Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne zurück aus Zypern und bald beim Rundgang in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst

Über meinen Aufenthalt auf Zypern in Bälde wichtige Gedanken. 

Am heutigen Abend ab achtzehn Uhr beschreiten wieder  sensibel beobachtende Kunst-Eiferer  mit perlenden Augen oder Würgreiz,  individuell angemessen empfundene Reaktionen auf die Qualität der ausgestellten Arbeiten, die Gänge der Leipziger Grafikhochschule. Man wird durch diffizile Gespräche ebenso zurückhaltend angeregt wie durch die  Sülzerei-Portionen ewig dröhnender und polternder  Interimsfachleute belästigt werden. Also alles wie immer.

Nur die Aktion 500 x X wurde verändert. Vor einem Jahr heftete man die Arbeiten von Studenten und Lehrkräften unsigniert an die Wände. Der mögliche Käufer wählte nach seinem Qualitätsverständnis ihm genehme Arbeiten aus, bezahlte und durfte dann das Blatt in der Küche unter seinen Diät-Kalender anpinnen. Den Namen des Malers, Grafikers, Zeichners, Fotografen erfuhr er später, er war für den Käufer zunächst nicht von erstrangiger Bedeutung. Oder man suchte gezielt nach Werken von Rauch, Weischer, Rautert…, die Machart des jeweiligen Künstlers vor den geschulten Augen. Bilder, die den Käufer vielleicht anödeten, doch sein Bedürfnis nach materiellen Werten befriedigten. In jedem Fall eine Möglichkeit des Kunsterwerbs, von mehr oder minder kultivierter Denkungsart.

Im Zentrum der diesjährigen Aktion steht aber scheinbar ein großer Loskübel. Der Käufer entrichtet 30 Euro und erhält am Abend das dem Los zugeordnete Kunstwerk. Also keine Zelebrierung des eigenen Qualitätsurteils, keine Möglichkeit, seine Kenntnis über die stilistischen Eigenheiten der Künstler öffentlich darzustellen. Zelebrierung des Zufalls. Etwas gewöhnungsbedürftig, diese Abläufe. Oder ich durchschaue diesen Verteilungsmechanismus, trotz meiner vorzüglichen Begabungsstruktur, nur fragmentarisch.

Ich stelle mir vor, mein möglicher Enkel wünscht sich an der Losbude des örtlichen Jahrmarkts das angebotene Plüschgürteltier und bekommt  ein Glas mit überlagerten Birnenkompott. Ich würde es akzeptieren, wenn er mir damit die Kniescheibe zertrümmert. Oder ich kämpfe an einer ähnlichen Losbude für meine Freundin um ein folkloristisch gehäkeltes Herz mit der Inschrift “ Auf ewig Dein“ und gewinne  ein Paar Männerhausschuhe.

Aber die Kunst der vier Studiengänge werde ich mir trotzdem ansehen. Auch ohne Los in der Tasche.

Heute bis 24 Uhr, Freitag bis Sonntag 11-22 Uhr

Über meinen Aufenthalt auf Zypern in Bälde wichtige Gedanken.

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Februar 5, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar