Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und eine „Vorstadt“- Christoph Ruckhäberle im Leipziger Bildermuseum

„… die Szenen werden mit großer Detailgenauigkeit und malerischer Sorgfalt ausgeführt.“

Mela Maresch im Katalog „Made in Leipzig,“ (Sammlung Essl) zu der Kunst von Christoph Ruckhäberle, S. 126)

Ich las diesen Satz und fiel vom Stuhl. Ich reaktivierte meine Erinnerungen an Bilder Ruckhäberles bei verschiedenen Ausstellungen und biss in den Teppich. Wie Rumpelstilzchen tobte ich an meinen Bücherregalen entlang und suchte Kataloge mit weiteren Beispielen seiner Kunst und endete dann hechelnd und mit grünlichem Atemausstoß vor Christoph Ruckhäberles „Vorstadt(Suburb)“ im Leipziger Bildermuseum.
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Oktober 30, 2007 Posted by | Kunst, Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

„Enttarnt“ mit Chris Cooper

Wenn Chris Cooper die Szene betritt, fallen die Spechte von den Bäumen, sucht sich der Fluss ein neues Bett und die Akteure an seiner Seite sehnen sich ohnehin in die Rolle einer flüchtigen Eidechse. In Bill Rays „Enttarnt“ müssen die Schauspieler an Coopers Seite einen heftigen Kampf um ihre darstellerische Selbstbehauptung führen. Und es gelingt. Ryan Phillippe als FBI-Jüngling und Laura Linney, schon auf einer höheren Hierarchiestufe, kreisen nicht nur als halbdunkle Trabanten um Cooper, versickern nicht als aufgeweichte Nugatmurmeln in einer gigantischen Torte. Mit ihren souveän gespielten Nuancen des Mißsstrauens, von Respekt, Furcht und Raffinesse komplettieren sie die präzise charakterliche Zeichnung von Robert Hanssen(Chris Cooper), der über Jahre als Spion ungenehmigte Brücken zwischen FBI und KGB schlägt.
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Oktober 23, 2007 Posted by | Film | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die „Neue Leipziger Schule“ – Kunstkritik in Leipzig

Ab 1. November wird das Torgauer Schloss von den Bildern der Leipziger Schule befreit, von der alten, der prä-alten und post-alten, der mittleren, der vormittleren, nachmittleren und der Neuen Leipziger Schule. Dreißig Wochen konnten Besucher für verwegene 7.50 Euro vor einer Kunst abknien, welche sich weitgehend im entspannten Mittelmaß erholt. Vor allem die fotografierten und gemalten Bilder der jüngeren Kameraden hatte man nach dem Rundgang auf dem Weg zur Bockwurstbude wieder vergessen.

Doch gerade vor diesen kalkulierten Oberflächlichkeiten von Weischer, Kobe, Ruckhäberle, Eitel u.a. durfte man nicht nur, man musste das Scharnier zwischen Ober-u. Unterschenkel demütig verbiegen. Denn nach der öffentliche Hysterie, nach der symbolischen Überführung dieser Künstler in die Walhalla deutscher Kultur hätten skeptischen Gesten sicherlich einen unbarmherzigen Jähzorn bei den Knienden erzeugt und der Skeptiker wäre vielleicht bei einer Party brünstiger Hechte am Grund der nahe fließenden Elbe filetiert worden.

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Oktober 21, 2007 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig | | 1 Kommentar

Nobelpreis für Doris Lessing

Der Literatur von Pearl S. Buck näherte ich mich auf einem Nebengleis durch Sidney Franklins Verfilmung von „Die gute Erde“. Sigrid Undsets „Kristin Lavranstochter“ gönnte mir in spätpubertären Zeiten eine bislang unbekannte Schnelligkeit bei der Bewältigung der Einschlafphase. Den“Fuhrmann des Todes“ von Selma Lagerlöf las ich und sicherlich auch die Geschichte um Nils Holgerssons Dauerurlaub. Einige Sätze von Elfriede Jelinek hat jeder gelesen. Bücher von Nelly Sachs, Gabriela Mistral und Nadine Gordimer interessierten mich nicht.
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Oktober 16, 2007 Posted by | Leipzig, Presse | 1 Kommentar

Jürgen Henne und Wassili Wereschtschagin

Hier mein angekündigter Text über Wereschtschagin. Nicht ganz neu, aber aktuell und vor allem hochwertig. Denn er ist von mir.

…“Nur die Gräfin hat einen Zug um den Mund, der mich reizen könnte.“„Du hast sie gesehen?“ „Ja, in der Wereschtschaginausstellung. Sie lächelte sehr richtig über die Schädelpyramide dieses törrichten Gruselmachenwollers.“

Ein promovierter Vielredner lobte in Otto Julius Bierbaums Roman „Prinz Kuckuck“ von 1907/08 die vermeintliche, scheinbar mit mimischer Souveränität vorgetragene Beurteilungskompetenz einer Ausstellungsbesucherin bei der optischen Wahrnehmung eines Bildes des russischen Künstlers Wassili Wereschtschagin. Abgesehen davon, daß der „Gruselmachenwollers“ nicht gerade als Beitrag zu einer sprachästhetischen Lustorgie gewürdigt werden kann, häuften sich zeitgenössische Urteile, deren Verfasser die „törrichte“ Grundhaltung Wereschtschagins nicht unterstreichen wollten. Adolph Menzel, nicht nur eine Fußnote in der Kunstgeschichte des 19.Jahrhunderts, registrierte die künstlerischen Qualitäten des Russen mit einem salopp-euphorischen „Der kann alles“. Und Ilja Repin zementierte seine Wertschätzung in den Wortbombast: „Wereschtschagin ist eine überwältigende Persönlichkeit. Er ist ein wahrer Recke.“
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Oktober 16, 2007 Posted by | Kunst, Neben Leipzig | | 3 Kommentare