Juergen Henne Kunstkritik

Brian Ferry und Jürgen Henne im Leipziger Haus Auensee

Brian Ferry, mittig

Unser drittes Beisammensein mit Brian Ferry.
Vergangenen Freitag im Leipziger Haus Auensee.
Und meine Zuneigung zu dem Sohn eines Bergmanns, der auch Kunst studierte, was meine Anhänglichkeit verstärkt und zu dessen Musik bleibt auch nach diesen einhundertundzwanzig Minuten beständig.

Einige meiner Beisitzer verließen vorzeitig die Halle, ein anderer zerkratzte einhundertundzwanzig Minuten mit seinen Wurstfingern bei irgendwelchen Rumpel-Spielchen sein Smartphone.
Sie verband die Erwartung auf ein Medley „Die größten Hits“, eine Art „The Best Of…“.
Sie mussten lange warten, vergelt`s Brian.
Dabei war er, zumindest in Deutschland, nie der überragende Hitbringer, weder bei Roxy Music noch als Solist.
Mir ist mitnichten erinnerlich, dass er als Alleinunterhalter bei Alben oder Singles die Grenze zur hiesigen Top Ten bewältigte.
Vielleicht „Avalon“ mit Roxy Music am Beginn der 80er.

.

Aber das richtig beachtliche Albenquintett während der ersten Hälfte der 70er Jahre fand wenig Verständnis („Roxy Music“, „For Your Pleasure“, „Strandet“, „Country Life“ und „Siren“, Bild s.oben)
Ganz anders in England.
In dieser Zeit gurkten in Deutschland Truppen wie Middle of the Road, Sweet, Abba, Slade, Les Humphries Singers, Rubettes, Bay City Rollers, Mud….durch die Plattenläden.

Doch dann, das Ende des Konzerts nahte, die „Zufrühgegangenen“ standen vielleicht schon unter der Dusche und der wurstfingrige Smartphone-Zerkratzer schlief, klapperte „Love Is the Drug“ aus den Lautsprechern, es folgten „Avalon“, „Let`s Stick Together“, „Do the Strand“, „Virginia Plain“, „Jealous Guy“.
Der Auensee kochte und Wurstfinger kippte vom Stuhl.
Bei „Do the Strand“ denke ich regelmäßig an Kurt Weill.

Also, wie erwartet, ein bemerkenswertes Konzert (Für detaillierte Beschreibungen ist es mir zu hitzig, 54,1 Grad gegen 16 Uhr auf dem Außenthermometer).

Nur die akustische Qualität ging mir ziemlich spannungsvoll auf die Knospe.
Ein völlig überzogener Hall, wie in der Höhle des Holländer-Michels.
Und bei nicht wenigen Titeln wurde es sound-technisch ziemlich lurchig, breiig. Brian Ferry war nicht mehr zu hören.
Da hätte auch Costa Cordalis quäken können.
Doch es schien niemand zu stören.
Aber wenn ich spüre, dass Musik und Raumklang nicht vollendet harmonieren, mutiere ich zu einem Komodo-Waran, der sich mit dicken Testikels und einer abnorm verzehrenden Hungerpein einer Truppe unzuverlässiger Tontechniker nähert.

Bei schlechtem Sound neige ich zur Übellaunigkeit, wodurch mein Wohlbefinden getrübt wird.
Deshalb Wechsel der Tontechniker.
Sonst wird es eher nichts mit einem vierten Beisammensein.
Und das würden wir doch beide hochgradig bedauern, verehrter Brian.

Dazu auch mein Beitrag vom 8.12.2011


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Mai 29, 2017 Posted by | Leipzig | 1 Kommentar