Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, die täglichen Ärgernisse und Anne Wills Demokratie-Defizite, Thomas Kielhorns Ranzigkeit, Kevin Spaceys Nase, meine Eustachiröhrenverknotung und Pete Yorks Rock & Blues Circus

Erstes Ärgernis
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Anne Will, die mich immer ergiebiger an die grausig eifernde Hilde Benjamin erinnert, zelebriert in ihrer Gurkensendung eine beängstigende Anti-Demokratie.
Die bösartigen Unterbrechungen der Beiträge von Gästen, die nicht in Ihren „Kram“ passen, sind bedenklich.

Und auch mitunter bemerkenswert dümmlich.
Denn auf den Hinweis eines Gastes, dass seine Partei bei den Wahlen in Thüringen 23 % erhielt, nölte sie als Reaktion, dass aber 77 % diese Partei eben nicht gewählt haben.

Mir geht es nicht um politische Positionen, doch dieser Stil ist von einer entsetzlichen Schlichtheit, die mich erschüttert.
Der Gast konterte nicht unoriginell, dass 92 % der Teilnehmer nicht die SPD gewählt haben.
Ich hatte den Eindruck, das Gesicht von Anne Will formte sich darauf zu einer Machete.

Diese Moderatorin kann ohnehin nicht von der ersten Fernsehanstalt als intellektuelle Visitenkarte angeboten werden und man sollte ihr klarmachen, dass allen Parteien, die innerhalb des Grundgesetzes und der Verfassung agieren, die gleichen Rechte bewilligt werden müssen.
Auch der AfD, denn sie agiert als verfassungsrechtlich zugelassene Partei und wurde bisher nicht verboten.
Diesen Status Quo müsste doch selbst Anne Will ergebnisorientiert verarbeiten können.

Ich vertrete diese Meinung als Zeitgenosse, dem die AfD Übelkeit bereitet, der aber auch ohne Einschränkungen die demokratischen Werte feiert.

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Zweites Ärgernis
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Leipziger Volkszeitung vor einigen Tagen, Gespräch mit Désirée Nosbusch.
Fragesteller:Thomas Kielhorn

Eigentlich sollte allen Lesern die Irritationen des Journalisten und Fragenstellers Thomas Kielhorn ausufernd gleichgültig sein.
Denn eine derartige Ranzigkeit gedanklicher Abläufe sind nur schwer erträglich.

Also alle Synchron-Stimmen Kevin Spaceys müssten nach Kielhorns feinsinnigen Irritationen ausgemerzt werden.
Auch bei herzegowinischen, dschibutischen, papua-neuguinesischen Synchronisationen.

Vielleicht sollte man auch alle Maskenbildner in die Wüste jagen, die irgendwie einmal an Spaceys Nase herumgerüttelt haben.
Oder der Koch, der Spacey während der Drehpause eine Bockwurst reichte.
Ab in den Kochtopf, der Koch.
Nur Kielhorn darf übrigbleiben, wegen seiner subtilen Irritationen.

Anne Will und Thomas Kielhorn an die Macht.

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Drittes Ärgerniss
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Leipziger Volkszeitung vor einigen Tagen

Und nochmals ein Fragesteller in Leipzigs Tageszeitung, der mit der unaufschiebbaren Problemstellung beeindruckt, welcher Musiker…., s.o.

Was soll man auf derartig dusslige Fragen schon antworten ?

Der Beantworter der Frage des Fragenstellers spricht dann eben einmal von den Texten der Schlagersängerinnen und Schlagersänger im Allgemmeinen.
Nicht grenzenlos originell, aber angenehm zurückhaltend.

Doch die mitunter grobkörnigen Redakteure hiesiger Medien erwarten eher eine simple Wucht und entscheiden sich für die Überschrift „Mitleid mit Schlagerfuzzis“ (s.o.).

Also kein Mitleid wegen der Schlagertexte, sondern Mitleid mit Schlagerfuzzis grundsätzlich, weil sie eben Fuzzis sind.

Schon das Wort „Fuzzi“ ist sprachästhetisch eine Zumutung, außerdem hochgradig anachronistisch und wird scheinbar nur noch von einigen Fragestellern in LVZ-Rollstühlen genutzt.
Innerhalb der Häufigkeitsstatistik des Dudens verkümmert „Fuzzi“ in der Kategorie für Worte, die aktuell am seltensten benutzt werden.

Sicher eine Banalität und man könnte diesen ärmlichen Journalismus ignorieren, zumal sich bei mir Musik und deutscher Schlager ausschließen, sonst würde sich meine Eustachiröhre ziemlich herb verknoten.
Aber trotzdem, da beschreibt der Befragte dies und das und an bevorzugter Stelle (Überschrift) liest man dann das und dies.
Sind das des Fragestellers Symptome für Beliebigkeit, Unredlichkeit oder ist es einfach nur das armselige Bedürfnis, die eigenen, oberflächlichen Rülpsereien irgendwie unterzubringen ?

Widrige Auswirkungen, in diesem Fall auf Jürgen Schrödl, Leiter des Gohliser Budde-Hauses, erwägt der LVZ-Fragesteller keineswegs, wäre ihm sicher zu anspruchsvoll.

Aber es ergeben sich natürlich Möglichkeiten, diese täglichen Ärgernisse zu reduzieren.

Anne Will abschalten, Zeitungen in die Ecke pfeffern und ein Konzert im Leipziger „Anker“ besuchen.
Wie vorgestern zum Reformationstag.

Mit Pete Yorks Rock & Blues Circus und ehemaligen Teilen der Spencer Davis Group (Schlagzeuger Pete York), der Animals (Keyboarder Zoot Money), von Deep Purple (Bassist Roger Glover), mit Gitarrist Miller Anderson (Keef Hartley Band) und Saxophonist Albie Donnelly (Supercharge).
Da transpirierte fast drei Stunden der Schornstein.

Erworben im Dezember 1989 bei „2001“ in der Westberliner Kantstraße

Links Pete York, rechts Steve Winwood, dazu Spencer Davis (vorn) und Muff Winwood (hinten)

Detail

Das Konzert (ausverkauft) begann mit „Keep on Running“ und ich verlor meine Hosen.
Im Original von dem unvergleichlichen Steve Winwood gesungen.

Später folgten aus Spencer-Davis-Zeiten noch „Gimme Some Lovin` und „I`m a Man“.
Meine Hosen blieben unten.

Und dazwischen ein höchst anspuchsvolles Potpouri mit Musik von Howlin` Wolf, Eddy Chochran, Deep Purple…..mit exzellenten Gitarrensoli, feinen Saxofon-Intermezzi, einem wundervoll kreischenden Keyboardbearbeiter (Money) und einem gnadenlosen, mindestens 15-minütigen Schlagzeugsolo Pete Yorks.

Da verlässt man freudvoll den Anker in Möckern (etwa einhundert Meter davon lebte ich meine ersten achtzehn Jahre).
Und hätte sich meine, fast 70-jährige Eustachiröhre nach dem zufälligen Kontakt mit deutschen Schlagen ziemlich herb verknotet, würde sie jetzt nur noch dynamisch federn, während Anne Will und Thomas Kielhorn sich vielleicht irgendwo zwischen journalistischen Müllkübeln um die übelsten Fragestellungen, Überschriften und Gesprächs-Unterbrechungen dreschen.


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November 2, 2019 Posted by | Leipzig, Medien, Musik | , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen, der schlaue Leipziger, Jürgen Becker, der unsägliche Possenreißer, zwei Ausstellungen der Chemnitzer Kunstsammlungen am Theaterplatz und Claus, Schultze, Mathieu, Poliakoff, Baumeister, Nay, fickende Ziegen in der Waldstraße, Feininger in Apolda und die sprachliche Verwahrlosung im Brennstoff-Bereich

Verstreutes

Als gnadenlos zuverlässiger Passagier von Leipzigs öffentlichen Verkehrsmitteln, ausnahmslos stehend und als scheinbar einziger ohne Smartphon, werde ich mit der Kenntnisnahme vielfältigster Abläufe im Alltag meiner Heimatstadt beschenkt.

Ich beobachte durch die Scheiben die radieschenroten Köpfe, die blauen, zitternden Lippen meiner Mitbürger im Autostau, die mit feuchten, verkrampften Händen ihr Steuerrad zu einer 8 formen, rieche den Duft des Bärlauchs nur eine Haltestelle nach meiner Behausung, bin fasziniert von der Gründerzeit-Architektur in der Waldstraße, schaue wundervoll lässig und lästig anderen Straßenbahn-Nutzern über ihre Schultern und auf deren Smartphone, sehe darin auch schon einmal fickende Ziegen und zurre meinen Blick hin und wieder am Straßenbahn-Monitor fest, der über Leipziger Ereignisse informiert.

Und er zelebriert auch die Serie: „Wie schlau sind wir Leipziger“
In diesen Tagen werden folgende Fragen gestellt:

Wie lautet das Leipziger Kfz-Kennzeichen?

1. LPG
2. L
3. Lei
4. Liz

Wie lautet die Telefonvorwahl für Leipzig?

1. 0852
2. 1234
3. 0341
4. 0011
(Außer L und 0341 habe ich die Buchstaben und Zahlen erfunden, aber so ähnlich wurden sie gesendet)

Ich vermute, dieses Deppen-Spielchen hat eine sogenannte Fremdfirma für die Leipziger Verkehrsbetriebe „erarbeitet“ und vier Millionen Schleifen kassiert.

Ich kann mich jedenfalls in die Kategorie „Schlauer Leipziger“ einordnen, denn die korrekte Lösung dieser Kniffelei hatte ich recht zügig parat.

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Außerdem nölte in der ARD-Maischberger-Sendung wieder einmal dieser entsetzlich simple Jürgen Becker über den Tisch:

„Donald Trump ist so ein Arschloch, da können Sie mit dem LKW durchfahren.“

Das Publikum applaudierte fast frenetisch und Maischberger lächelte sanft.

In einer Zeit, die von Mahnungen geprägt wird, einer Verrohung auch der politischen Sprache aktiv entgegenzuwirken, enthalte ich mich und gebe keinen Kommentar.
Denn mitunter neige ich zu einem cholerisch ausgelebten Zynismus und bei Jürgen Becker und anderen einfältigen Possenreißern könnte sich diese Neigung erfüllen.



Und wer ständig Jürgen Becker und ähnliche Kunos hört und sieht, könnte dann natürlich auch diese geschäftliche Unterstützung in einer großflächigen Warenhandlung geregelt haben.

Da fahre ich doch eher nach Chemnitz und besuche die beiden Ausstellungen der Kunstsammlungen.

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Ausstellung I

„Carlfriedrich Claus und Bernard Schultze“

Plakat im Fahrstuhl zur aktuellen Austellung im Haus der Chemnitzer Kunstsammlungen am Theaterplatz.
Auffällig ist die reduzierte Werbung seit Ingrid Mössingers Abmarsch in den Ruhestand.
Weder an der Hauptfassade des Hauses noch im Eingangsbereich wird man durch optisch bemerkenswerte Hinweise zu den derzeitigen Aktivitäten des Museums beeindruckt.

Nur an einer Seitenwand gibt es die allgemeinsten Informationen.
Ich vermute aber, dass bald der angrenzende Baumbestand seine floralen Elemente über
diese Installation legen wird.
Es wird auch kein Katalog zu diesen Austellungen angeboten, nicht einmal ein kleiner Katalog, selbst auf einen ganz kleinen Katalog wurde verzichtet.
Ein Faltblatt muss genügen.
Come back, Ingrid.

Bernard Schultze
„Gefährlicher Streifzug“, 1985/89, Bleistift/Papier, auf Lw. aufgezogen

Carlfriedrich Claus aus Ostdeutschland und Bernard Schultze aus Westdeutschland zelebrierten über zwei Jahrzehnte ihren Kontakt (1956/1979) und debattierten über kunsttheoretische und politische Fragen.
Bis sie, eben wegen politischer Diskrepanzen, alle Verbindungen untereinander aufgaben.

Beide versuchten mit eher lyrischen Abstraktionen, weitgehend ohne expressive Exzesse, besonders bei Claus verbunden mit der Einbeziehung typografischer und kalligrafischer Elemente, die unterschwelligen, unbewußten Vorgänge mit existenziellen Grundgestus in psychischen Bereichen zu beschreiben.

(Für die Wissenserweiterung über Informel, Abstrakter Expressionismus, Lyrische Abstraktion, Tachismus, Farbfeldmalerei… genügt der Blick in ein ordentliches Lexikon, auch in Wikipedia, wenn es sein muss).

Die oft angesprochenen, gegenseitigen Einflüsse kann ich nur bedingt nachvollziehen.
Denn Schultzes harmonisch gefällige, dekorativ geordnete „Schönfarbigkeit“ meidet Claus, er entschied sich doch eher für eine grafisch reduzierte Präzision, für substanzielle Schärfe, die trotz ihrer Streuungen nie ablenkt.

B.SCH.
„Fieber-Duell“, 1988, Öl/Lw.

B.SCH.
„Viele Wege führen ins Herzstück“, 1986, Öl/Lw.

B.Sch
Anakreon-Zitat, 1988, Öl/Lw.
Anakreon war ein griechischer Dichter irgendwann im im 6.Jahrh. v.Chr.
Denke ich zumindest.

Carlfriedrich Claus
„Denkatmosphäre“, 178/82, schwarze und farbige Ölkreide, Pinsel über Algrafie

Cfr.Cl.
„Verbindende Tiefe, Mahâsukha-Aspekt“, 1978/85, schwarze Ölkreide auf Algrafie
Als Mahâsukha wird in einer der Buddhismus-Varianten ein umfassender Orgasmus gefeiert.

Cfr.Cl.
Mischtechnik
Natürlich würde ich eher Claus als Schultze in meine heimatliche Innenarchitektur einfügen.

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Ausstellung II

„Auf gruenem Grund – Abstrakte Malerei nach 1945“

Serge Poliakoff
„Composition“, 1959, Öl/Lw.

Ernst Wilhelm Nay
„Rhythmen Blau Orange“, 1953, Öl/Lw.

Fritz Winter
„Auf gruenem Grund“, 1949, Öl/Papier auf Lw.

Willi Baumeister
„Schwarzer Fels auf Gelb“, 1953, Öl, Kunstharz, Sand

Georges Mathieu
„Entéléchie Carolingienne, 1956, Öl/LW.

Außerdem sind noch Arbeiten ausgestellt von Eberhard Göschel, Willy Wolf, Fred Thieler, Emil Schumacher

Für diese Ausstellung ist keine tiefschürfende Analyse notwendig.
Die Bilder sind abstrakten Zuschnitts und wurden nach 1945 hergestellt.
Sie zeigen völlig unterschiedliche Handschriften und finden aber unter „Art informell“ eine übergreifende Klammer.
Die Herkunft der Künstler beschränkt sich auf vorwiegend deutsche, russische und französische Linien.
Und die Auswahl der Arbeiten wurde kompetent und solide bewältigt.
Es macht Freude, durch diese Räume zu flanieren.
Die längste Zeit stand ich vor der karolingischen, innewohnenden Vollendung von Georges Mathieu, ein herausragendes Beispiel des europäischen Tachismus.

Dauer der Ausstellungen:

Claus und Schultze nur noch bis 27. Oktober
Auf gruenem Grund………. bis 2.Februar

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…und dann nach Apolda.
Der Kunstverein zeigt Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Malerei, Mischtechniken von Lyonel Feininger.

Es gibt sicher nur wenige Künstler des 20.Jahrhunderts, über die derartig bereitwillig und ausführlich geschrieben und gesprochen wurde.
Auch die Zahl der Ausstellungen ist beträchtlich.
Deshalb erachte ich es für unnötig, zusätzlich meinen Senf beizusteuern.
Es bliebe nur die Information, dass diese Übersicht auch frühe Arbeiten zeigt, u.a.Karikaturen und sich qualitätsvoll und außerordentlich ansehnlich präsentiert.

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Oktober 22, 2019 Posted by | Kunst, Leipzig, Medien | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, die täglichen Behelligungen, ein obergeiles Pantoffeltierchen, der Präsident von Entenhausen, Anal-Sex bei Kürbissen, eine infantilisierte Gesellschaft, galoppierender Harndrang und der Redenschreiber einer Venus

LVZ, Sbd./Son./12./13.Okt.

Behelligung I

In der LVZ-Kuppel (LVZ=Leipziger Volkszeitung), Standort für global beachtete Veranstaltungen von höchstem Anspruch, bei dem selbst Polyphem auf Grund begeisterter Hysterie das Restauge aus dem Gesicht fallen würde, gab es am vergangenen Freitag scheinbar ein Gespräch zwischen Guido Schäfer, auch bekannt als Redenschreiber der Venus von Willendorf und einem Tormann namens René Adler.

Ich kenne Egon Adler, Teilnehmer der Friedensfahrt während der 50er/60er Jahre und Leo Adler als Architekturtheoretiker.
Von Psychotherapeut Alfred Adler habe ich vor vielen Jahren einige Seiten gelesen und nichts verstanden, Sabine Adler hörte ich oft als Korrespondentin im Deutschlandfunk.
Als winziger Ersatz-Ornithologe sind mir natürlich auch Steinadler, Seeadler, Fischadler…bekannt.
René Adler kenne ich erst seit vorgestern.
Vorgestellt von Guido Schäfer, auch bekannt als Presse-Sprecher der Hängenden Gärten von Semiramis, der zunächst die Botschaft eines ehemaligen Trainers von René Adler verkündete:

„René, du warst ein Mann. Du warst ein geiler Torwart und ein geiler Typ.“

Er war ein Mann, jetzt ist er wahrscheinlich ein Pantoffeltierchen, natürlich ein geiles Pantoffeltierchen, geradezu ein obergeiles Pantoffeltierchen.

Bei derartigen Ouvertüren werfe ich das geile Handtuch, meine Kunsthüfte färbt sich violett und ich blättere weiter.
Es bleibt natürlich die Frage nach der Zielgruppe dieses Blattes.

Zumal auf der Titelseite (!) ein bedrohlich ausuferndes Bild der Trauerfeier zur Verscheidung Karel Gotts dominierte, ein treuer Sohn der tschechischen Diktatur, er unterzeichnete das Dokument zur Vernichtung der Charta 77 und sang u.a. Titel wie „Lady Carneval“, „Einmal um die ganze Welt“, „Babicka“…, stöhn, schmerz,schmerz, schüttel…
Eine Notiz unter „Sonstiges“ hätte vielleicht genügt.
Es bleibt tatsächlich die Frage nach der Zielgruppe dieses Blattes.

Behelligungen II und III

Innerhalb einer sonntäglichen Sendung des Deutschlanfunks Kultur laberte Ralf Bei der Kellen wie gewohnt seinen einleitenden Quark, dessen Fakten er vermutlich immer bei Wikipedia findet, sprach von Nero und dessen sich veränderndes Bild in der Geschichtswissenschaft mit positiver Tendenz und betonte dann mit einer unvergleichlich intellektuellen Dürftigkeit seine Zweifel, ob sich bei Donald Trump in ferner Zukunft eine ähnliche Entwicklung abzeichnen könnte.

Und Andreas Rebers, ein Spaßmacher, dem ich mich vor Jahren, er spielte damals noch Akkordeon, durchaus freundlich zuwandte, nölte einfältig, daß nun alle wissen, dass Entenhausen von Donald Trump regiert wurde.

Nach fast drei Jahren Trumpscher Regierungszeit und Milliarden Hinweisen, Vergleichen, Satiren mit Hilfe Donald Ducks, Bildern aus Entenhausen mit Enten-Schnabel-Trump und Trump-Frisur findet diese Einfalt kein Ende.

Wie in der DDR, als jeder schriftliche oder mündliche Beitrag, ob über die Fußpflege des Quastenflossers oder über den Anal-Sex bei Kürbissen, mit Zitaten Honeckers, Breschnews, Marx`, Lenins oder mit dämlichen Texten vergangener SED-Parteitage garniert werden musste.
Trump geht immer und vor allem unter der weitgehenden Gleichschaltung aller Medien.
Ich brauche keinen Donald Trump, ich brauche aber auch nicht eine dogmatische Infantilisierung der Gesellschaft, die außerdem einen deftigen Beitrag zum Triumph dieser unerquicklichen AfD leistete.

Behelligung IV

Deutschlandfunk Kultur.
Gestern.
Der Song „Sunny“ wurde gespielt.
Danach des Moderators Hinweis, dass „Sunny“ einer der meistgecoverten Musiktitel sei.
Das ist richtig.
Und das die meisten Zeitgenossen nicht mehr wissen, wer eigentlich das Original sang.
Das ist gleichfalls richtig.
Er sprach dann von Bobby Hebb als Verfasser und Sänger des Songs.
Das ist wiederum richtig.
Und er meinte, das Bobby Hebb diese Lied 1956 komponierte und interpretierte.
Das ist allerdings falsch.
1966 wäre die präzise Information gewesen.
Und der Moderator informierte weiter, daß die eben gespielte Version von irgendeinem Sänger dargeboten wurde.
Das ist richtig, aber der Sänger hieß Robert Mitchum.
Und Robert Mitchum als irgendeinen Sänger zu bezeichnen, ist zumindest etwas nachlässig.
Ich stelle mir vor, Karel Gott hätte gesungen.
Also in etwa zwanzig Sekunden eine falsche Information und eine halbe Schlamperei.
Setzen, sechs.
Und das ist in allen Medien alltägliche Normalität.

Leipzig, das Opernhaus der knallenden Türen

Behelligung V

Vor einigen Wochen innerhalb der Werkstatt zu „Tristan und Isolde“ in Leipzigs Oper. Im Opernhaus dann am vergangenen Sonnabend zur zweiten Aufführung der Neuinszenierung.

Irgenwie knallte es mitunter.
Es knallt schon seit Jahrzehnten.

Ich enthalte mich einer musik-u.aufführungstheoretischen Abhandlung, ist mir momentan zu beschwerlich.
Jedenfalls habe ich recht zufrieden den Saal verlassen.

Aber es knallte mitunter.
Die Türen knallen infernalisch. Während der Werkstatt musste ich als reiferer Herr mit sich plötzlich galoppierend entwickelndem Harndrang die Toilette aufsuchen und schloss die Tür.
Sie knallte, die Toilettentür, wodurch ich befüchtete, dass Ulf Schirmer vor Schreck seinen Taktstock dem ersten Geiger in die Nasenlöcher schob.
Aber auch die Türen zum Hauptsaal knallen.
Gleichfalls das Hauptportal, es stört besonders, wenn man innerhalb einer Pause bei Dämmerung und in tiefer Richard-Wagner-Versunkenheit in Richtung Mendebrunnen glotzt.

Einem Menschen mit durchschnittlich ausgeprägter Motorik dürfte es nur unter höchster Körperbeherrschung gelingen, die Türen knallbefreit zu schließen.
Millimeter für Millimeter müsste man sich herantasten, um dann zitternd die einzelnen Elemente der Tür zusammenzufügen.
Vielleich knallt es dann nicht.
Aber wer hat schon dafür Zeit bei galoppierendem Harndrang.

Aber vielleicht kann man auch geringfügige Veränderungen in der Türschließmechanik erwägen.
Oder einen sanften Samtbeschlag zwischen die Bretter heften.
Was weiß ich denn, jedenfalls geht mit diese Türknallerei ziemlich auf die Ersatzhüfte.

Musik des Tages

Wieder einmal Pavement hören.



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Oktober 15, 2019 Posted by | Leipzig, Medien, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Ginger Baker, „Blind Faith“ von Blind Faith, 40 Minuten, 78 Sekunden, meine Inselmusik, mein Inselregal, mein Inselgepäck und John Bonham und Keith Moon im himmlichen Wartesaal

„Blind Faith“ von Blind Faith, die einzige Scheibe von Blind Faith, 1969.
Vorderansicht.
Erworben Mitte der 70er Jahre, vermute ich, für achtzig DDR-Mark.
Danach war im Kühlschrank wieder einmal Sahara für eine Woche.

„Blind Faith“ von Blind Faith.
Rückansicht.
Ginger Baker, Rick Grech, Eric Clapton, Steve Winwood (v.links n.rechts)

Und jetzt 40 Minuten und 78 Sekunden intensive Andacht für Ginger Baker, der sich vorgestern in das Drummer-Elysium verabschiedet hat.

Denn korrekt diese Zeitspanne rotiert das Album „Blind Faith“, eine der herausragendsten, in Vinyl gepressten Rock-Pop-Blues-Soul-Jazz-Musikwerke innerhalb der vergangenen fünfzig Jahre.
Und Ginger Baker hat darauf unsterblich getrommelt.

Es ist ja in keiner Sparte zwingend, dass sich robust-individualistisch agierende Experten sich für Abläufe auf Ebenen höchster Ansprüche zusammenfügen können.
Aber für „Blind Faith“ muss irgendein bethlehemischer Ersatzstern seine Kreise gezogen haben, um zwar keine Könige, keine Weisen oder Sterndeuter, aber vier brillante Musiker für eine einzige LP ins Tonstudio zu schieben.

Auch die Formationen sollte man zur Kenntnis nehmen, in deren Geschichte sie sich einzeln einkerbten, z.B. Spencer Davis Group, Yardbirds, Traffic, Cream, Alexis Korner Blues Incorporadet, Family, John Mayall Bluesbreaker….
Durchaus wesentlich Teile meiner möglichen Inselmusik.

Natürlich auch für die vier letzten Lieder von Richard Strauss mit Jessye Norman, gleichfalls vor einigen Tagen verschieden, wäre ein Platz in meinem Inselregal reserviert.
Die Musik von Karel Gott dagegen, auch er klopfte erst kürzlich am Petrustor an, würde ich zunächst wegen der lückenlosen Überfüllung meines Inselgepäcks nicht berücksichtigen.

Ich wünsche Ginger Baker eine gute Reise. Irgendwo oben werden sicher schon John Bonham und Keith Moon warten.
Dann kann wieder so richtig, nun als Terzett, auf die Gerätschaft gedroschen werden.


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Oktober 8, 2019 Posted by | Leipzig, Musik | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Donald Sutherland, Brad Pitt, Tommy Lee Jones in „Ad Astra-Zu den Sternen“, 4 966 ooo ooo Km, hin und her, hin und her, Jessye Norman mit Strauss, Humble Pie in San Franciscom und 1:3

Plakatwerbung zu „Ad Astra – Zu den Sternen“.

Donald Sutherland, Tommy Lee Jones und Brad Pitt, ein Terzett, mit dem man sich durchaus vorstellen könnte, zwei Stunden auf, bzw. vor der Leinwand zu verbringen.

Spontan und unkontrolliert denke ich bei Sutherland natürlich an „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ und mit Gänsehaut an den zwergigen Unhold am Ende des Films.
Aber auch an den fanatischen Jung-Nazi in Bertoluccis „1900“, einer der bedeutendsten Filme meiner Jugend, zu Sutherland gesellten sich noch De Niro, Depardieu, Lancaster…
Aber auch der „Nadel“ und „Klute“ (mit Jane Fonda) wird man sich schwer entziehen können.

Brad Pitt wird bis in die cineastische Ewigkeit von seiner Teilnahme an Tarantinos „Inglourious Basterds“ leben können.
Auch „Sieben“ ist ein bemerkenswerter Streifen, wenn man die Zelebrierung dieser zivilisatorischen Grenz-Areale mag.
Und natürlich „Ocean`s Eleven“ und „Fight-Club“.

Auch Tommy Lee Jones` Streifen „No Country for Old Men“ der Brüder Coen, neben Jones spielt Javier Bardem seine Rolle mit wundervoll ausgesuchter Widerlichkeit sowie „Im Tal von Elah“ und „Three Burials – Die drei Begräbnisse der Melquiades Estrada “ dürften auch nach dem kommenden Urknall einen bevorzugten Platz in der Filmgeschichte einnehmen.
Und selbst „Auf der Flucht“, die Story um Dr.Kimble (Serie der 60er Jahre), wurde mit durchaus anspruchsvoller Routine gedreht und gehört in das Regal für gehobene Actionsthriller (mit Harrison Ford).

Und nun Sutherland, Pitt und Jones in „Ad Astra – Zu den Sternen“, angeboten als Science-Fiction-Thriller seit einigen Tagen in den deutschen Kinos.

Im Grunde will Roy McBride (Brad Pitt) nur zu einem Planeten, namens Neptun, um seinen Vater Clifford McBride (T.L. Jones) zu finden, der intelligente Grün-Kobolde suchte, irgendwie zum Psychopathen mutierte und dessen Mission irgendwo endete, der aber vielleicht noch lebt, vermutet man.
Zunächst schwankte ich bei dem Versuch, „Ad Astra“ entweder in die vorgegebene Kategorie Science-Fiction-Thriller oder in die Ablage für philosophisch-psychologisches Kino einzuorden.
Jetzt schwanke ich nicht mehr, denn nur ein markiges „Weder-Noch“ kann die Antwort sein.
Denn zu behäbig trödelt Roy McBride von der Erde zum Erdenmond, dann über den Mars zum Neptun.
Die Science-Fiction-Atmung röchelt ständig, Brad Pitts Gesicht im Raumanzug beginnt zu langweilen, obwohl es natürlich einschneidend besser aussieht als das meinige.
Aber eben nicht als Astronautengesicht, dass in Bälde einen Planeten erblicken wird, dessen Entfernung mit 4 966 000 000 Km von der Erde doch recht beträchtlich erscheint (Vier Milliarden, neunhundertsechsundsechzig Millionen Km), nämlich 124 150 mal Erdumfang am Äquator (Einhundertvierundzwanzigtauseneinhundertfünfzig mal, also 124 150 x 40 000 Km Erdumfang am Äquator).

Wenn ich wie Hänschen klein, zwar nicht in die Welt aber in das All und zum Neptun gehen und täglich 30 Kilometer bewältigen würde (etwa Leipzig-Halle/S.)
bräuchte ich etwa 165 Millionen Jahre (165 000 000).
Erdgeschichtlich also im Mesozoikum während des Jura-Abschnitts und mich hätte vielleicht ein Geschwader Archaeopteryx begleitet, zumindest anfänglich.

Raumfahrttechnik und Kosmos-Ambiente des Films erinnerten mich an eine durchaus schöpferische LEGO-Phantasie und als dann auf dem Erdenmond irgendwelche Rabauken, die scheinbar nur beim Abbau teurer Mond-Ressourcen einen Ständer bekommen, sich Kämpfe mit den „Guten“ lieferten, wurde meine Gähn-Muskulatur ziemlich komplex aktiviert.
Und das Geplänkel in der Schwerelosigkeit des Raumschiffs wurde journalistisch als Ballett bejubelt.
Ich sah lediglich eine Eiertreterei.
Sandra Bullock in „Gravity“ würde ich eine wesentlich höhere Benotung zuteilen.

Und als dann Vater McBride auf dem Neptun, bzw. in dessen Umfeld die Ankunft seines Sohnes wähnte und von der oberen Etage ein gelangweiltes „Bist Du es, Roy“ mit einer Intensität lispelte, als wäre Sohn Roy nur für ein paar Minuten zum Imbiss an der Ecke flaniert, um 2x Bockwurst mit Kartoffelsalat zum Mitnehmen zu erwerben, dominierte die Komik, die sicherlich nicht geplant war.

Ich benötige keine sogenannten „Schauwerte“, keine digitale Schwärmerei und Godzillas, King Kongs, Herren der Ringe, Jurassic Parks…nur einmal im Jahr, ansonsten bevorzuge ich Kaurismäki, Tarkowski, Jarmusch, Bergmann, Godard, Rohmer, Kieslowski, Seidl….

Doch „Ad Astra“ kommt einfach zu behäbig, zu unaufgeregt daher und selbst wenn ich die Wirkung des Films als Science-Fiction-Thriller unbeachtet in die cineastische Ecke schiebe und mich auf die philosophisch-psychologischen Dimensionen konzentriere, auf Metaphern und intelligente Verfremdungen, die existenzielle Lebensfragen kommentieren, muss ich mich an die legendäre Nadel in Heuhaufen erinnern.
Ich habe nichts gefunden.
Die Monologe und Dialoge sind meißt derartig dürftig und hölzern, dass man verzweifelt nach Schauwerten im Film sucht, sie aber nicht findet und darum erneut vezweifelt auf einigermaßen tiefschürfende Monologe und Dialoge wartet und dann wieder auf Schauwerte…, hin und her und hin und her und der Film ist nach reichlich zwei Stunden vorüber.

Kritiker ziehen Parallelen zwischen „Ad Astra“ und z.B. „Solaris“, „2001:Odyssee im Weltraum“ und „Apocalypse now“.
Ich bitte darum, schont den lebenden Coppola und die Seelen Kubricks und Tarkowskis.

Zugabe I

Leipziger Volkszeitung, 30.9.2019, Titelseite
Als ich am Sonnabend das Ergebnis dieses Spieles erfuhr, überlegte ich, wie man journalistisch in dieser Zeitung reagieren wird.
Und ich war sicher, entweder mit Pleite, Desaster, Blamage oder einem ähnlich grobschlächtigen Klotz.

Das Studium der Spielberichte mit fußballerischen Inhalten lagert bei mir interessentechnisch etwa auf der Linie der angebotenen Horoskope.
Aber vollständig kann man in Leipzig diesen Informationen nicht entgehen, selbst als Maulwurf nicht.

Und ich weiß, dass Leipzig nach diesem Spieltag die zweite Tabellenposition belegt, vor Schalke, Dortmund, Leverkusen… und ich weiß, dass Schalke sicher auch den Meistertitel anstrebt und deshalb, vermute ich, nicht auf dem Niveau von Fortschritt Schmölln oder Empor Meuselwitz spielt.

Und ich denke, dass man bei dieser Konstellation selbst auf eine 1:3-Niederlage nicht so dämlich mit „Pleite“ reagieren sollte.
Ich vermute, die Fans sehen das ähnlicher als die einfältigen Sportjournalisten.

Zugabe II

Ich gedenke Jessye Norman und werde in Bälde die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss hören.
Aufgenommen 1982 in der Leipziger Paul-Gerhardt-Kirche, Gewandhausorchester mit Kurt Masur.

Zugabe III

Und danach Humble Pie „Live in Concert“ im Winterland Ballroom in San Francisco, mit Steve Marriott (Small Faces), Peter Frampton (Herd), Greg Ridley (Spooky Tooth) und Clem Clempson (Colosseum).
Da brechen die Wände.


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Oktober 1, 2019 Posted by | Film, Leipzig, Musik | Hinterlasse einen Kommentar