Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, neue Restaurierungstendenzen in Borja, ein Scheuereimer in Köln, das Streichquartett der Woche und Peteris Vasks

Mein Lieblingsthema des vergangenen Wochendes.
(links)

Neue Restaurierungstendenzen auf volksnaher Grundlage.

Borja b. Saragossa.
Bei einer unserer ersten Großfahrten „in den Westen“, am Beginn der neunziger Jahre, durchquerten wir schon diese Kirche.
Reiner Zufall, sicherlich bei einer Pause zur Lockerung unserer Extremitäten.
Die Architektur blieb mir nicht in Erinnerung, das Fresko schon gar nicht.
Deshalb hoffe ich, dieser neue Anstrich bleibt, denn die andere Version war gleichfalls hässlich, zumindest mein Bildeindruck.

In diesem Zusammenhang las ich von rabiaten Angriffen auf einen Osterleuchter in irgendeiner Kirche. Der männliche Mitbürger begründete seine Aktion mit der Ähnlichkeit von Leuchter und Harald Schmidt.
Und Schmidt kann er eben nicht leiden.
Auch nicht schlecht.
Und ein Kollege räumte in Köln Reinigungsmaterialien wie Eimer, Lappen…aus dem Zentum des Ausstellungsraumes in eine Wandecke.
Er sah Verletzungsgefahren, nahm aber dadurch eine Installation mit künstlerischem Anspruch recht sorglos auseinander.
So macht der Museumsbesuch richtig Freude


Streichquartett der Woche

Erstes Streichquartett von Peteris Vasks.

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August 27, 2012 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Claude Debussy

Durch Claude Debussys „Prélude à l`après-midi d`un faune“ überwand ich vor über fünfundvierzig Jahren meinen pubertären Kniefall vor Beethoven und Tschaikowski und fand die Musik, die meine Spinnweben aus den Gehörgängen wehte und mich im 20.Jahrhundert absetzte.

Irgendwie sehne ich mich nach einem Mindestmaß an Struktur und Ordnung, das ich auch bei der Aufstellung meiner Tonträger in meinen Tonträgerregalen meines Tonträgerbereichs nicht missen möchte.

Und mit Debussy beginnt deshalb an meiner Tonträgerwand die Moderne, ein Schlagwort, dass je nach Stimmungslage, Fachgebiet, Forschungsstand, Jahreszeit recht vielfältig für verschiedene Jahrhunderte und bei jedem Kauderwelsch unterschiedlich angewendet wird.

Und deshalb flötet die Musik Debussys für mich eben am Beginn der Moderne, in meinem Tonträgerregal unweit von Gustav Mahler.

Natürlich werde ich die Tonträger mit der Musik Palestrinas und Glucks, mit Schuberts Liedern und Sinfonien oder Tschaikowskis Pique Dame nicht in die Entsorgungstonne für Tonträger werfen. Auch nicht Beethovens Klaviermusik, Bruckners Endlosgurken, Mendelssohns „Italienische“ oder Chopins Geklimpere…….alles notwendig für ein einigermaßen schmerzfreies Überleben.

Doch Debussy höre ich eben etwas öfter und hingebungsvoller, ähnlich wie Led Zeppelin.

Meine kleine Erinnerung zum einhundertundfünfzigsten Geburtstag von Debussy hat sich um einen Tag verzögert.
Doch musste ich mich zunächst noch um Tonträger mit den Streichquartetten von Sophia Gubaidulina und Peteris Vasks bemühen.
Auch keine üble Nebenbeschäftigung.

Doch Claude wird mir vergeben.
Als Bekenntnis zu meiner Sühne werde ich zweimal hintereinander seine Vertonung von Mallarmès Beschreibung des nachmittäglichen Begehrens eines Fauns auflegen (nur etwa zehn Minuten), vielleicht dann noch als Zugabe das Flötensolo „Syrinx“ oder Auszüge aus der Oper „Pelléas und Melisande“, nach Maeterlinck, die ich vor Jahren an Leipzigs Bühne in einer vorzüglichen Aufführung sah.

Auch das erste Buch der „Prèludes“ ist einen Knopfdruck wert, einschließlich der „Versunkenen Kathedrale“ (Notenbild, oben), gleichfalls „Das Martyrium des heiligen Sebastian“ nach D`Annunzio, vor dessen grotesker Wohnanlage am Gardasee ich zunächst um Luft rang.

Eine Sühne mit Debussys Musik darf ewig dauern.

Und ich werde, zumindest gedanklich, eine Blume an seinem Grab auf dem Cimetière de Passy ablegen, die dann sicher auch Fernandel und Manet in Debussys Nähe riechen werden. Und auch Berthe Morisot, gewöhnlich in der dritten Reihe impressionistischer Malerei eingeordnet, aber durch ihre besten Bilder gleichwertig die Klingen, b.z.w. die Pinsel mit der Elite der Freiluftmaler kreuzen kann.

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August 23, 2012 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Prager Stipendien, ein Rosenkranz an der Moldau, eine Jury der Provinzpostille und eine Mauer um das Grab Kafkas für Berkenheger, Neudecker, Buschheuer

Dürer, Rosenkranzfest, Nationalgalerie Prag

Prag, Grab Kafkas

Prag, Haus Kafkas

Prag, Veitsdom

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Mit diesen Texten (unten) kann man einen Aufenthalt in Prag erwerben, für einen Monat.
Die Stiftung ist mir nicht vertraut, auch nicht die Jury. Und Susanne Berkenheger sowie Christiane Neudecker sind mir gleichfalls unbekannt.
Interessiert mich auch nicht.
Ich nehme also völlig unabhängig dieses Verhältnis von literarischer Leistung und Stipendienzuordnung zur Kenntnis.

Die Tatsache, dass genehmigt wird, als Lohn für diese Texte, dreißig Tage die Moldau zu besurfen, vielleicht auch Dürers Rosenzucht zu beurteilen oder sich in Kafkas Aura zu suhlen, nötigt zu einer schier erbarmungslos überhöhten Toleranz, zu der ich dann doch nicht fähig bin.
Ich bin kein Dichter, auch kein Schriftsteller. Obwohl ich vorzüglich zu schreiben vermag, scheue ich diese Zuordnung.
S. Berkenheger und Ch.Neudecker sollten diese Scheu auch anstreben.

Gefordert wurde eine halbe Seite Text über Prag.
S.Berkenheger und Ch.Neudecker erfüllten scheinbar brillant diese Forderung, nicht nur einfach eine halbe Seite, sondern eine halbe, brillante Seite.
Meine Großherzigkeit und Milde, Großmut und Nachsicht, Duldsamkeit und Verständnis, Behutsamkeit und Gelassenheit,…….. mutieren zur Fassungslosigkeit.
Ich weigere mich, diese Stipendienverschleuderung als Geschenk und Unterstützung für Schriftsteller und Dichter zu deuten.
Denn S.Berkenheger und Ch.Neudecker erfüllen diesen Status keinesfalls.

Die Prämierung dieser Texte weist auf eine Jury, die nicht fähig ist, sprachlich-stilistische Zumutungen zu erkennen, einzuordnen sowie Verständnis und Kompetenz zur Taxierung von literarischen Schriften scheinbar bei der heimischen Provinzpostille geschult hat.
Die schmerzhaft simple und grobe Sprache verbindet sich allerdings vorzüglich mit der Zelebrierung inhaltlicher Infantil-Witzchen und Grenzen übergreifender Gefühls-Sülze, die inhaltlich gegen Null tendiert.
Kein sprachliches Bild, welches ein dichterisches Mindestmaß erfüllt, kein Halbsatz, den man mehrmals lesen möchte, nirgends eine Nuance, die überrascht und spannungsvoll den Leser ahnen lässt oder auch nicht.

Da könnte man ja auch gleich Else Buschheuer nach Prag schicken, für ihr spießiges Opportunismus-Gelabre „Verrückt bleiben“, oder so ähnlich.

Ich bitte S.Berkenheger und Ch.Neudecker, sich nicht dem Grab Franz Kafkas zu nähern.

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Susanne Berkenheger:
„Die ferngesteuerte Stipendiatin“

Jan schreibt vielleicht: Dürfte ich Sie bitten, die meines Wissens schnellste Rolltreppe Europas an der Prager Metrostation Ceskomoravská für mich einmal entgegen der Fahrtrichtung hinaufzuhasten. Schnell! Bevor die EU sie austauschen lässt.

Ist gut, Jan. Also: Ich hüpfe aus der Linie B raus. Wenn ich erwischt werde, sage ich: Entschuldigung, es handelt sich um ein Kunstprojekt. Wenn mich die Polizei zum Literaturhaus bringt, sage ich nichts. Denn das wird ja gar nicht passieren. Das sind ja nur faule Ausflüchte! Ich weiß. Diese vermeindlichen Gedanken sind hektische, wirre, der Aufregung geschuldete Fehlschaltungen. Am Fuß des treppenfressenden Rollmauls kippen ein paar männliche Endjugendliche in Kapuzen hin und her. Ich also – wie diese sagen würden – einfach zwischen ihnen durch und zack auf die Treppe! Und zwar jetzt! Oder halt, zack verzögert sich noch kurz, weil oben neue, vernünftige und fahrtrichtungskonforme Leute zack auf die Treppe und so weiter. Da kommen sie. Da gehen sie. Da springen oben keine neuen Konformen mehr zack auf die Treppe, so dass nun für mich die Gelegenheit zackig vorfährt und zack erkenne ich: unmöglich zu schaffen, das. Ich sprinte auf der Stelle, mit neun Stundenkilometer treppaufwärts – immerhin. Ein hohläugiges Holzmännchen sagt erstaunt: Poklady Moravy. Grüßt mit abgetrenntem Arm vom grünen Plakat des Nationalmuseums. Hallo! Mensch Jan! Wahrscheinlich heißt du nicht mal Jan! Wahrscheinlich heißt du Jürgen, Wolfgang, Hitzekühl, Siegfried, Grußhelm, Adalbert – Adieu Hohlauge, zehn Stundenkilometer, da schaust du, was? – oder heißt du Quentin, Siegesmund, Eugen, Franz-Josef, Herwig oder: ‚Karlin‘ schlägt das nächste Plakat vor. Ich darauf: Karl, Karlinchen, Karlowitz … und renne mit gefühlten elf Stundenkilometer treppauf für eine Idiotie, für diese irre Idee, ToDo-Listen von Freunden, Feinden und völlig unbekannten Internet-Jans abzuarbeiten, in Prag, Wie konnte mir so was nur einfallen? Weshalb hatte ich nur darauf so unbändig Lust? Im November, ich mein: November! Aber guckt mal jetzt: Mit mindestens zwölf Stundenkilometer komm‘ ich oben an! Echt, ohne Fiktion jetzt! Wer würde das nicht gerne mal behaupten dürfen.

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Christiane Neudecker: „Die grüne Fee“

Sie sitzt auf dem Tisch. Ihre nackten Pohälften liegen auf der Tischoberfläche auf, ihr rechter Schenkel verschwindet in der Luft. Der schmale Rücken ist nach links geschwungen, sie hat sich dem Mann neben ihr zugedreht, der sie durch sein Monokel beäugt. Ihr Körper ist fast durchsichtig. Vor allem aber ist sie grün.

Wir starren sie an. Wir sind 8 Jahre alt. Der Maler Viktor Oliva habe sie gemalt, sagt uns die Mutter meiner tschechischen Freundin. Das da, auf diesem Wandgemälde, das sei die Fee des Absinths. „Absinth“, wiederholen wir. Es ist ein Wort, das wir nicht kennen. Wir bilden uns ein, dass es irgendwie schmeckt. „Grün schmeckt das“, sage ich.

Als wir wieder im Café Slavia sitzen, sind wir älter. Wir sind jetzt Teenager, meine Freundin hat einen Irokesenschnitt, sie raucht. Sie ist empört, dass ich Havel noch immer nicht gelesen habe, und Hrabal. „Interessierst du dich nicht für mein Land“, sagt sie, „Wann lernst Du endlich tschechisch.“ Ich bleibe stumm. Die Fee sieht den Trinker vor sich so mitleidig an, das war mir vorher nie aufgefallen.

