Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Cache, Daniel Auteuil und Annie Girardot

Am heutigen Abend, 0.00 Uhr, ARD:

„Cache“ von Michael Haneke mit Daniel Auteuil, ein Gigant unter den Schauspielern seiner Generation, mit der unvergleichlichen Annie Girardot in einer kleinen Rolle und der bemerkenswerten Juliette Binoche.
Einer der erstaunlichsten Filme des neuen Jahrtausends!

Dazu auch mein Beitrag vom 19. September 2008 in diesem Blog oder bei………..http://www.filmstarts.de

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März 29, 2009 Posted by | Film | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, das Lindenau-Museum in Altenburg, eine „Entdeckte Moderne“, zwei expressionistische Generationen, Walter Jacob und die Gefahr der Makulaturtonne

Als nach dem 2.Weltkrieg im Westen Deutschlands die ungegenständliche Kunst ihre Kreise zog, der abstrakte Expressionismus Amerikas oder die lyrische Sensibilität der Ecole de Paris in den Ateliers aufgenommen wurde, im Osten des Landes sich dümmlich-heiterer Frohsinn mit penetrant-parteilicher Kulturbelästigung paarte und man akribisch damit die Leinwände verunreinigte, wurde erneut eine ganze Generation von Künstlern missachtet, in die Kunstgeschichte inzwischen als „Zweite Generation des Expressionismus“ eingeordnet. Wobei man „Generation“ nicht mit einer exakten Zahl belegen (geb. um 1890/1910) und den Bedeutungsrahmen des Begriffs „Expressionismus“ recht großzügig zimmern sollte.
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Hella Jacobs 1905/1974 – Frau mit Zigarette, 1930/33

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Carl Rabus 1898/1983 – Zwei Freunde
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Anders als die Mitglieder der „Brücke“ (1905) oder des „Blauen Reiters“ (1911), die in Gruppierungen, in Städten mit bedeutenden Kulturtraditionen, Dresden, München, ihre Programme, Kunst und Andersartigkeiten zelebrierten, war diese „Nachhut“ weitgehend über das Land verstreut und agierten die einzelnen Künstler als Einzelkämpfer.

Im thüringischen Altenburg (Lindenau-Museum) gibt es bis zum 10. Mai eine Übersicht mit der Kunst dieser Generation aus der Sammlung Gerhard Schneider.

Anders auch als z.B. Schmidt-Rottluff, Pechstein, Heckel von der „Brücke“, die sich spätestens zwischen den Kriegen etablierten und sich Galeristen, Gönner, Ausstellungen und Käufer organisierten und ihr Bedeutungsstatus in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts sich noch erweiterte, wurde diese zweite Generation mit dem Stempel einer Nachwuchskolonne stigmatisiert, die man durchaus vergessen sollte. Nicht immer zu Unrecht, doch mit zahlreichen Einschränkungen und Abstufungen.
In einem kleinen Artikel der „Zeit“ vor einigen Jahren (?) wurde diese Kunst gewürdigt. Ich notierte mir einige Kernpunkte (ohne Datum). In dem Beitrag bescheinigte man ihr ein beachtliches Niveau der malerischen, grafischen und zeichnerischen Meisterschaft, suchte aber vergeblich die revolutionäre Gewalt der Vorgänger, fand nicht die Leidenschaft der expressionistischen Avantgarde, keine Schreie, nur das Echo des großen Knalls der Erstgeborenen. Ich habe damit etwas Sorgen.
Denn anders als z.B. expressionistische Lyrik und Prosa, auch anders als der Film, hat die Bildende Kunst der expressionistischen Urgötter eigentlich nie geschrien. Einen Tumult der Erneuerungen löste sie natürlich im formalen Bereich aus. Eine neue Sicht auf Perspektiven im Bild, die radikale Reduzierung der Formen, die Neubewertung und der wegweisende Einsatz der Farben. Diese Künstler wanden sich anderen Kulturen zu, ließen sich später von Varietees, von der großstädtischen Straßenpanik inspirieren, feierten das Selbsporträt und eine massive Zuwendung zum Körper.
Auch anders als die französischen Fauves, deren Neuansätze nicht selten in dekorativer Pracht verdorren, nutzt der deutsche Expressionismus diese formalen Mittel, um in Psychen, in privaten und gemeinschaftlichen Mechanismen zu schürfen.
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Wilhelm Morgner 1891/1917 – Selbstbildnis, 1909

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Oskar Zügel, 1892/1968 – Ikarus
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Und doch blieb eine ausgeprägte Fülle von Idylle zurück, ein Rückzug in die Landschaft, zu Harmonie, wobei natürlich eine grandiose Kunst abgeliefert wurde. Aber eine Aggressivität futuristischer Manifeste oder den ätzenden Zynismus, wie ihn nicht selten Vertreter der Neuen Sachlichkeit auskotzten (Dix, Grosz), wurden auf expressionistischen Paletten nur selten vorgemischt.
Man feierte die kleine Revolution in den häuslichen Interieurs, wagte einen kleinen Schrei in den Berliner Straßenschluchten bei weitgehender Tarnung und ritualisierte die Anstellung als Hornbläser beim Aufbruch in die lärmbereinigte Ländlichkeit. Sicherlich gibt die Graphik noch die auffälligsten Hinweise auf vereinzelte Künstler-Pein. Und Kirchner beansprucht ohnehin eine Sonderstellung.
Die heftigsten Appelle und Notsignale dieses Jahrgangs, die emotionalsten Klagen wurden ohnehin von der Peripherie ausgesendet, von Einzelakteuren ohne wesentliche Bindung an Etappen der Kunstgeschichte.
Von Beckmann und Ludwig Meidner, von Soutine und George Rouault, schon bei der Vorstellung von dessen gemalten Clowns und Dirnen fegt eine markante Gänsehaut über meinen Körper.
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Carl Rabus 1898/1983 – Großes Abendmahl – Holzschnitt

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Walter Jacob 1893/1964 – Selbstbildnis – Holzschnitt
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Die Begründung des Defizits an Beachtung für diese Künstler, die Ignoranz durch die Öffentlichkeit im Grunde bis zum heutigen Tag kann nicht in den inhaltlichen Absichten gesucht werden, bei den existenziellen Zweifeln und Warnrufen, in den Beschreibungen des privaten Leids, das sie oft gellender formulierten als die exppressionistische Avantgarde. Sie wählten das Exil, starben im KZ, zwei Drittel ihres Werkes wurde zerstört.
Es mangelte also nicht an Lautstärke und Leidenschaft, wie es eben die „Zeit“ glaubte, vertiefen zu müssen.
Der größte Makel bestand, neben den ungünstigen Zeitläufen der europäischen Geschichte, in den zum Teil bescheidenen Fähigkeiten, gedankliche Systeme intellektuell und handwerklich zu bewältigen.
Nicht selten schleppte ich mich, etwas desinteressiert durch das gestalterische Unvermögen, an den Bildern entlang, hemmten Plakativität und der Einsatz von Frontalsymbolik mein Bedürfnis nach geistigen Meisterleistungen. Allzu forsch und etwas penetrant werden Emotionen angeheizt und Zusammenhänge mit banaler Eindeutigkeit zum Verbrauch angeboten.
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Hans Feibusch 1898/1998 – Elias Himmelfahrt

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Helmut Kolle 1899/1931 – Junger Mann mit weißem Hemd
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Und dennoch bleibt es ein Gewinn, sich diese Ausstellung zu gönnen, wegen der zahlreichen Arbeiten, die sich zumindest auf der Ebene gehobener Ansprüche bewegen und von dem Bedürfnis geleitet, dieses Kapitel deutscher Kunst-u.Rezeptionsgeschichte nicht in der Makulaturtonne verrotten zu lassen.
Und ein Künstler wie Walter Jacob, dem sich das Altenburger Lindenau-Museum schon 1993 mit einer Ausstellung zuwande, hat den Abstand zwischen „erster“ und „zweiter“ Garnitur doch etwas verringert. Man nehme dazu die Bilder „Herr und Knecht“ und „Prometheus“ zur Kenntnis (Im Katalog zur Jacob-Ausstellung).
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Robert Liebknecht 1903/1994 – Berliner Straßenszene, 1931
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Entdeckte Moderne. Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider
Altenburg, Lindenau Museum, Gabelentzstr. 5
bis 10. Mai 2009
Die – Fr 12 – 18 Uhr
Samst – Sonnt 10 – 18 Uhr
Danach in Bayreuth, Berlin, Solingen

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März 26, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Keith Haring, Warhol, Burroughs, Beuys, der Verlag Taschen und das Leiden am täglichen Dilettantismus

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Jürgen Henne leidet erbarmungswürdig an der täglichen Schluderei…..

….z.B. des Verlags Taschen und dessen Band über Keith Haring, 2009
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Seite 85:

„Zusammen mit dem Schriftsteller William S. Burroughs, den er (Keith Haring) 1987 kennen lernte und dessen Arbeiten Haring seit seiner Studienzeit schätzte…. “

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Seite 85, neben der obigen Information ein Bild mit der Unterschrift:

„Keith Haring, William S. Burroughs und Andy Warhol,
1985“
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Seite 93, innerhalb der biografischen Übersicht:

„1983 Haring reist erstmals nach Italien und stellt in der Galleria Lucio Amelio in Neapel aus. Er lernt den Schriftsteller William S. Burroughs kennen….“

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Vielleicht könnte man sich entschließen, als Zeitpunkt der ersten Begegnung zwichen Haring und Burroughs zusätzlich Ostern 1390 zu erwägen, vielleicht gemeinsam mit Störtebeker zu einem Terzett erweitert. Ich habe dem Verlag mit ungetrübter Höflichkeit geschrieben, der aber bis zur Stunde mit erbarmungsloser Ignoranz reagiert. Also auch in den künftigen Auflagen verröchelt diese Zusammenkunft irgendwo und irgendwann in den Grotten der Inkompetenz.

Aber auch die Welt der Tageszeitungen muss erst einmal unbeschadet bewältigt werden, doch nicht nur der Wurstblatt-Moloch fordert dabei titanische Kräfte, auch bei den „seriösen“ Blättern muss man sich tapfer an Dilettantismus, Schlamperei und Unvermögen vorbeiätzen.

Eigentlich bräuchte z.B. die Leipziger Volkszeitung täglich eine eigenständige Korrekturseite, um die journalistischen Unsauberkeiten, „Missgeschicke“ und schwer erträglichen Frontalmängel des Vortages zu berichtigen.

— Der alberne Spruch „Jeder Mensch ist ein Künstler“ von Beuys wird
in diesem Blatt geradlinig und siegesgewiss Andy Warhol zugeordnet.

–Das Original von „Summer in the City“ wird aus dem Oevre-Beutel der Lovin`Spoonful geplündert und als Urfassung Joe Cockers auf dessen Stimmbänder geklebt.

–Und Paula Modersohn-Becker überlebte ihren Mann Otto Modersohn um über fünfundzwanzig Jahre. Das ist nicht ganz richtig, denn Otto Modersohn überlebte seine Frau Paula Modersohn-Becker – um über fünfunddreißig Jahre…..und so weiter und so täglich.

Dabei nimmt man natürlich diese journalistische Nötigung nur in Rubriken zur Kenntnis, bei denen selbstbewusst vorgetragene Grundkenntnisse vorhanden sind. In den Sparten Sport oder Wirtschaft habe ich einen ähnlichen Überblick wie ein Leguan bei der Herstellung von kalorienreduzierten Schokoladenpudding. Doch ist meine Hoffnung recht dürftig ausgeprägt, bei DAX und Biathlon journalistisch besser bedient zu werden.

Dabei will man ja nicht den legendären Kümmel aus dem Käse stochern, doch etwas Verdrossenheit entwickelt sich schon.

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März 16, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Presse | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, der Couragierte, der sich immer mit vollem Namen nennt, sich stets in voller Größe zeigt(s.u.), die schambeladene Kommentar-Forcierung in seinem Blog, Westropolis und Gisela Hoyer mit Ingo Schulze auf der Leipziger Buchmesse

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Jürgen Henne, der sich immer mit vollem Namen nennt…. (s.o.)

Ich bedanke mich manierlich für die befriedigende Kenntnisnahme meines Blogs, für die kontinuierliche Forcierung der Kommentarbereitschaft, die aber mit hohem Feigheitspotential und ergiebiger Schambereitschaft nur meinen privaten Mail-Kübel füllt. Ich danke für Vergöttlichungen, für Ovationen, für wundervolle Beleidigungen und Dämonisierungen. Doch werde ich auf keinen einzigen Beitrag reagieren.

Denn ich erwarte Vergöttlichungen, Ovationen, Beleidigungen und Dämonisierungen als öffentliche Kommentare innerhalb meines Blogs. Vergöttlichungen und Ovationen werden bei mir nicht goldig umrandet, Beleidigungen und Dämonisierungen nicht gelöscht.

Denn mein Blog ist anders strukturiert als z.B. dieses unsägliche „Westropolis“-Forum, dessen Betreiber sanfte Kritiken auf Befehl des Kritisierten hechelnd beseitigen und die Forumsteilnehmer diesen Abläufen ähnlich hechelnd und beleidigend bieder applaudieren.

Ein Teilnehmer dieses Forums bekundete mir privat seinen flammenden Respekt zu meiner Offenheit, beschämte mich mit seiner Ode an meine Courage und betonte meinen Mut, mich mit vollem Namen als Gesprächspartner anzubieten.
Ich erschrak. Ich hatte also Mut, mich beim vollen Namen zu nennen. Sollte ich mit JüHe, HeJü, HüJe oder JeHe signieren oder jürHegennne oder HenJürgneen? Es wirkt also grandios, wie ich meinen vollen Namen angebe. Es ist nicht zu glauben. Ich habe ihm nicht geantwortet.

Auch deshalb mutieren Foren wie „Westropolis“ zu Hülsen von geliert-wabernder Grundkonsistenz, werden sich gegenseitig die Taschen des Viertelwissens zugespeichelt, entwickelt sich ein schlüpfriger Schlagabtausch von Gunstbezeugungen, mit der Erwartung, dafür ähnlich belohnt zu werden.

Auch deshalb werde ich auf keine einzige Mail reagieren.

Warum sollten aber auch in überschaubaren Gesprächsdimensionen die Grenzen überschritten werden, die in größeren Arenen markiert werden. Man denke nur an die grotesken Abläufe um die Bücher Ingo Schulzes. Denn Literatur und Schulze schließen sich aus.
Ich kann diese Bücher nicht lesen, mir droht Netzhautasthma. Deshalb beschritt ich mit ausgeprägter Toleranzbereitschaft meine masochistischen Nebenwege und verfolgte auf einem mitteldeutschen Kultursender einige Stunden Lesung aus Schulzes „Adam und Evelyn“.
Schon dieser unsägliche Buchtitel kostet titanische Kräfte der Überwindung. Aneinanderreihungen banaler Dialoge, lächerlich vorgetragenes Zeitkolorit, die Aufdrängung einer ungenießbaren Melange aus Politik und labernder Geschichtsschreibung machen das Buch zu einer sprachästhetischen und intellektuellen Zumutung. Dagegen bewegt sich ja Clemens Meyer im literarischen Gigantismus.

Das ist keine Frage des privaten Geschmacks, unterschiedlicher Sichtweisen und Erfahrungen, wie dann sülzend beschwichtigt wird. Dieses Buch ist unterirdisch. Ich habe aber vergeblich, zumindest in den Grenzen Mitteldeutschlands, warnende, qualitätssüchtige Stimmen gesucht. Sie gibt es, erreichen aber keine Öffentlichkeit und werden stranguliert.

Zunächst hüstelte man mit journalistischer Wichtigkeit, doch noch in zuverlässiger Tarnung, von dem ultimativen „Wenderoman“. Wenn dann genug gehüstelt wurde und die Gefahr des Fehlhüstelns beseitigt war, steigerte sich die stattliche Herde von Nachhüstlern zu einem orgiastischen Brechhusten, der jede Skepsis in Grund und Boden sumpfte.
„Adam und Evelyn“ ist aber kein Vorwenderoman, Wenderoman oder Nachwenderoman, kein vorderer Vorwenderoman oder mittlerer Mittelwenderoman, „Adam und Evelyn“ ist eine auf dreihundert Seiten aufgeblähte Zumutung.

Und wenn dann Nachhüstlerin Gisela Hoyer, Journalistin der „Leipziger Volkszeitung“ auf der Leipziger Buchmesse mit ihrer gefürchteten Inkompetenz vor Ingo Schulze und vor einem schon wochenlang manipulierten Publikum sich demütig verbiegt, seinen „Lockenkopf“ anflötet, seinen Charme lobt, aber unfähig, literarische Qualität zu beurteilen, könnte an die Seite der Finanzkrise auch eine gefühlte Kulturkrise treten.

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März 4, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Presse, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar