Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und seine Hilfestellung für einen Fernsehabend mit unbescheidenen Ansprüchen – „Kitchen Stories“

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Jürgen Henne bei seiner Tagestätigkeit. Man beachte das elitäre Fingerballett. Das feingeschliffene Gesicht widerspiegelt die Vorfreude auf den heutigen Filmabend —– „Kitchen Stories“

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Heute Abend, 3Sat, 22.30 – „Kitchen Stories“ – Film des Norwegers Bent Hammer (auch „O`Horten“)

Der Streifen reiht sich fugenlos in die beachtliche Edelkette hochwertiger Zelluloid-Kunst Skandinaviens ein.

Ein Film mit friedfertig surrealen Grundanlagen, ohne lärmende Originalitätswut und verbissene Profilierungspsychosen.
Und mit feuchten Zuschaueraugen bei sensiblen Gemütern, denen pseudoemotionales Dauergekreische und hechelnde Krampfgesichter wuchtig auf die Knödel gehen.

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Juli 30, 2009 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, ein Nachtrag auf den vorgängigen Text vom 11. Juli und nochmals Jimi Hendrix, aber auch Joe Sachse, Frank Eißner, Eric Burdon, Canned Heat, eine spätpubertäre Autogramm-Euphorie und das Oelsardinenschnittchen auf einem menschlichen Auge

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Grafisches Blatt von Frank Eißner, ein hochbegabter Holzschneider in Leipzig, leider weitgehend unbeachtet, der scheinbar die Anbiederung an die publikumswirksame und kalkuliert markt- hofierende Herde der Leipziger Schule verachtet.
Es ist mitunter schon bizarr, wie Maler, die vor Jahren mit einer bemerkenswerten Eigenständigkeit verblüfften, den Rufen dieser Herde heute nachhecheln und deren Qualität dann in deprimierend unterdische Bereiche abdriftet z.B. Ulf Puder.
Es gab allerdings auch Künstler,bzw. Künstlerinnen, deren Bilder man ohnehin nur bei aggressiver Gutlaunigkeit als bedingt ansehnlich empfand und welche durch diese Anschmeichlungsaktionen die Grenze zur Unerträglichkeit bewältigt haben, z.B. Rosa Loy.
Man kann nur ungläubig und heftig den Kopf schütteln und eine Bänderdehnung riskieren.

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Jimi Hendrix, etwas vergilbt

Nachtrag zu „Musik und Ambiente“ („Rain“ in Leipzigs Opernhaus)

Frank Eißner (s.o.) behängte vor Jahren die Wände einer Bank, nahe der Leipziger Thomaskirche, mit seinen Bildern zur Musik von Jimi Hendrix. Joe Sachse, DDR-Gitarrist mit tatsächlich legendärer Grundausstattung schallte sich durch den Raum, beschenkte uns mit einem Medley aus „Voodoo Chile“, All Along The Watschtower“, Burning of The Midnight Lamp“ u.a.,wir knieten zwischen Schaltern und Geldautomaten ab, hofften, dass diese Minuten nie vergehen werden.

Plötzlich stand ein Krawattenheini der Bank vor mir, drückte ein Tablett gegen meine Brustwarzen und schleimte: „Na, vielleicht noch ein Schnittchen.“
Nie war die Gefahr größer, dass ein menschliches Auge mit einem Ölsardinenschnittchen hätte dekoriert werden können.

Nachtrag zu Coverversionen („Rain“ in Leipzigs Oper)

Von Eric Burdon, ohnehin ein Recke der Blues/Rock-Geschichte, gibt es, seit über fünfundvierzig Jahren und mit ständig wechselnden Musikern, eine stattliche Anhäufung markant gecoverter Titel.
Das reicht dann von John D. Loudermilks „Tobacco Road“ über „Nights In White Satin“ der Moody Blues, Ike u. Tina Turners „River Deep, Mountain High“ und dem „Paint It Black“ der Rolling Stones bis zu „To Love Somebody“ der Bee Gees!!

Aber auch seine eigenen Kompositionen wie „Inside-Looking Out“, „Good Times“, „Sky Pilot“, „Spill The Wine“, „When I Was Young“ oder „Don`t Bring Me Down“ treiben mir nach über vier Jahrzehnten massive Gänsehügel auf die Haut.

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Ein Ergebnis spätpubertärer Idolverehrung. Autogrammstunde Eric Burdons in der Mehring-Buchhandlung, damals noch am Augustus-Platz (2004). Vor mir agierte ein Herr mit etwa zwanzig Schallplatten, die alle signiert wurden. Ich gönnte es ihm mit heißen Herzen. Dann erhielt ich mein „To Jürgen“.

Mein einziges Autogramm. Bedauerlich, dass Jimi Hendrix, aber auch z.B. Bob Hite und Alan Wilson von Canned Heat nicht mehr leben. Vermutlich wäre mein Autogrammfundus umfangreicher, hätte ich in geografisch anderen Regionen gelebt.
„On The Road Again“ von Canned Heat platziert sich bei mir ganz locker unter den „Ewigen Top Five“.

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Juli 18, 2009 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne auf der Flucht vor „Rain“ und Schaukelpferd-Journalismus, Attrappengemetzel in Leipzigs Oper, Jimi Hendrix, meine Tassen im Schrank und Norbert Wehrstedts „Schluchz-Solo“

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Jürgen Henne auf der Flucht als Behelfs-Eremit in die finnische Wildnis und……
 

„Rain“ – ein Beatles-Revival-Geschwader spielt in Leipzigs Oper. Die Besucher taumeln nach der Vorstellung selig über den Augustusplatz und manche fragen mich am nächsten Tag gierig nach meiner Meinung über dieses „überirdische Spektakel“ (Originalton).

Ich gebe dann misslaunig  kund, dieses „überirdische Spektakel“ meiden zu wollen, wodurch ich mit scheelen Blicken geknebelt werde, die an Körperverletzung grenzen. Die scheelen Blicke beinhalten dann auch gleich die unausgesprochene Frage, ob ich nicht neben allen Tassen auch nicht alle Scheiben der Beatles im Schrank habe.

Ich habe einige Tassen im Schrank und auch das Oeuvre der Beatles, allerdings nicht neben den Tassen. Und ich werde nicht aus der Oper taumeln.

Mir gehen ohnehin derartige Revival-Streitkräfte ziemlich heftig auf meine herb-männlichen Knödel. Das verödete „Yesterday“ könne man ja in diesem Opernsaal noch ertragen. Doch bei den Edelnoten von „Strawberry Fields“ und „I Am The Walrus“ wünsche ich mir ein anderes Ambiente.

Vielleicht kommt dann bald „Voodoo Chile“ aus Trinwillershagen als Jimi Hendrix in Leipzigs Auerbachs Keller. Oder „Mercedes Benz“ aus Wurzen kreicht als Janis Joplin in der Deutschen Bank.

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……auf der Flucht zu Siziliens Ätna…….

 
Coverversionen können ja wundervoll erträglich sein. Die gnadenlose Verfremdung der amerikanischen Nationalhymne durch Jimi Hendrix, dessen Version von Dylans „All Along The Watchtower“, die heftige Bearbeitung von „You Keep Me Hangig On“ der Supremes durch Vanilla Fudge und gewiss auch Cockers „Whit A Little Help From My Friends“ sind erlesene Nachspielungen mit bemerkenswertem Individualsound. Doch dieses fugenlose Attrappengemetzel von „Rain“ beeinträchtigt doch erheblich mein Wohlbefinden.

Und Norbert Wehrstedt von der LVZ drückt dann wieder seine sprachästhetischen und gedanklichen Mitesser auf das Papier. Denn das Konzert mit „Rain“ bietet  „heiße Losgeher“  und  ein „Schluchz-Solo“  –   und jetzt ganz langsam sprechen   –    „Schluchz-Solo“—–„Schluchz-Solo“. Da verbiegen sich meine Zähne Richtung  Bauchnabel.

Bei Wehrstedt verbiegen sich keine Zähne und er erweitert seine Euphorie und stöhnt über die Beatles-„Lieder“:

„Man nimmt sie mit. Im Gedächtnis.    Auf der Haut.    In der Seele“.    

( Im Schritt.   Auf das Klo  –  Anmerk. JH )

Diese Sprache stagniert auf dem Kommunikationsniveau  früher Dialoge mit einem Schaukelpferd.

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……mit Fluchthelfern vor einem südafrikanischen Tafelberg.

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Juli 11, 2009 Posted by | Leipzig, Musik, Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne zürnt über das Ende von „Klangrausch“, huldigt Steffen Schleiermacher, doch keinesfalls Gisela Hoyer und Thomas Mayer, bekundet seine tiefe Abneigung gegen bedrohliche und ewigkeitsheischende Monumentalkunst, erinnert sich dankbar an die Galerie Beck und weniger dankbar an den Umgang einer Leipziger Zeitung mit erstrangiger Kunst

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Steffen Schleiermacher

Die Leipziger Kultur tröpfelt in einzelnen Kanälen mit erstaunlicher Kontinuität als provinzielles Rinnsal vor sich hin.
Da wird Bach abgenudelt bis zur Ohrläppchen-Lähmung, bis alle Rentner mit Fugen-Tinnitus von den Stühlen gekippt sind. Die Jubiläen Händels und Mendelssohns werden brav beachtet, um den braven Hörer nicht zu verunsichern und zu überfordern.
Diese Herren haben ja auch wirklich ordentliche Musik geschrieben.
Doch es schlägt 2009 und ich will nicht immer diese alten Kisten hören.
Deshalb feierten wir die Reihe „Klangrausch“, seit zehn Jahren vom MDR im Frühsommer veranstaltet, mit Steffen Schleiermacher als unermüdliches „Leittier“, zunehmend euphorisch. Bot sie doch der gängig-musikalischen Alltagsgrütze in Leipzigs „großen“ Musikhäusern einen zeitgemäßen Gegenpol.

Am kommenden Sonntag (5.Juli )gegen 22 Uhr versickert der „Klangrausch“ im Lindenfels und es legt sich noch etwas mehr tönende Ödnis über die Stadt. Denn Schleiermacher und seine Musikreihe werden nach dem elften Durchgang abgewählt.
Ich habe nicht den Durchblick, um über kultur-u. finanzpolitische Gründe zu spekulieren. Doch erzürnen auch andere Ärgernisse.

Denn in der gestrigen LVZ (30. Juni) gab es ein Interview mit Schleiermacher, dem ein denkfauler, desinteressierter Peter Korfmacher mit seinen Simpelfragen die Zeit stahl. Im Grunde kein Wort über die tieferen Ursachen dieser Entscheidung. Nur noch garniert mit einer launigen Ironie. In einer Postille, bei deren Kulturbarbaren die zeitgenössische Musik schon immer meilenweit am Gesäß vorbeidriftete. Doch an den Tagen der Vernichtung will man natürlich dabei sein und vielleicht auch etwas Betroffenheit abächzen.

„Klangrausch“, 3.7 – 5.7.2009, 20 Uhr, Lindenfels, Leipzig. – Die letzte Runde

Dieser Hohn wird eigentlich nur durch die Abläufe um die Resignation der Galerie Beck übertroffen, die vor Jahren in Leipzig erstrangige Ausstellungen anbot und von der LVZ ähnlich gnadenlos ignoriert wurde.
An mich vergebene Kritiken, von mir mit gewohnt hoher Qualität ausgeführt, vermoderten z.B. im Makulaturkübel.
Zum Abschiedsgelage in der Galerie erschien auch Gisela Hoyer von der Neandertaler-Herde dieser Zeitung. Erstmalig in diesen Räumen, für diese Kunst in hohem Maße unzugänglich, schlug Sie sich den Magen voll und lamentierte am folgenden Tage mit geschwollenen Tränensäcken im Kulturteil über den Verlust für Leipzigs Galerieszene.
Und ich ging zum Teich am Scherbelberg und brüllte meine Verzweiflung über derartige Bosheiten zwischen die quakenden Frösche.

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Werner Tübke, Bad Frankenhausen, Ausschnitt

Und genau am gestrigen Tag, als journalistisch das Ende vom „Klangrausch“ verkündet wurde, hat Thomas Mayer das Zeitungspapier mit einem Text malträtiert, den nur Leser mit einem hohen Masochismus-Potential bewältigen können (gleichfalls LVZ).

Natürlich geht es um Bad Frankenhausen, um Tübke und seine gemalte Bauernkriegszumutung, dieses monströse Zeugnis heilloser Hybris. Der Künstler als Diener infantil-diktatorischer Geschichtsverfälschungen und banaler Traditionsrüpeleien.

Da können Sie getrost, Herr Thomas Mayer, eine Einordnung als Propagandabild ablehnen und das „theatrum mundi“ anpreisen. Es ist ohnehin nur nachgeplappert. Und außerdem gibt es Journalisten, die haben ein ähnliches Verhältnis zur Kunst wie ein Gürteltier zum Kartoffelschäler.

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Werner Tübke, Bad Frankenhausen, Ausschnitt

Jawohl, Herr Mayer, nerven Sie uns nicht mit Ihrer Faktendröhnung ,denn wir wissen um die Quadratmeter, um die Längen-u. Höhenabmessungen des Bildes. Auch die Existenz einer 1:10-Fassung ist uns nicht unbekannt. Wir kennen auch Michael Triegel und Tübkes charakteristische Auffälligkeiten.
Immer diese gleiche Sülze.
Und die Information, daß Triegel in Bad Frankenhausen bei der Armee gedient hat, bringt uns und die Kunstgeschichte nicht wesentlich weiter.
Immer wieder einmal gelingt es Journalisten bei mittelgroßen Zeitungstexten zur Null-Information zu tendieren. Thomas Mayer gelingt es regelmäßig.

Aber wieder wird es so sein: Steffen Schleiermacher geht und Thomas Mayer schreibt weiter.

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Juli 1, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Musik, Neben Leipzig, Presse | Kommentare deaktiviert für Jürgen Henne zürnt über das Ende von „Klangrausch“, huldigt Steffen Schleiermacher, doch keinesfalls Gisela Hoyer und Thomas Mayer, bekundet seine tiefe Abneigung gegen bedrohliche und ewigkeitsheischende Monumentalkunst, erinnert sich dankbar an die Galerie Beck und weniger dankbar an den Umgang einer Leipziger Zeitung mit erstrangiger Kunst