Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne mit Verstreungen und Verstrickungen, Freude und Flaute von 0 bis 0 oder 12 bis 12

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Jürgen Henne als Meister der Organologie…..

Violine und Klavier im Schlösschen (Gohliser Schlösschen in Leipzig/Gohlis).
Eine Konzertanzeige in der einzigen Leipziger Tageszeitung (1./2. August).

Im weiteren Text wird dann die Teilnahme des Pianisten und eines Cellisten angekündigt.
Ein Cellist bei einem Konzert mit Werken für Klavier und Violine.
Das lässt mich durchaus stutzen.
Sicher sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, nicht päpstlicher sein als der Papst, nicht den Kümmel aus dem Käse pulen und überhaupt die Kirche im Dorf lassen.

Und sicher rüttelt oder streicht man mehr oder weniger gewalttätig sowohl am Cello als auch an der Violine mit einem Bogen über die Saiten.
Beide Hohlkörper wurden in die Kategorie Streichinstrumente aufgenommen.

Ich stelle mir aber nun vor, in einem Konzertprogramm werden Hendrix-Variationen für Klavier und E-Gitarre annonciert, ein Zupfinstrument.
Auf der Bühne stehen aber ein Klavier und eine Harfe, gleichfalls ein Zupfinstrument. Also dann „Purple Haze“ und „Voodoo Child“ in Debussy-Manier.
Ich liebe Debussy, aber „All Along the Watchtower“ (Eigentlich von Dylan) an der Harfe. Müsste man sich daran gewöhnen.

Oder ein Konzert für Klavier und Triangel wird empfohlen, eindeutig ein Schlagzeug.
Doch die Bühne betreten ein Pianist und ein Kesselpauker, also ein Schlagzeuger für ein Schlaginstrument.
Als Ersatz für lieblich sanfte Triangelmusik ist die Kesselpauke nur bedingt geeignet. Eher als akustische Grundierung auf Charons Fähre bei der Fahrt auf dem Styx, unterstützt durch die dusslige Bellerei von Kerberos.

Oder der feierlich majestätische Gong (bzw. Tamtam), natürlich Schlaginstrumente, bei Mussorgskis Kiew-Tor wird durch eine Kesselpauke ersetzt. Oder durch eine Triangel oder durch ein Tamburin, auch ein Schlaginstrument.

Und wenn ich ein Stück Violine hören will, würde mich der Cello-Ersatz stören.
Und wenn ich mich auf ein Cello-Konzert vorbereite, könnte eine Violine missmutige Grundstimmung bei mir erzeugen.
So einfach ist Leben.
Natürlich sind beide Instrumente Wundergaben aus dem Elysium.

Ich bitte also, zukünftig die Benennung der Streichinstrumente in Beiträgen mit auffällig geringem Umfang präziser zu handhaben.

Ich weiß es immer noch nicht. Säbelte gestern, nur wenige Meter von meiner Behausung, nun ein Geiger oder ein Cellist an seinem Instrument herum.

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….. als bedeutender Züchter der Gemeinen Pertersilie…..

Für ein eingetragenes Mitglied der Senioren-Gesellschaft „Ewig köchle der Eintopf“ muss natürlich eine regelmäßige Ernte dieses Grünzeugs gewährleistet sein.
Nahrungssoziologische Umfragen machten deutlich, dass besonders der deutsche Mann eine kontinuierlich angebotene Schüsselverpflegung bevorzugt.
An meiner ausufernden Männlichkeit sollte deshalb nicht gezweifelt werden.
Und im sächsischen Ableger der UNESCO wird gemunkelt, meine Kartoffelsuppe und meine Erbsen-bzw. Reiseintöpfe zumindest in das mitteldeutsche Kulturerbe aufzunehmen.

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…..als Fachmann serieller Kunsttheorien in der Funktion eines Meisters der seriellen Fotografie (Leipzig/Eutritsch)…..

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…..als Meister der Obstbearbeitung (Johannisbeeren)…..

Wenn ich Mitmenschen begegne, die in Kaufanlagen ihren Beerenkorb mit ein paar Gramm vom benachbarten Gefäß anreichern, um sieben Cent zu sparen und sich dabei selbst und ihre atemberaubende Coolness feiern, würde ich gern die Aufforderung entgegennehmen: „Henker von Leipzig, walte Deines Amtes.“
Oder Pfirsiche kneten, bis der Fruchtstein sichtbar wird.
Oder wenn Brot und Brötchen bearbeitet werden, bis sich der Naseninhalt oder das feuchte Schamhaar von gerade abgeschlossenen Kratzhandlungen unter den schmutzigen Fingernägeln gelöst haben und mit der Teigware eine schmierig-körnige Einheit bildet.

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…..als Meister der Entomologie

Verbunden mit einem Beitrag der eher unregelmäßigen bearbeiteten aber beispiellos begehrten Serie: „Wo ist das Tier?“
Heute: „Wo ist die lebende Dekoration auf der Balkon-Flora?“

Filmtipp

„Die große Stille“
Über die „Grande Chartreuse“, Mutterkloster der Kartäuser, ein radikaler Schweigeorden, unweit von Grenoble.
Fast drei Stunden Natur-u.Klostergeräusche, einschließlich religiöse Abläufe.
Fast ohne die „normale“ menschliche Stimme.

Musiktipp

Brahms Konzert für Violine (es gibt nur das eine)
Dvorak Konzert für Violoncello (es gibt nur das eine)

Besonders geeignet für Journalisten (siehe oben)

Literaturtipp

Lyrik und Prosa von Ulrich Zieger (gest. 23. Juli 2015)

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August 4, 2015 Posted by | Leipzig, Musik, Presse, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Valerie Fritsch, Klaus Kastberger, Nora Gomringer und der Bachmann-Wettbewerb 2015

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Bachmann-Wettbewerb 2015

Ich habe alle Beiträge gehört und gesehen.
Vor wenigen Minuten lobte eine Journalistin im Deutschlandradio Kultur die positive Atmosphäre unter den Juroren und begründete ihr Urteil damit, dass man sich weitgehend einig war und Streitereien vermieden wurden.
Nur Klaus Kastberger aus Graz zerstörte mitunter die sorglose Stimmung und wollte sich scheinbar streiten, dieser Rüpel.
Rüpel hat die Journalistin natürlich nicht gesagt, doch das Kastberger auch manchmal zu Penetranz neige.

Wenn ich das höre, bekommt meine Haut die Struktur des hässlichsten Gänserichs Mitteleuropas.
Kastberger versucht, diese harmonische Einöde zu durchbrechen und endet auf der Streckbank für aufsässige Nörgler.

Mir wird übel und ich werde in meiner Vermutung bestärkt, dass Literaturkritik, Kunstkritik…sich ganz anderen Kriterien unterwerfen müssen als der Qualität, über die auch gestritten werden muss.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit diesen Tendenzen und habe auch öffentlich versucht, wenigstens eine gemäßigte Aufmerksamkeit zu erlangen.

Während jeder Nachbereitung im Radio mit einem Auszug des Vortrags von Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer wird bislang ausschließlich folgene Passage gewählt:

„Tach
Hallo, Herr Thomas. Ob ich ihnen ein paar Fragen stellen dürfte?
Ich störe auch nicht lange.

Ja.

Darf ich reinkommen.

Ja.

Bei Herrn Thomas ist alles durcheinander, einschließlich Herrn Thomas.“

Bei „Ja“ und „Ja“ brüllte sie dann wie ein misslauniger T.Rex und machte eine dummes Gesicht ins Publikum. Es entwickelte sich eine heitere Grundstimmung.

Ich denke jetzt einmal leichtsinnig, dass für derartige Rückblicke und Zusammenstellungen die glanzvollsten Abschnitte ausgelesen werden sollten.
Ich fand das Humorpotential überschaubar und der schauspielerische Nebeneffekt kann sich im Hörfunk ohnehin nicht entfalten.
Aber warum sollte man sich um diese Abläufe kümmern. Hauptsache Nora brüllt.

Den sprachlich edelsten und geistvollsten Text versendete die Österreicherin Valerie Fritsch. Doch weder brüllte sie noch zappelte sie auf dem Stuhl herum.

Die intelligentesten und konstruktivsten Jury-Beiträge lieferte Klaus Kastberger. Außerdem wollte er sich ein wenig streiten.
Und ich habe recht. So einfach ist das.

Die womöglich unappetitliche Zusammenarbeit von Verlagen, Buchhandel, Juroren…..bei Preisverleihungen läßt mich frösteln.

Valerie Fritsch erhielt wenigstens den Publikumspreis.
Das Publikum war klüger als die Jury.
So einfach ist das.
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Juli 6, 2015 Posted by | Leipzig, Literatur, Medien, Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die begehrte, doch unregelmäßig bearbeitete Serie: Jürgen Henne und die Pein am täglichen Journalismus

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Torf in Irland
Als Maßeinheit für das Torf-Volumen in schlesischen und niedersächsischen Abbaugebieten wurde die Bezeichnung „Schock“ verwendet.
Es gibt aber auch den Elektroschock und einen Schock im medizinisch-diagnostischen Bereich. Rudolf Schock war ein begehrter Sänger, besonders als Wolfgang-Amadeus-Tenor, die Dynastie Schockenmöhle beherrschte den dämlichen Reitsport über Jahrtausende und die Niederländer „Shocking Blue“ fiedelten während der 70er Jahre recht ordentliche Musik („Venus“).

Und dann gibt es noch den journalistisch-volkstümlich bearbeiteten „Schock“, als verschärfte Version die „Schockstarre.“

Deutschland in Schockstarre nach dem Alpenabsturz, Deutschland in Schockstarre nach Enkes Suizid, eine überregionale Schockstarre nach Klopps Rücktrittserklärung…..Deutschland in einer geschockten Dauerstarre
Jeder Suizid ist eine Tragödie, das Unheil über den Bergen muss bei Menschen, die mit einem Mindestmaß an Emphatie gesegnet sind, zu einem tiefen Mitgefühl führen, zu Gedankenketten, die sich existenziellen Ebenen nähern.
Doch ich entscheide, wenn ich willig für eine Schockstarre bin. Ich lass mir meine Schockstarre nicht von dümmlichen Medienangestellten aufdrängen.

Nach einem Unentschieden der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM-Qualifikation wurde ein Text mit „Deutschland in Schockstarre“ eingeleitet, so ausufernd wie das Logo über Hollywood.
Mich interessierte dieses Unentschieden weniger als ein Bericht über die monatliche Fingerhut-Produktion auf dem südlichen Teil von Barbados.
Zelebrierte Massenemotionen sind mir hochgradig zuwider.

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Mittelmeer

Und bei diesem mediterranen Wahnsinn der letzten Tage sind infantile, sich ständig wiederholende Beschreibungen einer kollektiven Schockerstarrung in allen Medien und von deren schockerstarrten Journalisten wenig hilfreich.
Die Befreiung des schockerstarrten Hinterns aus dem schockerstarrten Sessel, verbunden mit einem heißen Schrei, böte sich vielleicht als erste Hilfestellung an.

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„Ziemlich beste Freunde“

Seit einigen Tagen wird in den deutschen Kinos der Film „Das Glück an meiner Seite“ angeboten, mit Hillary Swank, weiblichen Hauptdarstellern und inhaltlich scheinbar dem symphatischen, doch eher mittelmäßigen Streifen „Ziemlich beste Freunde“ entsprechend (männliche Darsteller).
Die einzige Leipziger Tageszeitung wählt als Überschrift für die donnerstägliche Filmkritik natürlich „Ziemlich beste Freundinnen“. Natürlich.
In den Medien tobt ein Fight, die „witzigste“ und törichste Version des Ausgangsmaterials „Ziemlich beste Freunde“ anzubieten.
Da gibt es dann das kernig entwickelte „Ziemlich beste Feinde“ oder „Ziemlich beste Kollegen“ und „Ziemlich beste Schwiegersöhne.“ Nach einer französisch-deutschen Filmproduktion auf Arte haben sich „Ziemlich beste Fernsehfreunde“ gefunden.
„Ziemlich beste Fernsehfreunde“. Urks,….. reicht mir schnell den Übelkübel, sonst wird mir ohne Kübel übel.
Man hat auch kein Erbarmen bei „Ziemlich beste Schachfeinde“ oder bei Piketty und Varoufakis als „Ziemlich beste Feinde.“
Das wird gnadenlos durchgezogen.
Natürlich gibt es auch kreative Glanznummern, die am Original weiterkämpfen.
So sind Merkel und Hollande „Ziemlich beste Freunde“, als gleichfalls „Ziemlich beste Freunde“ agieren China und Deutschland.

In einer Winnetou-Verfilmung sprach Eddi Arent: „Tiere fotografieren, das macht Freude“
Ich kann nur die intellektuell hochwertige Version anbieten: Zeitung lesen, das macht ziemlich beste
Freude.
Und jetzt gehe ich zum Spiegel und überprüfe meine Schockstarre.

Musik des Tages
„Speaks volumes“ von Nico Muhly

Literatur des Tages
Jean Genet kann man immer lesen

Malerei des Tages
Die entspannte Blätterung in einem Band mit italienischen Manieristen, 16.Jahrh. ( El Greco, Fiorentino, Pontormo, Parmigianino)

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April 20, 2015 Posted by | Leipzig, Medien, Presse, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die begehrte, doch eher unregelmäßig bearbeitete Serie: „Jürgen Henne und journalistische Kostbarkeiten im Alltag“. Heute: „Leipzig feiert Olympia. Leipzig im Olympia-Rausch“

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Leipzig feiert Olympia, LVZ, 28/29. März.

Sehe ich nicht ein. Seit 1951 bin ich Leipziger und ich feiere nicht Olympia. Weder vor Ort, noch mit Distanz.
Ich feiere mitnichten Olympia.
Ich bitte zukünftig um eine Einschränkung:

„Leipzig feiert Olympia, außer DER JÜRGEN“

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Leipzig im Olympia-Rausch

Geht es auch eine Nuance geräuschloser? – „Leipzig im Olympiarausch“ – welch einfältige Unangemessenheit.
Ich bin mitnichten im Olympia-Rausch. Dazu würden selbst drei Pullen Rotwein nicht genügen.
Ich bitte zukünftig um eine Einschränkung:

„Leipzig im Olympia-Rausch, außer DER JÜRGEN“

Das kann man doch erwarten.

Mir ist diese Formulierung ohnehin fremd, ich verstehe sie nicht. Es gibt Olympia als peloponnesisches Heiligtum des Elitesohnes vom kinderverschlingenden Kronos, als Heiligtum des Titanen-u. Gigantenmeuchlers, des Inzest-Zelebrators und überhaupt griechisch-mythologisches Synonym für exzessiv kopulierende Götter.
Auch Olympia als Ort der Olympischen Spiele.

Und die Dame auf einem Bild Manets wird ebenso Olympia gerufen. Auf dem Olympia ohne „ia“ stehen die Hütten der zwölf Götter. Hendrix, Joplin, Dylan, Redding, Bechet, Brel… sangen im Pariser Olympia und außerdem erinnere ich mich an eine Schreibmaschine, namens Olympia.
Olympische Spiele gibt es aller zwei Jahre und die Zwischenzeit erhielt die Bezeichnung Olympiade.

Und flugs vemutete ich, zumal nach der fotografischer Kenntnisnahme Jens Weißpflogs und Erik Lessers, dass dieses Happening dem Sport galt. Also Leipzig feiert den Sport, nicht Olympia

Doch wer sind A.O. Köstritzer, A.O. Gasversorgung Vorpommern, B.J. Natgas, B.M. EWE AG, C.J. Mediamarkt Paunsdorf, F.O. Sachsenbank Leipzig, G.M. Vebundnetz Gas AG, H.V. Deutsche Bank AG, K.N. Commerzbank AG, M.M. Städtische Werke Borna, P.B. Spree-Gas GmbH, R.R. Stadtwerke Dresden…….

Sind diese Zeitgenossen ebenfalls im Olympia-Rausch.
Oder ging es ausschließlich um ein Stelldichein zur weiteren fugenlosen Verwirtschaftung des Sports.

Und trotz der sonst grenzenlosen, mediengierigen Berichterstattung über das Ünglück in den Alpen, trotz dieser Spekulationen und journalistischen Masturbationen gibt es bei dem überbordenden Olympia-Rausch, diesem EURO-Spektakel für einige Stunden nicht den fernsten Klang von skeptischer Kritik.

Auch in dem vierseitigen Artikel kein Wort über mögliche Bedenken am Frohsinn der Veranstaltung.
Emphatie muss gewinnbringend angelegt werden, bei Sportlerbällen mit Gasversorgern, Banken, Bierbuden….muss sie feindselig abgewiesen werden.

Doch am Montag wird dann wieder locker über aufgespürte Arme, Beine und gespaltene Schädel auf den Hügeln und in den Tälern geschrieben.
Und wenn dann alle Gebeine gefunden sind, muss bald ein neues „Ereignis“ seine journalistische Wertschätzung fordern. Vielleicht ein schicker Prominenten-Suizid oder ein befriedigend-zerstörerisches Erdbeben.

Aber Michael Fischer Art, gleichfalls Gast des Sportlerballs, wird zunächst unweit der Absturzstelle in den französischen Alpen eine Telefonzelle mit traurigen und tranigen Papageien und Lurchen überziehen.

Gestern sahen wir im Leipziger Opernhaus Puccinis „Madame Butterfly“ in einer hochwertigen Inszenierung, am Dienstag gibt es den Werkstatt-Abend mit Wagners „Siegfried.“

Könnte mich mal jemand fragen, welche Aktionen ich bevorzuge: Opernabende oder Sportbälle, gleichfalls abends ?

Außerdem hatte man mich zum Sportlerball nicht eingeladen, trotz meines Kreismeisters im Brustschwimmen, etwa um 1963.
Das finde ich feige.

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Titelseite, LVZ, 28.29. März

Olaf Malolepski von den Flippers kommt zur Leipziger Schlagerparade.
Na, Gott, sei Dank. Endlich mal eine gute Nachricht. Ich dachte schon: Eine Leipziger Schlagerparade ohne Olaf Malolepski geht nun wirklich nicht.
Das sind die Glücksmomente eines Lesers, wenn er die präzise und kompetente Beachtung von Wertigkeiten in regionalen Tageszeitungen dankbar erkennt.
Da werde ich mir doch flugs eine Scheibe der Flippers einlegen.

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März 29, 2015 Posted by | Leipzig, Musik, Presse, Sprache, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und expressionistische Bildnisse und Selbstporträts der „Brücke“-Maler in der Moritzburg Halle (Sammlung Gerlinger)

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Halle, Moritzburg, Nordflügel, Museumseingang

Aktuelle Ausstellung:

„Du und ich. Bildnisse und Selbstporträts der Brücke-Maler“ aus der Sammlung Hermann Gerlinger

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Moritzburg, Südflügel

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Faltblatt zur aktuellen Ausstellung mit einer Arbeit Karl Schmidt-Rottluffs

Über den Besitz mitteldeutscher Museen an expressionistischer Kunst, vorrangig der „Brücke“-Maler, kann man nicht mäkeln.
Das Dresdner Albertinum (Rottluff, Kirchner), Zwickau (Max Pechstein), die Chemnitzer Kunstsammlungen und in deren Nähe die Galerie Gunzenhauser, auch mit veristischen Höhepunkten (Dix) und Arbeiten des „Blauen Reiters“ (Jawlensky) sowie mit expressionistischen“Sonderlingen“, wie dem grandiosen impressionistischen, expressionistischen und fast gegenstandslos schaffenden Christian Rohlfs und der nur selten grandiosen Paula Modersohn-Becker angereichert und natürlich die Gerlinger-Sammlung mit dem gesamten „Brücke“-Programm in der Hallenser Moritzburg dürften in dieser Konzentration einen unvergleichlichen Status erworben haben.

Aber auch die Sonderausstellungen legen Zeugnis von der Tradition expressionistischer Kunst in mitteldeutschen Arealen ab.

Im Frühjahr 2013 realisierte Halle eine überragende Nolde-Ausstellung. Dresden 2001 eine weniger überragende „Brücke“-Übersicht. Feiniger in Apolda (2009), Macke und Amiet 2007 im Kunstverein Jena, Feiniger 2009 in Halle, Felixmüller bei Gunzenhauser (2012/13), Böckstiegel und Felixmüller in Dresden (2006/07), Walter Jacob in Altenburg (1993/94 und 1995), Helmut Kolle bei Gunzenhauser (2010/11)……sicherlich nicht vollständig und stets von bemerkenswerter Qualität, natürlich mit Abstufungen und Ausnahmen.

Und 2015 nun in der Hallenser Moritzburg expressionistische Porträts der Sammlung Gerlinger.
Natürlich könnte sich das Gefühl der Sättigung entwickeln.
Es bestände aber auch die Alternative, sich ständig mit dieser Kunst umgeben zu wollen.
Natürlich nicht nur mit expressiver Kunst.
Innerhalb quälender DDR-Zeiten war die gute Wohnstube z.B. ohne Sammeltassen, Spitzweg und C.D. Friedrich kaum denkbar.
Ich erglühte schon immer bei der expressionistischen Kunst Deutschland und Frankreichs der ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts, bei Konstruktivismus und Suprematismus russischen Zuschnitts und bei den abstrakten Expressionisten Amerikas sowie der informellen Kunst in Europa ab den 40er Jahren.
Von Überdruss an den „Brücke-Dresdnern“ und ihren zeitweiligen Mitkämpfern kann deshalb mitnichten die Rede sein.
„Du und ich“ zeigt Arbeiten von 1906 bis in die 70er Jahre, das letzte Bild der Ausstellung setzte Schmidt-Rottluff als fast Neunzigjähriger mit Farbkreide und Tusche ins Format (1973/74).
Doch wird nicht nur das künstlerische Zenit präsentiert, auch weniger gelungene Bilder gehören nun einmal zu einem Gesamt-OEvre und beschädigen keinesfalls die Leistung in der Kunstgeschichte.

Ich rekonstruiere z.B. gerade in meinem Gedächtnis das Spätwerk von Renoir, Munch und Derain. Nicht gerade Orgasmen für anspruchsvolle Augen.

Am Beginn des neuen Jahrtausends gab es im Dresdner Schloss eine recht umfangreiche „Brücke“-Ausstellung von vorwiegend grausiger Qualität. Doch alle Medien und Einträge im Besucherbuch kreischten hysterisch vor Begeisterung.
Eine Picasso- Ausstellung in Chemnitz vor einigen Jahren faszinierte gleichfalls durch grottenschlechtes Niveau, die Medien und Einträge im Besucherbuch bersteten erneut vor Lobpreisungen.
Und das Leipziger Bildermuseum erhielt vor einiger Zeit eine Schenkung mit Kunst der „Schule von Barbizon“, ebenso mäßig beeindruckend.

Das wäre ja kein Problem, denn dadurch werden Künstlerleben spannender, anschaulicher zur Darstellung gebracht, auch mit Krisen jegliche Kontur.
Doch zur Vermarktung eignen sich derartige Konzepte natürlich keineswegs.
Deshalb ordnen sich Museumsdirektoren, Ausstellungsmacher, Journalisten diesem Markt unter, hauen sich gegenseitig die Taschen voll und loben, preisen und rühmen, oft gegen das eigene Qualitätsbewusstsein, gegen die private Überzeugung.
Hin und wieder sind sie aber auch tatsächlich so bekloppt und können eine gotische Kathedrale nicht vom Völkerschlachtdenkmal unterscheiden.

Jedenfalls werden durch diese Qualitäts-Manipulationen bei Besuchern ohne wesentliches Grundwissen die Fähigkeiten zu solider und differenzierter Kunstbewertung erheblich beschränkt.

Außerdem ist Kunst keine Frage des Geschmacks!

Herausragend in der Hallenser Austellung sind z.B. Holzschnitte Schmidt-Rottluffs zwischen 1913 u. 1923. Ohne entbehrliche Mätzchen und mit wohltuender Askese schneidet der gebürtige Chemnitzer unverwechselbare Charakterköpfe in das Material. Sein Ölbild „Du und ich“ wurde 1919 gemalt und zum Tag der Hochzeit seiner Frau überreicht.
Zweifelsohne ein Höhepunkt der Ausstellung.
Kirchner skizziert mit Bleistift ein Bildnis Alfre Döblins („Alexanderplatz“) mit einer unaufgeregten Präzision und zeichnerischer Virtuosität, dass man vor dem Blatt nur erstarren kann, während Heckel 1948 einen „Holzschnitzer“ ins Bild setzt, der schon ein gerüttelt Maß an Kriterien sozialistischer DDR-Kunst bereithält, die dann als verlogene, unerträgliche Ekel-Welle ab den 50er Jahren über das Land flutete.

Auffällig ist der teils drastische Qualitätsabfall in den späteren Jahren, dem vielleicht nur Schmidt-Rottluff entging. Die Ausstellung zeigt Selbstbildnisse (Aquarelle), deren letztes er kurz vor dem neunzigsten Lebensjahr beendete und deren Beschaffenheit eine Kontinuität auf gehobener Ebene dokumentiert (1973/74).
Die künstlerischen Techniken bieten so alles, was den damaligen Möglichkeiten entsprach.
Natürlich Holzschnitte (auch mit Farbe),Lithographien (auch mit Farbe), Bleistift, Tusche, Kohle, Kreide, Radierung, Aquarell, Mosaik, Öl.
Pechstein litographiert Schmidt-Rottluff, Mueller ein „Paar am Tisch“, Nolde radiert sein etwas missmutiges Selbstbildnis. Schmidt-Rottluff malt in Öl ein vorzügliches Porträt Else Lasker-Schülers (lesend), einen „Schönen Mondschein“, gleichfalls ansehnlich und Kirchner ein „Blaues Mädchen in der Sonne“, desgleichen in Öl.

Bei dieser Qualität kann eine Ausstellung nicht überflüssig sein. Auch nicht im mitteldeutschen Expressionismus-Elysium.

Mo,Di,Do u. So/Feiertage 10-18 Uhr, bis 3.Mai

Verstreutes und Aufgelockertes

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Meine Lieblingsmöhre, selbst gekauft.

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Mein Lieblingssalat, selbst zubereitet.

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Meine liebste Ostsee-Kirche bei Abenddämmerung, Rerik, selbst fotografiert, doch nicht selbst gebaut.

Musik der Woche

Akkordeon-Musik von Pauline Oliveros, z.B. „Lear“, „Ione“, „The Beauty of Sorrow“.

Arthur Honegger, „König David“.

Tschaikowski, 6.Sinfonie.

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März 9, 2015 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar