Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Michael Fischer-Art als gnadenloser Provokateur am Tower zu Altenburg und meine Erinnerung des Tages

Leipziger Volkszeitung vor einigen Tagen

Michael Fischer-Art malträtiert den Tower des Altenburger Flughafens (Thüringen).
Kann er doch.
Doch für mich ein triftiger Grund, dieses Terrain niemals als Abflugsfläche in Erwägung zu ziehen.
Und hoffentlich fallen die Piloten nicht kreischend von ihren Schemeln oder verändern verwirrt die Flugrichtung im Angesicht dieser gemalten, lurchigen Dürftigkeit, dieser karpfenmäuligen Bilder-Sülze.
Aber wie gesagt, kann er doch.

Bemerkenswert erscheint mir aber die Strategie des Geschäftsführers, der wissend und kompromisslos sein Credo abdröhnt:

„Wer interessieren will, muss provozieren“.

Jetzt falle ich vom Schemel.

Fischer-Art, der große Provokateur, mit dessen Kunst, nach des Geschäftsführers kantiger Überzeugung, sich gediegen provozieren lässt, der das Land gnadenlos mit seinen Bildern überzogen hat und die Bewohner eben dieses Landes durch die wulstig, leicht entzündeten Darsteller seiner Wimmelbilder zu kollektiven Gähn-Orgien animiert.

Nur der Journalist scheint nicht zu gähnen und kommentiert unbeirrbar und mit resoluter Grund-Tendenz: „Und das ist-rein optisch-gelungen“.

Ich schlage folgende Erziehungsmaßnahme vor.
Der Journalist wird auf einen Stuhl festgezurrt und muss acht Stunden den Tower anstarren. Eine einmalige, etwa zehnminütige Pause sollte gestattet werden.

Erinnerung des Tages

Ich erinnere mich, dass am Beginn der 80er Jahre in einer westdeutschen Programmzeitschrift Tarkowskis Film „Stalker“ nach einem Buch der Brüder Strugazki („Picknick am Wegesrand“) als „Sowjetischer Kriminalfilm“ angekündigt wurde.
Gesendet wurde er nach Mitternacht.
Sowjetische Kriminalfilme hatten ohnehin keine überragende Anziehungskraft.
Und dann „Stalker“ als sowjetischer Kriminalfilm, nach Mitternacht.
Die Zuschauerzahl wird sich in überschaubaren Regionen geordnet haben.

Ich habe den Streifen erstmalig am Beginn der 80er Jahre im „Casino“ gesehen, ein sogenanntes Filmkunsttheater, einmalig im sozialistischen Leipzig.
Darin gab es dann auch z.B. den „Andalusischen Hund“ von Bunuel/Dali, Bunuels „Goldenes Zeitalter“, Gabor Bódys „Narziss und Psyche“ und selbst Tarzan mit Weissmüller und Disneys „Schneewittchen“ innerhalb der vorweihnachtlichen Tage.

Ich erinnere mich auch, dass der Film gegen 10 Uhr begann, ich völlig verstört nach fast drei Stunden in das Leipziger Sommerlicht geworfen wurde und ich mich nach einem Bottich Rotwein fragte, wem ich eigentlich erlaubt hatte, mich deratig zu verwirren, zu bestürzen, selbst zu verängstigen.
Es war der russische Filmemacher Andrei Tarkowski.
Danach wuchtete ich mein cineastisches Interesse auf eine ungleich höhere Ebene als bisher.
Und Tarkowskis Filme belegen einen Elite-Platz in meinem DVD-Regal.
Soweit meine Erinnerung des Tages.


juergenhennekunstkritik.wordpress.com
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Juni 21, 2018 - Posted by | Leipzig

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