Juergen Henne Kunstkritik

John Cale und Jürgen Henne in der Leipziger Peterskirche sowie Lou Reed, Maureen Tucker, Andy Warhols Banane, Velvet Underground in Paris und ein Reibeisen auf der Insel

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Neugotische Peterskirche (links) am Leipziger Gaudigplatz, vormals Schletterplatz (1876 – 1886). Höchster Kirchturm der Stadt, unweit des Bayerischen Bahnhofs und der Deutschen Nationalbibliothek.
Gleichfalls nahe dröhnt das bedrohliche, unsäglich hässliche Völkerschlachtdenkmal.
Also für eine touristische Nachmittagsbegehung durchaus nicht ungeeignet.
Am kommenden Montag, 25. Februar spielt John Cale (unten) in der Peterskirche, Gründungsmitglied von „Velvet Underground“ mit Lou Reed, Sterling Morrison und Maureen Tucker, die wundervolle, ständig stehend trommelnde und etwas androgyne Schlagzeugerin.
Und da war natürlich auch noch Nico.
Andy Warhols Cover zur ersten Scheibe von „Velvet Underground“ (1967)wurde zur Legende (Banane).

Nach Leipzig kommt Cale aber allein.

Lou Reed sah ich vor wenigen Monaten bei einem Konzert am Dresdner Elbufer. Wenn ich daran denke, gehe ich immer noch bei Nacht im Bett in den Handstand.

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Nach dieser Veranstaltung in der Peterskirche wäre es dann angemessen, zur anspruchsvollen Abrundung des Abends die DVD „MCMXCIII“ (1993) einzulegen, ein Konzert mit „Velvet Underground“, für kurze Zeit vereint, aus dem Pariser Olympia, eben von 1993. Also mit allen ehemaligen Strategen.
Was sich da über fast 60 Minuten so abspielt, ist unbeschreiblich.
Der wegweisende Titel bleibt „Heroin“.
Wenn dann Lou Reed mit seiner fast schmerzhaft schrägen Stimme zwischen seine Gitarre nölt, Maureen Tucker wie ein Berserker, natürlich stehend und mit feuchtem Rücken, auf das Schlagzeug drischt und John Cale selig abhebt und fast eine erotische Beziehung zu seinem Streichinstrument aufbaut, begebe ich mich in das Elysium zeitgenössischer Musik.
Wenn mir einmal die alberne Frage nach den Dingen für die Insel gestellt werden sollte, würde ich zunächst meine Frau, eine Kuh, eine Tonne Kartoffeln und ein Reibeisen bevorzugen.
Und als Zugabe natürlich das gesamte Oevre von „Velvet Underground“, Lou Reed, John Cale und Maureen Tucker.
Auch bei der Frage nach Wunschpartnern für eine mögliche Bierrunde würde ich mich über die Gewährung meiner Bitte freuen, in den Bund nicht als dritter, aber als vierter eintreten zu dürfen.

Als Vertiefung für weniger gebildete Zeitgenossen. Das war gerade ein erbärmlich dürftiges Späßchen auf Schillers Kosten.

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juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

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Februar 22, 2013 Posted by | Leipzig | 1 Kommentar

Jürgen Henne und Jens Kassner

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JH, der Menhir, in Korsika

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JH auf dem Weg nach Wasa

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JH und Nike de Saint Phalle, rechts

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Das Motiv für die folgende Veröffentlichung des unaufgeregten Mail-Dialogs zwischen Jens Kassner und mir ergab sich aus einem Text, den er auf seiner Homepage preisgab.
(„Aporien des Zerpflückens von Artefakten“, vom 30.Januar 2013)

Jens Kassner agiert als führender Journalist der Leipziger Volkszeitung im Bereich Bildende Kunst.

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20.01.2013

Lieber Jens Kassner,

ich bin nun nicht gerade Mitglied des Zentralrats im „Freundeskreis Leipziger Volkszeitung“ und wähle das Blatt als Lesestoff eher spontan. Deshalb auch nicht immer die aktuelle Ausgabe.

Ich habe jetzt Ihren Text zum winterlichen Spinnereidurchmarsch zur Kenntnis genommen und bin doch irritiert.
Ohne fachwissenschaftliche Kriterien für eine angemessene Ausstellungs – bzw. Kunstkritik zu zelebrieren, denke ich, dass dieses Format dem Informationsbedürfnis im Kleingartenverein „Steifes Frettchen“ über den Säuerungsstand der Gülle entsprechen würde.

Gerade bei diesen Rundgängen böte es sich doch an, Leipzigs Kulturszene im Bereich Bildende Kunst einmal auseinander zu filzen, auch nach qualitativen Gesichtspunkten, wie Aschenbrödel und Ihre Flattertiere diese albernen Körner.
Ich habe panisch nach Wortgruppen gefahndet, mit denen man wenigstens in sanftem Rahmen Ihre Beurteilungen über einzelne Galerien aufspüren könnte.
Doch bekäme ich zuvor den Grünen Star, ehe ich derartige Versuche wahrnehmen dürfte.
Es bleibt bei schlichten Situationsschilderungen, einer mühselig-simplen Aufzählung der Galerien, von deren Kunstschaffenden und prominenten Besuchern.
Mich hat die Rumplanscherei bei Queen Anne ziemlich genervt. Und die Ablagerung von Geräten und Fotos, die für Zeichnungen verwendet werden und damit den Enstehungsprozess von Kunst dokumentieren sollen, ist alt wie das Rosental und verweist auf ein bemerkenswert dürftiges Kreativitätspotential (Zonder).

Ich hätte mich in einer Zeitung entsprechend geäußert.
Sie aber fanden scheinbar das gesamte Angebot erstrangig. Dadurch bleibt der journalistische Weg natürlich weitgehend frei von Beschwerden.
Kunstkritik entwickelt sich zur Farce, allerdings nicht nur in Ihrem Wurstblatt.
Ich habe zwischen 1989 und 2004 die Künstlerscharen in Leipzig behelligt, auch in der LVZ. Mit Redakteuren wie Gisela Hoyer musste ich qualvolle Debatten bewältigen und konnte meine etwas cholerische Grundausstattung nicht immer zähmen.
Doch rühmte mich u.a. die verstorbene Galeristin Gerda Viecenz nicht selten mit dem Hinweis, dass die Künstler nach meinen Artikeln wieder miteinander redeten, sich stritten und die Paletten an den Kopf warfen.
Nach Ihren Texten dürften sich bei allen Kunstgetriebenen, aktiv oder passiv, eher die Gähnmuskulaturen aktivieren.
Ich habe mich, als die Veränderungen und Streichungen an meinen Texten die Grenzen zur Absurdität überwanden, von drittklassigen Schreibern betrieben, von dieser Zeitung verabschiedet.
So viel Stolz muss sein.
Und weshalb eigentlich immer Lybkes Bude als optisches Zentrum.

Beste Grüße

Jürgen Henne
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20.01.2013

Guten Tag Herr Henne—–

um es gleich zu sagen: mir wird das Anliegen Ihres Anschreibens nicht ganz klar. Möchten Sie, dass ich aufhöre, für die LVZ zu schreiben? Dann wäre ich für Vorschläge zur Finanzierung meines Lebensunterhaltes gespannt. Ich bin zwar ein Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens, glaube aber nicht, dass dies in der Bundesrepublik Deutschland oder sonst irgendwo mittelfristig Realität werden könnte. Also muss ich zwangsläufig nicht mich selbst, aber eigene Produkte auf dem Markt verkaufen. Und da kann ich deutlich ausdrücken, dass mir die Zuarbeit für die LVZ im Bereich Kunst- und Literaturkritik viel mehr liegt als die PR-Arbeiten, die ich auch mache.

Ich lese aus Ihrem Text heraus, dass Sie mir hauptsächlich vorwerfen, unkritisch zu sein. Das ist interessant. In Chemnitz, wo ich über 14 Jahre die Ausstellungsrezensionen für das Stadtjournal „Stadtstreicher“ geschrieben habe, hatte ich das Image, derjenige zu sein, der alles durch den Kakau zieht. Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir auch schon einmal eine Auseinandersetzung per Kommentarfunktion, da Sie Chemnitz als so eine super Kunststadt darstellten und ich Widerspruch äußerte. Zu diesem Thema können Sie sich mal die Freie Presse vom 12. Januar besorgen, wo ich das Rauch-Gemälde „Die Abwägung“ interpretiere.

In Leipzig, wo ich seit sieben Jahren (wieder) wohne, habe ich offenbar noch nicht diesen Ruf des notorischen Nörglers. Falls Sie sich aber die Mühe machen, meine seit zwei Jahren in der LVZ erschienenen Artikel auf meiner Website nachzulesen, werden Sie merken, dass es da auch einige echte Verrisse gibt und noch häufiger mehr oder weniger diplomatisch verpacktes Unbehagen. Und gerade zu meinem Bericht über den Herbst-Rundgang in der Spinnerei gab es ja eine heftige Auseinandersetzung mit Arne Linde von ASPN, die sie auch nachlesen könn(t)en. Und vorher, zum Frühjahrs-Rundgang, gab es gar einen Protestbrief, den alle Spinnerei-Galerien unterschrieben haben. Weshalb also haben Sie „panisch nach Wortgruppen gefahndet“, die beim aktuelen Artikel Kritik an einzelnen Ausstellungen darstellen könnten, wenn sie eigentlich keine Lust haben, außer dieser natürlicherweise sehr pauschalen Überblicksdarstellung auch differenzierte Artikel zu einzelnen Ausstellungen zu lesen?

Damit sind wir dann beim „Wurstblatt“, wie Sie es nennen. Auch zu diesem Thema hatte ich vor einer Woche eine heftige Auseinandersetzung mit Volly Tanner auf Facebook, ist ebenfalls mit etwas Aufwand noch nachlesbar. In den zwei Jahren, in denen ich unterdessen regelmäßig für die LVZ schreibe, werden ab und zu Überschriften verändert, in den eigentlichen Text ist aber bisher nur ein einziges Mal ernsthaft eingegriffen worden. In diesem Fall muss ich aber dann auch zugeben, dass es dafür Berechtigung gab. Gisela Hoyer kenne ich nicht persönlich, sie ist wohl auch gar nicht mehr bei der LVZ. Mit Jürgen Kleindienst und Janina Fleischer, mit denen ich es hauptsächlich zu tun habe, gibt es ein gutes kollegiales Verhältnis. Von einer Zensur meiner Texte kann ich da absolut nicht sprechen. Auch schon bevor ich aktiv für diese Zeitung zu arbeiten begonnen habe, war ich immer wieder in der seltsamen Situation, sie verteidigen zu müssen. Nicht, weil ich die LVZ für das ideale Presseorgan halte, sondern aus dem Vergleich mit anderen heraus. An der Freien Presse habe ich mich viele Jahre gerieben. Auch Sächsische Zeitung und Mitteldeutsche Zeitung nehme ich gelegentlich wahr. Und darum kann ich sagen, dass die LVz vor allem im Bereich Kultur besser ist. Quantitativ lässt sich das ganz klar nachweisen. Bei der Qualitatät kann man selbstverständlich geteilter Meinung sein. Ich finde aber, dass auch in dieser Beziehung die LVZ nicht so schlecht ist. Nun etwa Vergleiche mit FAZ, Süddeutscher oder Tagesspiegel zu ziehen, ist Quatsch. Da vergleicht man Bananen mit Gurken, nur weil beide länglich sind und eine Krümmung aufweisen.

In Ihre Website sehe ich alle ein bis zwei Monate mal rein, dann aber auch rückblickend, was seit dem letzten Besuch passiert ist. Und da frage ich mich immer wieder, warum Sie ihre Existenz als Kunstkritiker so in den Vordergrund stellen. Ich kann nicht feststellen, für welches Medium Sie eigentlich als solcher tätig sind. Und gerade auf der Website hätten Sie ja dann die Möglichkeit, ohne alle Hemmungen und Rücksichtnamen die Kritik so richtig auszuleben. Aber das kann ich so nicht feststellen. Offensichtlich waren Sie doch beim Rundgang vorige Woche. Warum veröffentlichen Sie dazu keine differenzierten Eindrücke, die ich mir als Vorbild für spätere Artikel nehmen könnte?

So bin ich wieder beim Anfang. Was wollen Sie mir eigentlich nahelegen? Ich verstehe es nicht.

Viele Grüße
Jens Kassner

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21.01.2013

Aber nicht doch, lieber Herr Kassner, verlassen Sie keinesfalls die Leipziger Volkszeitung, es könnte dann noch viel schlimmer kommen.
Das Anliegen meiner Klage scheint mir recht plausibel.

Ich besuchte die Winterprommenade in der Spinnerei und sah Müll, bemerkenswerte Kunst und reichlich dazwischen. Also Grund für einen souveränen Text mit kunstkritischen Einwürfen. Ich suchte bei Ihnen vergeblich. Eine ungenutzte Chance.
Das war es schon, tiefer wollte ich mit meiner Mail gar nicht schürfen.
Es dominierte einfach nur der Pessimismus.

Ich freue mich an der Auflistung Ihre guten Taten in Chemnitz, Leipzig und den mitteldeutschen Zeitungen. In der DDR wäre dafür ein Lob im Tagebuch Ihrer Pioniergruppe erfolgt.

Sie fragen natürlich zu Recht, weshalb in meinem Blog kein Beitrag zum Winterrundgang erschien. Die Antwort ist lausig schlicht. Ich hatte keine Lust.
Ich habe mein letztes Lebensviertel eröffnet und gleichzeitig die Prioritäten verlagert. Mich interessiert sächsische Kunst und deren Ausstellungsszene nur noch am Rand. Nach 89 entwickelte ich mich auch zu einem Zeitungsfreak. Auch das hat sich geändert.
Deshalb kann ich Ihre Aktivitäten in den einzelnen Blättern nicht so recht beurteilen.
Ich las aber Ihren Text zum Rundgang, danach musste ich mich richten.

Meine Teilnahme an Foren und anderem Internetgesülze habe ich gleichfalls radikal reduziert. Ihr Dialog mit Tanner auf Facebook erreichte mich deshalb nicht. Wobei ich allerdings Sorgen habe, ob er ein geeigneter Gesrächspartner ist.
Mir erschließt sich nicht Ihr Eindruck, dass ich meine Existenz als Kunstkritiker in den Vordergrund stelle.
Irgendeine Adresse muss ich mir doch geben. „juergen-henne-maulwurfzucht“ oder „juergen-henne-sprungschanzenhersteller“ würden sich nicht eignen. Deshalb wählte ich „juergen-henne-kunstkritik.“
Auch nicht „juergen-henne-kunstkritiker.“ Erfassen Sie den sensiblen Unterschied?
Ich bringe in meinem Blog eben vorrangig Beiträge zur Kunst, einschließlich Musik und Film. Und „juergen-henne-kunstkritik“ schien mir angemessen
Natürlich schreibe ich fast nicht mehr für „Medien“. Und das wird auch so bleiben.

Mich öden weitgehend diese ganzen Mechanismen des Kunstmarktes, der Kunstpresse, der Kunstvermittlung an. Außerdem die Einsicht, dass Qualität nur noch eine drittrangige Position einnimmt. Ich denke dabei z.B an die lächerlichen Preisverteilungen bei Bildender Kunst und Literatur, auch in Sachsen.

So gewann vor einigen Jahren Christoph Ruckhäberle den Preis der Leipziger Jahresausstellung.
Und jetzt stelle Sie sich bitte vor die beiden Bilder Ruckhäberles, welche das Bildermuseum sicher für viel Geld gekauft hat. Und dann schreiben Sie bitte darüber, natürlich in der LVZ.
Ich hatte wenige Gespräche mit Schmidt und Nicolaisen vom Museum, welche damals die hohe Qualität der Schenkung von Bildern der „Schule von Barbizon“ rühmten.
Schauen Sie sich die Arbeiten an und dann schreiben Sie.

Und schreiben Sie bitte auch über diese unsäglichen Höfe am Brühl.

Ich bevorzuge jetzt meinen Blog, locker, ironisch bis zynisch mit mittlerem Anspruch und Freude an der Sprache und an ganzen Heerscharen von Lesern.
Außerdem verfasse ich noch Texte für deGruyters Künstlerlexikon, früher Thieme/Becker, da bin ich gut aufgehoben und muss sehr ernst und akribisch bei der Sache sein. Blog und Lexikon, eine feine Mischung. Für Mediengequarke stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Sicherlich will mich auch niemand.

Und ich hoffe, dass sich einige Unerträglichkeiten bei Ihrer Zeitung aufgelöst haben.

2003 schrieb ich den Text zu einem damals schon verstorbenen Künstler, eher mäßige Qualität.
Tags darauf erschien dazu in der LVZ eine zornige Protestnote zahlreicher Künstler Leipzigs und ich erhielt Anrufe von etwas infatilem Zuschnitt (“ Sie sind feige, weil sich der Künstler nicht mehr wehren kann“). Selbst Heisig kam vom Norden in die Mitte.
Die Zeitung erteilte mir sechs Monate Schreibverbot.
Danach brachte ich noch einige Kritiken und verabschiedete mich zügig. Mir stand das alles bis zu dem legendären Hals.
Also sehen Sie sich vor.
Aber vielleicht hat sich doch einiges geändert.

Beste Grüße

Jürgen henne
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29.01.2013

Lieber Jens Kassner,

ich habe Ihren aktuellen Beitrag noch nicht gelesen. Vielleicht bleibt es auch so.

Ich denke, Ludwigs Dauerleihgabe von Heisig-Bildern als eine zentrale Austellung des Jahres zu rühmen, ist eine Zumutung. Dazu noch Petricks pubertärer Kram.

Im Februar dann die Sparkasse mit Penck, Kowski, Herold, Puder, Ebersbach, Kaeseberg, Baselitz, Rauch….., ich erstarre, dieser fast bizarren Einfallslosigkeit wegen.

Und danach noch Klinger. Max gab es doch schon vor einiger Zeit. Das wird ein spektakuläres Jahr.
Wachen Sie auf, Herr Kassner. Dieses Programm des Bildertmuseum, im Zusammenhang mit dem Winterdurchmarsch in der Spinnerei, sollte Sorgen bereiten.
Leipzigs bildende Kunst lebt nur noch von Meriten und der Weg zur Halde kann kurz sein.
Mann muss einfach darüber schreiben.

Beste Grüße

Jürgen Henne
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29.01.2013…….Kassner an Henne

dann schreiben Sie doch darüber! Ich jedenfalls lasse mir weder von Arne Linde noch von Jürgen Henne die Themen vorschreiben, auch nicht die Bewertungen. Wer rühmt denn die aktuelle Ausstaeelung des Museums als zentrale Ausstellung? Wunderbare Projektion eigener Erwartungshaltungen wie schon bei der Krizik an meinem Rundgang-Artikel.

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4.02.2013

Lieber Jens Kassner,

Ihre cholerischen Gene scheinen ja unter Daueralarm zu stehen. Dagegen bin ich ja fast ein Phlegmatiker.

Bei den etwas derben und eher schlichten Reaktionen auf wohlmeinende Kritik stampfen Sie sicher noch mit den Füßen auf das Parkett und zertrümmern die Tischplatte.

Ich will Ihnen doch keineswegs etwas vorschreiben. Pinseln Sie doch, was Sie wollen. Ich informierte Sie ja schon über mein steigendes Desinteresse gegenüber bildkünstlerischen, galeristischen und journalistischen Abläufen in Sachsen.

Ich verfasse noch diesen und jenen Katalogtext, überwiegend in bescheidenen Maßen, doch von bemerkenswert erstrangigem Inhalt. Sonst agiere ich als Randbeobachter.

Ich hoffe aber auch, dass Sie sich tatsächlich von „Niemand“ befehligen lassen. Ich habe da etwas Sorgen.

Gönnen Sie mir aber bitte noch zwei Punkte, die mich etwas ängstigen.
Ich werde Sie dann nicht weiter behelligen, nicht einmal nach dem nächsten Urknall.

Auf der Homepage des Leipziger Bildermuseums wird am Beginn des Textes zur Ausstellung der Deutschen Bank eine scharfsinnige Analyse angeboten:

„Die Themenspektren der Künstler – unter ihnen Gerhard Richter, Imi Knoebel, Blinky Palermo, Georg Baselitz und Neo Rauch – variieren aber weisen auch Übereinstimmungen auf………“, u.a. auch die Auseinandersetzung zwischen Figuration und Abstraktion.

Bei Künstlern von derartig unterschiedlicher Gangart gibt es also Varianten und Übereinstimmungen, gibt es figurative und abstrakte Kunst.
Eine gnadenlos feinsinnige und tiefschürfende Einschätzung.

Abgesehen von der handwerklich sauigen Sprache, bedrängt mich das inhaltliche Nichts.
Wenn aus diesen geschwafelten Texten die Luft entweicht, bleibt nur noch ein Semikolon übrig.
Und ich beobachte die eindeutige Dominanz derartiger Malträtierungen auch in der regionalen Kunstkritik.

Bei „Picasso und die Frauen“, vor einigen Jahren in Chemnitz, verfolgte ich sehr aufwendig die Pressereaktionen.
Nur Euphorie, hymnischer Jubel, Sensation…….
Auch im Besucherbuch vor den Ausstellungsräumen eine Verzückung, ein Überschwang.
Mir schien, alle Besucher und Journalisten vereinigten sich zu einer kollektiv-nassen Erektion, Ich weiß nicht, wie Sie diese Ausstellung beschrieben haben.

Ich empfand sie als untergrottig und weiß, dass ich das richtige Urteil ablege. Und das ist keine Frage des Geschmacks. Qualität ist nie die Frage des Geschmacks.
Durch diesen unerträglich leichtfertigen Umgang mit Kunst und Kritik (Picasso = grundsätzlich Weltklasse und unantastbar), durch Beliebigkeit, Feigheit und fehlende Kompetenz werden Qualitätsmaßstäbe aufgehoben, Kritik scheint entbehrlich und schafft sich selbst ab.

Das sind u.a. meine Sorgen und darüber sollten Sie auch schreiben.

Ich äußerte mich dazu vor einigen Jahren im Leipziger „Kunststoff“, Ausgabe zwei oder drei, mit einer Antwort von Hametner.

Und jetzt Stille.

Beste Grüße
Jürgen henne

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Februar 8, 2013 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar