Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, eine Würdigung, ein toleranter Dirigent, eine freudeschönergötterfunkelnde Sinfonie, eine Verrottung und A.Berg, K.A.Hartmann, Orff, Schönberg, Penderecki, Wagner mit Herbert Kegel vor dem Orchester und Schneewittchens Schritt

In diesen Tagen hätte Herbert Kegel ein Jahrhundert seines Lebens vollendet, der beste, toleranteste, wissbegierigste,…Dirigent, der seit dem Zweiten Weltkrieg jemals einem Leipziger Orchester vorstand.
Leipzigs Tageszeitung (LVZ) beschenkte deshalb zu Recht die Leser mit einer angemessenen, wohldosierten Würdigung.

Doch aktivierte man dazu einen Journalisten, der das Blatt gefühlt schon kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg verließ und sich stabil, so vermute ich, seinem achtzigsten Jahrestag nähert.
Eigentlich könnte man sich kommentarlos und milde lächelnd z.B. Alban Bergs Wozzeck einlegen ( Mit Kegel vor dem Orchester ).

Doch bleibt eine Nuance Ärger und Unverständnis, denn ich erahne, dass die alltäglichen Kämpfer an der journalistischen Kulturfront in Leipzig erst wieder antreten, wenn z.B eine schicksalshafte oder eine freudeschönergötterfunkelnde Sinfonie, der arme Wandersgesell aus Dingsda oder die Kaisermania in Dresden beschrieben werden müssen.

Musik des 20 Jahrhunderts und zeitgenössische Tonkunst werden doch eher ignoriert und an der Peripherie journalistischer Bedeutsamkeit abgelegt, wodurch eine eher unerfreuliche Portion zu dem Zustand beigegeben wurde, dass dieser eigentlich wesentliche Teil einer zivilisierten Kultur in Leipzigs Öffentlichkeit ziemlich jämmerlich auf einem unbearbeiteten Acker vor sich hin rottet.
Natürlich abgesehen von den Aktivitäten des wundervoll umtriebigen Steffen Schleiermacher (Musica Nova).

Aber Andris Nelsons wird es in Leipzig schon richten, hoffe ich.
Denn die Balten sind den aktuellen Strömungen der Musik doch eher zugänglicher gesinnt als die trüben Ignoranten hierzulande, deren musikalische Ästhetik rostig im 19.Jahrh. festgezurrt ist.
Ich hatte den Eindruck, dass nach Nelsons Ankündigung, er werde in jedem Konzert ein Stück zeitgenössische Musik dem Publikum vorsetzen, alle Eimer dieser Stadt nicht genügten, damit traditionelle „Musikfreunde“ ihren Ekel auskotzen konnten.

„In Leipzig erinnert beschämend wenig an den sensiblen und kompetenten Sachverwalter der Moderne.“
Gemeint ist Herbert Kegel.

Eine zutreffende Beurteilung im Zeitungsartikel (29.7.2020).

In Leipzig/Probstheida gibt es einen Kegelweg, keinen Herbert-Kegel-Weg.
Sondern einen Kegelweg.
Der Tierschützer würde vielleicht jubilieren und glauben, das Straßenschild verweise auf die Gefährdung der Kegelrobbe an Deutschlands Küsten.

Oder der Geschichts-Student vermutet, dass auf diesem Areal vor vielleicht einhundertzwanzig Jahren durch den Arbeitersportverein Leipzig die erste Kegelbahn gebaut wurde.
An Herbert Kegel denkt auf alle Fälle keine Sau.

Jedenfalls danke ich Rolf Richter, Autor des Artikels, für diesen Beitrag zur Leipziger Musikgeschichte.

Die Bilder zeigen einen Einblick in die Kollektion von Tonträgern aus meinem Herbert-Kegel-Tresor mit dessen Dirigaten (Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig und Dresdner Philharmonie).

Kompositionen von A.Berg, A.Berg, K.A. Hartmann, Orff, Orff, Schönberg, Penderecki, Wagner, von oben nach unten

Ausnahmslos vor über dreißig in der DDR erworben.

Zugabe

Diese scheinbar vierundzwanzigstündische Dauer-Grinserei von Olaf Scholz geht mir allmählich auf die Enzyme.
Als durfte der kleinste Zwerg im kleinsten Zwergenhaus dem schönen Schneewittchen einmal in den Schritt fassen.
Und jetzt sitzt er auf dem kleinsten Zwergen-Stühlchen im kleinen Zwergenhaus und freut sich, dass die anderen Zwerge nicht in den schönen Schneewittchen-Schritt fassen dürfen.
Esken, Borjans, Scholz….was ist das für eine Asthma-Truppe geworden.



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August 3, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und normalerweise der Aufenthalt in Gohrisch bei den Schostakowitsch-Tagen, die normalerweise im Frühsommer in Gohrisch stattfinden, diesjährig aber nicht stattgefunden haben, aber nächstjährig normalerweise und hoffentlich wieder stattfinden werden und deshalb diesjährig ohne Schostakowitsch aber mit Großsedlitz, Struppen, Thürmsdorf, Sterl, Lohengrins Schwan, Richard Wagner und einem L in Graupa

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Barockgarten Großsedlitz

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Mittelalterliche Wandmalerei in der Dorfkirche Struppen

Wohnhaus Robert Sterls in Naundorf

Das sächsisch-schweizerisch-osterzgebirgische Areal mit reichlich eintausendfünfhundert Quadratkilometern ist auch ohne den Gohrischer Schostakowitsch außerordentlich erträglich.
Man kann sich eine keuchende Erklimmung und einen keuchenden Abstieg mit ruiniertem Nasenbein und gespaltenen Fußknöcheln von elbsandsteinischen Felsen gönnen oder natürlich auch durch den Großsedlitzer Barockgarten französischer Ausprägung flanieren (s.o.).
Die Dorfkirche in Struppen böte sich z.B. an, die Vereinigung romanischer, gotischer, renaissanceistischer und barocker Elemente zu beurteilen (s.o.).
Und in Thürmsdorf könnte man sich ins Schokoladen-Koma fressen, in Naundorf das Wohnhaus von Robert Sterl begehen (s.o.) und auf der Festung Königsstein deren Wehrhaftigkeit überprüfen.

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Oder man stellt sich etwas dümmlich vor dieses holzige Park-Objekt in Graupa (Pirna) und enträtselt die Bedeutung des Buchstabens.
Ich denke, ein Lorbeer-Baum ist es nicht, auch kein Leierholz.
Vielleicht wurde Lenin umgebettet, hätte man aber irgendwie gehört.
Oder Livingstone wählte den Baum als Ausgangspunkt für seinen Marsch zu den Victoria-Fällen des Sambesi, scheint mir auch arg spekulativ.
Möglich, dass Ludwig, der Beethoven unter diesem Baum seine 5.Sinfonie schrieb.
Oh Graus, wo ist die Axt?

Womöglich der Anfangsbuchstabe einer Oper?

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Nur wenige Schritte später entzückt der Schwanenkopf eines Wasserspeiers vor dem Schloss in Graupa.

Der aufmerksame Wanderer ist heiter irritiert von dem Schwan am Gebäude der örtlichen Feuerwehr.

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Und auch überrascht von Schwänen auf Fahrzeugen.

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Und von künstlichen Schwänen an der Gartenseite des Schlosses zu Graupa

Spätestens jetzt dürfte der zumindest durchschnittlich gebildete Opern-Enthusiast die Schwäne und das „L“ musikalisch zusammenführen.
Und könnte sich z.B. an die einführenden Streicher eines Opernvorspiels erinnern.

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Den entscheidenden, unmissverständlichen Hinweis wird dann der Einblick in die Bennennung dieses Hauses geben.

Die Wandersfrau summt nun vielleicht Elsas Traum-Offenbarung und der Wandersmann Lohengrins Grals-Story.

Denn diese Hütte heißt einfach nur Lohengrinhaus.

Richard Wagner bewohnte Dresden zwischen 1842 und 1849, dabei den Sommer 1846 in Graupa, wo er sich entschloss u.a. Wolfram von Eschenbachs Texte mit Noten zu dekorieren, wodurch die Oper „Lohengrin“ entstand.

Schon zuvor, ab 1814, (Wagner wurde 1813 geboren), lebte er in Dresden, ab 1831 immer einmal woanders und ab 1849 war Schicht mit der Elbe in Dresden.
Nach seiner Teilnahme am Maiaufstand wandernde er fliehend nach Zürich, immer vorbei an seinen eigenen Steckbriefen, die in Deutschland umfassend angenagelt wurden.

Die 40er Jahre des 19.Jahrhunderts in Dresden haben sich musikhistorisch als bemerkenswerte Zeit etabliert.
Wagner erhielt den Job als Königlich-Sächsischer Hofkapellmeister und erfreute sich an den Uraufführungen seiner Opern „Rienzi“, „Der fliegende Holländer“ und „Tannhäuser“ am Königlichen Hoftheater.
Er entwarf das Grundkonzept der Meistersinger von Nürnberg“, ordnete schon einige Gedanken zum „Parsifal“ und begann den Text für den „Ring der Nibelungen“.
Also ganz schön was los an der Elbe in dieser Zeit.

Und eben auch in Graupa, nur wenig entfernt von Dresdens Hauptstrom.
Doch immerhin fließt ein Rinnsal durch Graupa, dass nach wenigen Kilometern in die Elbe mündet.

Aus meiner respektablen Wagner-Kollektion die Lohengrin-Aufnahme mit Sir Colin Davis und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
Und z.B. mit Ben Heppner, S.P. Leiferkus, J.-H. Rootering…


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Juli 14, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die täglichen Irritationen

In meiner Erinnerung begann es vor vielen Jahren.
Katarina Witt wurde zur Eis-Prinzessin, Reich Ranicki zum Literatur-Papst, Lagerfeld zum Mode-Zar…

Kann man ja einmal ertragen, sagte ich mir und lächelte milde.
Doch entwickelte sich der Einsatz dieser harmlosen, aber recht ärmlichen Späßchen zu journalistischen Exzessen mit Tendenzen zu einfältiger Frontal-Originalität, die nur schwer erträglich ist.
Jeden Tag, in jeder Zeitung plärrten und plärren diese öden, variationsreduzierten „Stilmittel“ aus dem Format.

Und genau dieser nervige Umstand, dass die selbst gewählten sprachlichen „Stilmittel“ schon zuvor von einer Million Textschreibern mit kargen Ansprüchen gleichfalls selbst gewählt wurden, die zur stetigen Nervungs-Stimulation der Leser beitrugen, entgeht diesen Ulk-Berserkern.

Der vorläufige Höhepunkt dieser sprachlich-journalistischen Verkümmerungen ereignete sich vor einigen Tagen in Leipzigs einziger Tageszeitung (LVZ).

Ein Sportreporter feierte in einer Kneipe die zwanzigjährige Zugehörigkeit zur Journalistenbrigade der LVZ.

Nun gehören die Seiten für nationale Körperertüchtigung nicht gerade zu meiner bevorzugten Frühstückslektüre und der Informationswert eines Textes über irgendwelche Jubiläen von Sportbeschreibern bleibt arg überschaubar, auch wenn über einen Guido geschrieben wird.

Doch aktivierte ich meine masochistischen Spurenelemente und las den Artikel, zumindest überflog ich ihn.

Und ich erstarrte, als ich die edle Zusammenstellung der Besucher-Kollektion wahrnahm.

Die Kneipe wurde natürlich in die Kategorie „Kultkneipen“ eingeordnet.
Und in dieser Kultkneipe wiegten sich zu diesem Guido-Jubiläum wohlig ein Star-Gastronom, eine Power-Frau und eine Bass-Ikone.

Aber besonders ein Beton-Kaiser und der Trockenbau-Tycoon, ein Fensterbau-König und der Stahlbau-Papst.

Mir schwanden die Sinne, kein Grundschullehrer, kein Holzfäller keine Supermarktkäseverkäuferin, nicht einmal Jürgen Henne, nur Ikonen, Stare, Power-Frauen, Kaiser, Tycoone, Könige und Päpste

Oh Gott, Stahlbau-Papst, Trockenbau-Tycoon, Fensterbau-König, Beton-Kaiser, eine derartig tumbe Originalitätswut mit vorgestanzten Klischees kann man einfach nicht erahnen.

Für die Bewältigung derartiger Texte sollten eine Tapferkeitsmedaille verliehen oder ein paar Stiegen Rotwein geliefert werden.
Als Hilfsmittel, um ähnliche Journalismus-Beiträge zukünftig ohne Typhus-Infizierungen aller Sinnesorgane durchstehen zu können.

Denn vielleicht gastiert zu Guidos nächstem Jubiläum auch ein Hundefutter-Herzog und der Zangen-Caesar, vielleicht auch der Karotten-Kardinal und ein Bratwurst-Bischof.

Oder man kann natürlich auch diesen Blödkram einfach meiden und eher mit anderen Lebewesen kommunizieren, siehe Bild unten, Mexiko, Chichén Itzá 2004.

Und außerdem gibt es ohnehin bedeutungsvollere Verrichtungen als bekloppte Zeitungstexte zu lesen, siehe Bild noch weiter unten, Vietnam, Hanoi, Volkskundemuseum, 2009.



Digital Camera P42001

Musiktipp anlässlich der Gohrischer Schostakowitsch-Tage, die in wenigen Tagen begonnen hätten, aber nicht beginnen werden.
Ich akzeptiere uneingeschränkt mit einer Träne auf meinem Keyboard diese Entscheidung.

Dmitri Schostakowitsch

„Lady Macbeth von Mzensk“

Eigentlich hat Schostakowitsch nur zwei „richtige“ Opern geschrieben, neben „Lady Macbeth…“ gibt es noch „Die Nase“ nach Gogol.
Der Rest ist verschollen oder unvollendet.

Ich vermute, Stalin musste sich nach dem Besuch einer Aufführung von „Lady Macbeth…“ übergeben.
Schostakowitsch entschärfte darauf das Stück und nannte es „Katerina Ismailowa“.
In dieser Version lief die Oper dann z.B. auch in der DDR.
Erst am Beginn der 80er Jahre gelangte die Urfassung wieder in die westlichen Kulturkreise.
Bei meiner Einspielung der Urfassung stellten sich die Opéra Bastille unter Myung-Whun Chung zur Verfügung (s.o).
Wird auch Chung Myung-whun geschrieben, keine Ahnung, welche Schreibung korrekt ist und meine südkoreanischen Sprachkenntnisse sind außerordentlich rudimentär ausgelegt.


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Juni 29, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und die eher unregelmäßig geführte Serie: „Kirchen, Burgen, Schlösser, Herrenhäuser…in Leipzig, um Leipzig und um Leipzig herum.“ Heute: Die drei Hohepriester im Juni

Leipzig in eine gebirgige Region einzuordnen, wäre kühn.
Denn die Stadt wurde bei 120 Metern festgezurrt, über dem Meeresspiegel.

Im Durchschnitt.

Und doch gibt es einige Hügel, etwas über 120 Meter, ab der Ostsee gemessen, letzte Ausläufer der Endmoränen.
Ich denke dabei zunächst natürlich immer an die Muräne, einer der wundervoll hässlichsten Tiere des Wassers, die immer irgendwie etwas bösartig auftritt.

Und auf diesen Endmoränen stehen mitunter in Leipzig und Umland auch Kirchen.
Zum Beispiel die „Drei Hohepriester“ (vielleicht auch nicht).

-Kirche Hohen-Thekla
-Dorfkirche Beucha
-Dorfkirche Panitzsch

Die Herkunft der Bezeichnung Hohepriester für dieses Kirchenterzett, deren personifizierte Ausprägung schon im Alten Ägypten zwischen den Pyramiden flanierte, wird unterschiedlich angegeben.
Vielleicht wegen des Alters der Gotteshütten oder wegen derer prägnanten Sichtbarkeit in der Landschaft.

Ich weiß es auch nicht zwingend, ist mir auch weitgehend pomade.

Kirche Hohen-Thekla
Ansicht von West

Turm mit Walmdach, Dachgaube mit Uhr und Klangarkaden.
Turmzugang vom Ende des 19.Jahrhunderts, gleichfalls Sakristei.

Sonst wurde Hohen-Thekla weitgehend im 12.Jahrh. erbaut, vorrangig aus Findlingen (Bruchstein), natürlich mit romanischer Grundstruktur, sicher als Nachfolger eines Holzbaus.
Zuvor diente die Anhöhe slawischen Völkern als Begräbnis-u.Kultstätte.

Und sie wurde vermutlich während der napoleonischen Kriege als Beobachtungsturm genutzt, drei eingemauerte Kanonenkugeln legen Zeugnis ab, z.B. rechts neben der rechten Klangarkade (Bild oben).

Irgendwelche Bodos zündeten 1959 die Kirche an und vernichteten Austattung und erhebliche Teile der architektonischen Substanz.
Nach der Wiederherstellung wurde die Kirche 1962 erneut geweiht.

Ansicht von Ost

Nordseite von Ost nach West

Südseite von West nach Ost

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Dorfkirche Beucha
Von unten

Diese durchaus beeindruckende Inszenierung zwische Natur und Architektur ist mitnichten eine schon früh geschaffene Gotteshuldigung.
Ursprünglich stand die Kirche auf gleicher Ebene mit den anliegenden Bodenschichten, nur geringfügig erhöht.

Aber die Hochwertigkeit des Beuchaer Granit-Porphyrs (Wetterbeständigkeit, Härte…) führte zu dessen Gewinnung schon im 15.Jahrhundert, wobei unmittelbar an der Kirche der Stein zerhackt wurde, fast senkrecht in die Tiefe.

Nach der Aufgabe des Abbaus (1954) konnte sich dieses „Naturwunder“ ungestört entfalten.

Auch das grauenhafte Leipziger Völkerschlachtdenkmal wurde aus diesem Material zusammengehämmert, gleichfalls dessen noch grauenhafteren Skulpturen, zumindest teilweise.
Die Dorfkirche wurde vor 1300 gebaut, um 1430 erhielt die Wehrkirche ein neues Schiff.
Denn Hussiten hatten zuvor das Bedürfnis, den Bau abzufackeln.

Und natürlich schlugen sich 1813 auch in Beucha die Truppenteile Napoleons und die Koalitionsheere aus Preussen, Russland, Schweden und Österreich die Rüben ein (Ich glaube, ein paar Engländer waren auch zugegen).
Dabei glaubten ein paar Kosaken, das gesamte Equipment der Kirche rauben zu dürfen, welches beim Ritus des Abendmahls benötigt wird.

Dorfkirche Beucha
Von oben
Ich bitte darum, der einzigen Mohnblume dieses Felsens (vorn am Abgrund) mit stiller Andacht zu huldigen.

Südseite von West nach Ost

Wandmalerei, Engel

Diese Bereiche müssen kunsthistorisch noch bearbeitet werden und sind der Öffentlichkeit nur begrenzt zugänglich.
Besonders für auffällig interessierte Besucher dreht sich der Schlüssel in der Zugangstür.
So die Erklärung der Schlüsselverwalterin an diesem Nachmittag.
Da wir uns scheinbar für eine besonders lästig-aufdringliche Variante der Bekundung unseres Interesses entschieden, standen wir unverzüglich in diesem kleinen Nebenraum.

Wandmalerei, ornamentales Detail

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Panitzsch, Dorfkirche hinter den Bäumen, um 1200.
Mit Satteldach und Westturm.
Ein Standort, den davor zwei Holzhütten beherrschten, 11./12.Jahrh.

Kunsthistorisch bemerkenswert sind Ritzzeichnungen auf Glocken, 14./15.Jahrh., habe ich aber selbst noch nicht gesehen.

Am Beginn des 18.Jahrhundert barock umgestaltet.

Fototechnisch ist dieser Bau nur schwer zu bewältigen, die wundervoll florale Dekoration hemmt beträchtlich die Auswahl der Perspektiven.
Aber man will ja nicht erst mit der Kettensäge für eine unmittelbare Sicht sorgen.

Westturm von der einen Seite

Westturm von der anderen Seite

Nordseite von Ost nach West

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Zugabe

Landschaftlicher Beobachtungspunkt nahe der Kirche, unbesetzt, eher weit.

Beobachtungspunkt, unbesetzt, eher nah.

Beobachtungspunkt, besetzt mit Interims-Ornithologen Jürgen Henne bei der optischen Fahndung nach Feld-u.Wiesenvögeln, eher weit.

Beobachtungspunkt, besetzt mit gleichem Interims-Ornithologen, eher näher.



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Juni 14, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, die Irritationen des Tages, das Mehl für Schweinsohren, Ulf Heise, Carl-Christian Elze und unsere „klügsten, ungewöhnlichsten und talentiertesten zeitgenössischen Dichter“

Erste Irritation
Öffentlich angebotene Ratschläge für den Umgang mit häuslicher Gewalt auf nachbarlichen Arealen,

Diese Botschaft (Bild unten) wurde am linken Ojekt des Säulenpaares im Mittelgrund befestigt, Straßenkreuzung mit Ampel (Bild oben).
Ich nutze Rotphasen immer wieder gern zu einer interessierten Kentnisnahme dieser Notizen.

Diesmal versäumte ich eine Grünphase, weil ich über mögliche Reaktionen spekulierte, die meine Frage bei einer schreienden Familie nach Mehl auslösen könnten.

Ich kam zu dem Ergebnis, dass ein Mitglied der schreienden Nachbarn nach meiner Bitte sicherlich immer noch nicht gutlaunig mit einer hübschen, fein dekorierten Mehlschüssel erneut an der Tür auftreten, sondern eher unter dem feinnervigen Ruf „Verpiss dich, du Sackgesicht“ mit einer blutigen Machete, vielleicht auch einer Axt, nach meinen Ohren züngeln würde.

Und nach meinem Hinweis, dass ich doch nur zwei Schweinsohren backen möchte, würde mein linkes Ohr vielleicht spontan im Treppenhaus liegen, vielleicht auch das rechte.
Oder beide.

Und damit gelang mir ganz locker die schmerzhafte Hinwendung zu David Lynchs „Blue Velvet“.
Aber das ist eine andere Geschichte, Filmgeschichte sozusagen.


LVZ vor einigen Tagen

Zweite Irritation

Ulf Heise beschreibt die Lyrik Carl-Christian Elzes, erschienen in der Reihe „Poesiealbum“ (Nr.353).
Er feiert ihn als Nachfahre von Sarah Kirsch.
Findet auch innere Verwandschaften zu Heidegger.
Kürt ihn zu einem König der Wortsymbole und Vokabelalchimisten.
Er ordnet ihn in die Kategorie der „klügsten, ungewöhnlichsten und talentiertesten zeitgenössischen Dichter“ ein.

Ich schnaufte beeindruckt und leicht asthmatisch und erwartete große Literatur.

Und dann las ich:
„die erde ist ein kugelförmiges Raumschiff mit einhundertsiebentausend / kilometern pro stunde kreist sie um einen brennenden / gasball wie eine mücke um ein teelicht in einem / windstillen schwarzen wald (s.o.)

So schreibt also ein Nachfahre Sarah Kirschs.
Oder wie ein König der Wortsymbole und ein königlicher Vokabelalchemist.
So schreiben also unsere klügsten, ungewöhnlichsten, talentiertesten zeitgenössischen Dichter.
Dachte ich.

Sie schreiben von der Erde als kugelförmiges Raumschiff, das wie eine Mücke im schwarzen Wald um ein Teelicht kreist.

Ulf Heise zitiert noch weiter aus dem Lyrikheftchen des Königs der Wortsymbole, von einem der ungewöhnlichsten zeitgenössischen Dichter.

Er jubelt von einer Frau als „Augenstern“, der nicht gebührend geputzt wurde und von der gleichen Frau als „Seelenvogel“, der nicht gefüttert wurde.

Augenstern und Seelenvogel – meine Atmung röchelt heftiger.

Auch schwelgt Heise von Elzes Zellkern als Aktenschrank, als Amtsgebäude ohne Beamte und von dem Zustand, das es keine Akte gibt, die es eben in diesem Kern nicht gibt.

Ach so, jetzt weiß ich Bescheid, meine Atmung röchelt ruhiger.

Ich überlegte, in welche Kategorie ich diese Lyrik einordne und entschied mich unverzüglich für eine Anhäufung unerträglicher Belanglosigkeiten, schon tausendmal gelesen und sicher auch an den Höhlenwänden im spanischen Altamira verzeichnet.

Ich fühle mich bei diesem „sprachliche Bild“ einer Erde unterfordert, die als kugelförmiges Raumschiff wie eine beknackte Mücke um ein Teelicht in irgendeinen beknackten Finsterwald kreiselt, durchaus ein Grund, mich auf hohem Niveau zu ärgern.

Ich grüble schon seit langen Zeiten, wie leichtfertig Lorbeeren vergeben werden.
Denn es kann nicht sein, dass man 2020 das sprachliche Bild einer Erde, die sich als kreisförmiges Raumschiff wie eine Mücke um ein Teelicht rollt, als große zeitgenössische Lyrik anbietet (Einschließlich der anderen Beispiele im Zeitungstext, die Ulf Heise sicher als besonders wegweisend beurteilt.)

Ich werde meine auffällig kleine Sammlung der Reihe „Poesiealbum“ nicht mit Nr.353 erweitern.
Wenn doch, sollen mich alle Mücken heimsuchen, die in windstillen Wäldern um ein Teelicht wehen.
Da lese ich doch eher meine eigenen Dichtungen.

Musik des Tages

Peteris Vasks
Musik für Cello, z.B. mit Sol Gabetta

Irgendein Komponist sagte , dass ein Cello nur in mittleren Lagen schön klänge, ich vermute Dvorak.
Bei Vasks und Gabetta klingt es in allen Lagen schön.


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Mai 29, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar