. vom Hindukusch erhielten.
Allein über zweitausend Initiale überziehen die Seiten.
Seit Mitte des 17.Jahrhundert lagert es in Dublin.

Weitere Glanzpunkte insularer Buchkunst wären „Book of Lindisfarne“ (London) und „Book of Durrow“ (Dublin).

Allerdings hat auch Mitteleuropa eine ähnliche Kolossal-Kunst des Mittelalters zu bieten.

Mit meiner bewundernswerten und gefürchteten Spontanität denke ich da an den „Dagulf-Psalter“, natürlich an das „“Godescalc-Evangelistar“, die „Ada-Handschrift “ alle drei aus der Hofschule Karls des Großen in Aachen und an das Evangeliar Heinrichs des Löwen (etwa vierhundert Jahre später).

Außerdem ist Irland die Insel des Kreisverkehrs, der öffentlichen und funktionierenden Toiletten und der sieben Millionen Varianten der Farbe Grün in der Landschaft, der großen Hummeln und kleinen Wild- Kaninchen, der Trainingshosen im Stadbild und schwergewichtiger Menschen, des Ginsters und Rhododendrons, der Wurstlosigkeit und Quarklosigkeit bei der täglichen Nahrungsaufnahme, aber der Fleisch-Euphorie und der Hingabe zu Butter und Milch, des Moores, der Hochkreuze und des Geruchs der Kühe nach dem Regen, der tiefen Wolken und des teuren Alkohols.

Und im katholischen, „erzkonservativen“ Irland, wie es so oft beschrieben wird, spielt die Kirche eine auffällig untergeordnete Rolle innerhalb der sichtbaren Öffentlichkeit, z.B. ohne optische Behelligungen an Weggabelungen wie in manch deutscher Landschaft.
Auch keine Bibel-Nötigung in Hotels und anderen touristischen Übernachtungsmöglichkeiten.

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Juli 18, 2015 Posted by | Geschichte, Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und eine verzögerte Nachbetrachtung der 6. Schostakowitsch – Tage in Gohrisch, Juni 2015

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Hinter der Baumreihe fügt sich die Konzertscheune in Landschaft und Dörflichkeit Gohrischs ein, Spielstätte für die 6. Schostakowitsch-Tage, Juni 2015
Elbsandsteingebirge.

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Schostakowitsch lacht – eine Rarität

Einem exzessiven Musikverbraucher, der seit Jahrzehnten zwischen Konzerten mit der Tonkunst von Palästrina, Berlioz, Satie, Debussy und Berg pendelt, zwischen Schönberg, Webern, Feldman, Glass, Gubaidulina, zwischen Lou Reed, Elvis Costello, Patti Smith, Stevie Winwood, Mick Jagger und Blixa Bargeld muss schon ein gerüttelt Maß an Qualität angeboten werden, um eine positive Reaktion erwarten zu können.

Die Komponisten, Musiker, Organisatoren und freiwilligen Einsatzkräfte zu den Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch schafften das ganz locker.
Sieben musikalische Ereignisse an drei Tagen mit jeweils vierhundert bis sechshundert Besuchern haben erhebliche Spuren in meiner Konzertbesucher-Biographie hinterlassen.

Natürlich wurde Schostakowitsch gespielt, u.a. drei Streichquartette und die Musik zum Film „Das neue Babylon“ (1929), in der er auch die „Internationale“ und „Unsterbliche Opfer“ verarbeitet.
Ich dachte dabei an nahe Verwande, die sich bei der Trauerfeier um den verstorbenen Stalin-Euphoriker Wilhelm Pieck (1960) unter den Klängen von „Unsterbliche Opfer“, eine Melodie der russischen Revolution von 1905, tränentechnisch heftig verausgabten.
Vergeudete Tränen.
Auch Offenbachs „Can Can“ wurde bei „Babylon“ durchgenudelt (Eine Liebesgeschichte während der Pariser Kommune), desgleichen Walzer und Polka, also eine schier unerschöpfliche Fülle an Zitaten und eigener Phantasie (Dirigat Waldimir Jurowski, gegewärtiger Leiter des London Philharmonic Orchestra)

Zum Abschluss des ersten Tages dann Schostakowitschs Sonate für Violine und Klavier G-Dur, sehr schroff und kantig, in zwölftöniger Manier, in der damaligen Sowjetunion nicht gerade eine Wunsch-Komposition.
Schostakowitsch beschenkte David Oistrach mit dieser Sonate zu dessen 60 Geburtstag. Bei der Uraufführung im Moskauer Konservatorium saß Swastoslaw Richter am Klavier.

Schostakowitsch komponiert, Oistrach fiedelt, Richter klimpert. Da kann man nicht klagen.

Als Konzert-Ort wurde in Gohrisch eine Scheune ausgewählt. Klingt zunächst etwas nach rudimentärer, unvollkommener Interimslösung. Aber mitnichten, es wäre eine völlige Fehleinschätzung. Ich habe selten eine derartig grandiose Tonakustik erlebt. Die Gründe vermag ich nicht zu erläutern. Ich bin kein Tontechniker.
Doch wie mit einem Seziermesser getrennt, öffneten sich die Töne in den Raum. Violine, Viola, Klavier, Cello, Flöte, Fagott…beanspruchten eisern ihre individuelle Notwendigkeit. Ich erinnere mich z.B. an Konzerte mit Eric Burdon/Brian Auger in Halle oder John Cale in der Leipziger Peterskirche, vor einigen Monaten.
Dabei vermengten sich die einzelnen Instrumente zu einem unerträglichen Matsch, die Noten versumpften in einer Pampe, deren einzelne Linien man nicht mehr nachvollziehen konnte.
Es lag natürlich nicht an den vorzüglichen Musikern.

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Jascha Nemtsov

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Borodin-Quartett, Gohrisch 2015, nach der Verleihung des Schostakowitsch-Preises

Zu einer markanten Kampfansage für eine stabile Konzentration entwickelten sich zwei Konzerte mit dem charismatischen Pianisten Jascha Nemtsov, der 24 (!) Präludien und Fugen von Vsevolod Zaderatsky spielte, also 48 (!) kleine Stücke zwischen 58 Sekunden und etwa 4 Minuten, insgesamt 220 Minuten.
Eine Musik, die nie enden sollte.
Einem edlen Langzeitmenü aus französischen Landen ähnlich wartet man auf die nächste Portion, mit den Gedanken, was sich Der „Koch“ ( Zaderatsky) hat nun wohl einfallen lassen.
Zaderatsky wurde in einer ukrainisch-polnischen Adelsfamilie geboren (1891) und agierte ab 1915 als letzter Musiklehrer des Zarensohns. Also biografische Details, die ihn ab 1917 zu Gewürm erniedrigten.
Er schrieb die 24 Präludien und Fugen in einem sibirischen Gulag zwischen 1937 und 1939.

Zaderatskys Präludien und Fugen pendeln gnadenlos zwischen traditioneller Barockmusik (Dreiteiligkeit der Fuge…)und zeitgenössischen Prinzipien, die sich auch schon einmal der Atonalität nähern können.
Tragische Stimmungen werden von heiteren, derb-burleken Bildern abgelöst. Melancholische Lautlosigkeit und expressive Dramatik binden sich an Melodien, deren Üppigkeit nur veblüffen kann.

Und natürlich Arvo Pärt, dieser estnische Meister der Reduzierung, der einmal sagte, dass die „reinen Glockenklänge“ der Vollendung am nächsten kämen.
Die Kategorie „Ruhe“ bestimmt Pärts Arbeit. Nur wenige Akkorde und Töne werden immer wieder in neue Zusammenhänge gebracht und moduliert.
Von Arvo Pärt gab es in Gohrisch z.B. ein „Vater unser“ für Countertenor und Streichquartett, „Arbos“ für acht Blechbläser und Schlagzeug und „Quintettino“ für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn.

Innerhalb von vier Programmpunkten wurden Vertonungen von Dichtkunst angeboten. Neben Pärts Liedern für Countertenor (Andreas Scholl), u.a. von Clemens Brentano und Zaderatskys Kompositionen für Singstimme und Klavier trieben mir besonders Schostakowitschs Bearbeitungen von Gedichten der unvergleichlichen Marina Zwetajewa die Gänsehaut auf meinen fülligen Leib, also einige Quadratmeter Gänsepickel.

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Bühnenbild zu „Vergiss Dein Pfuschwerk, Schöpfer“ – Vertonte Gedichte von Christine Lavant

Außerdem passte er Lyrik von Christine Lavant zwischen die Pausen einer Cellosonate ein, eine österreichische Dichterin, die mir bislang unbekannt war. Gesprochen und gespielt von Isabel Karajan, Tochter von Herbert.

„Alter Schlaf, wo hast Du Deine Söhne?
junge, starke Söhne sollst du haben,
solche Kerle, die noch mehr vermögen
als bloß kommen und die Lampe löschen.“

Strophe eines Gedichts von Christine Lavant, ich vermute, daran kann man sich gewöhnen.

Von Benjamin Britten wurde „These Words“ mit einem umfassenden Angebot von Blechbläsern und Schlagzeug intoniert, wobei „Unsterbliche Opfer“, anders als bei Schostakowitsch, nicht in einen größeren Rahmen eingebunden war, aber als Solo-Thema die kurze Komposition bestimmte.

Die einzige Musik dieser Tage, bei der meine Augen etwas gelangweilt der Versuchung erlagen, die architektonische Dachstruktur der Scheune zu erfassen, bildete das Streichquartett a-Moll von Nikolai Mjaskowski (1881-1950). Hübsch anzuhören Doch quäkte darin einfach zuviel Tschaikowski. Natürlich sind „Pique Dame“, auch „Eugen Onegin“ und die 6.Sinfonie herausragende Werke. Dann eben doch lieber gleich Tschaikowski als Mjaskowski.
Doch kann dieses Intermezzo gertrost vernachlässigt werden.

Ich bin sicher kein Großmeister mit der Gabe, meine Lebenskreise schon Jahrzehnte voraus zu koordinieren.
Doch für einige Tage im Juni des kommenden Jahres sind diese Kreise schon stabil umrissen.

Weiterführende Empfehlung

„Dem kühlen Morgen entgegen“

Film von Oliver Becker und Katharina Bruner über Schostakowitsch während der Zeit Stalins, mit Armin Mueller-Stahl.
Eine Mischung von Gesprächen (Rostropowitsch, Roschdestwenski, Maxim Sch.), Puppenspiel, aus Material alter sowjetischer Filme und gefilmten Schostakowitsch-Studien.

Außerordentlich hochwertig.

Abspann

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Das Gute und das Böse
Ich vermute Anfang der 70er Jahre.
Breschnew, Gromyko,Schostakowitsch


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Juli 1, 2015 Posted by | Leipzig, Musik, Neben Leipzig, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die Heimkehr zu meinen sächsischen Wurzeln, nach einem mehrwöchigen Landgang auf der irischen Insel. Teil I.

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Irland, die Insel einer überragenden Literatur

Mir ist spontan kein Land mit einer derartigen Dichte von hochwertiger Literatur erinnerlich, relativiert zur Bevölkerungsdichte. Dabei blieb bei dieser Ansichtskarten-Auswahl der Nobelpreisträger Seamus Heaney (1995) unberücksichtigt.
Vier Nobelpreisträger für Literatur seit neunzig Jahren bei einer Einwohnerzahl zwischen 2einhalb und 5einhalb Millionen Iren. Davor gab es z.B. noch Wilde und Swift und Beckett und Joyce sind ohnehin unschlagbar.
Als ich zu frühen Pubertätszeiten, also vor einhundert Jahren, Wildes „Rose und Nachtigall“ las, musste ich heftig weinen.

Ich tauschte am Beginn der 70er Jahre „Die Blechtrommel“ (wurde in der DDR nicht aufgelegt), die ich wenige Tage zuvor gegen ein anderes Buch (?) eingetauscht hatte, für die Dramen Becketts (wurde in der DDR nicht aufgelegt).
Ich tauschte auch Bücher von Rolf-Dieter Brinkmann (wurde in der DDR nicht aufgelegt) und Hubert Fichte (wurde in der DDR nicht aufgelegt) gegen die Romane Kafkas (wurde in der DDR nur arg begrenzt aufgelegt), die ich mir dann wieder hurtig neu besorgen musste.
Eigentlich tauschte man nur noch.

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Meine ersten lesbaren Informationen im Hafen von Rosslare, kurz vor dem Landgang. Eine feine und sensibel gewählte Begrüßung. Foto aus unserem Kabinenfenster.

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Irland, die Insel der Kathedralen…..
Rock of Cashel. Chor um 1240, Vierungsturm Mitte 14.Jahrh., „Cormacs Chapel“ (auf dem Bild eingerüstet), der sicher bedeutendste romanische Beitrag in Irland, blieb uns verschlossen. Wegen denkmalpflegerischen Arbeiten. Ich reagierte traurig, doch mit Verständnis.

Ich erinnerte mich dabei an meine hochgradige Verärgerung im Benediktinerkloster Alpirsbach 1990, in dem viele Teile gesperrt waren. Bei mir dominierte immer noch das Entsetzen, dass die Grenze vielleicht doch wieder vermauert würde. Also alles sehen und studieren, was auf dem Weg liegt, steht und hängt. Und darüber hinaus.
Für den Kreuzgang der Abtei im südfranzösischen Moissac hatte ich meine Familie 1991 zu einem Umweg von 300 Kilometern gezwungen.
Erbarmungslos.
Dann probte in dem Viereck eine schlechte Jazz-Truppe. Scheißstimmung
Heute ist man doch etwas gesetzter geworden.

Dazu auch der erste Teil der beänstigend begehrten, doch eher unregelmäßig bearbeiteten Serie: „Wo ist der Jürgen ?
Heute: Wo ist der Jürgen in Irland?“, Teil 1 (Bild oben)

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Irland, die Insel der Abbeys….
Jerpoint Abbey, Zisterzienserkloster, dreischiffig, gegründet 1158. Turm, 15 Jahrh. über der Vierung, Normalfall in der zisterziensischen Architektur.
In einer Kirche, wenige Meter abseits von Jerpoint Abbey, soll der heilige Nikolaus von Myra begraben sein ( das ist der vom Nikolaustag, mit den Bonbons in den Schuhen).
Ritter von Jerpoint überführten seine Leiche nach den Kreuzzügen aus Myra, Lykien/Türkei, nach Irland.
Aber auch italienische Kaufleute sollen am Ende des 11.Jahrh. den Sarkophag in Myra aufgehebelt, sich den bleichen Nikolaus geschnappt und im süditalienische Bari wieder ausgepackt und begraben haben.
Doch wer weiß das schon?

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In der „Holy Cross Abbey“, nahe der südirischen Bischofsstadt Thurles, gleichfalls ein ehemaliges Zisterzienserkloster wird angeblich (?) ein Splitter des Kreuzes Christi aubewahrt.
Ich besuchte während der vergangenen Jahrzehnte eine erkleckliche Reihe von religiösen Einrichtungen mit ähnlicher Triumph-Werbung.
Demnach hätte das Holzteil größentechnisch locker für die gesamte Familie King Kong gereicht.

Auch ein Teil der Vorhaut-Reliquie des Heiligen wird an zahlreichen Orten verehrt. Christi Eichel könnte man dann gleichwertig neben das Leipziger Völkerschlachtdenkmal stellen.

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Irland, die Insel der Schafe

Eigentlich wollte ich ein Lämmer-Quartett fotografieren, was aber ein dummes Schaf nicht akzeptieren wollte und sich hurtig entfernte. Ich brüllte hysterisch: „Bleib stehen, du dummes Schaf“, doch sprang es in der gewohnt albernen Jungschaf-Hüpferei ins hohe Gras.
Mir schien, ein unterdrücktes Heiterkeitsgurgeln in der Herde vernommen zu haben.
Deshalb nur ein Terzett.

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Irland, die Insel der Sheela-na-Gigs

Killinaby, unweit von Lisdoonvarna, am Fuße des Burren.

Plastisches Detail an einer Kirchenruine, ich vermute, Ende des 15.Jahrh./Beginn 16.Jahrh.
Darstellung einer Sheela-na-Gig.
Eine weibliche Figur, die mit ihren Händen die Vulva spreizt. Ein feines Angebot.
Vermutlich eine keltische Göttin, welche die Fruchtbarkeit verkörpert und deren Bedeutung, trotz der irischen Christianisierung, weitergeführt wurde.
Nicht ganz selten in Irland und England.
Etwas Phantasie muss sein. Doch das sollte zumindest dem maskulinen Bevölkerungsteil schon gelingen.
Ich vermute, dass diese Darbietung sich bei den heutigen Maßstäben keinesfalls für eine gefällige und stabile Erektion anbietet. Diese Vulva ist ja auch von einem halben Jahrtausend gezeichnet. Und wer will das schon mit einer Erektion belohnen.

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Irland, die Insel der mittelalterlischen Bildhauerei

Jerpoint Abbey

Grabmal des des Bischofs O`Dulony, erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die sogenannten „Weepers“. Die „Weinenden“.

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Irland, die Insel der skrurrilen Bäume…..

Dazu der zweite Teil der immer noch beängstigend begehrten, doch eher unregelmäßig bearbeiteten Serie: „Wo ist der Jürgen?“ Heute: „Wo ist der Jürgen in Irland?“, Teil 2.

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….und der Autographenbäume, eher weniger nah…

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Blutbuche im „Coole Park“, unweit von Gort im mittleren Westen Irlands, Lebensort von Isabella Augusta Gregory, irische Dramatikerin, heute weitgehend vergessen. Aber ständige Gastgeberin für Mitglieder der globalen Literaturelite, die ihr Autogramm in den Baum einsäbelten, u.a. Shaw, Yeats und O`Casey.

Bei Nummer 2 hat George Bernard das Messer geprüft.
Schwierig nachzuvollziehen, doch wenn man vor dem Baum steht, erschließen sich die Schriftzüge.
Rechts neben der 2 das G, darunter B, recht gut zu erkennen, darunter das S, weniger gut zu erkennen.

Teil 2 folgt

Musik des Tages

Arvo Pärt: „Arbos“ für 8 Blechbläser und Schlagzeug
„These Words“ für Streichorchester und Schlagzeug
„Fratres“ für Kammerensemble

Dmitri Schostakowitsch: Sämtliche Streichquartette (15)

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Juni 23, 2015 Posted by | Geschichte, Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Ostern in der Feldberger Seenlandschaft und Beenz, Thomsdorf, Conow,Triepkendorf,Carwitz, Neustrelitz. Dazu die begehrte Serie: „Jürgen Henne und die Erinnerung des Tages.“

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Wien, Votivkirche, Historismus, Neogotik, Heinrich Ferstel, 1879.

Ich gehöre ja nun keineswegs zur zahlenden Mitgliederschaft des Vereins „Preiset den Historismus des 19. Jahrhunderts“.
Auch die Architektur von Schinkel und Semper aktiviert bei mir nur ein recht reduziertes Wohlwollen.

Doch als wir uns vor fünfundzwanzig Jahren nach grausiger Fahrt im Wiener Franz-Josefs-Bahnhof völlig ermattet und mit sächsischem Körpergeruch aus dem Zug schälten und bald vor Ferstels Votivkirche standen, brummte ich übermüdet, aber dennoch ein launiges „nicht schlecht“.
Kein übler Einstieg für Wien.
Aber auch in meiner Heimatstadt gibt es einige historistische Glanznummern.
Die reformierte Kirche am Goerdeler-Ring (Neo-Renaissance), die neoromanische Taborkirche in Kleinzschocher und als besonderes Monstrum die Michaeliskirche am Nordplatz, hier wurden ganz locker um die sechshundert Jahre Kunstgeschichte abgeladen, Gotik bis Jugendstil.
Und unanfechtbare Höchstwerte im Leipziger Historismus gibt es natürlich für die Peterskirche, unweit des Bayerischen Bahnhofs (Neo-Gotik).

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Feldberger Seenlandschaft

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Neustrelitz, neugotische Schlosskirche

Gebaut von Wilhelm Buttel, Schüler Schinkels sowie Vielbauer und Serienarchitekt in dieser Region.
Einschiffig, kreuzförmig, Backstein.
Zwölf Türme und zwölf Kreise beim Maßwerk der Fensterrose deuten auf die zwölf Apostel. An der Westfassade erstarren die vier Evangelisten mit den entsprechenden Attributen (Adler, Mensch, Stier, Löwe)

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Neustrelitz, Schlosspark

Victoria, Göttin des Sieges und römische Version der griechischen Nike vor österlischer Himmelskulisse.
Von Christian Daniel Rauch, Gigant des deutschen Klassizismus, einer Kunst, die ich zügig und mit geschlossenen Augen passiere.
Von Rauch sind z.B. auch Büsten für Walhalla (Dürer) und das Reiterstandbild Friedrich II. in Berlin (“ Unter den Linden“), Schüler von Schadow (Quadriga auf dem Brandenburger Tor).
Für mich eine Fahrt des Grauens. Wobei ich die künstlerische Qualität nicht in Zweifel stellen möchte !
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Dorfkirchen an der brandenburgisch-mecklenburgischen Grenze

Wir sind vor einigen Jahren für vier Wochen durch die regionale Kunst Burgunds gestromert und haben zahlreiche provinzielle Dorfkirchen von fast unfassbarer Qualität gesehen. Zumeist in einem bemerkenswert denkmalpflegerischen Zustand.
Die Kultur in diesem norddeutschen Areal kann Frankreichs nord-ost-mittiger Region natürlich nicht mit Gleichwertigkeit an die Seite gestellt werden.
Aber trotzdem……

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Dorfkirche in Beenz

Feldsteinbau, um 1270, im 30-jährigen Krieg zerstört, Wiederaufbau Mitte des 18.Jahrhundert, Satteldach. Turm mit Zeltdach
An der Südseite (Bild) sind die beiden Nebeneingänge für Volk und Pfarrer noch schemenhaft sichtbar. Durch den Haupteingang stolzierte nur der Patron (Graf von Arnim zu Boitzenburg).
Dachturm aus dem 18.Jahrh.
Der Krieg machte 1618-48 der gesamten Ortschaft den Garaus. Erst gegen 1700 begann eine erneute Besiedlung

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Dorfkirche Mechow, Westsicht

Um 1350, rechteckiger Feldsteinbau, ohne wesentliche Veränderungen.

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Mechow, Ostsicht, rechteckige Apsis

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Kirchenruine Conow

Anfang 14.Jahrh. Durch mittelalterliche Kloppereien zerstört. Kein Wiederaufbau. Wie damals verbreitet in Schalenbauweise errichtet.
Die Festigkeitsquader sind vorgeblendet, also etwas Trickserei. Hinter den angeblich massigen Steinplatten wurde Feldgeröll verteilt und mit Kalkbrei und Quark angereichert. Garantierte eine solide Beständigkeit.
Im Bild recht gut zu sehen.

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Kirchenruine Conow

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Dorfkirche Thomsdorf
Spätgotischer Altar

Es ist mitnichten immer notwendig nach Gent, Krakau, St.Wolfgang, Kefermark zu fahren, um ansehnliche Retabels oder Altäre zu sehen. Oder nach Colmar, Rothenburg, Creglingen und Dettwang.
Auch in der Provinz kann man sich an derartiger Kunst erfreuen.
Eher provinziell, doch für die Kulturgeschichte gleichfalls wichtig.

Im Mittelschrein thront die Mondsichelmadonna, den Erdentrabant in reduzierten Ausmaßen zu ihren Füßen, links ein Bischof mit Ausrüstung und rechts die hlg. Katharina mit Rad, ihrem Folterwerkzeug, dass sie während der altrömischen Christeverfolgung hinrichtete( Es gibt auch andere Versionen).
In den Seitentafeln dann z.B. Antonius, Elisabeth, Jakobus, Petrus…..also kreuz und quer durch den heiligen Garten.

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Dorfkirche Thomsdorf

Die Lichtverhältnise in der Kirche waren etwas problematisch, deshalb die lausige Qualität. Außerdem besitze ich keine Ablichtungsanlage für 25 000 Euro.

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Carwitz, Blick aus dem Fallada-Haus auf den See und die Bienenhütte

Falladas Bücher stagnierten doch eher an der Peripherie meines literarischen Interesses. Ich dürfte sie alle gelesen haben, doch weitgehend vor mehr als fünfundvierzig Jahren.
Auch „Der Trinker“, damit kann man sich wenigstens identifizieren.
Seine Biografie ist ereignis-technisch aller Ehren wert.
Hier in Carwitz griff er z.B. wieder einmal zur Waffe und traf nur den Tisch, nicht seine Frau.
Im Alter von siebzehn Jahren hatte er sein Ziel schon einmal besser justiert und seinen Freund tödlich verletzt. Er selbst überlebte und begann seine Wanderung durch verschiedene psychiatrische Anstalten.
Zwischen 1933 und 1944 bevorzugte er Carwitz als Wohnort, trieb Landwirtschaft, pflegte das Imkereiwesen und schrieb eine ergiebige Zahl seiner Hauptwerke.

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Fallada-Haus, eine ehemalige Büdnerei

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Fallada-Haus und die nahe Umgebung

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Jürgen Henne und die Erinnerung des Tages

Vor einigen Jahren durchlitten wir im Berliner Gropiusbau eine Ausstellung mit Arbeiten von Hermann Nitsch. Also Malerei, die ich nicht sonderlich schätze und vor allem fotografische Zeugnisse seiner Wochenendbeschäftigungen, an denen ich wiederum außerordentlich interessiert bin.
Der Mitarbeiter an der Eingangstür zur Ausstellung, mit einem saftig-belegten Brötchen vor seinen Zähnen, wünschte uns mit auserlesener Höflichkeit einen „Guten Appetit“.
Dazu sollte man natürlich die Aktion von Nitsch kennen !

Kunst des Tages

Leo Putz und Zeitgenossen im Kunstverein Apolda. Aus heutiger Sicht keine internationale Sensation. Doch für Abfälligkeiten nicht geeignet.

Literatur des Tages

Die Selbstbetrachtungen Marc Aurels können nie schaden

Musik des Tages

Die wenigen Titel von „Blind Faith“ von morgens bis abends in einer Endlosschleife. Mit Eric Clapton (Yardbirds, Cream), Ginger Baker (Cream), Steve Winwood (Spencer Davis Group) und Rick Grech (Family, Traffic).

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April 10, 2015 Posted by | Geschichte, Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Jachthäfen für Freizeitkapitäne mit Restaurants und Cafés

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LVZ, 21/22. März

Bildunterschrift

„Anlaufpunkt für Freizeitkapitäne: Rund um den Jachthafen am Golf von Calvi gibt es zahlreiche Restaurants und Cafés.“

Filitosa, Sartene, Bonifacio, Aleria, Corte, Ajaccio, La Scandola, Lac de Melo, Bastia, Cauria – Orte und Landschaften Korsikas, die Klimax europäischer Inselkultur.

Aber nein doch, mitnichten für den Journalisten. Kein Filitosa, Sartene, Bonifacio……. „O, Freunde, nicht diese Töne. Sondern laßt uns angenehmere anstimmen und freudvollere. Freude!Freude!“ (Schiller)

Und der Journalist freut sich, wird nicht angenehmer, aber scheinbar freudvoller und besingt als journalistische Eingangsinformation über diese französische Insel die Restaurants und Cafés der Hafenstadt Calvi. Restaurants und Cafés rund um den Hafen einer Hafenstadt – nicht gerade unverwechselbar für Häfen in Hafenstädten rund um den Globus, auch nicht für Jachthäfen, auch nicht für Freizeitkapitäne.
Was soll man auch sonst in Korsika.

Also mitnichten Filitosa, Sartene, Bonifacio, Aleria, Ajaccio, La Scandola, Lac de Melo, Bastia, Cauria, mit oder ohne Restaurants und Cafés.

Der reisende Journalist bevorzugt als Einladungskonfekt den Hinweis auf einen Jachthafen für Freizeitkapitäne mit Restaurants und Cafés.
Freizeitkapitän, klingt aufregend und unaufdringlich originell.

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JH zwischen korsischen Menhiren in Filitosa

Wir durchstreiften die Insel einige Wochen, vergaßen aber Calvi, auch die Restaurants und Cafés um den Jachthafen.

Man könnte sich in Korsika auf einen beliebigen Platz stellen…..dann der Blick nach Ost, Blick nach Süd, Blick nach West, Blick nach Nord, jeweils in Sichtweite wird man Kostbarkeiten kultureller Schöpfungen, mediteraner Traditionen, historicher Bedeutsamkeiten und naturgebundenes Charisma wahrnehmen.

Doch mitnichten der reisende Journalist, er zelebriert einen Jachthafen für Freizeitkapitäne in Calvi mit zahlreichen Restaurants und Cafés.

Unter dem Bild mit den Restaurants und Cafés rund um den Jachthafen von Calvi dann eine Abbildung mit dem Hinweis auf das „Feriendorf zum störrischen Esel“.
Vor Ort an diesem Schild würden sich meine Netzhäute spreizen und ich müsste mich mit einem Bein-Staccato Usain Bolts in der korsischen Macchie verbergen. Denn das halte ich keineswegs aus.
Bitte keine deutsch-deutschen Begegnungen auf Korsika, wie nirgendwo außerhalb Deutschlands.

Den Artikel habe ich nicht gelesen, ich wurde dazu nicht animiert.

Ich bitte dennoch um weitere Beiträge – Sardinien, Kreta, Sizilien, Malta würden sich anbieten. Oder gar Korfu, Nassau, Santorin, Nazaré….
Doch bitte als optischen Einstieg nur Bilder von Jachthäfen für Freizeitkapitäne mit Restaurants und Cafés anbieten, gefolgt von Begegnungstipps in deutschen Kolonien.

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Meine Lieblingsblume, selbst aufgezogen und beschützt.

Musik des Tages

Rossini—„Stabat Mater“
Zahlreiche Titel von Jackson Browne und Tony Joe White

Literatur des Tages

Erzählungen von Nabokov


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März 24, 2015 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Presse, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar