Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Bundesliga, 2.Liga, 3.Liga, Regionalliga, Silly im Trikot des Feindes, Gothaer Liebespaar, Schreier und Adam als Perlenfischer und Jürgens Eichelhäher

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Eichelhäher,Pfingsten

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Leipzig,Pfingsten

Vergelt`s Gott, dass ich während dieser Sekunden des Pfingstmontags die überraschende Fauna auf unserem Balkon sah und mich meinem Halbinteresse der Ornithologie zuwenden konnte (Eichelhäher, oben) und nicht im Schneidepunkt der Diagonalen vor Leipzigs Altem Rathaus verröchelte.(Aufstiegsfeier RBL, oben).

Ich verfolge oberflächlich die Bundesliga, sehe dieses und jenes WM-Spiel, bzw. jenes und dieses Spiel.
Doch dieser oder jener Wahnwitz der Berichterstattungen in allen Medien irritiert mich doch etwas.

Silly hat während des Konzerts zur Feier auch Trikots anderer, unterklassiger Mannschaften „des Ostens“ übergestreift.
Und sofort wird gekräht, gekreischt, getobt, Silly muss Stellung beziehen, sich rechtfertigen. Erwachsene Menschen bei Zeitungen und Radio berichten täglich darüber, Leserpost wird veröffentlicht, nur weil erwachsene Menschen sich irgendwelche Kleidungsstücke übergeworfen haben.
„Am LVZ-Lesertelefon gab es kaum ein anderes Thema“, erläutert stolz die Leipziger Tageszeitung.
„Hier regiert der RBL“ wurde gebrüllt.
Auf der ersten Seite der Zeitung steht dann auch markig: „RB-Aufstiegsfeier: Nachspiel für Silly und Aufregung für Hymne.“

Denn Sebastian Krummbiegel hat ein Vereinslied für RB Leipzig komponiert.
Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt in Leipzig…..passt sie oder passt sie nicht, passt sie oder passt sie nicht, passt sie oder passt sie nicht…….

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Château d`If

Doch welches Nachspiel erwartet Silly. Vielleicht die Einkerkerung im Château D´If mit der Großmutter des Grafen von Monte Christo als Wächterin und gekleidet mit dem Trikot RB Leipzigs

Derartig gnadenlose Identifikationen mit Ideologien, Staaten, Vereinen, Lebensweisen, und Personen sind mir hochgradig fremd.

Ich stand im August 1990 in der vierten Reihe vor der Bühne auf der ehemaligen Rennbahn in Berlin, hinter mir etwa 100 000 Landsleute, von 16-0.30 Uhr, über acht Stunden am heißesten Tag des Jahres, mit Guns N`Roses als Vortruppe. Vermute ich zumindest.
Und dann knallte gegen 21 Uhr „Start me up“ durch die dunkle Arena.
Und hätte Mick Jagger ein Trikot der Beatles getragen, von Roger Whittaker oder Frank Zander, es hätte mich nicht interessiert.

Liebe Fußballfreunde, seid souverän und lasst doch Silly sich anhosen, wie sie wollen.
Im Stadion entscheidet sich ein Spiel und nicht bei der Kleiderausgabe.

Seit fünfundfünfzig Jahren höre ich Radio und habe schon früh die häuslichen Bildschirmfluten auf die absolute Notwendigkeit reduziert.
Die funktionierende Abstelltaste ist eine feste Größe.

An Wochenenden gibt es in öffentlich-rechtlichen Programmen fünf Stunden Fußball, nachmittags. Übertragungen von Relegationsspielen erhalten am Wochenende drei Stunden Sendezeit. Dritte Programme servieren vier Stunden Fußball der 3. Liga, nachmittags. Tags darauf vier Stunden Fußball von 3.Liga und Regionalliga, bald darauf ab 20 Uhr das Pokalspiel von Sachsen/Anhalt. Gestern Fußball auf ARD, abends. Heute Fußball auf ARD, ab 19 Uhr.
Ich dächte, es gäbe Sportkanäle.
Oder es flimmert dusslig ein „Tatort“ aus dem 14.Jahrhundert aus dem Karton.


Unbegreiflichkeiten des Tages

Gotha-Schloss-Friedenstein

Gotha, Schloss Friedensstein, mit einer bemerkenswerter Sammlung mittelalterlicher Kunst (z.B. „Gothaer Liebespaar „, spätes Spätmittelalter)

I..
Den Preis der Kulturstiftung in Gotha erhält in diesem Jahr Karats Song „Über sieben Brücken musst Du gehen“
Begründung: „Nirgends wird europäische Geschichte so plastisch erlebbar wie in der Historie diese Liedes.“
Toll.
Doch abgesehen davon, dass ich bei dieser musikalischen Gurke grundsätzlich den Raum verlasse, könnte ich eine Reihe verdienstvoller Dichter, Maler, Komponisten angeben, welche die 5000 Euro eher wert ist als die Schöpfer dieser paar Minuten Musikgequassel von 1978 und außerdem finanzell auf besorgniserregenden Ebenen lebt.

Außerdem musste ich besonders plastisch die europäische Geschichte erdulden, als ich für ein halbes Monatsgehalt Schallplatten von Cage, Stockhausen, Rolling Stones, Hendrix…aus dem „Westen“ erwarb, um dann vor meinem Mono-Gerät in die Knie zu gehen.

II.
Pizzabäcker aus der gesamten Welt haben in Neapel eine Pizza gebacken, Länge 1,8 Kilometer.
Verwendet wurden 2000 Kilo Mehl, 1600 Kilo Tomaten, 2000 Kilo Käse, 200 Liter Öl, 30 Kilo Basilikum.

Ich bin Nonsens gegenüber außerordentlich aufgeschlossen und erfreue mich an allen skurrilen Abläufen dieser Welt.
Doch hier endet der Spaß.

Und die Leipziger Volkszeitung schreibt von einem Fabelweltrekord, als wäre der erste Läufer über hundert Meter unter sieben Sekunden gelaufen.

Und sie schreibt von einer Riesenpizza, die neue Maßstäbe setzt, als hätte man neue Behandlungsformen gegen alle Seuchen dieser Welt gefunden oder einen Plan vorgestellt, der dickhäutige Wildtiere schützt vor Schlaff-Kunos, die mit deren Hörnern und Stoßzähnen sich eine Dauerlatte organisieren wollen.
Diese neuen Maßstäbe sollte man sich wünschen.

Doch vermute ich, bald wird eine Pizza mindestens 1,9 Kilometer messen.

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Arien des Tages

I „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“/Dvorak

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II „Am Abend war`s“ / „Der Tempel Brahmas strahlt“/ aus „Die Perlenfischer“/Bizet

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Aus meinem Single-Besitz. Die Scheibe hat alle Umzüge weitgehend unverletzt überstanden. Mit Schreier, Adam, Suitner, also keine schlechte Truppe, wohl vom Beginn der 70er Jahre.

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Perlenfischers Hülle.
Spuren hemmungsloser Musikabende, anfangs Mono mit Lautsprecher im Deckel.

Innerhalb einer Rundfunk-Sendung wünschte sich Markus Lüpertz diese Arien. Sehr überraschend, doch eine gute Wahl.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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Mai 21, 2016 - Posted by | Leipzig

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