Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Trump will Grönland, Frederiksen sagt Grönland-Nein, aber vielleicht doch noch Grönland-Ja, Seite 1 und Seite 2 und Sparks, Van Morrison, Roxy Music…

LVZ, 22.August, Seite 1

LVZ, 22.August, Seite 2

Aber ja doch, alles ist gut, alles ist in Ordnung, ich habe verstanden, ja doch.
Ich weiß jetzt endlich, dass Donald Trump seinen Staatsbesuch in Dänemark abgesagt hat.
Ich weiß jetzt auch, dass diese Absage in Dänemark ungläubige Reaktionen hervorgerufen hat und von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen mit Bedauern und Überraschung aufgenommen wurde.
Und ich erhielt endlich Gewissheit über die Gründe von Trumps Entscheidung.
Natürlich reagierte er auf den Unwillen von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, über den Verkauf von Grönland zu reden.

Aber das muss man mir eben plausibel darlegen.
Möglichst mehfach.
Dann verstehe ich auch, dass Ministerpräsidentin Mette Frederiksen betonte, dass die USA einer der engsten Verbündeten Dänemarks sei.

Diese Zeitung zelebriert weise und gütig ihre Hochachtung vor den Lesern und gibt kluge Hinweise zu den globalen Vernetzungen auf unserer Erde.
Auch mehrfach, eindeutig eine didaktische Meisterleistung.

Milde und wohlwollend nehmen die Zeitungshersteller auch die Leser bei der Hand, die in der Sekunde des Übergangs von Seite 1 zu Seite 2 den Inhalt von Seite 1 bereits weitgehend vergessen haben und bieten ihnen verständnisvoll auf Seite 2 erneut diese Informationen an.
Mehrfach.
Kein wortwörtlicher Übertrag, denn man will den Leser auch fordern.

In der Regel überblättere ich den Sportteil, möglicherweise ein Versäumnis.
Denn vielleicht wurde auf diesen Seiten nochmals über Trumps Absage berichtet.
Und über deren Gründe.
Und über die Reaktionen und die Überraschung und das Bedauern und die Betonungen Dänemarks und der Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

Auch die Überschrift mit dem markigen „Grönland-Nein“ vermittelt mir die Kompetenz der Schreiber, Inhalt und Form souverän zu vermählen.

Aber vielleicht verkauft Dänemark doch noch Grönland.

Ich erwarte dann: „Trump besucht Dänemark nach Grönland-Ja.“

Womöglich erbittet sich Ministerpräsidentin Mette Frederiksen aber auch noch eine Bedenkungs-Phase und hat also noch keine entgültige Entscheidung getroffen.

Dann vermute ich die Überschrift: „Nach Grönland-Vielleicht hat Trump im Atlantik geankert, präzise am Punkt der gleichen Entfernungen von Washington und Kopenhagen.“

Siehe auch meinen Text vom 6.6.2018

„Jürgen Henne und die Aufs und Abs, die Mehrs und Wenigers im Leipziger Journalismus.“

Lieder des Tages

Sparks
„This Town Ain`t Big Enough For Both Of Us“

Van Morrison
„Astral Weeks“, von der gleichnamigen LP (1968)

Roxy Music
„Virginia Plain“
Er sei noch niemandem begegnet, der sich wie Brian Ferry so ästhetisch langweilte (Hat irgendjemand gesagt)


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August 25, 2019 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Leipzig liest, läuft, hört, singt, tanzt, feiert, bellt, laust, fickt, trumpt, fällt aus dem Himmel, haut auf die Schnauze….

LVZ, 13.August

Gefühlt bei jeder zweiten Ausgabe wird in Leipzigs Tageszeitung, in der Regel auf der Titelseite, etwas infantil verschleimt Leipzigs Zusammengehörigkeit zelebriert.
Also Montag-Mittwoch-Freitag-Sonntag.
Sonntags erscheint keine Zeitung, dann wird eben schon am Sonnabend zuvor zelebriert.
Also Montag-Mittwoch-Freitag-Sonnabend.

Während der Buchmesse heißt es dann: „Leipzig liest.“

Vor einem Leipzig-Marathon: „Leipzig läuft.“

Während der Hörspieltage oder vor Abläufen am Zooschaufenster und vor dem Alten Rathaus: „Leipzig hört.“

Natürlich geht bei organisierten Massenaktionen auch schon einmal: „Leipzig singt“, „Leipzig tanzt“, „Leipzig feiert“….

Neben meiner Verunsicherung über das beleidigende Defizit der Zeitungs-Schreiber beim Einsatz sprachlicher Möglichkeiten irritiert mich mein Gefühl, auf einer kleinen Lepra-Insel am Rande der Stadt zu verkümmern.

Denn ich lese mitnichten mit zwei Millionen Mitlesern auf der Buchmesse, ich lese in meiner heimatlichen Hütte.

Ich höre gleichfalls nicht mit sieben Millionen Mithörern am Zooschaufenster oder vor dem Alten Rathaus. Oder auf der Wiese in ZOO-Nähe. Mir genügen Konzertsäle und meine heimatliche Hütte.

Ich verweigere ebenso die Teilnahme an der Bewältigung marathonähnlicher Strecken über Leipzigs Asphalt, gemeinsam mit elf Millionen Mitläufern, ich laufe im Bärlauch-Schleier durch Leipzigs nordische Wälder.

Ich singe auch nicht mit Heerscharen von Mitsängern, tanze nicht mit Heerscharen von Mittänzern, feiere nicht mit Heerscharen von Mitfeierlingen…

Ich bitte Leipzigs Journalisten, meinen Aussätzigen-Status zu beachten.

Also „Leipzig liest, außer Jürgen“, Leipzig läuft, außer Jürgen“, Leipzig hört, außer Jürgen.“
Würde ich so akzeptieren.

Bei der aktuellen Ankündigung der Aktivitäten, die „Leipzig“ so im Schilde führt, lässt mich die mangelnde Harmonie zwischen Bildinhalt und dessen journalistische Kommentierung etwas stutzen (s.o.).

Ich habe das mathematische Verständnis eines Feldhamsters und mich Ende der 60er Jahre gerade so mit letzter Wucht und kurz vor dem Koma durch das Mathe-Abitur geschoben.
Ein Antrag, mich als Carl Friedrich Gauß von Gohlis bezeichnen zu dürfen, würde wohl nicht die Zustimmungsmehrheit erhalten, schon gar nicht bei meinen noch lebenden Mathelehrern

Aber trotzdem beharre ich gnadenlos auf meinem Zählungsergebnis von sieben Surfern (s.o.), vielleicht etwas dürftig für ein Leipziger Massenereignis unter der markigen Ankündigung „Leipzig surft los“.
Außerdem bestreite ich die Notwendigkeit des Einsatzes von „los“ bei „Leipzig surft los“.
Ein reduziertes „Leipzig surft“ wäre ausreichend, „Leipzig surft los“ klingt einfach nur beknackt.
Ein Gespür für sprachlichen Feinsinn haben diese Zeitungshersteller, das stinkt nicht nur zum Himmel, das stinkt bis in die übernächste Galaxis.

Aber sicher werden sich bald neue Möglichkeiten ergeben, die unzerstörbare Verbundenheit Leipziger Bürger und Bürgerinnen auf dem Titelblatt ihrer Tageszeitung auch journalistisch zu dokumentieren.

Vielleicht in Bälde bei einer volkstümlichen Fallschirmsprung-Performance.
„Leipzig fällt vom Himmel“, klingt doch spannend.

Oder „Leipzig bellt“ für eine niedliche Hundeausstellung.
Als Alternative könnte man „Leipzig laust sich“ erwägen.

Oder bei Boxkämpfen für die ganz Kleinen auf Leipzigs Zentral-Markt wäre doch ein „Leipzig haut sich auf die Schnauze“ eine angemessene Losung.

Und natürlich „Leipzig fickt“ als Slogan der Vorfreude für eine Erotikmesse.

Aber besonders erfreut wäre ich über den Besuch des aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten in Leipzig, der entzückt an der sozialdemokratischen Tür des Lipinski-Hauses in der Rosa-Luxemburg-Straße leckt, umringt von Leipzigs gesamter Bevölkerung.
Nur Jürgen wäre abwesend und die Leipziger Edelgazette könnte titeln: „Leipzig trumpt, außer Jürgen.“

Musik des Tages

Nach all diesen Lesereien, Laufereien, Hörereien, Singereien, Tanzereien, Feiereien, Bellereien, Lausereien, Fickereien, aus dem Himmelfallereien, auf die Schnauzehauereien….wäre ein Rückzug in die Individualität mit Amon Düül II auf der Kiste eine angemessene Reaktion.

„Yeti“
„Tanz der Lemminge“
„Carnival in Babylon“
„Wolf City“

Aus den Jahren 1970-73, die große Zeit von Amon Düül II.

Ich bevorzuge „Yeti“, da quiekt, quäkt, dröhnt, scheppert es so wundervoll.


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August 16, 2019 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Architektonisches Sonntags-Intermezzo mit Querhaus, Baumtöpfen, Epitaph-Figuren im Störtebeker-Modus und eine Jarmusch-Nacht mit Neil-Young-Epilog

Goseck, Kirche, bzw. Kirchenrest des ehemaligen Benediktinerklosters.

Cranachs d. Ä. „Hinrichtung der hl. Barbara“ soll sich bis 1945 zwischen diesen Wänden befunden haben.
Jetzt strahlt es im Metropolitan Museum of Art in New York, ein bemerkenswerter Weg.
Überhaupt haben Baugeschichte und aktuelles Erscheinungsbild dieser Kirche einen durchaus erstaunlichen Zuschnitt.
Goseck liegt innerhalb eines Terrains mit beachtlich hochwertiger Kulturgeschichte, unweit von Naumburg und Schulpforte, von Freyburg, der Schönburg und von Bad Kösen mit Rudelsburg und Saaleck.
Auch Memleben und Merseburg haben sich in übersichtlicher Entfernung abgelagert.
Ähnlich die Reste des Sonnenobservatoriums, etwa 2800 v.Z. und des Fundorts der Himmelsscheibe von Nebra, etwa 1600 v.Z.

Zurückgeblieben bzw. verschont sind von der ehemaligen Klosterkirche aus der Mitte des 11.Jahrh nur noch das Querhaus (s.o.) mit Apsiden, der Chor mit geradem Abschluss und eine zweischiffige Krypta, die im 16.Jahrh. im Ostteil durch den Einzug eines Tonnengewölbes zweigeschossig wurde.
(Die Benediktiner gründeten ihr Kloster hier um die Mitte des 11.Jahrh.)

Goseck, Blick nach Osten, Querhaus der ehemaligen Klosterkirche

Freundlicher Versuch, die ursprüngliche Struktur der Kirche zu veranschaulichen.
Man muss sich vorstellen, dass unmittelbar am Standpunkt meinem Fotografenapparats vor vierhundert Jahren sich das Mittelschiffportal befand, links auf der Linie der Blumen- (Baum)kästen die Pfeiler das Mittelschiff und das nördliche Seitenschiff trennten, der schwarze Belag etwa die nördliche Seitenschiffmauer markiert und die schattigen Schlossgebäude rechts (erste Hälfte des 17 Jahrh.) Teile des Mittelschiffs und das ehemalige Seitenschiff mit südlicher Ausrichtung ersetzt haben.

Chor, Nordwand

Alvensleben-Epitaph, links, erstes Viertel des 18 Jahrh., für den 1714 verstorbenen Ordomar v. Alvensleben.

Pölnitz-Epitaph, rechts, erstes Drittel des 17.Jahrh., für Bernhard von Pölnitz, kursächsischer Kanzler und Oberhofrichter in Leipzig.

Pölnitz-Epitaph, linke Seite mit der Darstellung von Bernhard von Pölnitz, von dessen Frauen, Söhnen und Töchtern, mit Blick auf Christi Kreuzigung, bzw. Kreuzabnahme (s.o.Gesamtansicht).
Figuren z.T. im Störtebeker-Modus, also enthauptet, Resultat vandalistischer Entgleisungen, vermutlich erst während der 70er Jahre des vergangenen Jahrh.
Die DDR-Kulturdeppen interessierte das eine feuchte Hüfte.

Pölnitz-Epitaph, rechte Seite
Epitaphe dienen im Gegensatz zu Grabmälern mitnichten zur Lagerung menschlicher Überreste und erfüllen eher die Funktion von Denkmälern.
Grabmal und Epitaph werden gebräuchlicherweise an unterschiedliche Standorten eingrichtet, das Epitaph bevorzugt an Kirchenwänden, doch auch an Pfeilern, Säulen…im Kircheninnenraum und werden in die übergeordnete Kategorie der Kenotaphe eingeordnet.
Spontan denke ich bei sächsischen Epitaphen z.B. an die Leipziger Universitätskirche (Olearius-Epitaph), an das Inventar der Laurentiuskirche in Pegau, aber auch an den Nosseni-Epitaph aus der ehemaligen Sophienkirche in Dresden (1945 stark beschädigt, am Beginn der 60er Jahre entgültig zerstört) und an den Görlitzer Nikolaikirchhof mit hunderten Grabmälern und Epitaphen.

Goseck, ehemalige Klosterkirche, Krypta
1046 geweiht.
Mit dominierendem Mittelpfeiler, keine besonders häufig bevorzugte Konstruktion.
Kreuzggratgewölbe.

Goseck, ehemalige Klosterkirche, Krypta-Fenster

Die Fenster wurden im 11.Jahrh. mit Eisengittern gesichert.
Davon existieren in Goseck noch zahlreiche Rudimente am ursprünglichen Standort.

Goseck, Krypta, spätgotische Gewölbemalerei


Filmvorschläge für eine Jim-Jarmusch-Nacht

Coffee & Cigarettes
Night on Earth
Mystery Train
The Limits of Control
Down by Law
Ghost Dog

U.a. mit Forest Whitaker, Tom Waits, Roberto Benigni, Isaach Bankolé, Tilda Swinton, John Hurt, Bill Murray, Steve Buscemi, Iggy Pop, Cate Blanchett, Armin Mueller-Stahl, Kari Väänänen (wurde besonders durch Filme des unvergleichlichen Aki Kaurismäki bekannt)….

Damit kommt man herausragend durch die Nacht.

Und die Filmmusik sollte man bei Jarmusch ohnehin immer im Ohr behalten und dann bald „Year of the Horse“ sehen, mit Neil Young, gleichfalls von Jarmusch.


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August 12, 2019 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, menschliche Promipaare im Sommerhaus, Vertreter der Promifauna, Merlan, Miras, Heiter, Bartsch, Wendler, Koc……., Zweitausendeins, Tapirglocken im Hintern und ein AnimalsWarBurdonVinylMedley

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Zunächst einige Promis von animalischer Grundausstattung, Faunapromis sozusagen
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Plattencover von „Steppenwolf“

Abruzzen, Manoppello Stazione, Santa Maria d`Arabona, gotischer Osterleuchter (Detail), 2018

Abruzzen, Serramonacesca, San Liberatore a Maiella, Portal, 2018

Kärnten, Gerlamoos, Filialkirche, Wandmalerei, 2017

Kärnten, Klagenfurt, Zentrum, 2017

Brandenburg, Brunnenfigur, 2017

Eckberg, Elbschloss, Schlosspark, 2016

Amiens, Kathedrale Notre Dame, Portal (Igel), 2015

Sardinien, Santissima Trinità di Saccargia, 2015

Wismar, Haus, 2017

Die Stellenbeschreibung zu Personen mit dem Nimbus einer öffentlichen Prominenz hat sich ja nun infolge berstender Kommunikationsebenen ziemlich radikal gewandelt.
Auch in Bezug auf prominente Paare.

Vor fünfzig Jahren dachte ich dabei z.B. an Ike und Tina Turner, deren „River Deep Mountain High“ ich gnadenlos in meine ewige Top Zwanzig der 60er Jahre einordnen würde.
Mit markiger Tendenz zum Portal der Top Zehn, irgendwo im Umfeld von „Keep on Running“ und „Gimme Some Lovin`“(Spencer Davis Group) und „When I Was Young“ der Animals.
Vor einigen Jahren hörten wir Konzerte mit Steve Winwood, bzw. Eric Burdon, immer noch charismatische Erscheinungen.

In dieser Zeit gab es z.B auch das Gesangsduo Abi und Esther Ofarim, die aber ähnlich gnadenlos meine Top 20 verpassen würden.
Aber symphatisch waren sie.
Und prominent.
Auch Caesar und Kleopatra wurden in den Katalog legendärer Paare aufgenommen, desgleichen Nofretete und Echnaton.
Auch Clara und Robert Schumann, über 3000 Jahre später.
Und Bettina und Achim von Arnim, ein paar Jahrzehnte zuvor

Aber so richtig populär und prominent wurden Paare erst im 2o./21.Jahrhundert.

Lotte und Walter Ulbricht waren in der DDR hochgradig populär, besonders bei „Partys“, wenn sich eine ausgelassene Stimmung nur behäbig entwickeln wollte.

Auch Margot und Erich Honecker konnten sich sicher nicht über eine reduzierte Popularität erbosen.
Allerdings mischte sich nun zur Heiterkeit ein beträchtliches Maß an Hass.

Und natürlich das schwimmende Doping-Pärchen Matthes/Ender.
Cornelia Ender erreicht aber nicht ganz das verheerende Erscheinungsbild mancher schwimmenden Mitstreiterin, die sich äußerlich mitunter A.Schwarzenegger näherte.

Und Hauff/Henkler, oh Gott, erlöse uns davon.

Der Unterschied zwischen prominent und populär erschließt sich mir ohnehin nur recht schwerfällig.
Als prominent gelten vielleicht eher die Feingeister mit nicht zu leugnenden Fähigkeiten und Verdiensten.
Populär kann vielleicht jeder sein, auch z.B. D.Katzenberger, die Geissens, irgendwelche Vögel in irgendwelchen Dschungelcamps, die sich verweste Tapir-Glocken in den Hintern schieben und dabei „Keine Bange, wir holen eine Zange“ singen (Ein Lied von Hauff/Henkler).
Oder irgendein Bauer, der irgendeine Frau sucht…irgendwo.

Da bevorzuge ich schon eher die Verbindungen Kennedy/Monroe, Celan/Bachmann, Kandinsky/Münter, Henze/Bachmann, P.Curie/M.Curie, Sartre/Beauvoir, Dylan/Baez, Graf/Agassi, Dick/Doof, Bonny/Clyde,…, Weltgeschichtsteilnehmer mit einer positiven Leistung, mit einem Vermögen, welches die kulturelle und politische Entwicklung zumeist positiv geprägt hat.

Und dann gibt es ja noch das deutsche Fernsehen, z.B. mit der Sendung „Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare“
Promipaare ist sicherlich die feinsinnige Abkürzung für prominente Paare.
Und als Stars werden sie ebenso gefeiert, als prominente Stars sozusagen, mehr geht nicht.

Auf dem kleinen Bild der Fernsehzeitschrift zu dieser Sendung hält ein drollig vergnügtes Paar ein Produkt von schlauchbootähnlicher Grundanlage dem Fotografen vor den Rüssel.
Darunter werden diese Heiterkeitsfrettchen als Willi und Jasmin Herren vorgestellt.
Noch nie gehört.
Kann ja einmal passieren, man kann ja nicht alles wissen.
Sagte ich mir.
Und dann folgten die weiteren Promipaare, die Stars, die prominenten Stars (ohne Abbildungen).

Benjamin Boyce & Kate Merlan
Jessika Cardinahl & Quentin Parker
Elena Miras & Mike Heiter
Menowin Fröhlich & Senay Ak
Steffi & Roland Bartsch
Michael Wendler & Laura Müller
Johannes Haller & Yeliz Koc

Ich wiederholte die Lesung.
Aber tatsächlich, es blieb dabei, ich kannte keinen einzigen Namen dieser Promipaare, dieser Stars, dieser prominenten Stars.
Und ich erahnte es wiederholt, daß das wahre, wirkliche Leben an mir vorbeiwogt und meine ignorante Zunge an dem prall gefüllten Kelch des Daseins noch nicht einmal genippt hat.
Doch merwürdigerweise spürte ich keinen Antrieb, auf irgendwelchen Informationsportalen irgendeine Aufklärung über diese Promipaare zu erhalten.

Dann doch eher ein kleines AnimalsWarBurdonVinylMedley.

Animals
Erwarb ich Ende 70er Jahre für achtzig DDR-Mark, damals der gängige Preis.

Eric Burdon & War
Kostete mir um die Mitte der 70er Jahre zweihundert DDR-Mark und reduzierte deshalb mein Nahrungsangebot für drei Wochen auf Löwenzahn und Baumrinde.

Eric Burdon & War
Ich vermute, gleichfalls Mitte der 70er Jahre in meine Plattenkiste aufgenommen, für achtzig DDR-Mark.

Eric Burdon

Am 12.November 1989 mit Hilfe des Begrüßungsgeldes bei Zweitausendeins in der Westberliner Kantstraße gekauft, zusammen mit „Exile on Main Street“ (Rolling Stones), mit Zappa, Yardbirds, Colosseum, Steppenwolf, Roxy Music…
Die gesamten einhundert BRD-Begrüßungsmark formten sich also zu schwarzen Scheiben.


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Juli 31, 2019 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, die Nervungen der Woche und Patriarchats-Ausbrüche, militante Radfahrer, große Truthahn-Eier, Netzhaut-Scharlach, Etagen-Bespielungen, Hingucker, krachende Niederlagen, Ligeti, Nancarrow, Bette Midler…alles ein Stück weit

LVZ, 13./14.7. 2019

Ein vierzehnjähriges Mädchen möchte aus dem Patriarchat ausbrechen.
Ganz schön kernig, die junge Frau.

Ich habe ja mitnichten etwas gegen gegen spätkindliche Rebellions-Bedürfnisse, gegen frühjugendliche Umwälzungs-Positionen.
Und Herrschaftsformen, ob Patriarchat oder Matriarchat, überhaupt alle „Herrschaftsformen“, sind mir weitgehend zuwider.
Auch z.B. die sich anbahnende Herrschaft der militanten Radfahrer.
Mir scheint es, dass ich als konsequenter Fußgänger zukünftig ohnehin erst die Radfahrer fragen muss, ob ich heute…morgen…übermorgen auf der Straße geduldet werde.
Und eine stabile Furcht, dass mir Radlenker von hinten die Nieren zertrümmern, beunruhigt mich ohnehin dauerhaft.

Ähnlich zuwider wie Herrschaftsformen mit überbordener Machtausübung quält mich die Art und Weise, wie dümmlich doktrinäre Politiker, Journalisten, Pädagogen… z.B ihren Mitmenschen in pubertären Lebens-Etappen eine derartige Parolen-Sprache aufdrängen (s.o.), das ist Kinderschändung mit sprachlichen Mitteln.

Denn man muss vermuten, dass die Verarbeitungsqualität z.B. soziologisch-politischer Themen in diesem Alter noch recht rudimentär abläuft und daß mit diesem Lärm-Vokabular, dessen lächerlich kämpferischer Einsatz in Europa im Grunde keine Berechtigung mehr besitzt, schon frühzeitig simple Denkungsarten anerzogen werden.
Sicher gibt es auch in Deutschland noch Defizite bei der Sicht auf eine uneingeschränkte Gleichwertigkeit der Geschlechter.
Aber ein Patriarchat?
Und die Wollust, vierzehnjährige Mitbürger deshalb zu dem Ausbruch aus einem „Patriarchat“ zu animieren, widerspiegelt grob-einfältige Denkmuster.

Nicht minder irritiert mich der Versuch, kausale Zusammenhänge zwischen der Beseitigung eines Patriarchats und der Verbesserung des Klimas zu konstruieren.
Das ist infantilster Populismus, wie er in öffentlich-deutschen Diskussionsrunden anderen Ländern, auch auf anderen Kontinenten zugeordnet wird.

Ich könnte mir dann z.B. vorstellen, daß nach der Beseitung eines Matriarchats sich vielleicht nicht das Klima ändert, aber die Truthähne größere Eier legen.

Jeder lesende und hörende Mensch mit sprachästhetischer Veranlagung hat doch sein Abneigungs-Vokabular, welches zu Netzhaut-Scharlach führen könnte.

Hinweise in Ausstellungskritiken wie „…der Künstler X bespielt die erste Etage des Museums…“ zählt u.a. zu meinen Netzhautscharlachkatalysatoren.
Der Künstler bespielt eine Etage…, das ist die sprachliche Hölle, sofort die Ausstellungskritikerlizenz entziehen.

Eine „Kritik“ vor einigen Tages in Leipzigs Zeitung erhöhte das Qualpotential.
Denn hier bespielt nicht irgendein Künstler irgendwas, sondern „Nicht allein Galerie und Festsaal werden bespielt, sondern Räume in sämtlichen Etagen.“
Da wird selbst der Spieler weggelassen.
Zustände sind das.

Auch der sprachliche Einsatz von „Hingucker“ könnte meine Bereitschaft zu Flatulenzen erhöhen.

„Das Bild von Michael Triegel ist natürlich ein echter Hingucker.“
Oder so ähnlich.

Abgesehen davon dass ich zu Triegels Bildern mitnichten hingucke, sondern mit geschlossenen Augen in Bolt-Manier an den paar Metern vorbeischleudere, nervt mich diese lästige Folklore-Zelebrierung.

Außerdem scheitert man heute nicht einfach mal so oder verliert einfach ebenso.
Keineswegs. Heute wird nur noch krachend verloren und krachend gescheitert.

XY ist bei der Abstimmung im Parlament krachend gescheitert.
Die Mannschaft aus YZ hat im Viertelfinale krachend verloren.

Ein Grauen.

Die Kanzlerin nutzte vor einiger Zeit im Zusammenhang mit Trumps Politik-Originalitäten die Formulierung „Ein Stück weit“.
Seitdem ist unser Land nur noch aus weiten Stücken zusammengesetzt.

Vor ein paar Tagen musste ich innerhalb eines Gesprächs mit einem FDP-Verkehrspolitiker im Deutschlandfunk den Einsatz dieser Floskel etwa 15-18 mal ertragen innerhalb von 8-10 Minuten, das ist eine akustische Tortur.
Danach wechselte ich aber ein Stück weit den Sender.

Obendrein verliert die Sprache schleichend ihre Verhältnismäßigkeit,
Selbst „Die Zeit“ unterstützt diesen Abstieg.

Im Inhaltsverzeichnis der letzten Ausgabe ist dann Michael Jürgs ein Ausnahmejournalist, Greta Thunberg die faszinierendste Figur dieser Tage, Artur Brauner ein genialer Produzent, Francois-Xaver Roth ein Stardirigent, Seymmour Hersh ein legendärer Enthüllungsreporter….

Doch „historisch“, „legendär“, „heldisch“, „ikonisch“ ist inzwischen ohnehin alles, jede Flatulenz, jede Efflation, selbst eines Feldhamsters.

Man sollte einfach nur noch die legendäre Kirche im Dorf lassen.

Dabei malträtiert mich weniger die Verwendung dieser einfältigen Sprache, eher die ständigen Wiederholungen, das permanente Nachgeplärre durch untalentierte Journalisten, Politiker…

Musik der Woche

I. Kammermusik von Györgi Ligeti, z.B. die beiden Streichquartette, ich glaube, er hat nur zwei geschrieben (s.o.).

II. Kammermusik von Conlon Nancarrow, unbedingt auch die Musik für Pianola (Player Piano), s.o.
Ligeti aktivierte in Europa das Interesse für Nancarrows Musik.

III.Bette Midler, Live-Auftritt (1984) mit dem Rolling Stones-Song „Beast of Burden“ („Some Girl“, 1978)
Dadurch werden auch in der alternden Gesellschaftsschicht männliche Zuschnitts mögliche Erektionsverkrampfungen gelöst.
Aber auch ohne die Beseitigung von Erektions-Verstopfungen ist dieser Titel unbedingt hörenswert (auch mit Mick Jagger).

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Juli 18, 2019 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar