Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und Indoktrination und Manipulation im deutschen Alltag in Vergangenheit und Gegenwart

DIE ZEIT, 12.April 2018, Kinderseite, rechts unten die Rubrik „Und wer bist DU?“

„Und wer bist Du?“

„Und wer bist Du?“, Detail

Ich denke mit Gänsehaut an schulische Unterrichtsstunden während der 50/60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als uns das Wesen des „Sowjetmenschen“ gelehrt wurde.
Denn jeder Sowjetmensch ist ein Freund des Friedens, darum kämpft er auch für den Frieden.
Auch Sowjetsoldaten kämpfen für den Frieden und sie sind auch die Freunde aller Kinder. Besonders lieben sie die Kinder der „Jungpioniere“ und der „Thälmann-Pioniere“ in unserem sozialistischen Heimatland, unserer Deutschen Demokratischen Republik.

Auch Ernst Thälmann war ein Freund aller Kinder, auch Walter Ulbricht, auch unsere NVA-Soldaten.
Und in Westdeutschland bestimmen wieder die Faschisten, sie bereiten den dritten Weltkrieg vor, diese Kriegshetzer, Bonner Ultras, Aggressoren, Kriegstreiber, Militaristen, Scharfmacher…

Ich erinnere mich, dass sich bei mir große Angst entwickelte, wenn unter dem Weihnachtsbaum auch Schokolade aus „Westpäckchen“ lag. Ich glaubte, sie wurde von den Menschen, die einen Krieg vorbereiten, von diesen Kriegshetzern, Militaristen, Scharfmachern… mit Gift gefüllt.
Weil sie keine Freunde der Kinder waren wie die Sowjetsoldaten, wie Ernst Thälmann und Walter Ulbricht.

Ich erinnere mich gleichfalls an Urlaubstage am Ende der fünfziger Jahre in Manebach und Finsterbergen (Thüringen), als ich im Wald durch ferne Detonationen kreischend zusammenzuckte und glaubte, der Krieg beginnt. Ich vermute, es handelte sich um irgendwelche Sprengungen in Steinbrüchen.
Doch konnte man mich nur schwer beruhigen.

Resultate menschenunwürdiger Indoktrinationen und Manipulationen, denen wir als Kinder gnadenlos ausgesetzt waren.
Und in den 70er Jahren musste mein Nachwuchs im Kindergarten noch Honecker-Bilder sammeln.

Und wenn ein 9-jähriges Kind auf der Kinderseite der „Zeit“ vom 12.April 2018 unter der Rubrik „Und wer bist Du?“ auf die Frage nach einem besonderen Ärgernis „Donald Trump“ erwähnt und das 9-jährige Kind unmittelbar darunter nach einer weiteren Frage das Wort „Krieg“ hinzufügt (s.o.), irritiert es mich nicht, dass meine Kindheitserinnerungen mich derartig bedrängen und ich denke an Indoktrination und Manipulation mit 9-jährigen Kindern für 9-jährige Kinder, an eine Instrumentalisierung von 9-jährigen Kindern für „höhere“ Zwecke, eigentlich Material aus dem Werkzeugkasten diktatorischer Systeme.

Mir geht es nicht um die USA und ich würde auch nicht Trump wählen.

Doch beobachte ich seit Monaten mit erhöhter Bangigkeit die Entwicklung unserer Medienkultur.

Ich verspüre die Macht einer Zentral-Instanz, unter deren Einfluss Rosa Luxenburgs gewaltige Wahrheit von der Freiheit der Andersdenkenden in kollektiver Ergebenheit und individueller Kosten-Nutzen-Berechnung zerbröselt.

Und ich verspüre eine Stigmatisierung der Kerzenhalter, die an der Peripherie der Fackelträger die Freiheit der Gedanken beleuchten.

Zugabe

Leipziger Volkszeitung, 16.April 2018

Ich vermute, die französischen und englischen Teilnehmer an dieser Aktion haben in Flugzeugen nicht nur die Kaugummi-Tüten weitergereicht.

Warum also nicht z.B.: „NATO-Raketen auf Syrien“

Mich irritiert wiederum nicht, dass mir spontane Begriffe wie Indoktrination, Manipulation, Populismus… einfielen.


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April 17, 2018 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne als Helfer der Landwirtschaft und 3,40…3,60…3,80…4,00…4,20…4,40…4,60…








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Auf dem Weg zur Domholzschänke, Uferböschung der Neuen Luppe, unweit von Leipzig/Schkeuditz, Ostern 2018
Am Beginn des letzten Drittels dieses Bildes (unten), sehr links, Blick auf einen dieser mysteriösen Steine in dessen landschaftlichem Umfeld.
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Es gibt doch diese trigonometrischen Punkte, auch geodätische Installationen (Die Unterschiede haben sich mir noch nicht erschlossen), die aber stets mit einem Hinweis verbunden sind: „Beschädigungen oder Entfernung werden strafrechtlich verfolgt“(Oder so ähnlich).

Was bedeuten diese Zahlen?

3,40…3,60…3,80…4,00…4,20…4,40…4,60…

Vielleicht 3 Meter und 40 Zentimeter, anschließend 3 Meter und 60 Zentimeter, anschließend 3 Meter und 80 Zentimeter… Also 20 Zentimeter Abstand zwischen zwei Steinen. Nicht möglich, der Abstand ist größer, ich vermute um die 150 Meter. Oder 3 Kilometer und 40 Zentimeter, anschließend 3 Kilometer und 60 Zentimeter, anschließend 3 Kilometer und 80 Zentimeter…Also wiederum 20 Zentimeter Abstand zwischen zwei Steinen. Gleichfalls nicht möglich, weil der Abstand eben größer ist, um die 150 Meter. Oder 3 Kilometer und 400 Meter, anschließend 3 Kilometer und 600 Meter, anschließend 3 Kilometer und 800 Meter… Also 200 Meter Abstand zwischen zwei Steinen. Schon möglich, doch schien mir der Abstand geringer als 200 Meter, eben um die 150 Meter. Und ist nicht üblich, derartige Entfernungen mit 3,4 (Km) anzugeben und weniger mit 3,40 ? Gleichfalls 3,6 (Km), weniger mit 3,60 ? Gleichfalls 3,8 (Km), weniger mit 3,80 ? Denn 100 Kilometer und 400 Meter würden dann 100,40 bedeuten. Sieht albern aus. Vielleicht wird durch die Zahlen auf die Höhe der Steine verwiesen. Doch dann hätte man einen senkrechten Pfeil markiert. Und außerdem erscheint mir z.B. eine Steinhöhe von 3 Metern und 40 Zentimetern für diese Objekte etwas großzügig bemessen. Und 4 Meter und 60 Zentimeter ohnehin. Und wem interessiert schon die Höhe von irgendwelchen Steinen an irgendeinem Fluss. Oder die Höhe der Flußböschung? Dann hätte sich auf kurzer Strecke ein Anstieg von über einem Meter entwickelt, z.B. von 3,40 bis 4,60, eine Höhenüberwindung von über einem Meter. Wäre mir aufgefallen. Womöglich wird das Gewicht der Steine beschrieben. 3,40 könnte 3 Kilogramm und 40 Gramm bedeuten, eigentlich auch 3 Kilogramm und 400 Gramm. Doch nach einigen Kilometern wäre dann bald, entsprechend der bisher gesehenen Serie, der Stein mit 1240,40 beschriftet, also 1240 Kilogramm und 40 Gramm oder 1240 Kilogramm und 400 Gramm. Also fast 25 Zentner. Erscheint mir etwas unkontrolliert gewogen. Und wem interessiert außerdem das Gewicht von irgendwelchen Steinen an irgendeinem Fluss. Vielleicht markieren die Steinzahlen den höchsten Überschwemmungsstand in der Überschwemmungsgeschichte der Neuen Luppe bei Leipzig. Dabei wären 3 Meter und 40 Zentimeter eine denkbare Einordnung. Doch einige Steine weiter würde man z.B. die Zahl 8,80 zu Kenntnis nehmen, also 8.80 über dem normalen Lauf des Flusses. Die Überschwemmungshöhenunterschiede einzelner Abschnitte während der Überschwemmung hätte sich nach einigen Steinen auf 5 Meter und 40 Zentimeter nach oben ergossen. Also eine Überschwemmung als schiefe Ebene. Möchte ich, unterstützt durch Gedanken an physikalische Grundgesetze, zumindest als fragwürdig beurteilen. Vielleicht wird aber auch gebeten, nur zu einer jeweiligen Uhrzeit vor den Steinen zu stehen. Also um 03:40 Uhr vor den Stein 3,40, um 03:60 Uhr vor den Stein 3,60, um 03:80 Uhr vor den Stein 3,80… Zeitangaben wie 15:40 oder 15:60 Uhr oder 15:80… wären in Zusammenhang mit dem menschlichen Tag-Nacht-Rhytmus sicher eine günstigere Wahl gewesen. Denn wer will schon um 03:40 Uhr oder um 03:60 Uhr oder um 03:80, man könnte auch 04:20 Uhr schreiben, vor irgendeinem Stein an irgendeinem Fluss stehen. Vielleicht gehören die Steine auch zu einer Installation künstlerischen Zuschnitts in der Landschaft. Vielleicht wäre auch Erich von Däniken für diese steinernen Zeugnisse der geeignete Fachmann. Vielleicht sind es auch Ergänzungen zu den Pioneer-Plaketten 1972/73, erscheinen mir aber vielleicht etwas unscheinbar. Vielleicht verkörpern die Steine auch die Menhire des 21.Jahrhunderts. Vielleicht beinhalten die Steine aber auch nur Informationen trigonometrischer oder geodätischer Fixpunkte mit einer fachspezifischen Dezimal-Anordung. Aber wer weiß das schon…..

Menhire auf Korsika (Filitosa)

Aber sicher doch, ich helfe gern der Landwirtschaft.

Gibt es ähnliche Plakate für Weinbauern?
Man kann gar nicht genug helfen.
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An der Fassade eines Gebäudes im Umkreis der Domholzschänke.
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April 8, 2018 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, der Klinger-Beethoven, der Lüpertz-Beethoven, der Jastram-Mendelssohn…….und ein Aprilscherz

………………………………………………………………………………Jürgen Henne, am 3.April 2018 gegen 22.15 Uhr
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LVZ, 31.März/1.April.
Journalistische Ausdehnungen innerhalb eines Zeitungsformats für einen Aprilscherz über Standortverschiebungen einzelner Kunstwerke in Leipzigs öffentliche Räumen.
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Detail der Ausdehnungen innerhalb eines Zeitungsformats für einen Aprilscherz über Standortverschiebungen einzelner Kunstwerke in Leipzigs öffentliche Räumen.
Max Klinger und Markus Lüpertz
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LVZ, 3.April
Hinweis auf den Aprilscherz der LVZ innerhalb der Sonnabend/Sonntagausgabe (31.März/1.April).

Mich hatte natürlich irritiert, dass nur auf der Seite des „Aprilscherzes“ die Angabe 1.April stand, die restlichen vierzig Seiten waren mit Sonnabend/Sonntag/31.März/1.April gekennzeichnet.

Ich hielt es aber selbst bei dieser Zeitung für unmöglich, daß ein großer Abschnitt des Kulturteils mit diesen, sicherlich aufwendigen, akribisch beschriebenen Nonsens belegt wurde, unter Einbeziehung zahlreicher Personen und Einrichtungen.
Alfred Weidinger(Bildermuseum), Andreas Schulz(Gewandhaus), Hans-Werner Schmidt(Bildermuseum), Andreas Creuzburg(Gewandhaus), Markus Lüpertz,….

Ich habe ja nichts gegen einen kleinen Scherz, z.B. der Hinweis, daß Leipzigs Völkerschlachtdenkmal am oberen Abschluss um drei Meeter erhöht wird (3-4 Sätze).

Aber eine derartig einfältige, ausufernde Zelebrierung hinterlässt mich ratlos.
Es könnte natürlich auch das legendäre Körnchen Wahrheit gewesen sein.

Aber wer weiß das schon.

Ich aber wurde durch die heutige „Richtigstellung“ motiviert, den Faden dieses Aprilscherzes aufzunehmen, um ihn zu einer realen Aktion umzuspinnen…
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„Freunde, vernehmet die Geschichte….“(Aber nicht von einem jungen Postillon aus Lonjumeau, sondern von Jürgen aus Leipzig/Gohlis).

Klinger-Beethoven vom Klinger-Saal des Leipziger Bildermuseums ins Leipziger Gewandhaus-Foyer.
Lüpertz-Beethoven vom Leipziger Bildermuseums-Vorplatz in den Klinger-Saal des Leipziger Bildermuseums.
Umbenennung des Klinger-Saals im Leipziger Bildermuseum in den Lüpertz-Klinger-Saal des Leipziger Bildermuseums.
Jasram-Mendelssohn vom Foyer des Leipziger Gewandhauses auf den Augustusplatz vor dem Leipziger Gewandhaus.

Da entwickelt sich ja eine wundervolle Schieberei und heitere Diskussionen wird es dazu wieder geben.
Violette Partikel werden aus keifernden Mundwinkeln platzen, besonders bei Leipziger Zeitgenossen, deren Kulturverständnis chronologisch bei Klinger endet.
Ähnlich den Reaktionen nach der Installierung des Lüpertz-Beethovens vor dem Bildermuseum.
Und jetzt im Bildermuseum…

Sie werden dann wieder von einer Schande sprechen, von einer Besudelung Leipziger Traditionen, auch die Benutzung des Begriffs „Entartung“ sollte allmählich eingeplant werden.

Drittklassige Künstler Leipzigs, die Lüpertz qualitativ nicht einmal bis an die Schnürsenkel reichen, nölen dann wieder über dessen fehlenden Realismus, denn Beethoven würde man ja fast gar nicht wiedererkennen.
Das ist „Kunsttheorie“ der 50er Jahre in der DDR.
Ich muss würgen.

Und besonders infam wirkt ja dieser dümmliche Text als Aufruf zum Protest gegen Lüpertz, z.B:

„Und das ist laut LVZ-Informationen nur ein Teil eines Ringtausches (Klinger-Beethoven ins Gewandhaus), der in der Kunstwelt kaum auf Gegenliebe stoßen dürfte: Auf Beethoven soll im Museum Beethoven folgen: An Stelle von Klingers Meisterwerk rückt die Bronzeskulptur „Beethoven“ von Markus Lüpertz….“(Zit.LVZ)

Bemerkenswert, dass zwei Dilettanten sich anmaßen, die bildhauerischen Befähigungen von Lüpertz und Klinger einzuordnen (Klingers Meisterwerk, Lüpertz in die Tonne)
Meine Übelkeit steigert sich.

Und wenn sich die beiden Autoren auf Wien berufen, deren Kritiker über eine ähnliche Lüpertz-Skulptur von einer „Leihgabe aus der Hölle“ schrieben (Es wird sicher auch positive Urteile gegeben haben), sollte man bedenken, dass Österreich selbst eine andere „Leihgabe aus der Hölle“ in Deutschland abgeladen hatte.
Man könnte aber auch Thomas Bernhard lesen.

An den Fassaden Leipziger Straßenbahnen gibt es Hinweise auf „Leipziger Persönlichkeiten“.
Unter Max Klinger wurde „Maler und Bildhauer“ eingesetzt.
Das ist kunsthistorischer Kokolores.
Allein Klingers Graphik wird Bestand haben.
So einfach kann Kunstgeschichte sein.

Denn diese unerträglich simple Plakativität und einfältige Symbolik, dieses nervige Pathos, die auf schlichte Wirkung verwendete Farbigkeit bei Malerei und Bildhauerei werden in künftigen Kunstgeschichten nur noch als kulturhistorisches Phänomen, als Kuriosität, als periphere Ausdünstung verdorren.
Doch die Graphik Klingers wird auch den kommenden Urknall überstehen, damit könnte er ja gut leben.
Denn wer kann das schon?
Im Zeitungstext bemängelt man „Lüpertz`schlecht gelaunten bis quälerisch dreinblickenden Beethoven“, dahinter ein Torso, „der die Rolle eines Genius nicht unbedingt positiv besetzt“.(Zit.LVZ)
Mein Gott, ist das simpel.
Die Darstellung von Übellaunigkeit, von quälerischen Blicken als Kategorien künstlerischer Qualität!
Werden das bald die Kriterien für Ausstellungskritiken an Leipzigs einziger Tageszeitung sein?
Vielleicht sollte man bei Aufträgen für künftige Beethoven-Skulpturen die Gestik und Mimik des über die Bühne hoppelnden Otto Walkes fordern.
Das wäre lustig.

Ich würde gern eine andere Alternative anbieten.
Mich interessiert dieses Gequäke nur wenig, ob Klinger-Beethoven im Klingersaal des Bildermuseums bleibt oder ins Gewandhaus gewuchtet wird.
Mir ist auch gleichgültig, ob Lüpertz-Beethoven im Klingersaal oder auf der Straße platziert wird.
Und die Aufstellung vom Jastram-Mendelssohn im Gewandhaus oder auf dem Augustusplatz hat für mich eine ähnliche Bedeutung wie die Reibeisen-Produktion im Südwesten Kanadas.
Denn Bildermuseum, Gewandhaus, Augustusplatz sind Leipziger Areale, die ich mit vorbildlicher Kontinuität aufsuche, wodurch ständig eine Sicht auf diese Bildhauerei gewährleistet wird.
Wenn ich mich dem Klinger-Beethoven nähere, lege ich aber grundsätzlich meine Augenbinde an und das wird auch so bleiben.

Also nun meine Alternative.
Man könnte ja den Klinger-Beethoven vor dem Haupteingang am Leipziger RB-Stadion mit der Maßgabe festzurren, dass alle Mannschaften vor allen Spielen „Seit umschlungen Millionen“…. krähen.

Oder im Zentrum des Einrichtungshauses „Möbel-Roller“, dekoriert mit dem Hinweis: „Nur bei uns finden Sie den echten Klinger-Beethoven-Stuhl.“

Auch die Aufstellung innerhalb eines dörflichen Kinderspielplatzes könnte ich mir gut vorstellen, versehen mit dem kinderfreundlichen Hinweis:„Klettern erwünscht!“

Klingers unsägliche Bilder wie „Die blaue Stunde“ oder „Christus im Olymp“ sollte man als kostenlose Zugabe beifügen.
Die Graphik muss natürlich im Museum bleiben und vorbildlich behütet werden.
Denn sie ist Weltkultur.

Aber das verstehen die Leipziger Zeitungsmacher nicht.
Deshalb ab zu Möbel-Roller, Klinger-Beethoven-Stühle suchen.

Und ich sehe mir jetzt meine Lüpertz-Bände an und höre die
Musik des Tages:

Cream
Sunshine of Your Love
White Room
I Feel Free
Strange Brew……usw.

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April 3, 2018 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Bernd Alois Zimmermann und Herzog Blaubarts Burg in der Leipziger Oper

Den musikalischen Abschnitt meines heutigen Tages widme ich Bernd Alois Zimmermann, vor einhundert Jahren im westlichen Nordrhein-Westfalen geboren.
Aufführungen in der DDR mit der Musik Zimmermanns sind mir nicht erinnerlich.

Bernd Alois sollte man nicht mit Udo Zimmermann verwechseln, ein Dresdener Komponist, dessen Musik durchaus mit zuverlässiger Kontinuität gegeben wurde.
Seine Opern „Schuhu und die fliegende Prinzessin“, nach Hacks und „Levins Mühle“, nach Bobrowski, hörte ich im Verlauf der 70er Jahre in Dresden.

Zu einem Besuch der Darbietung von Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ auf einer Opernbühne kann ich mich bisher nicht beglückwünschen.

Meine CD`s können nicht annähernd die Komplexität dieser Musik widergeben.
Filme werden eingesetzt, Lautsprecher auf der Bühne und zwischen den Zuschauern, ein ausuferndes Sänger-Sprecher-Orchester-Aufgebot, eine Jazz-Band…
Musik-Konserven sind besser als nichts, doch eben nur ein mittelmäßiger Ersatz.

Aus Zimmermanns OEvre habe ich neben den „Soldaten“ nur von „Photoptosis“, einem Cello-Konzert und von „Requiem für einen jungen Dichter“ akustisch eine Vorstellung.

Und vielleicht entschließt sich die Leipziger Oper, Zimmermanns „Soldaten“ zu inszenieren.
Entschuldigung, war nur ein Scherz.

Aber immerhin gibt es in Bälde eine Aufführung von Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“, eine einstündige Oper, die vor fast genau einhundert Jahren in Budapest erstmalig gespielt wurde.
Infolge der überschaubaren Länge wird der Abend mit Leoncavallos „Paggliacci“ angereichert (auch „Bajazzo“), gleichfalls mit der Dauer von knapp über einer Stunde.
Die Arie „Lache, Bajazzo“ schluchzt sich auch heute noch bei jedem Wunschprogramm aus den Lautsprechern und kann durchaus auf der Popularitäts-Skala in die Bereiche eingeordnet werden, in denen z.B. Puccinis Siedepunkte aus „Tosca“, „La Boheme“, „Madama Butterfly“ und „Turandot“ unverrückbar festgezurrt sind.

Kommenden Freitag, 23.3., 18 Uhr gibt es dazu in der Oper eine sogenannte „Werkstatt“, die kostenlos besucht werden kann.
Es wird gesungen, gespielt, unterbrochen, Anweisungen erteilt und weitergesungen, weitergespielt…
Sehr interessant.
Es gab schon Werkstätten, in denen die gesamte Oper gespielt wurde, vielleicht war es z.B „Salome“ vor einigen Jahren.
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März 20, 2018 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Events mit Twombly, de Kooning, Newman, Malewitsch in New York, mit Uccello, Masaccio, Caravaggio in Florenz, mit Orgelmusik in Leipzig, mit einem Buch im Sessel…

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———————————————Ich bitte die Fragensteller um Vergebung-——————————

I

Als das New Yorker Museum of Modern Art 2004 in der Neuen Berliner Nationalgalerie M.v.d. Rohes gastierte, wurde ich nicht selten gefragt:

„Warst Du schon in Berlin zur Moma?“ (Mich nervt diese dämliche Abkürzung)
Ich verneinte.
„Ich denke, Du interessierst Dich für dieses Museum“, wurde dann skeptisch nachgefragt.
„Ja, ich interessiere mich natürlich für dieses Museum, deshalb war ich noch nicht in Berlin zur Gastausstellung des Museums of Modern Art in der Neuen Berliner Nationalgalerie und das wird auch so bleiben.“

Die Gesichter meiner Gesprächspartner widerspiegeln das Gefühl, verspottet zu werden.

II

Nach den Eröffnungsveranstaltungen in der Leipziger Paulinerkirche (Anfang Dezember) wurde ich nicht selten gefragt:

„Warst Du schon in der neuen Paulinerkirche?“
Ich verneinte.
„Ich denke, Du interessierst Dich für Architektur“, wurde dann skeptisch nachgefragt.
„Ja, ich interessiere mich natürlich für Architektur, deshalb war ich noch nicht in der neuen Paulinerkirche.“

Die Gesichter meiner Gesprächspartner widerspiegeln das Gefühl, verspottet zu werden.

III

Wenige Tage vor und während der alljährlichen Leipziger Musik-Aktionen „Classic open“ und „Klassik airleben“ werde ich nicht selten gefragt:

„Gehst Du zu Konzerten im Leipziger Rosental („Klassik airleben“) und auf den Leipziger Marktplatz („Classic open“)?
Ich verneine.
„Ich denke, Du interessierst Dich für Musik“, wird dann skeptisch nachgefragt.
„Ja, ich interessiere mich natürlich für Musik, deshalb gehe ich nicht zu Konzerten ins Leipziger Rosental („Klassik airleben“) oder auf den Leipziger Markt („Classic open“).

Die Gesichter meiner Gesprächspartner widerspiegeln das Gefühl, verspottet zu werden.

IV

Während der alljährlichen Leipziger Buchmesse werde ich nicht selten gefragt:

„Gehst Du auf die Buchmesse und besuchst Du Lesungen?“
Ich verneine.
„Ich denke, Du interessierst Dich für zeitgenössische Literatur“, wird dann skeptisch nachgefragt.
„Ja, ich interessiere mich natürlich für zeitgenössische Literatur, deshalb gehe ich nicht auf die Buchmesse und besuche auch keine Lesungen.“

Die Gesichter meiner Gesprächspartner widerspiegeln das Gefühl, verspottet zu werden.

Begründungen für meine Ignoranz

Zu I
Ich meide weitgehend organisiert auftretende Menschenaufläufe, deren Teilnehmern es gleichgültig ist, ob sie nach dreihundert Metern „Schlangestehen“ vor einer Wühlkiste mit verbilligten Schlüpfern oder vor Bildern aus dem „Museum of Modern Art“ stehen.
Der Weg ist dabei das Event, der spektakuläre New York-Aufkleber auf der New York-Kiste ist entscheidend, nicht der Inhalt.

Ich habe wenige Monate später die Sammlung des New Yorker Museums of Modern Art „vor Ort“ gesehen, zu einer guten Zeit und nicht selten allein in den Räumen.
Allein mit Twombly, de Kooning, Newman, Malewitsch, das ist mein Event.

Meine letzte große Menschenschlange durchlitt ich am Beginn der 90er Jahre in Tübingen zu einer herausragenden Ausstellung mit Bildern Cezannes.

Ich denke, ich bin inzwischen zu einem vorzüglichen Museumbesuchsorganisator gereift. Denn selbst in den Florentiner Uffizien erfreute ich mich an einer weitgehenden Einsamkeit.
Allein in Florenz mit Uccello, Masaccio, Caravaggio,… das ist mein Event.

Cy Twombly, New York, Museum of Modern Art

Willem de Kooning, New York,…

Franz Kline,…,…

Barnett Newman,…,…

Kasimir S. Malewitsch,…,…

Max Beckmann,…,…

Jürgen Henne, New York, Museum of Modern Art, Hof, eher unten, mittig links

Zu II
Ich meide weitgehend Menschenaufläufe vor und unmittelbar nach Eröffnungen, Einweihungen,…öffentlicher Kultur-Areale, die z.B. jede Wahrnehmung architektonischer Räume behindern, die das Zusammenspiel akustischer und optischer Besonderheiten stören und außerdem die Luft-Qualität reduzieren.

Während der mittleren Januartage, etwa sechs Wochen nach der Eröffnung, habe ich das Leipziger Paulinum betreten, allein im Kirchenraum.
Und Orgel wurde gespielt.
Nur für mich, das ist mein Event.

Zu III
Ich meide weitgehend musikalische Veranstaltungen („Klassik airleben“, „Classik open“), die von Verkehrslärm malträtiert werden (Hubschrauber kreisen bei Flötenmusik Debussys über die Konzert-Wiese), die durch den Dampf von Grill-Maschinen meinen Bühnenblick beeinträchtigen, die Konzertbesucher animieren, neben mir über die Neubesetzung des linken Verteidigers bei RB Leipzig zu debattieren, während
mein Hintermann rülpsend sein halbverdautes Bier in meinen Nacken erbricht.
Ich mag auch fremde, quäkende Kinder, aber nicht bei Flötenmusik Debussys.

Zu IV
Ich meide weitgehend, auf der Leipziger Buchmesse eine lesende Position einzunehmen, bei der mir nach wenigen Sekunden durch drängende Menschenaufläufe das Buch aus der Hand geschlagen oder in die Nase getrieben wird.

Mir fehlt jeder Antrieb und jede Fähigkeit, zwischen plärrenden Lautsprecher-Durchsagen, eingekesselt von den Geräuschen mittelmäßiger Lesungen mit unprofessionell eingestellter Akustik und brüllenden Schulklassen, unterlegt mit Temperaturen um 65 Grad, z.B eine Biografie Egon Schieles oder eine Betrachtung zu den Wahrheits-Koordinaten im 19.Jahrhundert zumindest oberflächlich einzuschätzen.

Und außerdem irritieren mich die ständig vorgetragenen Zwischenstände der Messe-Statistik.
Mehr Verlage, mehr Teilnehmer, mehr Austragungsorte.
Besucherzahl, 1.Tag
Besucherzahl, 2.Tag
Besucherzahl, 3.Tag
Besucherzahl, 4.Tag

Etwa 2800 Lesungen mit etwa 3500 Teilnehmern in vier Tagen, in diesem Jahr in Leipzig, mir wird schwindlig
Ich höre und lese nur wenige Worte über die Qualität der Literatur.
Nur Inhaltsangaben oder Inhaltsbeschreibungen.

Und wenn ich das Aufgebot von Autoren in der LVZ-Arena zur Kenntnis nehme, das penetrant in der einzigen Zeitung Leipzigs zelebriert wird, erhält meine Befürchtung von einer Erniedrigung literarischen Anspruchs eine stabile Grundierung.

Außerdem meide ich weitgehend Lesungen, bei denen Besucher mit tiefschürfender Interpretations-Hysterie ihren Kopf zwischen die Knie schieben oder sehnsuchtsvoll in das ewige Universum starren.
Ich setze mich in den heimischen Sessel und lese, das ist mein Event.

Ansonsten bin ich vorschriftsmäßig und lückenlos sozialisiert.
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————————————————–Ich bitte die Fragesteller um Vergebung—————————-
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März 18, 2018 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar