Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Brüderle, 80 cm, Vulva-Massage, Handleckerei, des Politikers Schrittbereich, die Füllungen von Dirndl-Kleid und Lederhose, die Presseschau im Deutschlandfunk, erotische Nebenspielchen und Jürgens Hoseninhalt

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Am heutigen Morgen im Deutschlandfunk.

Um ein genaues Bild über die Abläufe zwischen Brüderle und einer Journalistin zu erhalten, müsse er z.B. die exakte Kontaktentfernung der beiden Teilnehmer wissen. Agierten beide in einem Abstand von 150cm, 100cm oder gar nur 80cm ?

Es war die Forderung irgendeines Psychologen bei einem Gespräch des Senders aus Köln zum „Sexismus-Skandal“ des FDP-Rainers.
Frau Hoyer (mir ist der Vorname entfallen), die Fragestellerin, schnaufte sofort „sicherlich näher“, um die ganze Sauerei dieses Vorgangs zu unterstreichen. Mit einer Gewissheit, dass mir schien, als hätte Sie vor einem Jahr zu Füßen der beiden gelegen und zur Kenntnis nehmen müssen, wie Rainerle seiner Partnerin die Vulva massierte.
Ich vermisste aber Hinweise auf die Konsistenz der Körperteile im Schrittbereich des FDP-Ulfs.

Scheinbar hat er auch noch die Hand der Sternreporterin mit erektierter Zunge abgeleckt, die alte Sau. Früher sprach man von Handkuss, heute wird diese Lutscherei an den Enden der oberen Extremitäten als geiles Vorspiel für darauf folgende Genitalentgleisungen bewertet.

Und selbst in der Presseschau des Deutschlandfunks rangiert dieser „Skandal“ an vorderster Position.
Mein Gott, lasst mich doch alle in Ruhe.
Dieses Niveau kann man nicht mehr ertragen. Da wird gelabert und gesülzt, über ein Problem, welches im Verhältnis der beiden Geschlechter nun wahrlich nicht zu einem sozialen Waffengang mutieren wird.
Brüderle „verging“ sich, mit dem Blick auf den sicher ansehnlichen Oberkörper der Reporterin, zu der genussvoll formulierten Feststellung, dass sie auch ein Dirndl-Kleid ausfüllen könnte.
Na und? Das ist also Sexismus in der brutalen Ausformung.

Es sind doch einfach nur die kleinen erotischen Nebenspielchen
zwischen den Geschlechtern.
Und ausnahmslos jede Frau meines Einzugsbereichs lächelt müde über diese Debatte und betont, dass derart „sexistische“ Sprüche von einem schönen Mann Ihre Lebenslust durchaus zu stärken vermag.

Im Spiegel-Forum konterte eine Frau messerscharf und fragte, wie ein Mann wohl reagieren würde, wenn sie, mit Blick auf sein verhülltes Gemächt, Ihre Gewissheit ausspräche, dass er auch eine Lederhose füllen könnte.
Ich wäre erfreut, würde ohne Einschränkungen zustimmen und einen anspruchsvollen Abend erwarten.

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ILEFloffsen2005198309092012

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Januar 26, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Juergen Henne, Wulfffens Gedröhne, Holger Honolula, Genitalhygiene der Schabrackentapire, Friedrich d.Gr., Knubbelknullis, Harrison Birtwistle, Conlan Nancarrow und Kartoffeln mit Gutsleberwurst

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Titelseite der größten Leipziger Tageszeitung, vergangene Woche.
Hinweis auf Wulffffens Privat-Gedröhne, mit Bild.

Im Inneren des Blattes gibt es dann noch eine ganzseitige Vertiefung dieser „Probleme.“

Da fällt mir nur der Spruch des bekannten südhawaiianischen Philosophen Holger Honolula ein:

„Reicht mir schnell den Übelkübel, sonst wird mir ohne Kübel übel!“

Mein Gott, was interessieren mich die Paarungs-u.Trennungsaktionen dieser Bleich-Nulpen.
Ein Bericht über die Genitalhygiene südostasiatischer Schabracken-Tapire würde mich dagegen zu einer galoppierenden Wissensgier animieren.
Es ist ja rechtens, dass sich jeder Mitbürger, gemäß des intellektuellen Anspruchs, seine tägliche Lektüre zur Wissensvermittlung wählen kann.
Und des Großen Friedrichs Hinweis: „Jeder soll nach seiner Facon selig werden“ ist zeitlos richtig.

Doch schwimmen mir allmählich die Felle für meine Facon davon.

Ich denke, dass man auch in Leipzig in jedem Verkaufsstall, vom Supermarkt bis zum Fachgeschäft für Knubbelknullis, Gazetten erwerben kann, in denen Bettinas klitoriale und finanzielle Bedürfnisse befriedigend aufbereitet werden.
Doch warum gerade in Leipzigs größter Tageszeitung, die zumindest hin und wieder versucht, einen gewissen Anspruch zu erhalten, besonders im Ressort Musik?
Bildende Kunst und Film kann man dagegen in den Bottich werfen.

In einer Zeit, in der unsere Lebenskugel zwischen Wladiwostok und Pretoria zumindest mit einer Grundausstattung überwältigender Probleme versorgt wird, muss auf der Titelseite der größten Tageszeitung Leipzigs nicht gerade Wulfffens Ödland zelebriert werden.

Unter Wulfffs Ödland auf der Titelseite von Leipzigs größter und einziger Tageszeitung erstarrt dann ein Beitrag über Leipzigs Fußball-Zukunft.Vielleicht auch nicht ein Jahrhundert-Thema.

Und das in Leipzigs größter und einziger Tageszeitung.Und auf der Titelseite.

Mein Tipp. Ab in die Tonne mit dieser Zeitung und Musik hören, z.B.:
Streichquartette von Harrison Birtwistle oder Klaviermusik Conlon Nancarrows. Auch Straussens „Elektra“ oder „Salome“ böten sich an.
Wieder einmal Gedichte von Verlaine, Trakl, G.Heym zu lesen, wäre zusätzlich eine gelungene Alternative.

Oder die wundervollen Kartoffeln verspeisen, mit guter Butter, edlem Quark und vorbildlich gewürzter Gutsleberwurst (s.Foto).
Alles ist ertragreicher als eine Beschäftigung mit diesen nervenden Schnarchnasen.

ILEFloffsen2005198309092012

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Januar 13, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Juergen Henne, ein Jahreswechsel am Schwielowsee, FDGB-Urlaub in Ferch, Henning Frenzel am Nebentisch, Kirche mit Blausäure, Stüler und Quantenheini in Caputh, der 90-Tage-Kaiser und Schill in Geltow, Schinkel in Petzow, Lilienthal in Derwitz, Fontanes Urteil, Lennés Garten,

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Ferch, Blick auf den Schwielowsee, 29.Dezember 2012

Als etwa zwölfjähriger Jüngling, also am Ausgang der Bronzezeit, verbrachte ich mit meinen Eltern im Rahmen des üblichen FDGB-Urlaubs
(Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) knapp zwei Wochen in Ferch am Schwielowsee, fünfzehn Kilometer südlich von Potsdam.
Infolge der schier überragenden Intelligenz der Gebrüder Henne konnten wir auch außerhalb der zeitlich genormten Schulferien unseren Urlaub antreten, ohne die Lavaströme menschlicher Leiber, die jede kleinste Wasserlache während der entsprechenden Sommermonate blockierten und austrockneten.
Emotionaler Höhepunkt war natürlich die zweiwöchige Anwesenheit Henning Frenzels an unserem Nachbartisch während der Mahlzeiten im FDGB-Heim.
In „Fachkreisen“ auch als Stolper-Henning bekannt, stolperte er sich durch ungezählte Fußballspiele bei Lok Leipzig und vertrat würdig unser sozialistisches Vaterland im Rahmen der Nationalmannschaft (zwischen 1960 und 1978).
Zum Jahreswechsel 2012/13 also wieder Ferch am Schwielowsee.
Eine unspektakuläre Scholle, zu der man aber durchaus ein freundliches Verhältnis aufbauen kann.

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Fischerkirche in Ferch, um 1630

Selbst Mitmenschen im Stadium historisch denkender Pantoffeltierchen werden diese Jahre mit dem Dreißigjährigen Krieg verbinden.
Fachwerkbau mit polygonalem Chorabschluss und westlich-quadratischem Dachturm.
Irgendwann in den achtziger Jahren wurde der Bau mit Blausäure eingenebelt, um die Holzvertilger bei ihren Mahlzeiten zu behindern.

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Ferch, Fischerkirsche

Innenraum. Ich liebe diese provinzielle Naivität.








Kirche in Geltow am Schwielowsee, 1885/87

Neugotischer Ziegelbau nach dem Vorbild der Tiroler Kirche in Teran.
Akzentsetzung durch farbige Glasurziegel.
Diese Tiroler Anlehnung forderte der damalige Kronprinz und spätere Friedrich III., der als „90-Tage-Kaiser“ in die deutsche Geschichte einging.

Ich bin nun nicht gerade Mitglied des Fanclubs „Historismus“. Doch gewöhne ich mich etwas an manche Eigenständigkeit und Originalität dieser Bauformen
Leipzig besitzt mit der Peterkirche doch ein recht ansehnliches Beispiel neugotischer Architektur.
Und meine erste Begegnung mit dem 19.Jahrhunderts außerhalb des deutschen und osteuropäischen Raums absolvierte ich architekturhistorisch 1990 vor und in Ferstels neugotischer Votivkirche (Wien).
Da sollte man keinesfalls Schamgefühle entwickeln, wenn der Eindruck und die Begeisterung sich beträchtlich entfaltet.

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Denkmal für Otto Lilienthal auf einer kleinen Höhe in Derwitz.
Von Wilfried Statt, 1991.

Auf einer Steinplatte schrieb Ferdinand Ferber, gleichfalls ein früher Flieger (Frankreich):

„Der Tag, an welchem Lilienthal im Jahre 1891 seine ersten 15 Meter in der Luft durchmessen hat, fasse ich auf als den Augenblick, seit welchem die Menschen fliegen können.“

Und Lilienthal wählte eben den Windmühlenberg in Derwitz für diesen Augenblick, an der Stelle des heutigen Denkmals

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Gedenkstein für Ferdinand von Schill.Baumgartenbrücke Geltow.

Text auf der Tafel:

„Am 28.04.1809 biwakierte hier Mayor F.v.Schill mit seinen 2.Brandenburgischem Husarenregiment.

Ich vermute, auf der Durchreise nach Stralsund, zu einer Party, an der auch Franzosen teilnahmen.
Die Aktion endete mit einem doppelten Rittberger vom Pferd und der Abtrennung des Schillchen Kopfes vom Restkörper

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Kanin, Dorfkirche

Spätgotischer Saalbau aus Feldstein.

Die Erhaltung dieser Kirche wird durch eine private Stiftung innerhalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gewährleistet, außerordentlich lobenswert.
Dazu bedarf es natürlich „auch in Zukunft der Unterstützung engagierter Förderer.“ So heißt es in einem Faltblatt.
Doch würde ich gern auch die Innenarchitektur zur Kenntnis nehmen, in deren Steinritzen ich vielleicht meine Geldscheine stecken soll.
Doch beeindruckt der Bau durch eine hermetische Abriegelung.
Ich bin ja hin und wieder bereit, bei geschlossenen Kirchenportalen die Pfarrämter zu terrorisieren.
Doch gibt es hier keinen Hinweis auf Ziele, an denen ich meine cholerischen Anfälle ausleben kann.
Und die Kirche einäschern, lag mir auch fern.
Keine Öffnungszeiten, keine Telefonnummern, keine Adressen, nichts.
Dabei wollte ich so gern die spätgotische Wandmalerei sehen.

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Petzow, Dorfkirche, 1841/42, nach Entwürfen Schinkels.

Schinkel nervt mich weitgehend, aber ein schöner blauer Himmel.

Apsis im Osten

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Petzow, Dorfkirche
Schinkel nervt mich immer noch, aber erneut ein schöner blauer Himmel, doch jetzt mit etwas Wölkchen.

Südliche Fassade

Immerhin schrieb Interims-Apotheker Fontane über die Aussicht vom Turm:

„Das ganze ein Landschaftsbild im großen Stil – nicht von relativer Schönheit, sondern absolut“

Und ich bezweifle nicht nur relativ, dass Fontane diesen Quark verfasst hat, vor allem in dieser Sprache.
Er schüttelte für einige Monate auch in einer Leipziger Apotheke (Hainstraße) seine obskuren Mixturen zusammen.

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Plakat an der Schinkelkirche in Petzow

Ich vermute einmal, dass mich das Geträllere dieser drei Tenöre doch relativ zügig zu nachlassender Konzentration geführt hätte.
Doch gönnte ich natürlich jedem Zeitgenossen diesen Abend.
Es werden sich aber Irritationen ergeben haben, denn der 30.Dezember ist keineswegs ein Freitag.
Ich bin ja bereit, Druckfehler oder irgendwelches Desinteresse in kleinen Mäßstäben zu verzeihen.
Doch diese Dimensionen erscheinen mir allmählich bemerkenswert.

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Petzow, Landschaftspark, um 1820, vermutlich von Lenné, Großmeister der preußischen Landschaftsarchitektur.

Waschhaus.

Natürlich auch von Schinkel.

Außerdem gibt es im Park die Schmiede, das Fischerhaus und das Schilftor, sogenannte Staffagearchitektur.
Der Park ist ein frühes Werk Lennés, doch schon mit Merkmalen seiner bemerkenswerten Fähigkeit, Architektur und Landschaft ästhetisch hochwertig zu verbinden.

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Petzow, ehemaliges Schloss (oder Herrenhaus) am Landschaftspark von Lenné.

Es wird gemunkelt, dass natürlich wieder Schinkel sich irgendwie für Entwurfspläne aufgedrängt hat.
Zweigeschossig, asymetrisch und elfachsig.
Die Seefassade (Bild rechts) wurde als optische Edelansicht mit Staffelgiebel und barocken Fenstervergitterungen im Erdgeschoss gewählt.

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Caputh, Dorfkirche

Neuromanik. Dreischiffige Pfeilerbasilika, irgendwie italienischen Zuschnitts mit Apsis (Polygonal) und Vorhalle (West).
Gebaut 1850-52 von Stüler, das ist der vom Neuen Museum in Berlin.
Basilikale Anlage, weißgrauer Putzquader. Lisenen, Obergaden und Turm aus gelben Gestein.
Durchaus recht ansehnlich.

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Impressionen und Irritationen auf einem Parkplatz in Caputh, wenige Stunden vor dem Jahreswechsel, unweit der Kirche

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Caputh, Einsteinhaus

Hier verbrachte der Quantenheini seine Sommermonate 1929/32, reiste am Ende des Jahres 1932 nach Princenton in New Jersey und blieb.
Also von Caputh nach Princeton, etwas übertrieben formuliert.

Das Holzhaus baute Konrad Wachsman, ohne Mätzchen, unauffällig mit angemessenem Gebrauchswert.

ILEFloffsen2051983992012

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
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Januar 5, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar