Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Sibylle Berg, Dreschflegel, Prasselkuchen, Hüftengang, Macke – Marc 2:0, Hanna Harfe, Clemens Cembalo, Bernd Brot, Kola-Bohrungen und „Macht’s doch besser“

Einleitung zu einer Kolumne bei SPIEGEL ONLINE  von Sibylle Berg (23.08.2014)

„Die deutsche Debattenkultur: Macht’s doch besser

Gibt es ein besseres Beispiel für das Vergeuden von Lebenszeit als Literaturdebatten? Liebe Kritiker, macht doch lieber was aus eurem eigenen Leben-und nicht das der anderen kaputt. „(Sibylle Berg)

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Gibt es, gibt es, ein besseres Beispiel für das Vergeuden von Lebenszeit als Literaturdebatten. Gibt es, gibt es!  Texte von Sibylle Berg lesen.


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Sibylle Berg erweitert dann noch im weiteren Verlauf den Kreis der Mitmenschen, die sie zu einem erfüllten Leben, auf einen Weg ohne Dresche führen möchte um Kritiker,  welche auf junge Schauspieler, Maler, Tänzerinnen, Sängerinnen normalerweise„eindreschen“ (Sibylle Berg).

Aber Kritiker dreschen doch nicht immer auf junge Schauspieler, Maler, Tänzerinnen, Sängerinnen ein, vereehrte Frau Berg. Es ist doch eine wundervolle Errungenschaft, dieser Disput zwischen Erzeuger und Verbraucher, gerade in der Kunst. Ohne diese Vorgänge würde eine Kultur in Belanglosigkeit , Willkür und Beliebigkeit verröcheln. Also bitte keine Napalm-Tüten in Debattierungs-Cafés in denen junge und alte Kritker ohne verbalen Dreschflegel über Künste debattieren, streiten,  sie kritisieren, ablehnen, anbeten, auf sie anstoßen (oft mehrmals) und vor allem lieben.

Hugo van der Goes (Pontinari-Altar) oder Signorellis „Geißelung“ in Altenburg, unweit von Leipzig, Bilder von Mark Rothko in New York oder Naumans „Anthro/Socio-Rinde Spinning“ auf der Documenta IX von 1992, also Kunst, die ich liebe und über die ich doch debattieren darf, liebe Frau Berg, bitte genehmigen sie es.

Aber auch über Piloty und Waldmüller (19. Jahrh.), über Tübke und Triegel (20/21. Jahrh), also Kunst, der ich meine Zimmerwände verweigern würde, lässt sich trefflich debattieren.  Nicht eindreschen, einfach nur debattieren.

Ich weiß nur, dass Sibylle Berg existiert und habe noch kein Wort von ihr gelesen. Das wird so bleiben, denn diese „Kolumne“ ist von erschütternder Dürftigkeit.

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Unaufgeräumter Schreibtisch. Das sollte sich ändern.

 

„Sie könnten etwas töpfern, statt diesen Text hier zu lesen, oder endlich mal ihren Schreibtisch aufräumen. Sie können sich überlegen, ob sie so weiterleben wollen wie bisher“ (S.B.).

Sie meint die Kritiker, die überlegen sollten, in dieser eigenen, im Bergschen Scharfsinn törichten Form weiterzuleben, möglichst mit dem Überlegungs-Ergebnis, anders zu leben.  Also töpfern und den Schreibtisch aufräumen oder ein Leben führen wie Sibylle Berg. Igittegitt…….

„……dass jede Meinung nur ein albernes Konstrukt ist.“(S.B.)

Mein Gott, welche Raffinesse in diesem Halbsatz, welch kühner Ansatz und intellektuell-revolutionäre Delikatesse. Diese spät-molekulare Divergenzsynthese, verbunden mit der Kierkegaardschen Seismographie des frühen Verlustes pro-äquatorialer Substanzmetaphern.

„Warum ist es scheinbar nicht möglich, Dinge, selbst wenn sie uns nicht interessieren, wohlwollend zu betrachten.“ (S.B.)

„Großartige Filme wollt ihr? Dann zerreißt die erste Arbeit eines jungen Menschen nicht, sondern bestärkt ihn.“(S.B.)

Es geht doch nicht um Ignoranz und Interesse, es geht um Kritik und Qualität, um Säulen des kulturellen Gefüges. Denn wenn ich ein Bild heftig kritisiere, bin ich doch mitnichten auf dem Weg zu Ignoranz und Interessen-Askese, im Gegenteil. Und weshalb soll ich ein Theaterstück „wohlwollend betrachten“, wenn es mir aus nachvollziehbaren Gründen, die ich dann natürlich auch trefflich beschreiben würde, auf die Hüfte geht.  Und es ist mir auch ziemlich Pansen, ob es sich dabei um einen“jungen Menschen“ handelt oder sich schon die Vergreisung ausformt.

Aber ich ignoriere nicht und bekenne mich als Anhänger von Qualität, die aber keinesfalls eine Geschmacksfrage ist und unabhängig als Wertkategorie existieren sollte. Ich mag Macke außerordentlich, weniger Marc oder Leger, zweifle aber niemals  an deren Qualität, denn Qualität ist keine Geschmacksfrage, zum Beispiel.

Herausragendes wollt ihr? Dann schneidet nicht alles, was aus dem Feld der Mitte ragt, was komisch ist, unbekannt, nicht einzuordnen, das sich nicht geschickt vermarktet oder komisch aussieht, den Kopf ab.“(S.B.)

Mir schwinden die Sinne. Irgendwie habe ich ich diese Klischee-Fanfare schon millionenfach gehört. Allein von mir in tausenden Variationen. Das klingt so schick progressiv und so anders. Und es ist ja auch richtig, gehört aber in die Rubrik pubertärer Frontal-Argumentation.

Ich bin ein fast exzessiver Begleiter zeitgenössischer Kunst, von bildender Kunst, Musik, Literatur und errege mich natürlich auch über aktuelle Geld- und Preisverteilungen. Hier reiche ich Sibylle Berg die Hand. Diese Inkompetenz und Feigheit der entsprechenden Verteiler, stets die Gleichen zu krönen und den ruhigen und sicheren Weg zu bevorzugen, ist alle Verachtung wert. Und jetzt ziehe ich meine Hand wieder zurück, sie wurde schon schweißig.

Doch nicht alles, „was aus dem Feld der Mitte ragt, was komisch ist, unbekannt, nicht einzuordnen, das sich nicht geschickt vermarktet oder komisch aussieht, “ ist „Herausragendes.“, verehrte Frau Berg. Und nicht alles von vorgestern ist belangloser Schnee von vorgestern.

Ich bin bei Sibylle Bergs Dialektik beschämend überfordert.

Wenn z.B. ein Zeitgenosse rohe Koteletts an die Wand nagelt und mich mit Lexikonwissen über Platon, Hitler bis Foucault zulabert, lasse ich meine Sorgen sich ungehindert entfalten. Habe ich selbst erlebt. Mich interessiert das Kotelett außerordentlich und ich betreibe keinerelei Ignoranz und Desinteresse. Doch Wohlwollen muss ich ja nicht bereithalten. Vielleicht aber etwas Kritik, zwischen Töpferei und Schreibtischpflege, von Sibylle Berg empfohlen

Und mit „Macht’s doch besser“ (S.B.) hat Sibylle Berg dann eine besonders erlesene Stufe der Einfältigkeit erklommen. Als Solist auf der Harfe oder dem Cembalo bin ich nur begrenzt einsetzbar.

Und wenn ich dann gegenüber den Solisten Hanna Harfe und Clemens Cembalo verkünde, dass ich in ihrem Spiel doch einige Mängel erkannte, weil mein musikalisches Gespür bestechend entwickelt ist, müssten sie mir entgegnen: „Mach’s doch besser, du Pfeife“ Ich müsste dann erneut bekennen, diese Instrumente nicht beherrschen. zu können. Hanna Harfe und Clemens Cembalo dann abschließend: „Also, na bitte, dann halt Dein Maul.“

 

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Oder ich sage dem Bäckermeister Bernd Brot, dass ihm der Prasselkuchen misslang, sollte er dann antworten: „Mach’s doch besser und backe deinen Dreck selbst, du Heinz.“

„Dann macht’s doch besser“ ging mir schon vor fünfzig Jahren auf die Testikel. Diese Denkstrukturen sind so unterirdisch wie die Kola-Bohrungen.

Hätte man Friedrich Luft, Siegfried Jacobsohn, Reich Ranicki, Eduard Hanslick bitten sollen, endlich etwas aus ihrem Leben zu machen oder zumindest zu töpfern und die Schreibtische aufzuräumen. Und nicht so „herumzudreschen.“

Wäre ja möglich. Doch die Bitte zu formulieren, ihr Leben zu ändern und  die Texte Sibylle Bergs zu lesen, würde meine Kräfte zermürben. Und im nochmaligen Angesicht ihrer Beiträge werde ich weder töpfern noch  meinen Schreibtisch aufräumen, auch nicht herumdreschen. Ich wechsle das Bild.

 

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August 26, 2014 Posted by | Leipzig, Medien | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, das Leipziger Freiheits/Einheits/Denkmal, Rumkugeln,Lerchen, Baum mit Schuhwerk, Kitsch und historischer Ruhm und Chesnutt, Buckley, Enescu, Danzig, Faith no more

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Entwurf für ein Leipziger Freiheits/Einheits/Denkmal

Etwas zu groß, um dieses Gerät den Entwerfern in den Hintern zu schieben.

Paulinerkirchen-Neubau, rechts von dem Ekelmast, links vermute ich den Rest des Gewandhauses und ein Hochhaus, früher Universität mit der Form  eines aufgeschlagenen Buches. Diese optische Interpretation ist mir nie gelungen, war mir auch irgendwie immer Pansen.

Also wieder das sülzige Geplänkel um ein Einheits/Freiheits/Denkmal, forciert von gelangweilten Kulturheinis, welche die tatsächlichen Anforderungen in dieser Stadt scheuen. Seit Jahren.

Standort  dieser steinernen Porree-Stange wäre wohl der Platz vor der Oper. Am Fuß windet sich ein albernes, orgel-ähnliches Teil, welches auch an Verpackungen für Rumkugeln und Leipziger Lerchen erinnert. Oben zuckt ein Feuer in den Farben der deutschen Flagge. Und spätestens nach diesem Blick werden meine Augäpfel durch Hornhaut-Skorbut bedroht und bedrängen mich historische Reminiszensen.

Offenes Feuer zu irgenwelchen Bekenntnissen, zur kämpferischen Rekonstruktion von historisch-heroischen Abläufen und zur Steuerung massenhysterischer Offenbarungen sind mir zuwider. Und vor allem, wenn das Feuer ewig brennen soll. Die Fackelzüge vor achtzig Jahren durch das Brandenburger Tor und die sozialistischen Feuergelübde vor diesem unseligen Völkerschlachtdenkmal gehören zu meinen angstvollsten Träumen. Dagegen sind Füsslis Orgien wie gemeinsame Brombeermarmeladenherstellung.

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Lerche (Vogel)

Während „ertragreicher“ Zeiten (18.Jahrhundert) wurden in Leipzig jährlich Hunderttausende dieser Vögel vom Himmel geholt und vernascht, das absolute Grauen

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 Leipziger Lerchen (Gebäck)

Ich will diese vermaledeite Verbindung von Kitsch und historischem Ruhm nicht sehen. Verpackt die Gurke bis zur Feuerdüse mit dem Papier für Rumkugeln und   Leipziger Lerchen und spießt sie unter irgendwelchen Gewölben im Völkerschlachtdenkmal auf.
Vor einigen Jahren erfreute mich ein Baum am Schillerplatz, an der Route der herbstlichen Umrundungen 1989. Die Stämme, Äste, Zweige füllten sich nach und nach mit dem unterschiedlichsten Schuhwerk. Auch japanische Touristen mit Fotomaschine suchten schon die ideale Ablichtungs-Position.

Es wurde schon von einer definitiven Denkmallösung gemunkelt.

Diese Idee hätte man kultivieren sollen.

Musik der Woche

Ein paar Songs von Vic Chesnutt und Tim Buckley können nicht schaden, danach  Kammermusik von Enescu und abschließend noch etwas Krach mit Faith no more („Angel Dust“) und Danzig („Dirty Black Summer“).

Bilderbücher der Woche 

Wieder einmal die Manieristen, lange zur Unkunst degradiert.

Z.B. Bronzino und  seine „Beweinung Christi“ in Besancon. Dieses unglaubliche Blau. Oder Arcimboldos „Vier Jahreszeiten“(u.a.in Wien). Diese emotionale Dramatik in Pontormos „Grablegung Christi“ mit der erlesenen Farbigkeit ( Florenz). Nicht zu vergessen die brutalen Abläufe bei Fiorentino. Moses als Berserker, als rasender Eber (Florenz). Oder die herausragende und irritierende Komposition, natürlich in manieristischer Manier, bei Parmigiano (“ Madonna mit dem langen Hals“). Jesus in der Größe eines ausgewachsenen Kalbes und Madonna mit klatschnasser Kleidung besteht nicht  auf der Verhüllung erogener Areale (Florenz). Natürlich kann El Greco nicht ausgeschlossen werden (z.B. Toledo, München). Vor jedem dieser Bilder stand ich selbst mit heißem Herzen.

Mein heißes Herz ist mir lieber als die Hitze des Feuers auf dieser beknackten Einheits/Freiheits/Kerze.

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August 18, 2014 Posted by | Geschichte, Kunst, Leipzig, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und das tausendjährige Leipzig

 Tausend Jahre Leipzig

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Leipzig, vor einigen Zeiten

Leipzig, Besuch Walter Ulbricht

Leipzig zu unsäglichen Zeiten. 

Walter und Lotte Ulbricht auf dem Markt, Altes Rathaus, rechts. Wie Hitler und Speer
Leipzig, Turn- und Sportfest, Walter Ulbricht
Leipzig zu unsäglichen Zeiten. 

Turn-u.Sportfest. Walter Ulbricht bei der Turnübung „Hampelmann“. Beeindruckend widerlich.

 

„Grönemeyer krönt 1000-Jahr-Feier“

Überschrift im Boulevard-Revier der einzigen Leipziger Tageszeitung.

Ich weiß nicht genau, ob 1000 Jahre Leipzig ein herbeigequältes  Jubiläum ist. Denn meinem doch recht erheblichen Geschichtswissen zufolge, wurde die Stadt 1015 erstmalig erwähnt, von einem ??? von Merseburg. Der Vorname ist mir entfallen, Thiedbert, Thiedhold, Thietfried, Thiedhelm,Thiedhausen, Thiedfrank, Thiedherr….oder so ähnlich.

Das Stadtrecht verkündeten die Herren in Meißen aber erst 1165. Deshalb gab es schon 1965 ausgiebige Feiern sozialistischen Zuschnitts.

Die Idee, „Grön“ und „Krön“ zu verbinden, strahlt natürlich als verblüffend-intellektuelle Wunderkerze. Ich habe ekstatisch in die Zeitung gebissen und Gröny fast den Papierkopf vom Restleib getrennt.

Und dann schreibt der Elite-Schleimer Mitteldeutschlands über Grönemeyers Ankunft 2015 in Leipzig von „Unglaublich und wahr“, von „Sensation“ , vom „legendären Musiker und Multitalent“, von einer „Ikone der internationalen Musikszene“, von „Welterfolg“ und klatscht dann noch Hinweise auf die erbarmungslosen Vorgänge im Hause Grönemeyer (Herbst 98) hinten dran, es muss schon ein wenig scheppern und ohne pseudo-emotionale Tritte in private Areale dürfen die Leser natürlich nicht entlassen werden. Außerdem darf er auch „Herbie“ schreiben.

Mir ist dieser Stil hochgradig zuwider, als  plakativ-populistische Anbiederung  unerträglich und im Grunde unlesbar. Denn so werden fast  täglich  Manager, Boutiquenbetreiberinnen,  Fußballtrainer, Tanzlehrerinnen, Starköche, Barbesitzer, Grundtücksmakler, schlechte Künstler….. von G.Sch. journalistisch etwas unappetitlich umwedelt.

Natürlich ist es meine Schuld, dass ich bei Grönemeyers Musik eher zu Tasten greife, mit deren Hilfe man die Lautstärke drastisch verringern kann. Ähnlich bei Maffay, Kaiser, Freudenberg, Berg, Fischer, Reim…..Wobei ich denke, dass Grönemyer auf einer wesentlich höheren Ebene kräht als die anderen Rossignolls. Und ich wünsche allen Freunden dieser Tonkunst wundervolle Stunden, Tage und Nächte. Immer gemäß des großen Friedrichs großen Worten: „Jeder soll nach seiner Facon selig werden.“

Doch das Konzert von Grönemeyer als Höhepunkt der Leipziger Jahrtausendfeier? Das überfordert mich. Als Höhepunkt. Was passiert demzufolge davor und danach?

Vielleicht kommt Yoko Ono oder Björk kreischt, bis die Glocken der Thomaskirche auf Johann Sebastians Grab fallen. Vielleicht verhüllt Christo das Völkerschlachtdenkmal und befreit mich gnädig für einige Tage von dem Anblick dieses häßlichen Steinhaufens. Vielleicht werden Page und Plant eingeladen, die sich dann im Stadion Mundharmonika und Gitarre um die Ohren  dreschen, wenigstens in Grönemeyers Vorprogramm. Oder die Erben und Schüler Tinguelys bauen auf dem Platz vor der Oper ein wundersames Vehikel, dass sich nach und nach selbst demontiert, während chinesische Drachen durch die Leipziger Nächte schweben. Oder Belafonte und Aznavour. Beide schon alt wie das Rosental, aber immer noch gut. Oder Colman, Corea, Jarrett, Zorn, Benson…..Es gäbe also zahlreiche konzertante Möglichkeiten, welche Grönemeyers Krönung flankieren könnten.

Grönemeyer als Krönung ?! In Grönland vielleicht. Dann könnte G.Sch.schreiben: Grönemeyer als Krönung in Grönland.

Aber ob die Eisbären Grönemeyers Krönungs-Musik mögen. Oder leben die Pinguine im Norden und die Eisbären im Süden ? Nein, ich denke die erste Eingruppierung ist korrekt. Vielleicht bekommen diese heroischen Pelztiere dann Schüttelfrost.Und das bei dieser Kälte. Noch mehr Frost.

Um die Tiere gütig zu stimmen sollte er vielleicht „Wann ist ein Eisbär ein Eisbär“ singen, doch keinesfalls „Eisbären im Bauch“.

Und wenn dann die Gröny-Band im Süden gastiert wird eine sensationelle Entwichklung in der Evolution von Pinguinen eintreten. Denn sie werden fliegend enteilen, sicherlich zu ihren bärigen Kollegen im Norden, inzwischen ohne Schüttelfrost.

 

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August 15, 2014 Posted by | Leipzig, Musik, Presse | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die unregelmäßig bearbeitete Serie „Jürgens Nachtgesänge“. Heute: „Mit Straßenbahn und Handys durch die Leipziger Nacht.“

Gestrige Nacht in einer Leipziger Straßenbahn, Linie 4

 

——————————————Ich, stehend——————————————-

 

Vor mir, links und rechts,  zwei Frauen und zwei Männer, sitzend mit Handy am Ohr, um die zwanzig, gleichzeitig telefonierend.

 

————————————————- „Hallo“

——————————————-„Nee“——– –„Ja“

———————————-„Ja“———–„Doch“———-„Nee“

————————– „Ach“——Fick Dich———„Ja“———-„Doch“

———————————-Genau———-„Ja“———–„Klar“

————————-„Doch“———-„Nee“——–„Ach“———–„Genau“-

———————————-„Nee“————„Ja“———–„Klar“

————————-„Nee“————„Doch“——–„Ach“———„Doch“

———————————„Genau“———„Klar“———„Doch“

————————-„Ja“————-„Nee“———-„Ach“———„Hallo“

———————————„Genau“———„Doch“——„Fick Dich“

——————————————-„Ja“————-„Nee“

————————————————–„Hallo“

Unwesentlich überspitzte Version von Christian Morgensterns „Fisches Nachtgesang“.

 

Literatur der Woche

Christian Morgenstern

und

Wolfgang Borchert 

Ich habe Borchert erstmalig im 16. Lebensjahr gelesen und die Kurzgeschichten berühren mich immer noch. Es ist nicht selbstverständlich, dass Literatur, in frühen Jahren gepriesen, nach einem halben Jahrhundert immer noch bejubelt wird.  Bei H.Hesse, R.Rolland oder S. Zweig  (schreibende Giganten meiner Jugend)  rolle ich z.B. heute bei manchen Werken durchaus genervt mit den Augen und schiebe die Lektüre in das unterste, staubigste Bücherregal. Borchert liegt ziemlich weit oben, weniger staubig.

Musik der Woche

„Peter Grimes“ von Benjaminn Britten

Malerei der Woche.     Heute:  Malerei der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert in Paris

Maurice Utrillo, ausgewählte Werke, keinesfalls das Gesamt-OEvre.

Utrillo, ein standhafter Säufer vor dem Herrn, der seine Kneipenrechnungen auch schon einmal mit Skizzen auf Bierdeckeln beglich. Vielleicht auch nur Legende. Sohn von Suzanne Valadon. Eine Frau von heiterer Grundausstattung, die sich auch Toulouse-Lautrec und Satie im mittleren Körperbereich öffnete. Oder in der oberen Region.

Denn wie sagte doch Alma Mahler-Werfel so schön sorglos:

“ Nichts schmeckt besser als der Samen eines Genies.“ (oder so ähnlich)

Ich denke, da hätte Sie auch mich umworben.

Filmmonolog der Woche

Marmeladows besoffenes Gebet gen Himmel in der russischen Verfilmung von „Schuld und Sühne“ (1970). Mitunter nervt die Pathetik etwas. Dennoch ein bemerkenswerter Film. Mit einem herausragenden Innokenti Smoktunowski ( auch Teilnehmer in „Schwarze Augen“ mit Mastroianni, nach Tschechow). Gleichfalls ein vorzüglicher Streifen.

Diese 201 Minuten russische Filmkultur können bei Amazon für knapp 8 EURO käuflich erworben werden.

 

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August 5, 2014 Posted by | Leipzig, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die Staatspleite in Argentinien

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Argentinische Pesos, vielleicht auch Pesi? Oder Pesoten?

Gestern, 31. Juli, gegen 7.45 Uhr, Deutschlandfunk:

Gespräch der DLF-Journalistin H. mit einem argentinischen Kollegen ( ? Rodriguez ) in Buenos Aires über die „Staatspleite“ in Argentinien (Vorname ist mir entfallen).

Herr Rodriguez bemühte sich sofort um eine Relativierung und widersprach der Gleichsetzung der aktuellen Lage mit der Situation von 2001, als das Land tatsächlich in eine Schlucht schaute  und  Verfall und Auflösung möglich waren.

Auf die  Frage des DLFs nach den möglichen Folgen für die Bevölkerung relativierte R. erneut und sprach von kaum spürbaren Konsequenzen, zumindest kurzfristig.

Er erörtete mit bemerkenswerter Rhetorik und Sachverstand die Lage, gestattete sich keine Banalisierung und ordnete Wertigkeiten  überzeugend ein.

Er erläuterte mir  (Bei der Erfassung ökonomischer Zusammenhänge  stehe ich auf der Ebene eines Faustkeil-Kämpfers)  die Möglichkeit einer argentinischen Zahlungsunfähigkeit, die Bemühungen argentinischer Privatbanken und erwog mutmaßliche Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Ohne Pathos und nie lärmend.

Nach der Verabschiedung wiederholte die DLF-Journalistin nochmals scharfsinnig das Anliegen der Unterhaltung:

„Wir sprachen mit ( ? ) Rodriguez in Buenos Aires über die „Staatspleite“ in Argentinien.“

 

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 Gürteltier mit Zahnschmerzen im hinterem Bereich des Gebisses, ersichtlich am neunten Streifen von vorn

 

Da hätte Herr Rodriguez auch mit einem Gürteltier mit Zahnschmerzen im hinterem Bereich des Gebisses konferieren können. Sicher hätte man eine ähnliche Ignoranz erwarten können.

Also doch eine“ Staatspleite“ und Argentinien wird staatspleitenbewusst in den Antlantik abtauchen, sich um Kap Hoorn winden und im Umfeld der Osterinseln ankern. Da stört das Land niemanden und es gibt genug Arbeitskräfte für die Modellierung weiterer Steinheinis.

Hätte diese „wichtige und wissende“ DLF-Ignorantin nicht von finanziellen oder wirtschaftlichen Problemen Argentiniens sprechen können, klänge hilfreicher und optimistischer. Oder von einer Krise, meinetwegen auch Staatskrise. Aber nein, unter der „Staatspleite“ geht es nicht. Ab „Staatspleite“ wird es interessant, da dröhnt es so richtig. Bei „Staatspleite“ bleiben die Hörer wolllüstig am Lautsprecher.

Ich glaube aber nicht, dass wegen dieser „Staatspleite“ die Argentinier wie Gauchos in Müller/Klose – Manier und dem Intellekt eines Fußballschuh-Schnürsenkels durch die Gegend hopsen.

Ich höre Deutschlandfunk seit 1963 und muss seit einiger Zeit auch bei „meinem“ Sender die Anfänge einer kulturellen Verwahrlosung wahrnehmen. Das ist bitter.

Und ich lege jetzt „Mache mögen’s heiß“ in die Maschine, zelebriere  die Szene des argentinischen Tangos mit Jack Lemmon und Joe E. Brown und denke an meine absehbare Durchquerung der Landschaft zwischen Salta und Patagonien.

 

Musik des Tages:

Scott Walker

„Tilt“ und „The Drift“

 

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August 1, 2014 Posted by | Leipzig, radio | Hinterlasse einen Kommentar