Meine Freundin weint. Ich reiche ihr Taschentücher, streichle ihren Rücken. Wir sind Mitte zwanzig, ihr Verlobter will die Hochzeit verschieben, wir wissen nicht warum. Ich bestelle uns einen Schnaps. Die Fee ignoriert uns, der Mann mit dem Monokel stiert durch uns hindurch.

Gestern kam die Postkarte. Auf der Vorderseite ist ein Foto: meine Freundin steht mit ihrem Sohn im Slavia, vor dem Piják absintu. Der Sohn ist groß geworden, ich war zu lange nicht mehr dort. Er strahlt seine Mutter an. Hinter ihnen hat die Absinthfee ihren Kopf erhoben, sie sieht zu mir herüber. Ich drehe die Karte um. Nur zwei Worte stehen dort.

„Wir warten.“

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August 21, 2012 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Sofia Gubaidulina und Jürgen Henne in Moritzburg, eine Bratsche mit drei Saiten, luftiges Edelmetall in schrägen Kanälen, ding ding, deng deng, dong dong, dung dung, döng döng, die Handschriften von S.Gubaidulina und E.Burdon, Salzburger Kugel und Böhmische Edelnote, Taminos Geträllere, reife Männer und Haselnüsse, Ravels King-Kong-Gong-Version und ein Kaktus als Pflaumenbaum

Moritzburger Festival für Kammermusik bis 19. August

Bratsche

Unverzichtbares Instrument bei klassischen Streichquartetten, neben Violinen und Cello.
Exakt an dieser trefflichen Ebenmäßigkeit konnten wir uns auch vor einigen Tagen innerhalb des Moritzburger Kammermusik-Festivals in der Evangelischen Kirche Moritzburg erfreuen.

Doch wurde diese optische und akustische Zufriedenheit während des dritten Streichquartetts Sofia Gubaidulinas(1987) kurzeitig, aber schmerzhaft, nach einem wundervoll ausgedehnten Pizzicato gestört. Denn eine Saite krachte vom Brett und stakste widerspenstig in das rechte Nasenloch des Bratchisten, ich vermute, mit Nasenhaar-Rasur

Sofia Gubaidulina

Während der niederträchtig herbeigeführten Pause durch diese geschwungene Holzkiste gönnte ich mir ein paar Blicke auf Sofia Gubaidulina, auf diese kleine, scheue und fast einundachtzigjährige Frau, die in meiner unmittelbaren Nähe ihren Platz gewählt hatte (natürlich reiner Zufall) und deren Musik sich nach der Unterbrechung wie luftiges Edelmetall in schrägen Kanälen zwischen die gespreizten Ebenen der Jugendstilkirche mit barocken Grundformen hauchte.

Selten war mein Herz so milde gestimmt. Also nicht ..“ Dröhn, klatsch, rumms, prassel..“, sondern nur ein sanftes „..Ding, ding,..“, vielleicht nur unterbrochen durch ein etwas kräftigeres, aber dennoch mildes ..“dong,dong..“, keineswegs ein eher schneidendes ..“deng,deng..“ und schon gar nicht das „..dung,dung..“, das klingt nach Misthaufen, vielleicht dann eher noch ein heiteres ..“döng,döng..“.

Musik von Sofia Gubaidulina mit Autogramm in russischer Sprache

Ich bin nun keinesfalls ein ausgewiesenes Autogrammfrettchen, doch besitze ich seit gestern davon zwei. Auf Eric Burdons Autobiografie und auf einer CD mit dem Offertorium Sofia Gubaidulinas.
Für Jimi Hendrix und Morton Feldman hätte ich es sicher auch noch gewagt.
Und ich erinnerte mich daran, dass ein Komponist die scheinbar etwas verzweifelte Sofia Gubaidulina drängte, ihr Werk weiterzuführen. Dieser Komponist war Schostakowitsch. Und natürlich denke ich dann sofort an dessen Streichquartette und es schließt sich ein kleiner Kreis mit einem Inhalt für die Ewigkeit.

Gerahmt wurde Gubaidulinas Streichquartett durch Kompositionen Mozarts und Dvoraks. Allerdings musste noch ein Notenständer für einen zweiten Bratschisten auf die Kirchenbühne geräumt werden, denn die Salzburger Kugel und Böhmens Edelnote bevorzugten es, in jenen Zeiten auch Streichquintette zu schreiben.
Dvoraks Stück in Es-Dur erschien mir wie die Streicherversion seiner neunten Sinfonie, die ich außerordentlich liebe. Beide Teile schrieb Dvorak in Amerika, dessen indianische Musiktradition er natürlich genussvoll zelebrierte.
Sein Cello-Konzert treibt mich auch heute noch in Stadien höchster Erregung.
Ein vorbildlicher Mozartist bin ich nun wahrlich nicht. Vor einigen Jahren hub ich schon an, seine Zauberflöte zu verlassen, bei einer Aufführung im Leipziger Opernhaus. Mich hat dieses Gedudel genervt und es nahm kein Ende.
Sicher war ich an diesem Tag nicht in der angemessenen Form, um Papagenas und Taminos Geträllere entsprechend zu würdigen.

Das Moritzburger Quintett, KV 614, also in beängstigender Nähe zum Requiem (KV 626 und letztes Werk) überrascht durchaus mit heiter-entspannter Volkstümlichkeit, mit der Hinwendung zu eigenen, früheren Kompositionen und dem Zitat aus einem Streichquartett Haydns in mutierter Ausführung.

Laut statistischer Studien lassen ältere Herren scheinbar die Haselnuss auf den Bäumen, pulen sie aus der Schokolade oder öffnen eher gleich eine Tafel, welche unsere Geschmackssensoren für bittere Nuancen aktiviert. Also ein Verzicht auf jegliches, überflüssiges Geschmacksdekor, die Reinheit sozusagen.

Vielleicht wäre eine Erweiterung auf alle Sinne möglich. Denn meine Hinwendung zur Kammermusik ist eindeutig.
Also Reduzierung, die Ignoranz gegenüber Ballast.
Natürlich wurden erstmalig auch meine noch kindlichen Ohren länger, als ich Beethoven und Tschaikoski krachen hörte.
Ich denke dabei z.B an dieses schauderhafte „Jahr 1812“ Tschaikowskis, ein Stüch, welches ich vor fünfundvierzig Jahren in die Kategorie der Unvergänglichkeit einstufte.Für mich heute keinesfalls unvergänglich, eher unerträglich.
Dannach kam z.B.die Ekstase für Mussorgski, natürlich nur im Ravel-Sound. Heute erscheint mir das Original des Russen doch etwas edler als die King-Kong-Gong-Version des Franzosen (Das große Tor von Kiew)

Seitdem habe ich mich akustisch durch eine unendliche Zahl von Partituren aus allen Himmelsrichtungen gekämpft und bin nun kurz vor dem Übergang zur Fäulnis bei der Kammermusik angekommen, vor allem zeitgenössischen Zuschnitts.
Am Gehör kann es nicht liegen, man wird ja während der Verwesung eher taub, also schön laut müsste es schon sein.

Die Kammermusik ist vielleicht die Zeichnung der Tonkunst, sie kann nicht täuschen, der Strich ist unerbittlich.
Und eben anders als die Malerei, bei der sich, ähnlich einer ausufernden Orchestermusik, Qualität und Mangel verschleifen können und Aufrichtigkeit als wabernde Farb- bzw. Klangmassen zu bluffen vermögen.
Und vielleicht lässt man sich ab bestimmter Altersregionen nicht mehr so leicht austricksen.

Andererseits höre ich noch die Beastie Boys, Judas Priest, Sex Pistols, Led Zeppelin…. in Phonbereichen, wodurch mein Kaktus seine Stacheln zurückzieht und zu einem Pflaumenbaum mutiert.

Also, was denn nun ?

August 11, 2012 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar