Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Michel Piccoli, Alvin Lucier und ein Liebhaber und ein Mörder und ein Papst

Zum Ableben Michel Piccolis gestern in der abendlichen Tagesschau:

„Er spielte den Liebhaber, den Mörder und den Papst.“

Eine markante und schnörkellose Linie.
Man hätte ja auch etwas weitschweifiger formulieren können, z.B.:

Er spielte den Liebhaber, den Innenminister, einen Schriftsteller, den Mörder, den Präfekten, einen Maler und den Papst.
(Rollen, die Piccoli tatsächlich übernommen hatte.)

Hätte sicher etwas besänftigender gewirkt, zunächst der Liebhaber, gefolgt von Innenminister und Schriftsteller, danach hätte man natürlich einen Mörder einschieben können, darauf Präfekt und Maler, abschließend den obersten Vatikan-Bewohner.

Liebhaber-Mörder-Papst.
Wie im richtigen Leben, könnte jetzt manch militanter Atheist sagen.

Liebhaber-Mörder-Papst.
Böte sich zumindest als Vorlage für die eine oder andere, auch bösartige Assoziationskette an.

Liebhaber-Mörder-Papst.
Besonders hämische Geister von ausgesuchter Boshaftigkeit könnten jetzt herauskreischen, dass Piccoli immer ähnliche Rollen bevorzugte.

Für die Aufnahme in eine heitere Journalismusgeschichte oder in eine gleichfalls heitere Kirchengeschichte aber vorzüglich geeignet.

Drei Filme von Godard, Ferreri und Hitchcock, mit Michel Piccoli.
Außerdem mit Mastroianni, Tognazzi, Noiret, Brigitte Bardot, Palance, Fritz Lang und Karin Dor.

Musik des Tages

Alvin Lucier

Piano und Magnetic Strings


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Mai 20, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, zehn Tischtennisplatten, Pinguine über der Lifaßsäule, Mundnasenschutz, Nasenaugenschutz, Mundnasenaugenschutz, die Kollision mit einem Tapir und Bodo Babirusas Kopfschmuck

Wenn eine derartige Veranstaltungswerbung z.B. im DIN A4-Format vor der eigenen Haustür keimen würde, wäre Ärger eine angemessene Reaktion, als Folter würde man diese Belästigung aber sicher nicht spüren.
Möglich wäre ja auch, das Paket mit den Füßen vor die Haustür nebenan zu schieben.

Auch die Bekleisterung einer Litfaßsäule mit diesem und ähnlichem Faxenlärm nervt nicht grundsätzlich.
Und man könnte sich ja für einige Sekunden abwenden und den Himmel nach Mauerseglern absuchen.
Oder nach Pinguinen.

Aber als kultiviert-spießiger Zeitgenosse, der sich doch regelmäßig einer Haltestelle für öffentliche Verkehrsmittel, der Bank seines Misstrauens, seinem Lieblingsbäcker und anderen Einrichtunge des täglichen, doch zumindest des wöchentlichen Bedarfs nähern muss (einschließlich Briefkasten) empfinde ich durch die Aufdringlichkeit dieser Werbelappen eine ausufernde Bedrohung.

Denn diese Fläche, gefühlt das 10fache einer Tischtennisplatte, hängt an einem Eckhaus und malträtiert mich auf meinem Heimweg, gleichgültig aus welcher Himmelsrichtung ich mich an dieser optischen Zumutung vorbeiquäle.
(Ecke Gohliser Straße/Fritz Seger-Str., unweit von Gohliser Schlösschen, Schillerhaus, Gosenschenke).

Es bestände natürlich die Möglichkeit, sich den Mundnasenschutz auch über die Augen zu schieben, doch wird dann mindestens der Mund freigelegt, womöglich auch die Nase und der Mundnasenschutz verlöre seine ursprüngliche Funktion.
Außerdem heißt er ja Mundnasenschutz und nicht Nasenaugenschutz oder Mundnasenaugenschutz.

