Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne auf Zypern und Aphrodite, die Vorhaut Jesu, der Sold für Charon, heiliger Hanf und Bäume, die sich verneigen, ein Maulbeerbaum, der gegeißelte Paulus und täglich 0,2 l Raki (Januar/Februar)

Zypern, die Insel ohne Wasser, mit der halben Ausdehnung Sachsens und neunzehn Staudämmen, das Land der aristokratischen Edelfellkatzen und des Linksverkehrs, Resultat der britischen Herrschaft von 1878-1960.

Die Insel der roten Autokennzeichen an touristisch genutzten Leihwagen zur besseren Bewältigung dieses Resultats.

Das Land mit einem Wintermond, welcher der Mondsichelmadonna eine sichere Fußablage gönnen würde und einer sommerlichen Zentralhitze um fünfundvierzig Grad.

Zypern, die Insel, auf der man täglich entspannt 0,2 l. Raki trinken kann, wo der Schlüssel für den verschlossenen Zimmerkühlschrank an der Hotelrezeption abgeholt werden kann und das benutzte Toilettenpapier nicht im Notdurftbecken entsorgt werden darf.

Zypern, die geteilte Insel, deren komplizierter Status selbst für Zyprioten schwer zu begreifen ist.

Die Insel, in den Fesseln der Assyrer, Ägypter und Perser, der Griechen und Römer, im Machtbereich von Byzanz, der Araber und der französischen Lusignans. Zypern unter dem Regiment Venedigs, der Osmanen und der Britten. Ab 1960 Republik Zypern, ab 1974 geteilt in einen griechischen und türkischen Teil.

Und natürlich Zypern als Insel mit beachtlicher Kunst-und Kulturgeschichte.

Und mit wundervoll zubereiteten Kartoffeln.

Und mit Blumen im Winter.

Und mit Aphrodite.

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Aphrodite-Felsen zwischen Pafos und Limassol. Die Urgötter Gaia und Uranus zeugten neben den Titanen auch ein Terzett von Kyklopen und Hekatoncheiren, Superhässlinge der griechischen Mthologie, nach heutigem Verständnis nicht gerade Sympatieträger.
Nicht nur wegen des grottigen Allgemeinzustands, Uranus fürchtete einen Göttersturz, vergrub er Kyklopen und Hekatoncheiren in den Tartaros (Unterwelt). Gaia missbilligte diese Abläufe und beauftragte Sohn Kronos, entsprechende Schritte zu Entmannung seines Vaters einzuleiten.
Als Uranus sich Gaia lästig näherte, säbelte Kronos das göttliche Gemächt ab und warf es in das Meer.
Die ehemalige Schrittdekoration von Uranus rumpelte dann im Meer herum bis am Strand Zyperns die stilvolle Aphrodite aus der wässrigen Gebärmutter entstieg.

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Pafos, Agia Kyriaki Chrysopolitissa – Die Kirche neben der heiligen Paulussäule.
Spätbyzantinische Kreuzkuppelkirche. Die ältesten Mauerreste stammen aus dem frühchristlichen 4. Jahrhundert, Länge 50m, Breite 40m, sieben Schiffe und Doppelapsis, für zypriotische Verhältnisse ein Riesenfelsen.

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Säule, an der Apostel Paulus gegeißelt wurde, ohne stichhaltige Überlieferung. Paulus und Barnabas kamen 45 n.Chr. nach Pafos, sie bekehrten den römischen Konsul Sergius Paulus zum Christentum.

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Nekropole -Königsgräber im antiken Nea Pafos, 3.Jahrhundert v. Chr., als Zypern von den Ptolemäern beherrscht wurde. Keine Königsgräber im wörtlichen Sinn, sondern Grabanlagen der zypriotischen Oberschicht. Später Fluchthöhle für verfolgte Christen, im Mittelalter auch Wohnungen und Gefängniss.
Drei Grabbeigaben erhielten die Verblichenen:
1. Eine Münze zwischen die Zähne als Sold für Charon, der
Fährmann über den Styx
2. Ein Boot
3 Drei Flaschen: Öl, Wein, Wasser. (Ich würde Öl verschmähen und
ein Fass Pilsner Urquell anfordern.)

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Kykko-Kloster
Das mächtigste Kloster Zyperns, Lieblingskloster von Makarios und veredelt durch eine Marienikone, gemalt vom heiligen Lukas…. erzählt man sich. Und ein Kloster mit Autopark, Einbauküchen in den Mönchszellen und Putzfrauen.
Das Bild, nur wenige Jahre alt, historisierend und gewöhnungsbedürftig, zeigt die Prozession der Lukas-Ikone zum Kloster, auf deren Weg sich die Bäume verneigen (oben links)

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Der ansehnliche Jürgen zwischen ähnlich schöner Bildhauerei in Salamis, die schon Homer in die Kategorie „Stadt der schönsten Bauwerke“ eingeordnet hat. Bitte keine Verwechslung mit Salamis bei Athen, bei der sich ein halbes Jahrtausend v.Chr. Perser und Griechen in einer legendären Schlacht die Rüben demolierten und Xerxes sich zum Schlachtendödel machte.

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Stein und Pflanze – Famagusta, türkischer Teil Zyperns

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Famagusta – Nikolauskathedrale – heute Lala-Mustafa-Pasa-Moschee.
Beginn des 14.Jhr., Krönungskirche der Könige von Zypern, der Kathedrale von Reims angeglichen …nur bei der Fixierung mit einer extrem grobglasigen Sonnenbrille. Fünfschiffig, dreijochig

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Larnaka, Lazaruskirche, 10.Jhr., Turm und Loggia aus dem 19.Jhr., Grabkammer mit Kopf des Lazarus, der Rest im burgundischen Autun.

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Larnaka, Lazaruskirche, Wölbung, Detail

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Nikosia – Erzbischöflicher Palast mit Makarios-Denkmal

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Eingang zu einem Winzer-Domizil in Omodos, mit folkloristischem Weinmuseum. In der benachbartem Schtarow-Kirche wird als Reliquie eine Faser heiligen Hanfes verehrt, von den Fesseln Jesu bei seiner Bewältigung der Passion.
Die Reliquienverehrung treibt mitunter liebenswert groteske Blüten. Wenn alle Teile der Vorhaut Jesu zusammengefügt würden, die angeblich in Kirchen lagern, könnte Christo locker damit das Leipziger Völkerschlachtdenkmal einpacken. Ein Stück für den Turm des Alten Ratshauses sollte auch noch übrig bleiben. Mit allen splittrigen Reliquien des heiligen Kreuzes wäre sicherlich ein stabil holziger Eiffelturn möglich.

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Pafos, Haus des Dionysos. Die Lichtverhältnisse waren unterirdisch

Links: Thisbe, Rechts: Pyramus, Mittig: bluttriefende Großkatze

Thisbe und Pyramus aus Babylon trotzten ihren Eltern und wollten sich außerhalb der Stadttore treffen, unter einem Maulbeerbaum. Thisbe wartete schon, als eine jagdgesättigte, bluttriefende Großkatze heranlungerte.
Thisbe schützte sich in einer nahen Höhle, verlor aber den Schleier, den das Tier dann scheinbar zur Zahnreinigung benötigte.
Pyramos erscheint, sieht den blutigen Schleier, wähnt Thisbe als Grund für zukünftige Blähungen der Großkatze und stürzt sich in sein Schwert. Thisbe verlässt die Höhle, sieht den entseelten Pyramus und gönnt sich und dem Schwert einen erneut tödlichen Hieb. Das spritzende Blut von Pyramus beschenkte den Maulbeerbaum mit seiner roten Farbe.

Winterliche Flora auf Zypern

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Strauch. Nicht nach der Stadt Schweinfurt (ohne h). Ich denke eher an den deutschen Afrikaforscher Georg Schweinfurth.

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Blumen an der östlichsten Spitze Zyperns, einen Dreisprung vor Syrien.

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Blumen ..s.o.

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Blumen ..s.o.

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Blumen ..s.o.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

Februar 13, 2009 - Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Verstreutes

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