Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Henriette Grahnert, Meinhard Michael und die Leipziger Volkszeitung, Dumm-Brote, die Neue Leipziger Schule, die Wildecker Herzbuben und ein Interview

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Jürgen Henne bei der Erholung vor einem stummen Mitbewohner dieser Erde und auf der Suche nach alternativen Informationsmöglichkeiten im Angesicht des Leipziger Presse-Gerölls
Chichen Itza, Mexiko

Interview mit Henriette Grahnert (bis 1.März Ausstellung im Leipziger Bildermuseum und Villa-Massimo-Stipendium), Leipziger Volkszeitung, 23.Februar

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Fragen (Auswahl):
1. „Ist das Massimo-Stipendium die schönste Auszeichnung?“

2. „Zuweilen hört man, der Erfolg verändere die Künstler,
Sie auch?“

3. Sind sie eine Künstlerin, die im Atelier ihren Spaß macht
oder mit Malerei alltägliche Probleme abarbeitet?“

4. „Wird – wie viele Maler – Sie das südliche Licht verändern?“

5. „Aber ein Italienisch-Lehrbuch liegt bereit…?“

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Wenn man das Niveau dieser Fragen zur Kenntnis nimmt, wächst die Sehnsucht nach einer Kochsendung mit den Wildecker Herzbuben. Diese Erkundigungen pendeln zwischen unsäglicher Klischee-Bedrohung (2, 4), putziger Langeweile (5) und spekulativer Neugier mit dümmlichen Fragestellungen auf der Ebene der „Trommel“, Wurstblatt der Pionierorganisation in der ehemaligen DDR.

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Und dann diese Frage:

„In den Ersten Jahren ihrer Karriere machten Sie vor allem Kunstbetriebs-Scherze. Die Ausstellung im Bildermuseum wirkt nun allerdings emotional..“

Und die Antwort:

„Es hat sich in letzter Zeit dahin entwickelt, dass es zwei Ebenen gibt. Einerseits auf der formalen das Spiel oder die Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei, ihrer Materialität, ihren Klischees oder ihrer Geschichte. Auf der anderen Seite gibt es die emotionale Ebene, die hauptsächlich durch den Titel erzeugt wird. Das auf den ersten Blick Nüchterne, Formale, Abstrakte mit dem Emotional-Menschlichen zu verbinden, also Parallelen herzustellen zwischen Dingen, die an sich nicht viel miteinander zu tun haben, finde ich sehr reizvoll.“

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Abgesehen von theoretischen Defiziten des Fragenstellers (Entweder „Kunstbetriebs-Scherze oder „allerdings emotional..) und der sprachlichen Zumutung dieser Beiträge verblüfft die Einigkeit, eine Null-Frage mit einer Null-Antwort abzurunden. Es verblüfft, wie man Sachverhalte für die dürftigsten Ansprüche, (am Anfang macht Sie Scherze, jetzt macht Sie Emotionen), mit törricht hochgeschraubter Wichtigkeit und pseudodialektischem Unfug garniert. Ich werde grundsätzlich von Sorgen und Skepsis gepeinigt, wenn Künstler getrieben werden, in literarischer Form ihre Ergebnisse aufdringlich und weitschweifig begründen zu müssen. Doch diese Frage-Antwort-Sülze zwischen Henriette Grahnert und Meinhard Michael nähert sich mit ihrer labrigen Grundkonsistenz derartig unterirdischen Bereichen, die Oliver Lindenbrook und Alec McEwen nie erreicht hätten.

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Es ist symptomatisch für diese Zeitung und für diese Stadt, besonders im Bereich der bildenden Kunst, dass eben nicht über Kunst gestritten wird. Künstler und Schreiber bekunden mit lächerlich vorgetragener und abgezirkelter Demut, zweckintensiv und ergebnisorientiert, sich gegenseitig ihre Zuneigung. Das Kritikpotential wabert in traniger Unverbindlichkeit, Verfasser und Künstler versichern sich, den gegenseitigen Beschenkungskult bei entsprechender Disziplin artig zu pflegen.
Eine ältere Literaturkritikerin dieser Zeitung legt gelegentlich ohnehin einen größeren Wert auf die Beschreibung der sonoren Stimme und des Schwungs der Augenlider von Schriftstellern als auf literarische Inhalte.

Und die Horde der Kritiker, einerseits intelligent, anpassungsfähig und zukunftsorientiert, andererseits aber einfach Dumm-Brote werden die „Neue Leipziger Schule“ verleugnen, bei der sie einst journalistisch von einer Verzückung zur anderen gestrauchelt sind. Sie werden ohne Skrupel einer kunsthistorischen Neubewertung, welche eine dürftige Mittelmäßigkeit dieser Kunst festlegen wird, brüllend folgen und frohlocken, dass ihre Einschätzung jetzt endlich Gehör findet. Und sie werden sich anschließend den neuen Stars andienen, während ich meinen Kotzkübel suche.

Man könnte ja noch einige Elemente der Versöhnung einflechten, wenn die Ausstellung Henriette Grahnerts ansehnlich wäre. Ist sie aber nicht!

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Februar 24, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Presse | 1 Kommentar

Jürgen Henne, Norbert Tadeusz in Chemnitz und der Mut zur Gegenständlichkeit, informelle Kunst, ein Schüler von Beuys, Ingrid Mössinger und Leipziger Aspiknasen

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Als Norbert Tadeusz 1966 in der Düsseldorfer Galerie Gunar seine erste Einzelausstellung aufbaute, wahrscheinlich Interieurs mit Akt und Interieurs ohne Akt, doch auf alle Fälle von figürlichem, gegenstandsbezogenem Zuschnitt, dürfte er sich bewusst gewesen sein, dass seine Kunst nicht geeignet war, problemlos in die große Popularitätstonne zeitgenössischer Kunst aufgenommen zu werden.

Denn nach dem zweiten Weltkrieg, als in Osteuropa ein weitgehend öder Realismus mit ideologischer Strangulierung der Museumsbesucher dominierte, wurden im Westen ekstatisch die wundervollen Ergebnisse des abstrakten Expressionismus der nordamerikanischen Kunst aufgenommen. Dabei richteten die deutschen Maler ihre Leinwände nicht einmal vorrangig in Richtung der Ateliers von Pollock, de Kooning oder Motherwell, Hauptvertreter der amerikanischen „action painting“. Die Kunst der „Ecole de Paris“, bis Anfang der sechziger Jahre eine locker vereinte Künstlerformation, hat sich auffälliger in den informellen Arbeiten deutscher Maler ablesen lassen. Besonders vermittelt durch Baumeister und Nay.

Mit Dahmen, Götz, Hoehme, Schultze, Schumacher, Thieler u.a. hatte sich deutsche Künstler etabliert, welche der informellen Malerei bemerkenswert ansehnlich huldigten.

Doch Tadeusz focht das nicht an, er zelebrierte schon 1966 seine figürliche Kunst und ist bis heute nicht gewillt, an diesem Grundkonzept wesentliche Änderungen vorzunehmen.
Er wurde in Dortmund geboren, nähert sich der Siebzig, studierte bei Beuys und hat den Kunstsammlungen Chemnitz einige Bilder geschenkt, die bis zum 22. Februar ausgestellt werden.

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Norbert Tadeusz bevorzugt nicht selten Formate von wuchtigen Ausdehnungen, in die er, gleichfalls nicht selten, eine aggressive Farbigkeit setzt. Uneindeutig verborgene und verbogene Mechanismen, die sich nicht bis in die letzten Segmente erschließen lassen, eine Polyphonie möglicher Kommentare, Perspektiven, welche die Räume nur unscharf strukturieren, könnten zu Vermutungen führen, dass die große Harmonie an der nächsten Biegung noch nicht gefunden werden kann und eine Aufrüstung für mögliche Kollisionen in die Wege geleitet werden sollte.

Die einzelnen Stränge finden oft nicht zueinander, brechen sich in entgegengesetzte Richtungen, in manirierten Verrenkungen und verknoten sich dann doch wieder mit fleischlicher Sinnlichkeit im aktuellen Tagesablauf. Nie stabilisiert sich die Sicherheit, ob an der nächsten Farbkrümmung oder im Schatten benachbarter Körperdehnungen das Unheil poltern oder die Seligkeit leuchten wird.

Es ist sicherlich müßig, immer nach sogenannten Vorbildern zu forschen, um kunsthistorische Kompetenz zu beweisen. Denn auch in der Kunstgeschichte kann die augenfällige Aufnahme von Traditionslinien nicht ausbleiben. Und wenn Tadeusz auf seiner Linie die Kunst von Soutine, Hopper und Bacon locker verschnürt hat, ohne an ihr konturlos zu schlottern, bezeugt das ein vorzügliches Ahnenverständnis.
Und auch Neo Rauch wird sein tiefes Verständnis für die Bilder von Tadeusz nicht leugnen wollen.

Norbert Tadeusz, Gemälde 1978-2002
Kunstsammlungen Chemnitz, Theaterplatz 1
nur noch bis 22. Februar
Di-Fr 12-19 Uhr
Sa,So,Feiertag 11-19 Uhr

Neben Tadeusz gibt es noch eine reichliche Portion Schmidt-Rottluff und eine Ausstellung mit Künstlerplakaten der DDR.
Darüber einige Sätze in Bälde, eingeschlossen eine Huldigung der Stadt Chemnitz und deren Entwicklung von einem weitgehend uninterressanten Aufbewahrungsort für eine zum Brechmittel gehärteten Monumentalplastik zum beachtlichen Zentrum kultureller Aufregungen. Ich verbeuge mich grundsätzlich ungern, doch bei Ingrid Mössinger, Direktorin der Chemnitzer Kunstsammlungen, bleibt mir tatsächlich nicht anderes übrig. Ich traf sie vor einigen Jahren, als wir gemeinsam innerhalb einer Jury den Preisträger der Leipziger Jahresausstellung kürten, wurde nach anfänglichen Irritationen bald besänftigt und erfreue mich an der Kompetenz, an dem gnadenlosen Durchmarsch von Ingrid Mössinger, die Chemnitz zu einem kulturellen Zentrum zurechtbiegt.
Dann muss man natürlich gleich an die Leipziger Aspiknasen denken, welche die Infantilausstellung „Die Kunst ist weiblich“ als Höhepunkt des vergangenen Jahres feierten, zur Zeit uns mit dem Schrecken der Bilder von Henriette Grahnert quälen und bald die Überraschungsknaller Werner Tübke, Leipziger Kunst 1949-2009 und Neo Rauch anbieten, haben wir noch nie gesehen, da dröhnt die Originalität aus jeder architektonisch misslungenen Ecke des Museums.

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Stoppelfeld

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Roter Sessel

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San Cassiano

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Februar 20, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne auf Zypern und Aphrodite, die Vorhaut Jesu, der Sold für Charon, heiliger Hanf und Bäume, die sich verneigen, ein Maulbeerbaum, der gegeißelte Paulus und täglich 0,2 l Raki (Januar/Februar)

Zypern, die Insel ohne Wasser, mit der halben Ausdehnung Sachsens und neunzehn Staudämmen, das Land der aristokratischen Edelfellkatzen und des Linksverkehrs, Resultat der britischen Herrschaft von 1878-1960.

Die Insel der roten Autokennzeichen an touristisch genutzten Leihwagen zur besseren Bewältigung dieses Resultats.

Das Land mit einem Wintermond, welcher der Mondsichelmadonna eine sichere Fußablage gönnen würde und einer sommerlichen Zentralhitze um fünfundvierzig Grad.

Zypern, die Insel, auf der man täglich entspannt 0,2 l. Raki trinken kann, wo der Schlüssel für den verschlossenen Zimmerkühlschrank an der Hotelrezeption abgeholt werden kann und das benutzte Toilettenpapier nicht im Notdurftbecken entsorgt werden darf.

Zypern, die geteilte Insel, deren komplizierter Status selbst für Zyprioten schwer zu begreifen ist.

Die Insel, in den Fesseln der Assyrer, Ägypter und Perser, der Griechen und Römer, im Machtbereich von Byzanz, der Araber und der französischen Lusignans. Zypern unter dem Regiment Venedigs, der Osmanen und der Britten. Ab 1960 Republik Zypern, ab 1974 geteilt in einen griechischen und türkischen Teil.

Und natürlich Zypern als Insel mit beachtlicher Kunst-und Kulturgeschichte.

Und mit wundervoll zubereiteten Kartoffeln.

Und mit Blumen im Winter.

Und mit Aphrodite.

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Aphrodite-Felsen zwischen Pafos und Limassol. Die Urgötter Gaia und Uranus zeugten neben den Titanen auch ein Terzett von Kyklopen und Hekatoncheiren, Superhässlinge der griechischen Mthologie, nach heutigem Verständnis nicht gerade Sympatieträger.
Nicht nur wegen des grottigen Allgemeinzustands, Uranus fürchtete einen Göttersturz, vergrub er Kyklopen und Hekatoncheiren in den Tartaros (Unterwelt). Gaia missbilligte diese Abläufe und beauftragte Sohn Kronos, entsprechende Schritte zu Entmannung seines Vaters einzuleiten.
Als Uranus sich Gaia lästig näherte, säbelte Kronos das göttliche Gemächt ab und warf es in das Meer.
Die ehemalige Schrittdekoration von Uranus rumpelte dann im Meer herum bis am Strand Zyperns die stilvolle Aphrodite aus der wässrigen Gebärmutter entstieg.

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Pafos, Agia Kyriaki Chrysopolitissa – Die Kirche neben der heiligen Paulussäule.
Spätbyzantinische Kreuzkuppelkirche. Die ältesten Mauerreste stammen aus dem frühchristlichen 4. Jahrhundert, Länge 50m, Breite 40m, sieben Schiffe und Doppelapsis, für zypriotische Verhältnisse ein Riesenfelsen.

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Säule, an der Apostel Paulus gegeißelt wurde, ohne stichhaltige Überlieferung. Paulus und Barnabas kamen 45 n.Chr. nach Pafos, sie bekehrten den römischen Konsul Sergius Paulus zum Christentum.

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Nekropole -Königsgräber im antiken Nea Pafos, 3.Jahrhundert v. Chr., als Zypern von den Ptolemäern beherrscht wurde. Keine Königsgräber im wörtlichen Sinn, sondern Grabanlagen der zypriotischen Oberschicht. Später Fluchthöhle für verfolgte Christen, im Mittelalter auch Wohnungen und Gefängniss.
Drei Grabbeigaben erhielten die Verblichenen:
1. Eine Münze zwischen die Zähne als Sold für Charon, der
Fährmann über den Styx
2. Ein Boot
3 Drei Flaschen: Öl, Wein, Wasser. (Ich würde Öl verschmähen und
ein Fass Pilsner Urquell anfordern.)

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Kykko-Kloster
Das mächtigste Kloster Zyperns, Lieblingskloster von Makarios und veredelt durch eine Marienikone, gemalt vom heiligen Lukas…. erzählt man sich. Und ein Kloster mit Autopark, Einbauküchen in den Mönchszellen und Putzfrauen.
Das Bild, nur wenige Jahre alt, historisierend und gewöhnungsbedürftig, zeigt die Prozession der Lukas-Ikone zum Kloster, auf deren Weg sich die Bäume verneigen (oben links)

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Der ansehnliche Jürgen zwischen ähnlich schöner Bildhauerei in Salamis, die schon Homer in die Kategorie „Stadt der schönsten Bauwerke“ eingeordnet hat. Bitte keine Verwechslung mit Salamis bei Athen, bei der sich ein halbes Jahrtausend v.Chr. Perser und Griechen in einer legendären Schlacht die Rüben demolierten und Xerxes sich zum Schlachtendödel machte.

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Stein und Pflanze – Famagusta, türkischer Teil Zyperns

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Famagusta – Nikolauskathedrale – heute Lala-Mustafa-Pasa-Moschee.
Beginn des 14.Jhr., Krönungskirche der Könige von Zypern, der Kathedrale von Reims angeglichen …nur bei der Fixierung mit einer extrem grobglasigen Sonnenbrille. Fünfschiffig, dreijochig

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Larnaka, Lazaruskirche, 10.Jhr., Turm und Loggia aus dem 19.Jhr., Grabkammer mit Kopf des Lazarus, der Rest im burgundischen Autun.

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Larnaka, Lazaruskirche, Wölbung, Detail

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Nikosia – Erzbischöflicher Palast mit Makarios-Denkmal

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Eingang zu einem Winzer-Domizil in Omodos, mit folkloristischem Weinmuseum. In der benachbartem Schtarow-Kirche wird als Reliquie eine Faser heiligen Hanfes verehrt, von den Fesseln Jesu bei seiner Bewältigung der Passion.
Die Reliquienverehrung treibt mitunter liebenswert groteske Blüten. Wenn alle Teile der Vorhaut Jesu zusammengefügt würden, die angeblich in Kirchen lagern, könnte Christo locker damit das Leipziger Völkerschlachtdenkmal einpacken. Ein Stück für den Turm des Alten Ratshauses sollte auch noch übrig bleiben. Mit allen splittrigen Reliquien des heiligen Kreuzes wäre sicherlich ein stabil holziger Eiffelturn möglich.

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Pafos, Haus des Dionysos. Die Lichtverhältnisse waren unterirdisch

Links: Thisbe, Rechts: Pyramus, Mittig: bluttriefende Großkatze

Thisbe und Pyramus aus Babylon trotzten ihren Eltern und wollten sich außerhalb der Stadttore treffen, unter einem Maulbeerbaum. Thisbe wartete schon, als eine jagdgesättigte, bluttriefende Großkatze heranlungerte.
Thisbe schützte sich in einer nahen Höhle, verlor aber den Schleier, den das Tier dann scheinbar zur Zahnreinigung benötigte.
Pyramos erscheint, sieht den blutigen Schleier, wähnt Thisbe als Grund für zukünftige Blähungen der Großkatze und stürzt sich in sein Schwert. Thisbe verlässt die Höhle, sieht den entseelten Pyramus und gönnt sich und dem Schwert einen erneut tödlichen Hieb. Das spritzende Blut von Pyramus beschenkte den Maulbeerbaum mit seiner roten Farbe.

Winterliche Flora auf Zypern

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Strauch. Nicht nach der Stadt Schweinfurt (ohne h). Ich denke eher an den deutschen Afrikaforscher Georg Schweinfurth.

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Blumen an der östlichsten Spitze Zyperns, einen Dreisprung vor Syrien.

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Blumen ..s.o.

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Blumen ..s.o.

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Blumen ..s.o.

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Februar 13, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, der Rundgang an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, züngelnde Eistüten, Gras im Einkaufswagen, Steven Spielberg, Däubler und Mendelssohn Bartholdy

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Raum der schriftkünstlerischen Sonderleistungen

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Bilderwand – Klasse Annette Schröter

Nach neunzig Minuten verließ ich die Leipziger Grafikhochschule, durchaus beschwingt. Nur neunzig Minuten in diesem Moloch der Ölfarbengerüche,der lärmenden Kinder und triefenden Hunde, der Bemmchen zu dreißig Cent an jeder Ecke, abwechselnd mit Mohnkuchen, etwas teurer, der geleerten Bierflachen und der noch ungeöffneten und vor allem der durchaus bemerkenswerten Kunst. Das war zu wenig. Doch musste ich mit wichtiger Mimik zur nahen Thomaskirche hasten, um Mendelssohns Paulus-Oratorium auf harten Seitenschiff-Stühlen zu erleben.

Als Musikeuphoriker habe ich aber durchaus auffällige Sorgen mit dieser straff durchgezogenen Glaubensmusik, mit Passionen, Kantaten, Oratorien, Messen der vergangenen Jahrhunderte, eingeschlossen die eifernd unterwürfigen Texte, eingeschlossen Bach, ausgenommen zahlreiche Werke des 20.Jahrhunderts. Auch die gängige Orgelmusik schmeichelt sich bei mir nur bis an die Eingangszonen meiner Ohren. Dann ist Pumpe. Meine einzige Orgelplatte erhielt ich als Geschenk zu Zeiten der Kreuzzüge. Natürlich die Gassenhauer-Toccatta u.Fuge in d-moll von Johann Sebastian. Doch Mendelssohn hat mich mit seinem Oratorium in der Leipziger Thomaskirche von diesen Martersitzen mit gefühlter Zementhärte gerissen.

Ich bin nicht ganz mendelssohnsicher. Natürlich dudeln periodisch seine schottischen und italienischen Musikinspirationen von meinem CD-Teller, gleichfalls das Violinkonzert. Als Schallplatte besitze ich dann noch einige seiner Overtüren („Hebriden“ usw.) und ein paar Jugend-Sinfoniettas. Aber noch nie gehört.

Doch diese Mischung aus traditionellen Linien und zukünftiger Musikkultur, die Ariosi des Soprans erinnerten mich durchaus an die unvergleichlichen vier letzten Lieder von Richard Strauss, überwältigte mich. Musiktheoretiker werden jetzt Schreikrämpfe bekommen. Ist mir aber bewundernswert gleichgültig, ich habe eben an Strauss gedacht. Mein morgiger CD-Kauf hat schon klare Konturen angenommen.

Zurück zum Rundgang an der Leipziger Graphikhochschule, den ich eben in neunzig Minuten bewältigen musste und eben durchaus beschwingt verließ.

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Bilderwand – Klasse Annette Schröter – ein auffällig gelungenes Blatt.

Sicherlich ist diese Hochschule nicht fähig, neue Dimensionen, markerschütternde Visionen anzubieten. Die Feierlichkeiten für die biedere „Neue Leipziger Schule“ laufen auf anderen Ebenen ab, nicht im Zusammenhang von intellektuellem Feinsinn und handwerklicher Qualität. Man sucht vergeblich nach Arbeiten, die zu einem Salto der Verzückung animieren könnten, zu wundervoller Ratlosigkeit, Verunsicherung und Verwirrung. Doch hat sich inzwischen in der Breite ein solides bis gutes Niveau etabliert, welches meinen beschwingten Grund-Rhythmus aktivierte.

Teils herausragende Fotokunst, nätürlich in bewährt anerkanntem Raster angesiedelt, Zeichnungen und wenig Graphik von qualitativ hohem Zuschnitt, Installationen mit intellektuellem Tiefschurf ohne labernde Hybris und eine Malerei, welche die rote Laterne fest in ihre Pinsel eingedrückt hat. Sie pendelt zwischen figürlich-akribischer Langeweile, expressiven Plagiaten, gegenstandsloser Unansehnlichkeit und handwerklich einfach nur grottig gemalten Bildern.

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Baumwolle – Titel: „Ich muss mal 5 Minute in mich gehen“. Soll sie doch. Wenn danach immer derartige Kunst folgt.

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Malerisch mittelmäßig, doch einigermaßen originell. Zwei Eistüten bei dem Versuch des Aufbaus einer erotischen Grundstimmung.

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Zerrissene Fotos und Stuhl mit beschränktem Gebrauchswert. Schon Tausend mal gesehen, doch mit einer eigenständigen Ästhetik.

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Gewöhnungsbedürftige Sichtebene. Der Einkaufswagen mit Erde und Gras gehört in die Kategorie „Frontalsymbolik“.

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Schon zehntausend mal gesehen, aber mit farblichem und papierstrukturellem Eigensinn im Raum verteilt.

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Raum – Klasse Astrid Klein – Schwergewichtige Geistesleistungen bei den Kollisionen mit der Büchse der Pandora, mit Spielberg, Däubler und Rosso Fiorentino

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Raumdetail – Klasse Astrid Klein

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Bilder von edler Machart

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Verbeugung vor der Kunst Annette Schröters aus früheren Jahren.

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Er hat seine Nase zu tief in den legendärsten Kunst-Rauch Leipzigs gehalten.

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Grauenhaft

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Grauenhaft

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Diese Zusammenschiebung mehr oder weniger zerschlissener Möbel nervt mich zunehmend.

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Februar 9, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Musik | 1 Kommentar

Jürgen Henne zurück aus Zypern und bald beim Rundgang in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst

Über meinen Aufenthalt auf Zypern in Bälde wichtige Gedanken. 

Am heutigen Abend ab achtzehn Uhr beschreiten wieder  sensibel beobachtende Kunst-Eiferer  mit perlenden Augen oder Würgreiz,  individuell angemessen empfundene Reaktionen auf die Qualität der ausgestellten Arbeiten, die Gänge der Leipziger Grafikhochschule. Man wird durch diffizile Gespräche ebenso zurückhaltend angeregt wie durch die  Sülzerei-Portionen ewig dröhnender und polternder  Interimsfachleute belästigt werden. Also alles wie immer.

Nur die Aktion 500 x X wurde verändert. Vor einem Jahr heftete man die Arbeiten von Studenten und Lehrkräften unsigniert an die Wände. Der mögliche Käufer wählte nach seinem Qualitätsverständnis ihm genehme Arbeiten aus, bezahlte und durfte dann das Blatt in der Küche unter seinen Diät-Kalender anpinnen. Den Namen des Malers, Grafikers, Zeichners, Fotografen erfuhr er später, er war für den Käufer zunächst nicht von erstrangiger Bedeutung. Oder man suchte gezielt nach Werken von Rauch, Weischer, Rautert…, die Machart des jeweiligen Künstlers vor den geschulten Augen. Bilder, die den Käufer vielleicht anödeten, doch sein Bedürfnis nach materiellen Werten befriedigten. In jedem Fall eine Möglichkeit des Kunsterwerbs, von mehr oder minder kultivierter Denkungsart.

Im Zentrum der diesjährigen Aktion steht aber scheinbar ein großer Loskübel. Der Käufer entrichtet 30 Euro und erhält am Abend das dem Los zugeordnete Kunstwerk. Also keine Zelebrierung des eigenen Qualitätsurteils, keine Möglichkeit, seine Kenntnis über die stilistischen Eigenheiten der Künstler öffentlich darzustellen. Zelebrierung des Zufalls. Etwas gewöhnungsbedürftig, diese Abläufe. Oder ich durchschaue diesen Verteilungsmechanismus, trotz meiner vorzüglichen Begabungsstruktur, nur fragmentarisch.

Ich stelle mir vor, mein möglicher Enkel wünscht sich an der Losbude des örtlichen Jahrmarkts das angebotene Plüschgürteltier und bekommt  ein Glas mit überlagerten Birnenkompott. Ich würde es akzeptieren, wenn er mir damit die Kniescheibe zertrümmert. Oder ich kämpfe an einer ähnlichen Losbude für meine Freundin um ein folkloristisch gehäkeltes Herz mit der Inschrift “ Auf ewig Dein“ und gewinne  ein Paar Männerhausschuhe.

Aber die Kunst der vier Studiengänge werde ich mir trotzdem ansehen. Auch ohne Los in der Tasche.

Heute bis 24 Uhr, Freitag bis Sonntag 11-22 Uhr

Über meinen Aufenthalt auf Zypern in Bälde wichtige Gedanken.

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Februar 5, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar