Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, der Klinger-Beethoven, der Lüpertz-Beethoven, der Jastram-Mendelssohn…….und ein Aprilscherz

………………………………………………………………………………Jürgen Henne, am 3.April 2018 gegen 22.15 Uhr
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LVZ, 31.März/1.April.
Journalistische Ausdehnungen innerhalb eines Zeitungsformats für einen Aprilscherz über Standortverschiebungen einzelner Kunstwerke in Leipzigs öffentliche Räumen.
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Detail der Ausdehnungen innerhalb eines Zeitungsformats für einen Aprilscherz über Standortverschiebungen einzelner Kunstwerke in Leipzigs öffentliche Räumen.
Max Klinger und Markus Lüpertz
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LVZ, 3.April
Hinweis auf den Aprilscherz der LVZ innerhalb der Sonnabend/Sonntagausgabe (31.März/1.April).

Mich hatte natürlich irritiert, dass nur auf der Seite des „Aprilscherzes“ die Angabe 1.April stand, die restlichen vierzig Seiten waren mit Sonnabend/Sonntag/31.März/1.April gekennzeichnet.

Ich hielt es aber selbst bei dieser Zeitung für unmöglich, daß ein großer Abschnitt des Kulturteils mit diesen, sicherlich aufwendigen, akribisch beschriebenen Nonsens belegt wurde, unter Einbeziehung zahlreicher Personen und Einrichtungen.
Alfred Weidinger(Bildermuseum), Andreas Schulz(Gewandhaus), Hans-Werner Schmidt(Bildermuseum), Andreas Creuzburg(Gewandhaus), Markus Lüpertz,….

Ich habe ja nichts gegen einen kleinen Scherz, z.B. der Hinweis, daß Leipzigs Völkerschlachtdenkmal am oberen Abschluss um drei Meeter erhöht wird (3-4 Sätze).

Aber eine derartig einfältige, ausufernde Zelebrierung hinterlässt mich ratlos.
Es könnte natürlich auch das legendäre Körnchen Wahrheit gewesen sein.

Aber wer weiß das schon.

Ich aber wurde durch die heutige „Richtigstellung“ motiviert, den Faden dieses Aprilscherzes aufzunehmen, um ihn zu einer realen Aktion umzuspinnen…
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„Freunde, vernehmet die Geschichte….“(Aber nicht von einem jungen Postillon aus Lonjumeau, sondern von Jürgen aus Leipzig/Gohlis).

Klinger-Beethoven vom Klinger-Saal des Leipziger Bildermuseums ins Leipziger Gewandhaus-Foyer.
Lüpertz-Beethoven vom Leipziger Bildermuseums-Vorplatz in den Klinger-Saal des Leipziger Bildermuseums.
Umbenennung des Klinger-Saals im Leipziger Bildermuseum in den Lüpertz-Klinger-Saal des Leipziger Bildermuseums.
Jasram-Mendelssohn vom Foyer des Leipziger Gewandhauses auf den Augustusplatz vor dem Leipziger Gewandhaus.

Da entwickelt sich ja eine wundervolle Schieberei und heitere Diskussionen wird es dazu wieder geben.
Violette Partikel werden aus keifernden Mundwinkeln platzen, besonders bei Leipziger Zeitgenossen, deren Kulturverständnis chronologisch bei Klinger endet.
Ähnlich den Reaktionen nach der Installierung des Lüpertz-Beethovens vor dem Bildermuseum.
Und jetzt im Bildermuseum…

Sie werden dann wieder von einer Schande sprechen, von einer Besudelung Leipziger Traditionen, auch die Benutzung des Begriffs „Entartung“ sollte allmählich eingeplant werden.

Drittklassige Künstler Leipzigs, die Lüpertz qualitativ nicht einmal bis an die Schnürsenkel reichen, nölen dann wieder über dessen fehlenden Realismus, denn Beethoven würde man ja fast gar nicht wiedererkennen.
Das ist „Kunsttheorie“ der 50er Jahre in der DDR.
Ich muss würgen.

Und besonders infam wirkt ja dieser dümmliche Text als Aufruf zum Protest gegen Lüpertz, z.B:

„Und das ist laut LVZ-Informationen nur ein Teil eines Ringtausches (Klinger-Beethoven ins Gewandhaus), der in der Kunstwelt kaum auf Gegenliebe stoßen dürfte: Auf Beethoven soll im Museum Beethoven folgen: An Stelle von Klingers Meisterwerk rückt die Bronzeskulptur „Beethoven“ von Markus Lüpertz….“(Zit.LVZ)

Bemerkenswert, dass zwei Dilettanten sich anmaßen, die bildhauerischen Befähigungen von Lüpertz und Klinger einzuordnen (Klingers Meisterwerk, Lüpertz in die Tonne)
Meine Übelkeit steigert sich.

Und wenn sich die beiden Autoren auf Wien berufen, deren Kritiker über eine ähnliche Lüpertz-Skulptur von einer „Leihgabe aus der Hölle“ schrieben (Es wird sicher auch positive Urteile gegeben haben), sollte man bedenken, dass Österreich selbst eine andere „Leihgabe aus der Hölle“ in Deutschland abgeladen hatte.
Man könnte aber auch Thomas Bernhard lesen.

An den Fassaden Leipziger Straßenbahnen gibt es Hinweise auf „Leipziger Persönlichkeiten“.
Unter Max Klinger wurde „Maler und Bildhauer“ eingesetzt.
Das ist kunsthistorischer Kokolores.
Allein Klingers Graphik wird Bestand haben.
So einfach kann Kunstgeschichte sein.

Denn diese unerträglich simple Plakativität und einfältige Symbolik, dieses nervige Pathos, die auf schlichte Wirkung verwendete Farbigkeit bei Malerei und Bildhauerei werden in künftigen Kunstgeschichten nur noch als kulturhistorisches Phänomen, als Kuriosität, als periphere Ausdünstung verdorren.
Doch die Graphik Klingers wird auch den kommenden Urknall überstehen, damit könnte er ja gut leben.
Denn wer kann das schon?
Im Zeitungstext bemängelt man „Lüpertz`schlecht gelaunten bis quälerisch dreinblickenden Beethoven“, dahinter ein Torso, „der die Rolle eines Genius nicht unbedingt positiv besetzt“.(Zit.LVZ)
Mein Gott, ist das simpel.
Die Darstellung von Übellaunigkeit, von quälerischen Blicken als Kategorien künstlerischer Qualität!
Werden das bald die Kriterien für Ausstellungskritiken an Leipzigs einziger Tageszeitung sein?
Vielleicht sollte man bei Aufträgen für künftige Beethoven-Skulpturen die Gestik und Mimik des über die Bühne hoppelnden Otto Walkes fordern.
Das wäre lustig.

Ich würde gern eine andere Alternative anbieten.
Mich interessiert dieses Gequäke nur wenig, ob Klinger-Beethoven im Klingersaal des Bildermuseums bleibt oder ins Gewandhaus gewuchtet wird.
Mir ist auch gleichgültig, ob Lüpertz-Beethoven im Klingersaal oder auf der Straße platziert wird.
Und die Aufstellung vom Jastram-Mendelssohn im Gewandhaus oder auf dem Augustusplatz hat für mich eine ähnliche Bedeutung wie die Reibeisen-Produktion im Südwesten Kanadas.
Denn Bildermuseum, Gewandhaus, Augustusplatz sind Leipziger Areale, die ich mit vorbildlicher Kontinuität aufsuche, wodurch ständig eine Sicht auf diese Bildhauerei gewährleistet wird.
Wenn ich mich dem Klinger-Beethoven nähere, lege ich aber grundsätzlich meine Augenbinde an und das wird auch so bleiben.

Also nun meine Alternative.
Man könnte ja den Klinger-Beethoven vor dem Haupteingang am Leipziger RB-Stadion mit der Maßgabe festzurren, dass alle Mannschaften vor allen Spielen „Seit umschlungen Millionen“…. krähen.

Oder im Zentrum des Einrichtungshauses „Möbel-Roller“, dekoriert mit dem Hinweis: „Nur bei uns finden Sie den echten Klinger-Beethoven-Stuhl.“

Auch die Aufstellung innerhalb eines dörflichen Kinderspielplatzes könnte ich mir gut vorstellen, versehen mit dem kinderfreundlichen Hinweis:„Klettern erwünscht!“

Klingers unsägliche Bilder wie „Die blaue Stunde“ oder „Christus im Olymp“ sollte man als kostenlose Zugabe beifügen.
Die Graphik muss natürlich im Museum bleiben und vorbildlich behütet werden.
Denn sie ist Weltkultur.

Aber das verstehen die Leipziger Zeitungsmacher nicht.
Deshalb ab zu Möbel-Roller, Klinger-Beethoven-Stühle suchen.

Und ich sehe mir jetzt meine Lüpertz-Bände an und höre die
Musik des Tages:

Cream
Sunshine of Your Love
White Room
I Feel Free
Strange Brew……usw.

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juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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April 3, 2018 - Posted by | Leipzig

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