Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und der Film des Tages: „Caché“ von Michael Haneke

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Caché, 2005, von Michael Haneke mit Daniele Auteuil und Juliette Binoche (oben), außerdem ist noch Annie Girardot im Rollstuhl dabei. Eine absolute Elite-Einheit.
Heute, 27.April, 21.45.Uhr auf Eins Festival

Vor einigen Jahren schmierte ich hin und wieder im Forum von „FILMSTARTS“ meinen Senf zwischen Filmdiskussionen.
Nach meiner gnadenlosen Lobhudelei über „Caché“ bestrafte mich ein Teilnehmer mit seiner Analyse, dass ich sicher nicht alle Tassen im Schrank hätte, überhaupt einen Riss in der Waffel und das jedes Testbild origineller und spannungsreicher daherkäme.

Ich rekonstruierte dann in meiner rissigen Waffel frühere Testbilder und beharrte auf meiner Meinung, dass „Caché“ doch wesentlich ansehnlicher als Testbilder sei.
Ich informierte ihn dann über meine Starrsinnigkeit. Er reagierte schonungslos, nämlich mit radikaler Ignoranz. Ich denke, dass er mich in die Kategorie „Blödmann“ eingeordnet hatte. Oder er genoss wieder ein schönes Testbild und vergaß mich.

Bei Annie Girardot denke ich auch an „Die Klavierspielerin“, gleichfalls von Haneke, in der sie die Mutter der göttlichen Isabelle Huppert spielt. Diese Intensität ist kaum auszuhalten.

Also in einigen Stunden die Testbilder abschalten und „Caché“ finden!

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April 27, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Sarstedt, Hoeneß, Götze, Dortmund, Madrid und ein Akkordeon

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Hörfunk-Tipp

Heute, 24. April, 22.05 Uhr, Deutschlandfunk, Musikforum.

Zeitgenössische Musik für Akkordeon

Also Musik fernab von Gartenfesten, volkstümlichen Hochzeiten und Shanty.
Auch ohne Verbindung zur Seine und zu französischen Chansons.

Allerdings denke ich dabei gern an „Where Do You To My Lovely“ des britischen Inders Pieter Sarstedt. Ein chansonartiger Titel mit feinen Einsätzen dieses Quietschkübels.

Ich habe mich nun seit Jahren um eine kleine Kollektion mit Musik für Akkordeon bemüht. Unfassbar, was man aus dieser Hin-und-Her-Quetsch-Mühle alles abpressen kann.

Also am heutigen Abend bei Dortmund-Madrid zumindest den Ton abstellen, nicht an Hoeneß und Götze denken, den Schritt beruhigen und Akkordeon hören.

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April 24, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die unregelmäßig angebotene Serie: „Gesülze der Woche“, Emil Nolde in Halle/S. und ein Babirusa

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Babirusa / Hirscheber.
Im Leipziger Zoo lebten vor einigen Jahren zwei Tiere.
Ausschließlich auf Sulawesi ansässig und schwer zu halten.
Stark gefährdet, es wäre schade um dieses Synonym für mitreißende und unnwiderstehliche Hässlichkeit, verbunden mit einer Ästhetik sich öffnender und schließender Bewegungen von höchster Vollendung

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Gesülze der Woche

Online-Einschätzung der Arbeiten Michael Kunerts auf der Armory-Show in New-York, scheinbar verfasst durch den Schreiber einer Frankfurter Galerie, Name nicht ersichlich. Zu Recht.

„Möchte man Kunerts Werke auf den ersten Blick in die Tradition der Neuen Sachlichkeit einreihen, so stellt man schnell die Eigenheit des Künstlers fest, der nicht einfach seine Umwelt abbildet, sondern dieses Erleben durch die Brille seiner eigenen Wahrnehmung wiedergibt.“

Ach so, jetzt verstehe ich. Kunert gibt in seiner Kunst sein eigenes Erleben wieder. Ach so, sogar durch die Brille. Ach so, ich hatte immer gezögert und mich gefragt, welches Erleben gibt denn nun eigentlich Michael Kunert wieder? Wenn er malt, zeichnet oder lithographiert.
Spontan dachte ich an Frau Zeitschel von der Flaschenannahme, nebenan bei Rewe, auch Heino schloss ich nicht aus, obwohl die Brille natürlich nur finstere Erlebens-Wiedergaben ermöglicht.
Und das ist also Michael Kunerts Eigenheit, dass er sein Erleben durch die Brille der eigenen Wahrnehmung wiedergibt. Ach so, jetzt verstehe ich.
Doch weshalb eigentlich mit Brille? Ohne Brille würde man doch sicherlich gleichfalls eigene Wahrnehmungen wahrnehmen und dann das eigene Erleben erlebnisorientiert wiedergeben können.
Ich erwarte Antworten. Ach so.

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Zugang zur Moritzburg, Halle/S.

Ausstellung, 100 Jahre Erwerb von Noldes großartigem „Abendmahl“ für die Hallenser Moritzburg, hängt jetzt in Kopenhagen, wurde für die Ausstellung aber verliehen
Grundlage für eine außerordentlich qualitätsvolle Sammlung von Kunst des 20.Jh., u.a. Bellmer, El Lissitzky, Rodtschenko, Kirchner, Klee, Schad, Marcks, Marc, Ray, Feiniger…..dazu die Gerlinger-Sammlung mit „Brücke“-Kunst.
Da können die Augen schon feucht werden.
Natürlich wurde der Bestand 1937 beträchtlich dezimiert.

Jetzt also Nolde.
„Emil Nolde. Farben heiß und heilig“

Ein schöner Titel und eine bemerkenswerte Übersicht. Natürlich ist nicht jedes Bild erstrangig, muss auch nicht.
Aufällig erscheint mir Noldes hoher Anspruch bei Zeichnung und Graphik, denn er wird ja fast ausschließlich, doch etwas anders als die „Brücke“-Strategen mit deren Bedeutung für die Kunstgeschichte des gedruckten Blattes, durch seine Farb-Detonationen wahrgenommen.

In der Ausstellung hängen z.B. zwölf Apostelköpfe, mit Tusche gezeichnet und etwas Aquarell angereichert, da weiten sich schon die Augen wie bei den Hunden in Andersens „Feuerzeug“.

Die Verfilmung des Feuerzeugs reihte sich gemeinsam mit Hauffs unterkühltem Herz (erster Horrorfilm der DDR) und dem Trauermärchen vom Kleinen Muck in die erste Garnitur meiner kindlichen Filmträume ein.

Vielleicht folgt noch eine tiefschürfende Betrachtung der Nolde-Ausstellung. Ach so. Vielleicht auch nicht.

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April 22, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die locker und entkrampft vorgetragene Serie: „Buch der Woche“. Heute: „Cy Twombly Gallery“ bei Schirmer Mosel, 2013 (München)

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(Ich bitte um die Beachtung meines feinsinnigen Pamphlets vom 23. Mai 2009)

Buch, Cy Twombly, links

Museum, Cy Twombly, Houston, unten

Twombly gehört zu den Künstlern, denen man auch heute noch einen intellellektuellen Stillstand im 4.-6. Lebensjahr bescheinigt. Als „Affenmalerei“ werden seine Bilder sensibel analysiert. Selbst das Arbeitslager findet in diesen vielschichtigen Betrachtungen einen Verwendungszweck (Widergabe selbst erlebter Episoden).

Und die größte Tageszeitung Leipzigs schrieb dann auch 2009 von „Kritzeleien wie Kinderzeichnungen“ oder „Experten attestieren ihnen den Charakter misslungener Kinderzeichnungen“.
Ich tendiere inzwischen bei meiner Mission, diesen Krawall-Knorpeln den hohen Wert der Kunst Twomblys zu erläutern, zu einem gerüttelt Maß Lustlosigkeit.
Sollen sie doch weiterhin mit geschwollenem Schritt vor Bildern Triegels und im Rundling von Bad Frankenhausen abknien. Auf diesen Quadratkilometern sieht man wenigstens, was los ist und schön groß ist der Schuppen außerdem. Da gibt es viel fürs Geld.

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Ich will eigentlich nur den Band „Cy Twombly Gallery: The Menil Collection, Houston“ rühmen. Er beschreibt in vortrefflicher Bildqualität, in englischer Sprache, doch mit einer Beilage und einer ordentlichen Übersetzung, die Arbeiten Twomblys aus tatsächlich jeder Phase, wobei auch das architektonische Ambiente stilvoll einbezogen wird.
Der Fotograf vermeidet alle eitlen Mätzchen, trifft den Kern zwischen Schönheit, der Zweckmäßigkeit des Ausschnitts und spornt an, Gesamtflächen und Details rational und als ästhetische Meisterleistung zu bewältigen.

Ich erinnere mich gern und mit feuchten Kniekehlen an den Augenblick vor einigen Jahren, als ich im New Yorker Museum of Modern Art erstmalig vor einem Bild Twomblys stand.
Meine Überwältigung übertraf meine Hoffnungen. Ein Erlebnis, dass mir z.B. bei den Aufenthalten vor den Arbeiten Munchs (Oslo, Bergen) oder von Matisse (Eremitage) keineswegs vergönnt war.

Munch mutierte für mich zur traurigsten Erscheinung der Kunstgeschichte. Und mir wurde nochmals gegewärtig, welch frappierende Unterschiede sich zwischen Original und Kopie ergeben können. Wobei ich natürlich einige Glanztaten Munchs keineswegs leugne, doch sind sie arg überschaubar.

Und kompetent geworden durch zahlreiche Blicke auf Twomblys Kunst, erscheint mir der Band über die Galerie in Texas hochgradig empfehlenswert.
Leider habe ich diese südlichen Meridiane Nordamerikas noch nicht durchquert. Das Twombly-Museum könnte sich aber durchaus zu einem Anfangs-Argument eignen.
Der italienische Architekt Renzo Piano baute diesen angenehm unaufdringlichen Kasten.
Außerdem u.a. Paul-Klee-Zentzum in Bern, Fondation Beyeler Basel und Mitarbeit beim Centre Pompidou.

Musik der Woche

Galina Ustvolskaya (1919/2006)
Klaviersonaten 1-6 (1947-1988)
Klavier: Markus Hinterhäuser

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April 7, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar