Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Joachim Gauck, Klitoris-Sausen, Wilhelm Pieck, ein präsidialer Eisenbahn-Schaffner, ein evangelisch-lutherisches Ferkel, Vorbild Thälmann, das Tiefkühlfach in Tibet, der verschwante Gauck, Edward.G.Robinson, eine Nudel-Dengelung und Liebermanns Bonmot

„Joachim Gauck soll nun zügig sein privates Leben ordnen.“ (Zitat)

Seit Monaten diese unsäglichen Wulff-Debatten. Jeder Politkasper schwafelte über Moral, über Vorbildfunktionen. Rund um die Uhr das gleiche Vokabular. Ich wollte mich schon im fernen Himalaja von einer Yeti-Familie aufnehmen lassen, um endlich Ruhe zu finden.
„Wollen wir wulffen gehen“, immer wieder und immer wieder.
Jeder, der diese Sprachsülze abließ, glaubte vor Originalität eine Massiv-Erektion oder Klitoris-Sausen bekommen zu müssen.

Und immer diese Vorbildfunktion. Ich musste schon Ernst Thälmann und Wilhelm Pieck als Ersatzväter akzeptieren, auch Juri Gagarin und die Sowjetsoldaten, ich benötige keine Vorbilder. Ich finde mich selbst wundervoll genug. Ich brauche keinen Präsidenten. Also meinetwegen die Umwandlung des Berufsbildes eines Präsidenten zum Eisenbahnschaffner.

Jetzt einigte man sich auf einen Kandidaten. Ich verbarg zunächst mein Ticket nach Tibet und sagte der Yeti-Familie ab. Gott, sei Dank gibt es für die lebensmitteltechnische Erhaltung der geplanten festlichen Empfangsmahlzeit ein recht großflächiges Tiefkühlfach.
Doch mir schwant das blanke Unheil. Denn Gauck soll gefälligst sein Leben in Ordnung bringen und die „wilde Ehe“ aufgeben, dieses evangelisch-lutherische Ferkel. Sagt man.
Und jetzt wird wieder von Moral gelabert, auch von Vorbildfunktion.
Nur selten konnte man Max Liebermanns Bonmot vom Kotzen deartig bedenkenlos anwenden.

Ich wünsche Joachim Gauck auch weiterhin eine wilde Ehe, gefüllt mit geiler Wildnis, mit Träumen von wilden Spielen antiker Prägung(oben), ich wünsche ihn mir als verschwanten Zeus mit dicken Nüssen (mittig) und mit heiter-wollüstigen Blicken bei einen Besuch vor den erotischen Stätten großer Kulturen (unten).
Während sich die Moral-Ulfs mit Wunsch nach einem vorbildlichen Präsidenten auf dem Klo ihre Nudel dengeln.

Außerdem beginnt nun die Überprüfung möglicher Stasi-Kontakte, seine Nähe zu Sarrazin, die Feindschaft zur Occupy-Bewegung…..

Also ab mit Gauck in den Bottich, wir wollen einen vorbildlichen Präsidenten.

Film der Woche

„Gefährliche Begegnung“ von Fritz Lang , u.a. mit Edward G. Robinson.
Sicherlich nicht für die Top Twenty der Filmgeschichte geeignet, doch außerordentlich ansehnlich.
Als bekennender Symphatisant von Robinson würde ich z.B. noch „Der kleine Caesar“, „Spätausgabe“ mit Karloff, „Frau ohne Gewissen“ und auch „Soylent Green“, mit Charlten Heston vorschlagen. Etwas verquast, aber recht ordentlich. Es war Robinsons letzter Streifen (1893-1973). Wenige Tage danach verabschiedete er sich.

Wort der Woche

Jäätelötötterö / Eistüte

Oh, Suomi, du schönes Land. Doch die Sprache ist für eine mittelmäßige Begabung Mitteldeutschlands nicht zu bewältigen.
An Versuchen mangelte es nicht.

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Februar 21, 2012 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Strawalde, 2×17 Minuten, Eberbacher Schaudermönche, neben Kokoschkas Atelier, Walter Jacob, Lindenau-Museum mit Gipseimer in Altenburg, ein Rattengott in Thüringen, ein abgeschabtes Faun-Gemächt, Jason und die Stierknödel, die Türen des Ghiberti und Brunelleschis Kuppel

Altenburg (Thür.), Lindenau-Museum

Bis 29. April gibt es in der Stadt des Rattenkönigs, der Skatkarten und einer auffällig kostbaren Schlosskirche eine bemerkenswert ansehnliche Ausstellung. Malerei, Zeichnungen, Filme von Jürgen Böttcher (geb.1931), weitgehend als Strawalde bekannt, nach seinem Geburtsort Strahwalde, eine Kuhpläge in der Oberlausitz (Kuhpläge=sächsisch, Synonym für eine erschütternd uninteressante, ländliche Gemeinde).
Auffällig die „H“-Reduzierung im Namen.

In Bälde einige Notizen zu der Ausstellung.

Ich bin nun nicht gerade der Ausstellungsflaneur der z.B. endlos vor Bildschirmen sitzt, sich Videos ansieht, von blöden Kopfhörern beengt, die noch die Wärme des Vorgängers ausstrahlen und dessen Ohrensekret sich mit meinen Substanzen vermischt.
Doch bei Strawalde unterzog ich mich exakt dieser Prozedur, 2 x 17 Minuten.

Einen exzellenten Text über das Altenburger Lindenau-Museum schrieb ich in der Zeitschrift „Kunststoff“, Heft 5, Mrz.,Apr.,Mai, 2007, S.87 ff, Plöttner-Verlag Leipzig.

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Walter Jacob 1893-1964)
Kloster Eberbach, 1920, Öl/Lw
Lindenau-Museum
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Walter Jacob
Prometheus, 1920, Öl/Lw
. Lindenau-Museum „>

Im Kloster Eberbach schlurfte diese mönchische Schaudertruppe bei der Verfilmung von Eccos Rosenbuch durch die Gegend und „Prometheus“ ist eines der wenigen Gedichte und Balladen, die ich vielleicht noch fehlerfrei zitieren kann, Reste humanistisch-klassischer Bildungsversuche.

Im Zusammenhang mit meiner unverzichtbaren Mitarbeit am global bedeutsamsten Künstlerlexikon hatte ich mich vor einigen Wochen entschlossen, den Text über den Altenburger Künstler Walter Jacob zu schreiben. Das Lindenau-Museum gedachte seiner im Verlauf der ersten Hälfte der 90er Jahre mit zwei Ausstellungen und bemüht sich redlich um dessen Verbleib in der Kunstgeschichte.
Jacob wird überwiegend in der Rubrik einer zweiten Generation des Expressionismus abgelegt, lernte kurz bei Gotthardt Kuehl, seine Nachbarateliers in Dresden bezogen Kokoschka und Dix und wesentlicher Bezugspunkt für seine künstlerische Manier war natürlich Nolde.
Und in seinen besten Bildern näherte er sich qualitativ beträchtlich der „Großen Zeit“ des Expressionismus. Doch sind diese „besten Bilder“ recht überschaubar. Aber immerhin.
Ähnliche Abläufe brachten ja auch Munch und Matisse in die erste Garnitur der kunsthistorischen Hitparade. Wenig ansehnliche und tiefschürfende Arbeiten, doch dieses Minimum ist herausragend.

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Der Gipseimer des Lindenau-Museums, rechts

Durch siebzig Gipsabgüsse aus frühen Kulturen Vorderasiens und Ägypten, durch eine Edelparade klassisch-hellenistischer Schönleiber und Ganzkörpermonumente der italienischen Renaissance wird dieser Festsaal geprägt.
In der Vorhalle beginnt es dann auch gleich mit Michelangelos Hammerschlag-Pieta aus dem Petersdom und den Windungen des Laokoon, der die trojanische Pferd-Verarschung ankündigte und dafür mit einem kraftvoll schlängelnden Körperkontakt bestraft wurde.
Und so geht es gnadenlos weiter, bis zu Ghibertis Bronzetür am florentinischen Baptisterium.
Beim Nordportal stritt er sich während der Ausschreibung u.a. mit Brunelleschi und beide sollen sich die Entwürfe um die Ohren gedroschen haben (1402).
Der eher konservative, noch teils spätgotisch operierende Ghiberti gewann. Doch Brunelleschis Zeit nahte, als Konstrukteur der Kuppel von Santa Maria del Fiore (bis Mitte der 30er Jahre des Quattrocento) und als maßgeblicher Entdecker der Perspektive, konstruiert mit mathematischen, geometrischen Mitteln.

Borghesischer Fechter, Marmor, später Hellenismus, Louvre.
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Barberinischer Faun, Marmor, Hellenismus, Glyptothek München

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Michelangelo, Sklave, vielleicht geplant für das Grabmal Julius II im Petersdom ———————————————

Apoll von Belvedere, Marmor, griechisch, späte Klassik, vielleicht von Leochares, Vatikan———————————————–

Antinous vom Belvedere, Marmor, griechisch, späte Klassik.

Wie sich der Faun hinfläzt hat schon etwas von Nötigung an sich, da kann man ohne wesentliche Veränderung der eigenen Körperhaltung an jeder Sackfalte herumschnarchen.
Auch taktile Anäherungen würden sich anbieten.

Doch mit Gips-Genitalien lässt sich nur unzulänglich hantieren.
Außerdem hat sich der dauerlüsterne Waldgott bei einem Vorspiel zu einem Nachmittag scheinbar sein Gemächt abgerieben.

Unter dem Arbeitstitel „Hätten Sie`s gewusst. Der Penis in der Kunstgeschichte“ wäre eine humoristisch aufgeladene Weiterbildung durchaus möglich. Die Körper verpackt, nur die entsprechenden Schrittmuskulaturen sind sichtbar. Und dann folgt ein niedlicher Ringel-Ringel-Reihe-Reigen und jeder darf anfassen, aber nur einmal. Und dann glänzt man mit Kenntnissen über männliche Unterleib-Ausstülpungen. Oder es wird geraten.
Sofort würden sich auch Verbindungen zu Christo ergeben……., der Verhüllungen wegen. Alles geht.

Metallische Angebote sind aber doch griffiger.
Die Weichteile des Bullen, nahe der New Yorker Wall Street wurden im Verlauf der Jahre wundervoll blank gestreichelt.

Während meiner Anwesenheit wetteiferte eine Gruppe junger Frauen (liegend) um den Jubel, an den Massivknödeln des Bullen besonders elegant gezüngelt zu haben.
Außerordentlich unterhaltsam.
Gelegentlich werden aber auch Hörner und Nüstern geliebkost, doch weniger als das viehische Skrotum.

Aber auch der Leipziger Zoo animiert, sich dieser Faszination auszusetzen. Allerdings müsste dazu ein Podest bestiegen werden.

Jason, dieser Argonauten-Heini, gierig nach einem Widderfell aus Kolchis, bändigt dafür zwei Stiere, aus deren Mäulern nicht nur Speichel tropft. Diese Szene wird im Tierpark zu Leipzig bildhauerisch wiedergegeben.

Zoobesuche entwickelten sich in prähistorischen Jahren zu Ganztags-Operationen, zumeißt mit Großmutter und Großvater, mit Frühstück und Mittagsmahl, nicht selten 8-10 Stunden. Jedes Tier wurde mit Handschlag begrüßt.
Bei Guppys, Piranhas und der Anakonda gab gab es dabei geringfügige Probleme.
Besonders beeindruckten mich dabei die Stierklöden und Jasons Kampf.
In unbeobachteten Situationen stellte ich mich dann vor den heimischen Spiegel und verglich meine Knitter-Erbsen mit der Wucht dieser voluminösen, fest geschmiedeten Stierglocken.
Als Ergebnis konnte sich nur eine kindliche Depression ergeben.
Doch bald wurde mein Spiegelblick viel entspannter.
Die Relationen wandelten sich.
Bis heute.

Bulle, Bronze, Nähe Wall Street, Bowling Green Park Street

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Jason bei der Stierbändigung, Tierpark Leipzig

Februar 9, 2012 Posted by | Leipzig | 2 Kommentare

Jürgen Henne und Antoni Tàpies

Gestern starb Antoni Tàpies. Als vor gefühlten Jahrhunderten, in Zeiten pubertärer Weltschmerz-Wehen, meine menschliche Umgebung bei Bildern Dalis, Magrittes, Tanguys vor Begeisterung die Fassung verlor, stahl ich mich klammheimlich zu Bänden mit der Kunst von Tàpies.

Seine Bilder waren frühe Katalysatoren, die mich, ohne die Chance auf Wiederkehr, in die Fänge der Kunst trieben.

In dem Blöd-Land DDR natürlich nicht gelitten, mussten wir das Anschauungsmaterial mit Arbeiten unserer begehrten Künstler über mehr oder weniger obskure Kanäle in unsere Kammern schleusen.
Und ich erinnere mich dankbar an seine Leipziger Ausstellung am Beginn der neunziger Jahre.

Meine Tàpies-Bände liegen schon auf dem Schreibtisch.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

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Februar 7, 2012 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar