Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und die zunehmend begehrte, doch unregelmäßig bearbeitete Serie: „Jürgen Henne und des Alltags Ärgernisse“. Heute: Jürgen Henne und Markus Feldenkirchen und Yin + Yang in Leipzig/Gohlis

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Was ist das?
Sicher, natürlich Yin + Yang, in meiner Version eine Mutation dieser philosophischen Kategorie im chinesichen Daoismus.
Aber wozu dient dieses Teil in der Alltäglichkeit?
Lösung am Ende des Textes.
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Spiegel, 30.7 – 5.8. 2016

Markus Feldenkirchen polemisiert im „Spiegel“ und beklagt herrisch, dass es zu den kulturlosen Zügen des Menschen gehört, Tod und Tragödien zu missbrauchen, um zu zeigen, dass man recht hatte, dass die AfD diese Eigenschaft besonders pflegt und Seehofer, „wenn er nicht schon CSU-Chef wäre, auch einen prima AfD-Chef abgäbe.“

Dieses Frontalurteil erscheint mir unnachahmlich simpel.
Sarah Wagenknecht sollte man dann, gefördert durch ihre politischen Grundsatzpositionen, gleichfalls in die AfD bitten.
Seehofer und Wagenknecht, ein feines Team.

Mir geht es aber weder um Seehofer und Wagenknecht und mitnichten um die „Alternative….“

Doch mit welch rüpeligem und schlichtem Populismus Feldenkirchen seine vulgär-infantile Sicht auf aktuelle Abläufe herauswürgt, ist schon beachtlich.
Seehofer sagte:“ Wir haben in all unseren Prophezeiungen recht bekommen.“

Man kann diese Meinung akzeptieren, man kann es auch lassen.
Doch sollte darüber geredet werden.

Mich irritieren aber Feldenkirchens Aktionen, erneute Hinweise auf zur Realität gewordene Prophezeiungen mit tragischer Grundtendenz innerhalb des Katalogs menschlicher Verhaltensmuster in der Kategorie „kulturlose Züge“ abzulegen.

Ich schreibe nicht von nebulös biblischen Prophezeiungen, von Nostradamus, gleichfalls nicht von Kassandras Lärm, von albernen Handlese-Orgien und Kartentricksereien.

Eher von berechenbaren, nachweislichen Ereignissen tragischen Zuschnitts.
Dabei sollte man die etwas diffuse „Prophezeiung“ durch Warnung oder Mahnung ersetzen.

Prophezeiungen, Mahnungen, Warnungen im 20.Jahrhundert (Auswahl):

Ich denke z.B an das Wahlplakat der KPD 1932 zu den Reichspräsidentenwahlen:
„Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg.
Sie hatten recht.
Ich denke auch an die Inhalte der Flugblätter der Geschwister Scholl, von Probst, Ferkel, Schmorell…., die im Treppenhaus der Universität München vor Jakob Schmids Nazifresse flatterten.
Sie hatten recht.
Und ich denke ebenso an Warnungen vor der Verwüstung, Verdreckung, Erhitzung, Vertrocknung, Artenvernichtung, Gletscherlosigkeit…..der Erde oder an Mahnungen von Architekten, dass ein geplanter Hausbau keine Sicherheit bei Erdbeben garantiert und „Tod sowie Tragödien“ (siehe Markus Feldenkirchen) nicht ausgeschlossen werden können.
Sie hatten oder werden recht haben.

Und Mahnungen, nach der Tragödie von den damaligen Mahnern erneut ausgerufen und Warnungen, nach der Tragödie von den damaligen Warnern erneut ausgerufen, können doch nicht als simple Rechthaberei und als frohlockende Zufriedenheit über den tatsächlichen Eintritt der Tragödien erniedrigt werden.
Tod und Tragödie also als Wichsvorlage für die eigene, egozentrische Bedeutung.
In welchem Morast rotieren Ihre Welten, Herr Feldenkirchen?

Denn diese Hinweise auf grausig erfüllte Prophezeiungen appellieren auch an unbedarfte Gemüter wie Markus Feldenkirchen, um künftig genau diese Mechanismen auszuschließen, welche Tragödien förderlich sein könnten.
Für dieses Verständnis bedarf es doch keineswegs überbordend anspruchsvolle Gedankenketten, Herr Feldenkirchen.
Doch ähnlich einem Leipziger Journalisten (JK), der jedem pissenden Hund an einem Ahornbaum und jedem Hydranten hinter einem Ahornbaum ein keckes „Nazischwein“ zukreischt, wird man wohl eher einem Tapir die selbstständige Pediküre als Feldkirchen das Vermögen zu Toleranz beibringen können.

Und die Akzeptanz des Volkes, Herr Feldenkirchen, für die Politik Merkels und Seehofers schwingt momentan in bemerkenswerter Gleichgewichtigkeit.
Sie können also millionenfach „kulturloses Grobzeug“ zwischen die deutschen Grenzlinien brüllen. Um sich selbst intellektuell und sprachlich maximal zu fordern, sollten Sie hin und wieder einen herben „Nazisack“ einschieben.
In den Freundeskreis um Seehofer wurde ich noch nicht aufgenommen, auch die AfD unterzog sich deswegen noch keiner Mühe.
So wird es bleiben.
Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren über die Kontinente gereist und habe mit heißen Herzen deren Kulturen aufgenommen. Mexiko, Südafrika, Kambodscha, Vietnam, Dübener Heide, Usbekistan, USA, Türkei….für mich gibt es keine Grenzen oder Wertigkeits-Hierarchien.
Doch sollte es gelingen, über politische Irrtümer und Missgeschicke in mühsamen Zeiten zu debattieren, ohne sofort als rechtsradikaler Klops angekräht zu werden.

Denn das Ziel sollte sein, ein gedeihliches Zusammenleben zwischen einheimischer Bevölkerung und Zuwanderern, Flüchtlingen, Asylanten…..zu garantieren.
Und dabei genügt es mitnichten, Teddys und selbstgemachte Marmelade und Möhrchen im Glas auf Bahnhöfen zu verteilen, und danach nur noch einfältige Beiträge zu schreiben.

Doch Markus Feldenkirchen bastelt unbeirrt mit grobschlächtig interpretierten Ausgangsmaterialien und unerquicklicher Anmaßung an waghalsig gefahrvollen Gut-Böse-Diagrammen.

Er betitelt seinen Text „Unter Gartenzwergen“ und bezieht sich dabei auf „Element of Crime“ und auf deren Hinweis, dass Menschen ohne Klarheit in der Sprache nur als Gartenzwerge agieren können.
Abgesehen davon, dass ich diese Feststellung in die Rubrik „Bekloppte Sprüche“ aufnehmen möchte, muss ich Ihnen, Herr Feldenkirchen, tatsächlich eine klare Sprache zugestehen, eine Sprache der Zwietracht, der bornierten Enge und einer intellektuellen Askese.
Doch trotz dieser Klarheit erreichen sie nur die Schnürsenkel der Gartenzwerge.

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Des Rätsels Lösung
Yin + Yang, zusammengestellt aus zwei Tür-bzw. Fensterklammern.
Mein Gott, bin ich eine kreative Ausnahmeerscheinung.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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August 7, 2016 - Posted by | Leipzig

1 Kommentar »

  1. […] Das interessiert Kunstkritiker Henne überhaupt nicht. Er legt nach. Am 7. August 2016 bemerkt er (ohne aktuellen Anlass meinerseits): Doch ähnlich einem Leipziger Journalisten (JK), der jedem […]

    Pingback von von keulen und kriminellen kunstkritikern | Jens Kassner | August 24, 2016 | Antworten


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