Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und die unregelmäßige Serie: „Sprache, die mir die Sprache verschlägt“ oder : „Den Korridor, den Korridor, den legt nur an, ein arger Tor!“

Bei dieser Sprache (siehe bald) könnte ich….

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Wild werden…..

Vor einigen Tagen im Deutschlandfunk über die deutsch-metallischen Visionen in Sotschi:

„In den Verhandlungen mit den sieben Fachverbänden wurde ein Korridor von 27-42 Medaillen angelegt.“

Wo?

Warum ein Korridor?
Es würde doch sicherlich genügen, diesen Wunsch schriftlich zu fixieren. „Unser Ziel ist, 27-42 Medaillen zu erkämpfen“, oder so ähnlich.
Oder „Unsere Olympiamannschaft trägt durchaus das Potenzial in sich, um 27-42 Medaillen für unser deutsches Heimatland zu erstreiten“, oder so ähnlich.

Oder noch etwas motivierender:

„Gold und Silber müssen gelten,
Bronze, den Dreck, werfen wir weg.
Bringt ihr die Medaillen nicht,
wir schlagen Euch die Fressen dicht“.
Oder so ähnlich.

Oder bei einem festlichen Zusammensein könnten die Funktionäre während der Fickpausen ihre Medaillenwünsche im festlichen Korridor auf eine CD bannen, singend nach Beethovens Melodie „Seid volltrunken, Millionen“, als feiner, kleiner Scherz sozusagen.

Aber weshalb einen Korridor anlegen, mit 27-42 Medaillen?

Wo?

Und wenn doch, dann eher auslegen statt anlegen.
In einem Korridor wurden 27-42 Medaiillen ausgelegt, wieso angelegt?
Man legt ein Inhaltsverzeichnis an, legt es aber nicht aus.
Oder vielleicht doch, z.B. im Leipziger Zoo, ein Inhaltsverzeichnis aller Tiere könnte man auslegen, einschließlich der Schaben in den Tierfutterzubereitungsräumen.
Ich könnte das Inhaltsverzeichnis aller Tiere des Leipziger ZoOs auch in unserem Korridor auslegen.

Oder im Korridor der Bewohner der 2.Etage rechts, im Haus halblinks, mit der Tür unten. Sie wollten schon immer wissen, wieviel Senegal-Flösselhechte im Leipziger ZOO so vor sich hinschwimmen.

Auch eine Interpretation des Tierbestandes des Leipziger zOOs, einschließlich Senegaler Flösselhechte, könnte ich versuchen. Ich würde den Tierbestand des Leipziger ZOos also sozusagen auslegen, in diesem Fall nicht anlegen und vielleicht die Erkenntnis erlangen, dass zwei Senegaler Flösselhechte die Harmonie im Flösselhechte-Aquarium des Leipziger ZOOs positiv beeinflussen könnten. Sozusagen eine hermeneutische Bearbeitung des Inhaltsverzeichnisses vom Tierbestand des Leipziger zooS würde ich wagen.

Aber ich kann in unserem Korridor, der sich doch recht ausgedehnt anbietet, nur eine Medaille auslegen oder anlegen.
Denn mit 12-13 Jahren eroberte ich ich ein derartiges Wertstück bei einem Schwimmwettkampf im Leipziger Stadtbad.
Ich vermute bei fünfzig Meter „Brust“.
Die Farbe des Edelmetalls ist mir nicht mehr erinnerlich, doch vermute ich natürlich Gold, was sonst.
Doch als Auslage oder Anlage wirkt eine Medaille in unserem doch recht ausschweifendem Korridor auffallend dämlich.

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Medaille für gutes Wissen (1963)

Ich sehe aber Erweiterungsmöglichkeiten.

Denn mit gleichfalls 12-13 Jahren behängte man mich mit dem „Abzeichen für gutes Wissen“ der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ (Mir wird übel).
Vor versammelter Schule, der damals größten allgemeinbildenden Einrichtung Leipzigs (Möckern), wurde ich am Ende des Schuljahres während des Fahnenappells 2x mit diesem Blechlappen gewürdigt.
Ich war ein Star und brüllte aber nicht: „Holt mich hier raus.“
Doch erkämpfte ich mir diesen Buntmetall-Quark keineswegs durch eine fehlerfreie Rezitaton des Kommunistischen Manifests.
Oder durch eine treue Umsetzung der Ergebnisse irgendwelcher beknackter Parteitage, ich war um die dreizehn Jahre und
ging einfach gern zur Schule, ich lernte gern, über zwölf Jahre.

Also noch zwei Medaillen, ausgelegt oder angelegt in unserem duftigen, recht großzügig angelegten Korridor.

Also insgesamt drei Medaillen, angelegt oder ausgelegt in unserem weitläufigen Korridor wäre aber immer noch eine Narretei.

Ich vermute nun einmal risikobereit, dass Medaille sich auf Metall zurückführen lässt. Also auch auf Medaillon, Metallien und schließlich Metal.
Und sofort böten sich dann etwas größere Medaillen für unseren Korridor an, im folkloristischem Umfeld auch als CD benannt, weniger mit Medaillenmusik und Medaillonmusik, aber unbedingt mit Metallmusik und Metal, b.z.w. Heavey Metal.
Ein feines Angebot von Judas Priest, Black Sabbath, Iron Maiden und vor allem Led Zeppelin könnte ich dann sorglos zwischen meine Pionier-Orden einstreuen.

Doch das hat alles Zeit, lassen wir unsere Sportfunktionäre zunächst ihren Korridor aus 27-43 Medaillen feiern.

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Januar 27, 2014 Posted by | Leipzig, Medien, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar

Juergen Henne und verschollene Empfehlungen, Blog-Muränen, Arno Schmidt, Zettls Traum, Bruce Dern im mittleren Westen, Robert Morley als Pudelfresser und Gubaidulinas Violinkonzert für Anne-Sophie Mutter

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Arno Schmidt

Man könnte dieses Gesicht auch dem Körper eines akribischen, emsig beflissenen Buchhalters einer Agentur von mittlerer Bedeutung zuordnen.

Wäre aber gemein.

Ich hatte am Sonnabend die „Lange Nacht“ des Deutschlandfunks empfohlen, also drei Stunden Arno Schmidt (23-02 Uhr).
Als Alternative für die nächtlichen Stunden riet ich zu „Station Agent“ mit Peter Dinklage auf „Servus TV“.
Ich kenne diesen Sender nicht, klingt auch ziemlich albern, doch der Film ist à la bonne heure.

Doch malträtiert mich die Ahnung, dass meine unaufdringlichen Empfehlungen von zahnigen Blog-Muränen in irgendwelchen blogigen Sphären zerstört wurden.
Also keine Sau konnte scheinbar meiner Anregung folgen.

Das ist tragisch, aber nicht vernichtend.
Und die „Lange Nacht“ war auch nicht sonderlich überragend, eine Diskussionswiederholung von 1998.
Also verkürzte sich meine lange Nacht, denn der Mundgeruch von Hypnos ließ bald meine Sinne schwinden

Jedenfalls habe ich etwas länger als eine Minute und dankbar Arno Schmidts gedacht, zu dessen einhundertstem Geburtstag.

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„Zettls Traum“, großes Buch

Am Ausgang der 70er Jahre bestellte ich in der damaligen Deutschen Bücherei, heute Deutsche Nationalbibliothek, „Zettls Traum“ und mir schien, eine verhalten griesgrämige Grundstimmung der Angestellten deuten zu können.
Denn diese Tonne Buch musste vielleicht mit dem Haus-Kran transportiert werden, mit allen organisatorischen Unannehmlichkeiten.

Aktueller Filmtipp: „Nebraska“
Mit Bruce Dern

Dern ergeht es ähnlich wie Robert Morley, wurde oft in Filmen gesehen, den Namen kennt aber keine Sau.
Er spielte u.a. bei Hitchcock („Marnie“, „Familiengrab“), „Lautlos im Weltraum“, Aldrich („Wiegenlied für eine Leiche)“, Eastwood („Hängt ihn höher“) und Pollock („Nur Pferden gibt…..“).

Morley agierte neben Bogart in Hustons „African Queen“, in „Topkapi“ mit Huston und vor allem als Pudelfresser im grandiosen „Theater des Grauens“, mit Vincent Price.
Ziemlich bekloppter Titel, doch ein köstlicher Film.

Alexander Payne beschreibt in „Nebraska“ mit ruhiger Kamera den Weg eines halb-debilen Rentners von Montana in den mittleren Westen, um den „Gewinn“ von einer Million Dollar in Empfang zu nehmen.
Ein Schwarz-Weiß-Film, der ohne Verachtung, nur mit leichtem Spott die Tristheit, die Langeweile der Bevölkerung in diesem Teil der USA schildert.
Dauersäufer Woody Grant wird nicht als entbehrliche Überflüssigkeit verramscht, er kann seine Mitmenschen zu großen Emotionen animieren, die Payne aber nicht mit waberndem Orchester einölt, vertrant, sie eher nur so nebenbei für eine kleine Gänsehaut für den Zuschauer nutzt.
Die Kamera gleitet über bemerkenswert einfallslos geformte Landschaften und durch spießige Stuben mit auffällig apathischen Einwohnern.
Man möchte diesen Stil nicht nachleben, doch nie entfaltet sich ein Grund für Verachtung.

„The Wolf of Wall Street“ hat nicht so meine bevorzugten Maße.
Der Film funkelt durch einen hohen Schauwert, durch großartige Schauspieler bis in die finstersten Nebenrollen, prall und bunt, Ekstase und Emotionen.
Doch fast drei Stunden nur ficken, lecken, blasen, kiffen, saufen erscheint mir etwas wenig.
Ich vermisse die erklärenden Passagen.

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Musiktipp

Bach: Violinkonzerte 1+2
Gubaidulina: Violinkonzert (für Anne-Sophie Mutter), gespielt von A-S M.

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Januar 20, 2014 Posted by | Film, Leipzig, Literatur, Musik | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die unregelmäßig bearbeitete Serie „Geschichten, die das Leben und das Jürgen schreiben“. Geteilt durch die unregelmäßig bearbeitete Unterserie „Meine vergessenen Bücher“ (Bierce) und die unregelmäßig bearbeitete Unterserie „Sprache, die mir die Sprache verschlägt“ (Schau, Schauen, Schaus). Erweitert durch die unregelmäßig bearbeitete Nebenserie „Nachträge“ (Lautréamont) und die unregelmäßig bearbeitete Nebenserie „Konzerttipps“ (Feldman)

1. Nachtrag zu meinem Beitrag vor einigen Tagen.

Natürlich feierten die surrealistischen Gesellen des 20. Jahrhundert ihren Vorkünder Lautréamont.
În den volkstümlichen Zitatenschatz schaffte es dabei fast die diskussionswürdige Behauptung:

„Er ist schön…wie das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf dem Seziertisch.“

Sicher nicht ganz unbekannt, doch die Herkunft des Zitates dürfte die Mehrheit in eher nebulösen Bereichen suchen.
Also nicht nur bei Schekspier nachschlagen (wie bei Cole Porter), auch in den „Gesängen des Maldoror“.
Angenehm schräg für das 19. Jahrhundert.

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Ambrose Bierce, oben
Reclam – Buch mit Bierces Erzählungen, daneben

1. Geschichte
Meine vergessenen Bücher

Wenn mein Tageslauf es akzeptiert, höre ich morgens 9.05 im Deutschlandfunk die Reihe „Kalenderblatt“.
Vor einigen Tagen wurde Ambrose Bierce gewürdigt, dessen Spuren vor einhundert Jahren im mexikanischem Bürgerkrieg versandeten.
Andere Quellen schreiben neunzehnhundertunddreizehn.
Keine Ahnung, ich war nicht dabei und habe Mexiko erst fünfundachtzig Jahre später durchquert, ohne Bierce und Bürgerkrieg.
In relativ gut unterrichteten Kreisen munkelt man von seiner standrechtlichen Erschießung. Bierce beschritt das dreiundsiebzigste Lebensjahr.
Mit fast dreiundsiebzig Jahren in Mexiko vermutlich standrechtlich erschossen. Mir scheint, ein Leben könnte langweiliger sein.
Ich hatte seine Erzählungen letztmalig vor etwa vierzig Jahren gelesen und war im Besitz des Reclam-Bändchens für den Preis von einer DDR-Mark (oben).
Während einer vierjährigen Wissenserweiterung für Bekloppte in Dresden, Mitte der 70-Jahre, wurde mein Bücherbestand um diesen Band durch feigen, vorsätzlichen und gemeinen Raub reduziert.

Nach der Ankündigung des Deutschlandfunks rekapitulierte ich und schlussfolgerte: „Den gab es ja auch einmal“.

Bierce hatte ich vollständig aus meinem Gedächtnis getilgt, erinnere mich aber an meine berüchtigte und gefürchtete Aufdringlichkeit, mit der ich damals jeden Mitmenschen von dem Wert seiner Erzählungen überzeugen wollte.
Und ich besann mich recht zügig an meine Begeisterung über den „Zwischenfall auf der Eulenfluß-Brücke“, in der Bierce die Erinnerungsstrukturen eines Verurteilten in der Sekunde zwischen Brückensprung und der Straffung des Seils beschreibt.
Vielleich sehe ich aber diese Literatur heute etwas nüchterner. Ich werde es überprüfen.
Denn verschiedene Verlage nutzen dieses „Jubiläum“ für neue Veröffentlichungen.

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Mein Übelkübel, links

2. Geschichte.

Sprache, die mir die Sprache verschlägt (Mein Gott, bin ich originell).

„Die Schau in XX geht noch bis Freitag“

Abgesehen davon, dass „Schau“ schon als Satz-Solist den Ausbruch meiner archaischen Aggressionen beschleunigt, eine „gehende Schau“ bei mir ohnehin fulminant einen Katarrh der Sinnesorgane auslöst (Die Schau in XX geht noch bis Meppen) und die inhaltliche Vereinigung von „Schau“ mit Kunstausstellungen meine körperliche Bereitschaft zu Netzhaut-Typhus erhöht, erstarre ich bei der Anwendung des Plurals.

„Die Schauen in XX gehen noch bis Freitag“.

„Die Schauen“ ist die sprachästhetische Hölle, „Die Schau“ der Vorhof.

Auch in der einzigen Leipziger Tageszeitung durchaus journalistische Selbsverständlichkeit.

Dazu eine kleine Mutation:

Die (Frettchen) schauen in XX gehend noch bis Freitag (in die Röhre).

Ich habe auch schon einmal„Die Schaus“ als sprachliches Edelmodell zur Kenntnis nehmen müssen, ähnlich beknackt.

Veranstaltungen mit „Zwerge werfen“, „Wer frisst in zehn Minuten die meißten Eidechsen-Kitzler“ oder „Wer steht am längsten einbeinig auf einem Nudelholz“ könnte man natürlich den Titel „Schau“ verleihen.
Aber für eine Kunstausstellung…..

In XX gehen die Schauen mit Bildern von Cy Twombly, Willem de Kooning, Barnett Newman, Mark Rothko und Basquiat noch bis Freitag.
Die Schaus mit Delaunay und Soutine gehen dagegen aber nur noch bis Donnerstag.

Nun reicht mir schnell den Übelkübel, sonst wird mir ohne Kübel übel.

Ich denke, das Verhältnis des möglichen Journalistikstudenten zu „Schau, Schaus und Schauen“
sollte bei der Eignungsprüfung die Entscheidung der Jury erleichtern.

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Konzerttipps

Morton Feldman, links, mit John Cage

Mittwoch, 15.Januar, 20 Uhr, Leipzig, Mendelssohnsaal im Gewandhaus.

„Patterns in a Chromatic Field“ von Morton Feldman.

Steffen Schleiermacher (Klavier), Christian Giger, Violoncello.

Eintritt: 10 Euro, das ist geschenkt.

Andere Konzertpreise:
Ireen Scheer, Ute Freudenberg, Stefan Mros, Stefanie Hertel, um die 40 Euro.

Carpendale, zwischen 40 und 150 Euro.

Mir schwinden die Sinne.

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Januar 13, 2014 Posted by | Kunst, Leipzig, Literatur, Presse, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die unregelmäßig bearbeitete Serie: „Kulturtipps von DER JÜRGEN“. Heute: „Kulturtipps von DER JÜRGEN“ für Stunden ohne Merkels Beckenstress, ohne Glatzeders Dschungelkübelsturz….aber mit einem Becken, knochig, mit einer Drafi-Mutation, Maillol und sein Modell, Rembrandts Radierung, Gesänge des Maldoror, die Quietschung der Anna Hüdepohl und „I Heard It Trough the Grapevine“ als Cover-Version

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Becken, knochig (oben)
Becken, weiblich, weniger knochig (unten)
Sicherlich beide Abbildungen mit Beckenring.

Bei Spiegel Online hat man ja gleich nach Frau Merkels Schweizboden-Berührung eine anatomisch korrekte Darstellung der Beckenregion abgebildet.
Das finde ich feige.
Die lebendig-saftige Beschreibung am originalen Kanzlerinnenkörper hätten wir schon verdient.
.
Also wo ist nun der Beckenring ?
Präziser formuliert: Wo schmiegt sich der hintere Beckenring um der Kanzlerin Leib?

Mich interessiert also keinesfalls der vordere Beckenring oder gar der seitliche Beckenring, der rechtsseitige oder gar der linksseitige Ringbecken.
Nur der hintere Beckenring !

Sag mir, wo die (der) Blumen (hintere Beckenring) sind (ist), wo sind (ist) sie (er) geblieben?

Marmor, Stein und hinterer Beckenring bricht (Drafi-Mutation).

Die Missachtung der sprachliche Gesetze pluraler Konstruktionen hatte mich schon vor fast fünfzig Jahren genervt.

Kulturtipps .

Film

„Das Mädchen und der Künstler“
Vom spanischen Regisseur Fernando Trueba. Ein Streifen, der nun sicherlich keine Revolte der Filmkultur beschleunigen wird.
Doch passt er unbedingt als sorgfältige Arbeit, die das gewöhlich subtile Verhältnis zwischen Modell und Künstler mit fast unbegreiflicher Stille, mit geräuschloser Intensität in politisch brisanten Zeiten der Jahre 1943/44 bearbeitet.

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Aristide Maillol, Kunsthalle Hamburg

1944 starb der französische Bildhauer Aristide Maillol, über achtzigjährig, auf einer verkehrsarmen Straße an der spanischen Grenze bei einem Verkehrsunfall. Auch der Bildhauer des Films, Marc Cros ( Jean Rochefort), verabschiedete sich, über achtzigjährig, auf nicht ganz durchschnittliche Weise von seiner Scholle, gleichfalls 1944. Deshalb Scholle, weil er nationalsozialistischen Tendenzen nicht ganz abhold war.

Marc Cros erwähnt regelmäßig den Namen seines französischen Mitstreiters Matisse.
Ich bin kein Maillol-Fachmann, doch schwant mir eine lebenslange Freundschaft des Bildhauers mit Matisse im Gedächtnis, wobei meine Schwanerei auch seine Verbindung zu Arno Breker berührt.

Ich vermute also messerscharf, dass der Film die letzten Monate des Aristide Maillol beschreibt.
Und im Grunde bedarf es dabei nicht einmal der Kenntnisse über diese biografischen Details. Denn die ständigen Rundblicke durch das Atelier und dessen Inhalt von zumindest gemäßigt klassizistischem Zuschnitt lenkten mein Urteil doch recht zügig auf Maillol.
Doch um Maillol geht es in diesem Film nicht.
Der Kampf und die Sehnsucht des Künstlers um die letzte Vollendung, um die abschließende Korrektur und den letzten Blick auf das Modell, aber auch um Unsicherheit und Furcht, ein Résumée ziehen zu müssen, welches die Tauglichkeit seiner allmählich verlöschenden Existenz in Frage stellt, setzen die Akzente dieses Films.
Meine Gänsehaut-Szene bietet dabei die wundervoll naive Beschreibung und Deutung einer Radierung von Rembrandt durch den Bildhauer für sein Modell
Ich bin mitnichten ein registrierter Bannerträger für die Kunst Maillols, doch des Films wegen sollte man sie, zumindest für zwei Stunden, nicht meiden.

Kulturtipps

Buch

Comte de Lautreamont (Isidore Ducasse), „Die Gesänge des Maldoror“ ( 1878 )

Ich las das Buch vor etwa vierzig Jahren mit Hilfe der Untergrundbibliothek. Denn in der offiziellen Kulturpolitik der DDR gab es derartigen „Schund“ nicht.
Natürlich ziemlich heftig, dieser Stoff und für die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts absolut einmalig.
Inhaltsangaben und Deutungen erübrigen sich, jeder sollte sich allein durchquälen. Momentan sind Autor und Werk doch ziemlich vergessen.
Er starb natürlich schon früh, nicht einmal fünfundzwanzigjährig, es war zu erwarten.
Doch noch Alfred Jarry, Breton, Camus, Modigliani, Gide, Aragon, Man Ray priesen ihn. Rowohlt verlegt das Buch regelmäßig.

Kulturtipps

Kunstbuch

Wieder einmal Bilder von Mark Rothko ansehen

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Kulturtipps
Musik I

Anna Hüdepohl durchquietscht wundervoll musikalische Stücke von Scarlatti, Mozart, Gubaidulina (1978), Lundquist (1966), Olsen (1972), Nordheim (86), Lorentzen (2006).
Es ist eine Lust, wohlgeformte und sensible Ohren für derartige Klänge zu haben.

Musik II

Wieder einmal „Creedence Clearwater Revival“ hören.

Aber nicht gurkige Titel wie „Bad Moon Rising“ oder „Lookin’out My Back Door“.
Eher die Cover-Versionen von „Suzie Q“, „I Put a Spell on jou“ und vor allem „I Heard It Trough the Grapevine“.

Da glühen Luft und Skrotum!

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Januar 8, 2014 Posted by | Film, Leipzig, Medien, Musik | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Leipzigs Freude über spannendes Musikjahr, Nacktnasen-Wombat-Unfall bei der Vermehrung, von Bach bis Berg, von Beethoven bis Feldhoven, Bandrea statt Balba, die Missachtung der Salome, rhythmische Körperertüchtigung im Tausender-Pack und Feldman, Klavier, Cello

Bach bis Berg

„Deutschland leidet mit…..!“

„Deutschland bangt mit……!“

„Deutschland tröstet……!“

„Leipzig freut sich…..!“ (links)

Spannung und emphatische Sonderleistungen wollen bei mir durch derartige Nötigungen nicht keimen.

Und dann geht es doch tatsächlich um irgendwelche Pfeifen, die ihre Umwelt mit irgendwelchen Scheidungen und Unterhaltzahlungen behelligen, ihren Samen in Besenkammern abschütteln, aus dem Dschungelcamp wegen penetranten Genitalgeruch verjagt wurden oder deren Nacktnasen-Wombat sich bei der Vermehrung die nackte Nase verrenkt hat.

Und deshalb soll ich also leiden, bangen, trösten.

Auch wenn der Hut aus der Haut eines südbalinesischen Wirsing-Warans der Baronin Traudelinde von Traudefichten gestohlen wurde?
Dann soll Deutschland also leiden, bangen, trösten….?
Einschließlich DER JUERGEN ?
Ich denke nicht daran. Zukünftig also bitte:

Deutschland leidet mit…..(außer DER JÜRGEN).
Deutschland bangt mit…..(außer DER JÜRGEN).
Deutschland tröstet…..(außer DER JÜRGEN)

Auch die Aufforderung, meine Freude für das kommende Musikjahr in Leipzig zu zelebrieren, missfällt mir (LVZ, siehe oben).

Von „Bach bis Berg – Leipzig freut sich auf spannendes Musikjahr“
Gemeint ist Carl Philipp Emanuel.

„Von Benda über Bredemayer bis Boulez“ – wäre keine schlechte Alternative.

Aber „Von Bach bis Berg“ ist vielleicht geografisch gemeint – grandios originell, einen derartigen Feinsinn habe ich noch nie gelesen.
Von Beethoven bis Feldhoven.Auch nicht schlecht
Natürlich nichts gegen Alban Berg. Bei „Lulu“ und „Woyzeck“ gehe ich zu Boden.

Doch dann ist von Alban Berg in den gesamten Texten dieser Ausgabe gnadenlos nichts zu lesen.

Aber die B-Reihe “ Von Bach bis Berg“ stimmt fast, doch wäre vielleicht „Bon Bach bis Berg“ eine wundervollere B-Reihe, aber das verstehen die Presse-Heinis natürlich nicht. Sie wählen eher die Rudimentär-Variante.
Oder gleich „Bon(n) Bach bis Berg. Aber in Bonn wurde leider nicht Bach geboren, eher Beethoven. Immerhin gleichfalls ein B.
Vielleicht auch „Bon Benda bber Bredemeyer bis Boulez“

Möglicherweise auch „Von Bach, der Carl Philipp Emanuel bis Andrea Berg“, also nicht Alban, sondern Andrea, also Bandrea statt Balban

Und im Text (siehe oben) folgt das Angebot der Höhepunkte, über welches ich mich als Leipziger dann freuen soll.
Da gibt es dann Udo Lindenberg, Udo Jürgens, Helen Fischer, Andrea Berg. Und danach Strauss und Bach, der Carl Philipp Emanuel.

Bei Strauss könnte ich der angestrebten Kollektivfreude in Leipzig folgen. Obwohl scheinbar „Salome“ missachtet wird, da freue ich mich nun wieder gar nicht.
Das Genudel von C.Ph.E. Bach interessiert mich nur grenzwertig und den Rest lasse ich nicht einmal an den Grenzposten meiner Musikbedürfnisse heran.
Das ist kein Qualitätsurteil über Lindenberg, Jürgens, Fischer und Berg und ich sollte dabei Altersmilde bevorzugen.
Doch interessiert mich diese Musikkultur einfach nicht.

Außerdem bin ich kein Mitstreiter bei diesen kollektiven Mitklatsch-Orgien. Jaulen, pfeifen, grölen,kreischen, feuchte Schrittkonsistenz, meinetwegen auch eine gemeinsame Refrain-Intonation nehme ich ohne Missmut zur Kenntnis.

Aber diese rhythmische Körperertüchtigung im Tausender-Pack beeinträchtigt doch erheblich meine musikästhetische Wahrnehmung.
Und das Quartett der Sänger/Sängerinnen, das obig in der Vorschau als Höhepunkt des laufenden Konzertjahres angepriesen wurde, könnte sicher zahlreiche Momente dieser Schunkel-Variation anbieten.

Für mich beginnt das Musikjahr am 15. Januar, 20 Uhr im Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses.

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Einziges Stück:
Morton Feldman, „Patterns in a Chromatic Field“ für Klavier (Steffen Schleiermacher) und Cello.

Ich bezweifle einen Leipziger Gesamtjubel.
Doch der Leipziger DER JÜRGEN freut sich.

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Januar 3, 2014 Posted by | Leipzig, Medien, Musik | Hinterlasse einen Kommentar