Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und „Leergut“ – ein tschechischer Film von Jan Sverak im Passage-Kino

Lehrer Josef (Zdenek Sverak) ist nicht mehr gewillt, die pubertären Provokationen und das eher locker-ungehobelte Verhältnis Prager Schüler zu seiner geliebten Literatur zu ertragen. Er enleert deshalb über dem Scheitel des Haupt-Rüpels den triefenden Tafelschwamm und verlässt die Schule.

In der heimatlichen Wohnung, deren Diagonale eine hochgradig phlegmatische Schildkröte als gymnastische Auflockerung in kürzester Zeit durchschlurfen würde, entfalten sich dann sanfte Diskrepanzen zwischen Josef und seiner Frau Eliska bei der Bewältigung der alltäglichen Mühen im Rentnerstil. Er flieht bald vor der heimischen Staubbeseitigung und  schmerzhaften Scharnier-Ölungen, verdingt sich als Rad fahrender Postbote, zerstört radelnd einen Zaun, bricht sich das Bein und regelt danach wohlgelaunt und mit erhöhter Kommunikationsbereitschaft die Leergut-Annahme in einem Super-Markt.

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Januar 28, 2008 Posted by | Film, Leipzig | 1 Kommentar

Jürgen Henne und Harald Metzkes in Apolda

Wer das  Bedürfnis hat, der Verdünnung eigener Ansprüche durch die  Huldigung marktkalkulierter,  epigonenhaft durchtrainierter und  handwerklich oft kärglicher Malerei (z.B.in Leipzig)  zu entgehen, sollte in Apolda die Ausstellung mit Arbeiten von Harald Metzkes würdigen. Trotz einiger Fehlgriffe bleibt die Gewissheit einer exzellenten Kunst.

Kunsthaus Apolda Avantgarde

Bahnhofstraße 42

Di – So   10 – 18 Uhr

bis 6. April

Januar 25, 2008 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und Leipziger Plakatwerbung

Gunter Böhnke possiert etwas drollig wie eine kurzgehackte Version von Rollo, dem Wikinger, während seines Feldzuges gegen die Franzosen. In der linken Hand vielleicht die feuchte Axt, in der rechten eine Buddel, sicherlich nicht mit Früchtetee gefüllt.

Wenige Meter weiter lächelt das hagere Gesicht von Cornelius Weiss aus der Plakatfläche. Sicher mit heimtückischen  Versprechungen zum Fototermin gelockt, scheint er sich mit etwas debiler Dankbarkeit über den Vorschlag zu freuen, seinen Vespergenuss zwischen Rumkugeln und Pistazieneis selbstständig auswählen zu dürfen. Zumindest aktiviert diese unsägliche Aufnahme derartige Gedankenketten. Cornelius Weiss sollte einen Rechtsanwalt anrufen, denn dieses Bild ist eine Demütigung. 

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Januar 21, 2008 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und der Deutschlandfunk Teil II

Deutschlandfunk am Morgen – Ein UKW – Martyrium Teil II am 15. Januar

Ein Bericht vom Besuch Bushs in Saudi-Arabien. Der Journalistin quirlt eine Stotterkaskade und sprachlicher Unfug aus ihrer Mundhöhle, dass die Wände der eustachischen Röhre meines Mittelohrs beschlagen und sich die Ohrläppchen zusammenrollen.

Welcher Nothelfer ist für gefolterte UKW-Hörer zuständig? Ich dächte, der heilige Eustachius rotiert hilfreich nach Brüll-Orgien genervter Mitbürger während problematischer Lebensabschnitte.

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Januar 15, 2008 Posted by | Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne und der Deutschlandfunk Teil I

Deutschlandfunk am Morgen – Ein UKW – Martyrium      Teil 1 am 14 Januar

Australien open. Der Sportreporter kündigt eine kurze Rede des Tennisspielers Rainer Schüttler an, mit dem wohlgelaunt vorgetragenen Hinweis, dass man Schüttlers Zufriedenheit über seinen Sieg unschwer heraushören wird.

Schüttler mäkelt dann über das Spiel, über seine Leistung, die keine Zufriedenheit verdient hat, trotz des Sieges.

Anschließend wieder der Sportreporter, diesmal als Kausalitätsfrettchen und der Schlussfolgerung, dass der Schüttler, Rainer nun halt mal so einer ist, der nie zufrieden ist, trotz eines Sieges.

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Januar 14, 2008 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar