Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, ein Abonnement und die Vereinigten Staaten von Amerika – Eine Rechtfertigung

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Es beginnen bei mir die Überlegungen, das Abonnement für „Die Zeit“ zu kündigen.
Schon vor einigen Jahren, als eine Seite der Sparte „Geschichte“ durch Fußballbeiträge ersetzt wurde, musste ich kleine Irritationen bekämpfen.

Nun habe ich die gesamte Ausgabe der aktuellen „Zeit“ weitgehend ungelesen in meinen Kübel für entbehrliches Schrifttum gedrückt.
Denn etwa dreizehn Artikel behandeln Donald Trump.
Innerhalb der Resttexte wird er sicherlich zumindest erwähnt.
Ich kann diese Journalisten-Sülze nicht mehr ertragen.

Selbst in der eher volkstümlichen Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ muss Donald ran.

Darin stürmt ein sechsjähriger Junge durch die Wohnung und brüllt: „Mama, Mama, Donald Duck ist Präsident geworden!“

Mein Gott, ist das erbärmlich.
Nichts gegen diese kindliche Reaktion, sie ist durchaus angemessen.
Doch eine Veröffentlichung muss nicht sein.
Natürlich denkt der durchschnittliche Zeitgenosse bei „Donald“ an Disney und Barks.
Weniger an Kolumbus oder Robin Hood.
Und zum Abschluss noch die kleine polit-philosophische Zugabe des Einsenders:
„Ich frühstückte weiter und denke: Wenn es doch so wäre.“
Das muss man mögen.

Vielleicht führt der folgende Präsident den Nammen „Dagobert“
Dann wird sicherlich die kleine Story abgedruckt:
„Mama,Mama, Dagobert Duck ist Präsident geworden“

Aber vielleicht heißt der Präsident nach Trump auch Goofy.

Selbst wenn über die Radieschenzucht in Süd-Grönland oder über die Fußpflege des Galapagos-Frettchens berichtet werden sollte, würde sich ein inhaltlicher Radius zu Trump zwingend finden lassen.

Als dickleibige Überschrift der Rubrik „Leserbriefe“ wird in der „Zeit“ ausgespien: „Ein Kretin wie Trump“.

Politiker und Journalisten monieren zu Recht die Grobschlächtigkeit und den für mitteleuropäische Verhältnisse gewöhnungsbedürftigen Politik-Stil der USA und dreschen aber mit „Hassprediger, Clown, Horrorclown, Gruselclown, Kretin, Faschist, Psychopath, Horrorfigur“…zurück.
Und jede Gazette übernimmt diese Ärmlichkeiten von anderen Gazetten.
Über Monate.

Kretin, Psychopath…….in politischen Zusammenhängen.
Da stürmt und streicht sich recht zügig der unsägliche Julius aus infernalischen Zeiten durch meine Erinnerungen.

Weder Trump noch Clinton galten für mich als fähige Kandidaten.
Doch Amerika hat Trump gewählt, Amerika hat sich demokratisch für Trump entschieden.
Da haben Europa und die anderen Kontinente eben Pech.
Aber die Hälfte der amerikanischen Wähler hat Trump gewählt.
Man wählte wirklich nicht in Meppen und Castrop-Rauxel.
Man wählte in den Vereinigten Staaten von Amerika und der Präsident heißt Donald Trump.
Das müssten doch selbst deutsche Journalisten intellektuell bewältigen können.

Aber schon hocken sie wieder, zumindest Teile der journalistischen Arbeitsfront, in ihren Stübchen und warten fiebrig auf weitere Entgleisungen Trumps, z.B. bei der Zusammenstellung des Kabinetts.
Dann kann man weiterhin von Entsetzen und Schock und Starre berichten, von Schockstarre und von Starreschock.
Von Psychopathen und Kretins.
Und sie werden die teuflische Botschaft fürchten, dass sich dieser zukünftige Präsident, zumindest in Maßen, für eine kultivierte Politik entschieden hat.
Denn sie müssten dann einfältige Kontinuitäten in der Berichterstattung unterbrechen.

Ebenso die deutschen Hobby-Anti-Trump-Inquisitoren, die sich vor amerikanische Botschaften in Deutschland stellen und „Trump raus aus Amerika“ krähen.
Woher dann das Gefühl von Wichtigkeit erhalten?

Digital Camera P42001

Digital Camera P42001

Mit Kunst von Henry Moore. Unweit von Montauk.
Befriedigend gebildete Zeitgenossen werden natürlich an Max Frisch denken

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Am Atlantik (Long Island), wie immer in tiefschürfende Gedanken versunken

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Nach vielen Stunden mit großartiger Kunst im Außenbereich des Museum of Modern Art (New York), hinterer Mittelgrund, goldener Schnitt, mittig.

Wir sind eine erkleckliche Anzahl von Wochen durch die USA getourt, Ost-u.Westküste.
Und ich werde mich nicht dieser Verurteilungs-Hysterie anschließen, die in Deutschland flächendeckend ausgeworfen wird und natürlich auch die amerikanische Bevölkerung einschließt, nicht nur amerikanische Präsidenten.
Aber ich werde stets Geschichte und Demokratie dieses Landes preisen.
Gleichfalls bildende Kunst, Musik, Literatur, Film, Theater, natürlich Medizin und andere Naturwissenschaften, unvergleichlich im 20./21.Jahrhundert.

„Eigentlich wollte ich nächstes Jahr in die USA fliegen. Jetzt ist Trump Präsident.
Da werde ich mein Urlaubsziel ändern.“

Derartige Kausalitätsketten musste ich zur Kenntnis nehmen.
Und aus den gleichen Mündern kreischt es dann „Kretin, Psychopath…..über den Atlantik.
Man sollte in deren Wohnungen große Spiegel aufstellen.

Schlussgedanke an alle Schreihälse

Vielleicht gibt es mit Trump weniger Kriege!
Vielleicht gibt es mit einem Donald Trump als Hassprediger, Clown, Horrorclown, Horrorfigur, Gruselclown, Kretin, Faschist, Psychopath…weniger Kriege.

Kulturtipp
Kunst, Literatur, Musik des 20./21. Jahrh. aus den USA.


juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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November 21, 2016 - Posted by | Leipzig

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