Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Nina Ruges innere Gelassenheit mit heisser Suppe und ohne wochenendliche Meckereien, das künftige Martyrium von Andris Nelsons in Leipzig und „Alles wird gut“.

Ich weiß nur, dass es Nina Ruge gibt, detaillierte Informationen sind mir nicht bekannt, auch mögliche Verwandschaften zu Gerd Ruge entziehen sich meiner Kenntnis.

Doch jetzt wurde ich über ihr Buch „Der unbesiegbare Sommer in uns“ unterrichtet, über ihr Lebensmotto „Alles wird gut“, dass sie ihr Publikum mit auf „die Suche nach der inneren Gelassenheit“ nimmt (s.LVZ) und Fragen beantwortet, „wie jeder am besten Kraft aus sich selbst schöpfen kann“ (s.LVZ).
Mein Gott, diese ganze Schnuffi-Sülze haben doch schon die Mammutjäger zu ihrer Großmutter gekreischt, als sie in den Pranken des Säbelzahntigers wackelte.
Sie riefen dann: „Großmutter, schöpfe Kraft aus Dir selbst, bewahre Deine innere Gelassenheit und denke daran, alles wird gut.“
Oft nutzte es aber nicht, den Ritsch-Ratsch und der Säbelzahntiger begann, die Großmutter zu filetieren.

Und jetzt nach 100 000 Jahren schreibt Nina Ruge erneut über diese „Lebenshilfen“ und streicht dafür ordentlich Kohle von eher schlichten Gemütern ein.
Mir wird übel.
Außerdem vermute ich nach einem prüfenden Blick auf das Bild, dass die Kundschaft von Nina Ruge sich schon weitgehend jenseits der achtzig eingeordnet hat, das erleichtert natürlich die Sache.
Selbstredend harmoniert der Altersdurchschnitt vorzüglich mit dieser Vergreisungs-Postille.

In der Ausgabe am Tag darauf (gestern,1.April) wurden Nina Ruges Alltags-Evangelien noch etwas „verfeinert“
Man mag es nicht glauben, doch sie gibt den Tipp: „Versuchen sie mal ein Wochenende lang nicht zu meckern und zu gucken, wie sich das Leben dann anfühlt.“ (s.LVZ)
Abgesehen davon, dass dieser Mumpitz auch sprachlich den Brechreiz aktiviert, verweist der Vorschlag auf infantile Tendenzen.

Nina Ruge„riet den Zuschauern sich umzuprogrammieren, positive Emotionen zu nutzen und selber die innere Führung zu übernehmen. Dadurch könne einfaches Glück entstehen“ (s.(LVZ).
Ach so, daran habe ich nicht gedacht.
Mir wird erneut übel.

„Sie selber bleibe jeden Morgen noch kurz im Bett liegen und konzentriere sich auf ein bestimmtes Bild, das gebe ihr positive Energie für den Tag“ (s.LVZ).
Ach so.
Ich hoffe nur, Nina Ruge erwartet nicht von mir, dass ich ein Bild von ihr an die Wand hefte, das ich dann jeden Morgen dümmlich anstarren soll.

Da wünscht man sich doch einen Säbelzahntiger herbei, der die Großmutter der Mammutjäger inzwischen verdaut hat.

Noch etwas sagte sie, scheinbar augenzwinkernd, wie der Journalist etwas keck und verschwörerisch beobachtete: „Morgens esse ich immer heiße Suppe“ (s.LVZ).
Ach so.

Und ich verschlinge morgens stets einige Würfel vereistes Tomaten-Ketchup aus dem Tiefkühlfach mit heißem Zimt und lauwarm gedrittelten Johannisbeeren.
Mahlzeit, Nina.
Ich zwinkere keck mit den Augen.

Es ist schon bedenklich, dass die einzige Tageszeitung Leipzigs ein derartiges Blech, eine hochgradig intellektuelle Zumutung durch erhöhte Aufmerksamkeit honoriert.

Doch im Grunde ist es die Alltäglichkeit.
Gestern gab es in der Zeitung eine erweiterte Mitteilung, dass der Komponist des Sandmännchen-Liedes vor einhundert Jahren geboren wurde.
Eine derartige Text-Ausdehnung wurde z.B. der Besprechung eines Abends bei Musica Nova noch nie genehmigt.
Das vergangene Konzert ignorierte man vollständig.
Dafür aber zweimalig ausufernde Beiträge über die Aufführung einer Operette von Nico Dostal und eine seitenfüllende Abarbeitung eines Auftritts des unsäglichen Hannes Wader.
Ich leide schon heute mit Andris Nelsons.

Musik des Tages

Anton Bruckner, 6.Sinfonie

Literatur des Tages

Josef Winkler, „Friedhof der bitteren Orangen“

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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April 2, 2017 - Posted by | Leipzig

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