Und ich würde auch die Gefahr nicht ausschließen, bei dem Einsatz eines Nasenaugenschutzes oder eines Mundnasenaugenschutzes mit einem Gohliser Tapir oder einem Babirusa zu kollidieren.

Und nach einer Kollision mit Babirusas Kopfschmuck dürfte ich zukünftig weder einen Mundschutz, einen Mundnasenschutz noch einen Mundnasenaugenschutz benötigen.
Denn MundNaseAuge wird es danach nicht mehr geben.

Babirusas leben ausschließlich auf Sulawesi, im Leipziger ZOO gab es einige Tiere und jetzt vielleicht nur noch das Gohliser Exemplar, mit dem ich vielleicht kollidieren würde, wenn ein Nasenaugenschutz oder ein Mundnasenaugenschutz mein Gesicht bedeckt.

In der Hierarchie-Tabelle der hässlichsten Erdwesen kämpft Bodo Babirusa wacker um vordere Plätze.
Es gelingt ihm vorzüglich.

Aufgemerkt, dieser Wandbehang kündet von einer Veranstaltung, die schon am 31.Dezember 2019 endete.



Und nun ein fotografischer Spaziergang auf den Wegen meiner Heimkehr (17.Mai 2020), psychisch erheblich gefordert durch die Unausweichlichkeit dieses optisch-ästhetischen Notstands in Hintergrund, Mittelgrund, Vordergrund.














Musik des Tages

Aus der „Edition zeitgenössische Musik“

Carola Bauckholt

U.a. „Treibstoff“ für Klarinette, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Klavier und Schlagzeug
„Zopf“ für Flöte, Oboe und Klarinette
„Sottovoce“ für zwei Violoncelli

Dieses „Klingt gut“ habe ich nicht geschrieben, gehört zur Cover-Gestaltung.

Ulrich Stranz

U.a. „Janus“ für Violine, Klavier und 13 Bläser
Klaviertrio für Violine, Violoncello und Klavier


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Mai 18, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, der Gohrischer Traueraltar, Riemenschneider, Moser, Pacher, Multscher, Bertram, Berg, Kefermarkt, v. Eyck, Grünewald, vierzehn Billetts, eine Traurigkeits-Relativierung, Beethoven im Tapir-Gehege und die elbsandsteinische Schicht im Schacht



St. Wolfgang, Altar von Michael Pacher, Gesamtansicht und Marienkrönung

Da gibt es die Altäre (Altarretabel) Tilman Riemenschneiders in Rothenburg o.d. Tauber, Creglingen, Münnerstadt, Detwang, Maidbronn von ausnahmslos fränkischer Herkunft, Creglingen eingeschlossen.

Und die Altäre von Lukas Moser in Tiefenbronn, von Michael Pacher im österreichischen Salzkammergut (St.Wolfgang), Bilder oben und Hans Multschers Wurzacher Altar (Berlin).

In der Hamburger Kunsthalle sollte man etwas ausgiebiger vor Meister Bertrams „Grabower Altar“ einhalten (sehr frühe Spätgotik) und in Odense die Märchenbücher Andersens kurzfristig zur Seite legen und den Dom St.Knuds zur Besichtigung des Altars von Claus Berg aufsuchen.





Kefermarkter Altar in Kefermarkt, Hinweis auf den „weltberühmten“ Altar, Gesamtansicht und Anbetung der Könige

Bei einem Besuch in Kefermarkt im oberösterreichischen Mühlviertel beachtet man den dörflichen Hinweis (siehe Bild) und steht vor dem Kefermarkter Flügelaltar, nach einem Fußmarsch oder einer Radtour etwa 550 Km nordöstlich vor dem unvergleichlichen Altar von Veit Stoss in Krakaus Marienkirche und dann nach reichlich 1300 Km westlich, gleichfalls zu Fuß oder zu Rad bewältigt, kann man vor dem gleichfalls unvergleichlichen Genter Altar der Eyck-Brüder erstarren ( in Gent).

Dazwischen könnte man natürlich noch das südliche Elsass streifen, um nach den Besuch in Colmar den wiederum unvergleichlichen Isenheimer Altar von Matthias Grünewald für ewig im Gedächtnis zu behalten.
Paul Hindemiths „Mathis der Maler“ böte sich als musikalische Ergänzung an.

Ich hatte das Glück, mich recht zügig nach der Grenzöffnung an all den Standorten aufhalten zu dürfen.
Gefertigt wurden diese Siedepunkte europäischer Kultur zu spätgotischen Zeiten (ca. 1350 bis nach 1500.
Die Klimax begann um 1470/80.

Aber es gibt natürlich auch noch den Gohrischer Traueraltar (Bild oben) in Leipzig/Gohlis, geschaffen von Jürgen Henne als Reaktion auf die Absage der 11. Schostakowitsch-Tage 2020 (2.-7. Juli).

Mit vierzehn Billetts für zwei Personen zu sieben Konzerten, mit drei Gerberablüten, einem Programmheft und einer Flasche Rotwein (rechts, nicht im Bild).
Obwohl Tobias Niederschlag, der künstlerische Vorsteher des Festivals und dessen Geschäftsführer Martin Steude noch keine entgültige Erklärung abgegeben haben, dürften diese Tage vor meinen heimischen CD-Regalen stattfinden.

Ich entscheide mich aber für eine Traurigkeits-Relativierung, denn während dieser Tage hätte man als Verbeugung im Jahr Beethovens fast so viele Stücke des Bonner Krachmachers wie von Schostakowitsch gespielt, bei dessen Musik es natürlich auch nicht ganz selten ziemlich kracht.

Aber dennoch hätte ich mich diesjährig, in diesem Rahmen und diesen Zeiten, in denen der Tele-Sandmann sicherlich bald mit Beethovens musikalischer Begleitung seinen Schlafsand verstreut und der Appetit von Tapiren im Tierpark von Meppen gleichfalls mit den Noten des Millionen-Umschlingers angeregt wird, durchaus freiwillig und tapfer auch diesem Teil des Gohrischer Programms gestellt.

Obwohl ich mich nach Evergreens wie „Pathétique“, „Kreutzersonate“ und „Eroica“ (irgendwelche Variationen) nicht gerade sehne.

Neben der Musik Schostakowitschs und Beethovens plante man noch die Wiedergabe einzelner Stücke von Borodin, Weinberg, Schnittke und Tischtschenko (Schüler von G.Ustwolskaja und Schostakowitsch).

Ich könnte jetzt natürlich Steinbrück zitieren, mit dem feinsinnigen „Hätte, hätte…“.
Oder meine selige Großmutter mit dem etwas robusteren Hinweis: „Hätte der Hund nicht…“
Jedenfalls ist in diesem Gohrischer Jahr eindeutig Schicht im Schacht, schon bevor die erste Note aufgeblättert wurde.

Musik des Tages

Luc Ferrari

„Les Arythmiques“
„Les Anecdotiques“
„Presque Rien“

Sicherlich gewöhnungsbedürftig, doch wenn man die Zusamenhänge und Abläufe erfasst hat, dominiert die Hoffnung, es möge nie enden.

Wie bei einem Stück von Morton Feldman für drei Instrumente, etwa 330 Minuten.
Bei einer Darbietung u.a. mit Steffen Schleiermacher innerhalb der Reihe „Musica nova“ glaubte ich nach wenigen Minuten, dass ich diese Torture nicht überstehen werde.
Nach ca.330 Minuten war ich erschüttert, dass das Stück schon endete.



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April 29, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, die täglichen Irritationen, schweifen statt flattern, Holger Mörike statt Eduard Mörike, Beethovens Knallknallknallknaaal, Flotows letzte Rose, zwölf Spitzwege im Korridor, Schillers Kartoffelschäler, die Kompetenz der Feldhamster und die Inkompetenz von Moderatoren

Irritation I.

Im kulturellen Angebot einer Gemeinschaft bildet sich ja immer ein Repertoire, das von den meisten Mitgliedern gepriesen, aber zumindest geschätzt wird und dessen Popularität in der Regel ungebrochen bleibt.
Mitunter sind es nur Abschnitte oder auch nur geringfügige Teile der Abschnitte einer Musik, eines Gedichts, eines gemalten Werkes, die bis in die entlegendsten Areale einer Gesellschaft ihre Wirkung erhalten.

Natürlich auch im deutschen Herden-Bewusstsein.
Sicherlich wird man spontan an das Knallknallknallknaaal am Beginn des ersten Satzes der fünften Sinfonie Beethovens denken.
Oder an dessen „Für Elise“, sicherlich auch an das Gekrähe am Schluss seiner neunten Sinfonie.
Oder an Händels Halleluja („Messias“) an Bachs Toccata und Fuge d-moll und die „Träumerei“ aus Schumanns „Kinderszenen“
Auch Opernarien von z.B. Otto Nicolai, Lortzing, C.M.v.Weber, Flotow…haben sich als Gassenhauer etabliert („Als Büblein klein…“,“Im Wein ist Wahrheit…“,“Wir winden Dir den Jungfernkranz“, „Die letzte Rose“).

Und natürlich auch inzwischen der Walkürenritt und der Steuermannchor R.Wagners oder Abschnitte aus Orffs „Carmina Burana“.
Das alles gehört in jedes Wunschkonzert.

Die Qualität ist dabei natürlich nicht immer die Triebkraft für des Volkes Evergreen-Sammlung

Während DDR-Zeiten innerhalb dussliger Grußsendungen (Großenkel Rolf grüßt Uropa Kurt….) wurde z.B. unentwegt das Intermezzo von H.H. Wehdings Ballett „Der goldene Pavillon“ gesendet.
Das blanke Grauen.

Auch in der malenden, zeichnenden…Kunst bilden sich Hitverzeichnisse der populären und zahlreich genutzten Werke.
Es gab Zeiten, da hingen an den Wänden jedes sechs Quadratmeter großen DDR-Korridors zwölf Spitzweg-Bilder.
Ähnlich wurde periodisch die Romantik C.D. Friedrichs gefeiert.
Und auf jedem Abort eines sozialistischen Ferienheims klebte in den 60er/70er Jahren Womackas „Paar am Strand“.
„Stöhn“.
In jedem zweiten Kindergarten hing Harald Hakenbecks „Peter im Tierpark“.
Nochmals „Stöhn“.

Natürlich kennt jeder Dürers Hasen, Dürers gefaltete Hände, Dürers Mutter-Bildnis.
Sicher auch Cranachs Junker Jörk (Luther) und Menzels „Eisenwalzwerk“.
Und bald eroberten sich auch Klee, Marc….die Zimmerwände.

Heinrich Heine, „Nachtgedanken“
Ausschnitt

Friedrich Schiller, „Die Bürgschaft“
Ausschnitt

Außerdem gibt es noch Gedichte und deren entsprechende Charts.
Das „Abendlied“ von Matthias Claudius hat man darin aufgenommen und selbstredend Goethes „Erlkönig“, sicher auch sein „Wandrers Nachtlied“.
Heinrich Heine ist verlässlich im vorderen Feld platziert: „Leise zieht durch mein Gemüt“, „Loreley“, „Nachtgedanken“….
Unbedingt auch Schillers „Die Bürgschaft“.
Besonders gern wird die volkstümlich mutierte Fassung zitiert:
„Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich.
Kartoffeln schäln, verstehst Du mich.

Auch die Kenntnis von z.B. Fontanes „John Maynard“ dürfte verbreitet sein und vielleicht sogar von Benns „Krebsbaracke“.

Ludwig Uhland, Frühlingsgedichte, „Frühlingsglaube“, links oben

Und es gibt noch das Gedicht „Frühlingsglaube“, das jeder deutsche Feldhamster kennt, doch nicht weiß, dass Ludwig Uhland diese Verse geschmiedet hat.

Und es gibt noch das bekannteste Frühlingsgedicht deutscher Sprache, Eduard Mörikes „Er ist`s“ mit dem Einstieg: „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte….“
Diese Zeilen kennen nicht nur alle deutschen Feldhamster, sicher auch alle deutschen Goldhamster.

Aber an einem Ostertag des aktuellen Jahres gegen 7.30 war kein Hamster am Mikrofon des Deutschlanfunks, der diese Zeilen kennt, sondern eine menschliche Moderatorin, die Mörike folgendermaßen zitierte:
„Frühling lässt sein blaues Band wieder schweifen durch die Lüfte…“

Nach diesem Zitat flatterten meine Ohren und die Blicke schweiften nach einer Literaturgeschichte, um die Gedichtansagerin bei Ihrer Wissenskorrektur zu unterstützen.
Feindliche Stimmen werden jetzt wieder von überflüssigen Übertreibungen sprechen, von Harmlosigkeiten, die man übergehen sollte.
Könnte man natürlich.
Aber diese Flut ähnlicher „Harmlosigkeiten“ in allen Medien von mitunter regelrecht aggressiver Inkompetenz steigert stetig meine Sorgen.

Man sollte eben auch nicht von irgendwelchen Faselfehlern sprechen, von Schluderigkeit.
Die Angabe von 1857 statt 1875 als Jahr von Mörikes Verbleichung kann tatsächlich einmal passieren, ein klassischer Zahlendreher.
Oder Edward statt Eduard, auch möglich, verzeihliche Schusseleien.

Aber schweifen statt flattern zeugt von stabil zementierter Unwissenheit und außerdem von der Anmaßung, nicht einmal bei Wikipedia nachschlagen zu brauchen.

Da könnte man ja auch gleich Eduard Mörike als Holger Mörike ankündigen.
Oder Joseph von Eichendorff als Torsten von Eichendorff.

Wie gesagt: Mörikes Gedicht ist unverrückbar im germanischen Literatur-Brevier zementiert.
Jede Altersabteilung eines Kindergartens kann an jedem Frühlingsmorgen diese Zeilen fehlerfrei aufsagen.
Nur die Moderatorin des Deutschlandfunks lässt das blaue Band schweifen und mich stutzig erstarren.

Irritation II folgt in Bälde.

Musik des Tages

Hugues Dufourt:
L`Afrique d`apres Tiepolo
L`Asie d`apres Tiepolo

Musik zu den Wandmalereien des Venezianers G. B. Tiepolo zwischen Barock und Rokoko in der Würzburger Residenz.


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April 16, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar

Jürgen Henne, Hans Christian Andersen nach zweihundertundfünfzehn Jahren, auch im Central-Park, eine sowjetische Schneekönigin, eine tschechische Rusalka, ein geiziger Heinz Schubert, eine infantile Königsfamilie, ein Schwarzwald-Zwerg bei Walter Ulbricht, Donavan am Auensee und eine Reise nach Dänemark

New York, Central-Park, 2008

Er bietet sich wohl nicht als Grund für ausufernde Jubiläumsfeierlichkeiten an, ein 215.Geburtstag.
Aber in diesen Zeiten ohne Kinofilme und Konzerte, ohne Theater, Museen, Galerien kann man natürlich auch einem zweihundertundfünfzehnjährigen Dichter aus Dänemark huldigen.

Denn Hans Christian Andersen wurde am 2.April 1805 in Odense geboren, also gestern.

Die Abbildung oben zeigt Andersen mitnichten in einem dänischen Garten, im New Yorker Central-Park sitzt er, neben sich sein häßliches Entlein, vermute ich, ein Foto von 2008.

Natürlich kennt man „Die Prinzessin auf der Erbse“ und „Des Kaisers neue Kleider“, auch „Die kleine Meerjungfrau“ und „Das häßliche Entlein.

Aber meine bevorzugten Märchen blieben eben jene Stücke, die mir als Verfilmungen in der Kindheit angeboten wurden.
„Die Schneekönigin“ z.B. als sowjetischer Zeichentrickfilm, bei dem meine kindlichen Augen grundsätzlich glasig wurden.
Kai und Gerda und die blühende, die verlotterte und die erneut blühende Blume im gemeinsamen Topf.
Anfang und Ende des Films.
Eine pathetisch folkloristische Meisterleistung des Jahres 1957 von zeichentrickhistorischem Interesse.
Wird seit Jahren in kein TV-Programm aufgenommen und eine käufliche Erwerbung ist scheinbar auch nicht möglich.

Erste Seite von Andersens „Das Feuerzeug“ in meiner kleinen Ausgabe seiner Märchen


Für diese DVD musste ich mir sogar die Superillu kaufen.

Und natürlich „Das Feuerzeug“ mit den drei Hunden, einer Hexe, die zur Schlange mutiert, drei bekloppten Kapitalistensöhnchen, einer infantilen Königsfamilie und einer Revolution gegen die Ausbeuter in märchenhafter Form.
Eine DEFA-Produktion von 1957.

Und mit Rolf Ludwig als Hauptdarsteller, der vielleicht fähigste Schauspieler der DDR, auch auf der Theaterbühne.
Auch Heinz Schubert, der später als Ekel Alfred im Fernsehprogramm herumrotzte, erhielt seine Rolle, er agiert als „Der Geizige“, neben ihm am Tisch in der edelsten Kneipe der Stadt „Der Eitle“ und „Der Dicke“
Und gleichfalls dabei war Johannes Maus als Schustermeister Schaft, der schon 1953 in der „Geschichte vom kleinen Muck“, desgleichen eine Produktion der DEFA, den alten Muck verkörperte.

Neben dem Feuerzeug und dem Kleinen Muck vervollständigt „Das kalte Herz“ (1950)) die „Ewigen 3“ der DDR-Märchenfilme.
Also zwei Vorlagen von Wilhelm Hauff und dazu Andersens Märchen.

Im kalten Herz spielte Paul Bildt das Glasmännchen, ein paar Jahre zuvor, während der anderen Diktatur, mimte er A.C. Doyle in „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ (Rühmann, Albers).
Bei Hitler und Goebbels als britischer Kriminalschriftsteller, bei Ulbricht und Pieck als deutscher Schwarzwald-Zwerg.
Wundervolle Verbindungen.

Zahlreiche Erinnerungen entwickeln sich also in den Zeiten des 215. Geburtstages von Hans Christian Andersen und einige Stunden kann man mit seiner Literatur und deren Vefilmungen oder musikalischen Bearbeitungen durchaus gehaltvoll füllen.



Leipzig, Haus Auensee, 2016, Donavan während und nach dem Konzert

Denn es gäbe da z.B. auch noch Dvoraks Oper „Rusalka“, u.a. nach Motiven von Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ oder „Arielle“ aus Walt Disneys Studio.
Helmut Lachenmann schrieb nach „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ eine bemerkenswerte Oper und Donavan notierte seine Gedanken über das Märchen „Der kleine Zinnsoldat“ für einen Song auf das Notenpapier, siehe oben („The Little Tin Soldier“).

Oder man glotzt stundenlang auf die Homepage von Kopenhagen und sieht die kleine Meerjungfrau, Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt.
Ich würde da aber eher in Bälde eine kleine Reise in dieses wunderbare Land planen,
z.B. nach Henne Strand.
Oder nach Odense, dem Geburtsort von Hans Christian Andersen.


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April 3, 2020 Posted by | Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar