Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, die 100 Kerzen des Kirk Douglas und „In the Court of the Crimson King“ von „King Crimson“

Heute könnte Kirk Douglas einhundert Kerzen ausblasen.
Wäre natürlich entbehrungsreicher als zur Jugendweihe mit vierzehn dieser Flackerdinger.
Doch hätte man mir eine Einladung zur Geburtstagsfeier gesendet, würde ich ihm meine asthmatische Unterstützung anbieten.
Hat man aber nicht.

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Leipziger Filmtheater Schauburg

Ich sah Kirk Douglas erstmalig im Leipziger Kino „Schauburg“, ich vermute zwischen 1963/65, er drosch sich als Gladiator Spartacus durch römische Arenen und durch den gleichnamigen Film (USA, 1960).

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Bislang hatte ich mich, für das erste Dutzend Lebensjahre üblich, durch die verfilmte Märchen-u.Abenteuerwelt gekämpft, geweint, gelitten und siegreich den Kopf erhoben.
Mich faszinierte z.B. die verfilmte Sage um Ilja Muromez im russischen Film gleichen Titels (50er Jahre).
Mich überwätigte die Pathetik um Mütterchen Russland. Ich schlug mich mit Tataren (oder Tugaren, werden beide im Film erwähnt, keine Ahnung, ob die beiden Begriffe als historisches Synonym gelten können) und erduldete den Kerker Fürst Wladimirs.

Ich sah den Film über die Sklavin Hatifa und den tschechischen Streifen um einen falschen Prinzen, aber ebenso sowjetische Propaganda-Gurken über die Bürgerkriegs-Klopperei zwischen Bolschewiki und Weißgardisten in Russland bis zur Gründung der Sowjetunion 1922. („Kotschubej“, „Wettlauf mit dem Tod“).

Doch im Zentrum aller kindlichen Filmschwärmerei funkelte der cineastische Edeldreier der DEFA-Filmstudios: „Das kalte Herz“, „Das Feuerzeug“, „Die Geschichte vom kleinen Muck“ (2x Hauff, 1x Andersen), ausschließlich in den 50er Jahren produziert.
Für „Das Feuerzeug“ habe ich mir sogar furchtlos und in waghalsiger „Augen-zu-und-durch“- Manier eine „SUPERillu“ erworben, nur der DVD wegen (s.o.).

„Spartacus“ wurde dann zu meinem ersten „Film für Erwachsene“.
Im Filmtheater „Schauburg“ führte man am Beginn der 60er Jahre erstmalig in der DDR, gemeinsam mit einem Kino in Berlin, das Cinemascope-Verfahren, auch Breitwand(?) oder 70 mm-System(?) ein .
Bei technischen Details bin ich überfordert.
Es liefen dann Filme wie „Die schwarze Tulpe“, „El Cid“, „Der letzte große Sieg der Daker“, „Der Untergang des römischen Reiches“, „Pharao“, aber auch „Das große Rennen um die Welt“.
Und eben auch „Spartacus“.
Und alle Filme habe ich gesehen, mit frühpubertärer Begeisterung.

Als Spartacus musste Kirk Douglas sich natürlich schauspielerich mit der Auslese damaliger Mimen auseinandersetzen.
Curtis, Ustinov, Laurence Olivier und der unersetzliche Charles Laughton, aktuell vergleichbar mit Timothy Spill, Darsteller Churchills in „The King`s Speech“ und vor allem des William Turner, der erfrischend antiautoritär agiert, malerisch neue Maßstäbe setzt und etwas keimig aus der Leinwand zu riechen scheint („Mr.Turner-Meister des Lichts“).

Die Filme von Kirk Douglas, welche beträchtliche Spuren in die Kinogeschichte geprägt haben, bleiben aber recht überschaubar.
Dazu zählt zweifelsohne seine Verkörperung van Goghs.

Gleichfalls die Rollen des getriebenen, zynischen, von der sensationsgefräßigen Öffentlickeit zur gnadenlosen Rücksichtslosigkeit gepeitschten Journalisten Chuck Tatum („Reporter des Satans“, 1951) und des Colonel Dax, der sich im ersten Weltkrieg der Entgleisung ethischer Normen widersetzt („Wege zum Ruhm“,1957).

In einem Hauptwerk des „Film noir“ („Goldenes Gift“, 1947) spielt Douglas den durchtriebenen Gangster, der durch einen noch erbarmungsloseren Übeltäter weiblichen Zuschnitts letztlich scheitert, an der Seite des grandiosen Robert Mitchum.
Auch der Spätwestern („Der letzte Zug von Gun Hill“, 1959) über eine verheerende Kollision ehemaliger Freunde, vorangetrieben durch eine familiäre Tragödie, sollte in einer gepflegten und behüteten DVD-Sammlung gut sichtbar zumindest an der Begrenzung der ersten Reihe stehen.
Kirk Douglas galt immer als eine der makulinen Visitenkarten Hollywoods. Doch anders als z.B. John Wayne vermied er plakativen Heroismus und die demonstrative Hinwendung und Zelebrierung traditioneller Werte zwischen Hawaii und Florida.
Er agierte eher in den Niederungen barbarischer Rand-Areale aufgeklärter Systeme, als positive Figur, doch auch als Vertreter einer radikalen Verweigerung.

Musik des Tages

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„Spartacus“ von Aram Chatschaturjan, auch Khatschaturjan.

Seine Musik gehört sicher nicht zu meinem täglichen Musikprogramm.
Doch die öffentliche Reduzierung seiner Noten auf „Gajaneh“ und eigentlich nur auf den „Säbeltanz“ beurteile ich als unerfreulichen Zustand.
Außerdem stand er zuverlässig während der ständigen kulturterroristischen Aktionen der sowjetischen Funktionäre gegen Schostakowitsch in vorderster Position der Solidaritätsfront für den Komponisten.

Zugabe

Man sollte den Verfasser der Information über das Ableben von Greg Lake auf der ersten Kulturseite der LVZ von heute darauf hinweisen, dass der Titel „In the Court of the Crimson King“ keineswegs von „Emerson, Lake and Palmer“ gespielt wurde, aber unbedingt von „King Crimson“ (mit Grek Lake), eine Formation, die in dem Text unterschlagen wird.
Außerdem gibt es nicht nur den Titel „In the Court of the Crimson King“, das Debut-Album von „King Crimson“ erhielt gleichfalls diesen Namen.

Aber man will ja nicht pingelig sein.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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Dezember 9, 2016 - Posted by | Leipzig

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