Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Meistergrafiken in Leipzig und die Menil-Collection in Houston (Texas)

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Kulturtipp des Monats:

Grafiken der vergangenen, fast sechzig Jahre, in der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Wächterstraße 1, gleich hinter dem Bundesverwaltungsgericht, früher Reichsgericht und Dimitroff-Museum (mit Museum der bildenden Künste).

Ich bewerte mich durchaus als tauglich, kunsttheoretisch diese einzelnen Arbeiten heterogenen Zuschnitts als wesentliche Beiträge einer Kunst im Verlauf der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts zusammenzuführen und erachte mich gleichfalls befähigt, jeden einzelnen Teilnehmer der Ausstellung tiefsinnig und gebührend einzuordnen.
Denn seit vierzig Jahren zelebriere ich u.a. Werke dieser Ausprägung als Mittelpunkt meiner kulturellen Bedürfnisse.
Doch erstens fehlt mir dazu die Lust, zweitens würde der Textumfang die Grenzen dieser Kommunikationsform aushebeln und drittens interessiert das ohnehin kein Schwein.
Ich verbleibe also mit einer Empfehlung, mit der Werbung für eine bemerkenswert ansehnliche Ausstellung.

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Die geballte Ladung amerikanischer Pop-Art

Hier etwas Andy Warhol, dort etwas Jasper Jones, hier etwas Roy Lichtenstein, dort etwas Allen Jones, hier etwas Robert Indiana…….

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…..dort etwas Robert Rauschenberg, der frühe Katalysator für Pop-Art.

Eigentlich fehlen vom inneren Kern nur noch Claes Oldenburg, Tom Wesselmann und James Rosenquist.
Also eine ordentliche Quote.
Eine Ausstellung mit Rosenquist sah ich während der 90er Jahre in der Berliner Guggenheim-Zweigstelle in Berlin, UNTER DEN LINDEN.
Oder vielleicht doch besser Dependance, das klingt wissender, kompetenter als Zweigstelle, wie Zweigstelle der Sparkasse. Wer sagt schon Zweigstelle, es verweist zweifellos auf eine intellektuelle Behäbigkeit. Zweigstelle.
Niederlassung ist ähnlich bekloppt. Zweigstelle und Niederlassung. Nur für Blöde.

Ähnlich wie: „Mir fehlt die Zeit“ oder „Ich habe keine Zeit“, eine Sprache für Deppen. „Das passt nicht in mein Zeitfenster“, so erwarte ich aktuelle Sprache.
Oder „dieses und jenes ist noch unbesetzt“ oder „steht noch zur Verfügung“. So spricht nur der gescheiterte Dödel, das intellektuelle Pantoffeltierchen.
„Vakant“ muss es heißen. Einfach nur „vakant“. Sonst müsste man ja einen Satz formen.
Mir ist nur ein Vakantschlüssel bekannt. Vielleicht auch Vierkantschlüssel, vermutlich aus handwerklichen Bereichen. Nicht gerade meine Domäne.

Jedenfalls war die gesamte Halle der Guggenheim-Zweigstelle nur mit zwei Bildern von monströsen Abmessungen gefüllt. Straßenfahrzeuge glänzten und funkelten mit einer Tendenz zum Fotorealismus.
Nicht ganz so mein Wunschformat, dennoch unvergesslich.

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Das deutsche Angebot, u.a. mit Willi Baumeister und Walter Stöhrer aus dem erweiterten Grenzbereichen des germanischen Informel.

Mit ihren besten Werken kann die informelle Kunst deutscher Ausprägung durchaus den europäischen und nordamerikanischen Ergebnissen vergleichbaren Zuschnitts zur Seite gestellt werden.
Ich denke da z.B. an Gerhard Hoehme, Fred Thieler, Otto Greis, Karl Otto Götz, Bernard Schultze und natürlich der Elite-Maler Emil Schumacher.
Götz müsste inzwischen das erste Jahrhundert seines Lebens bewältigt haben.

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Walter Stöhrer

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Mein hochverehrter Antoni Tàpies aus Barcelona.

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John Cage als bildender Künstler.
Auch Schönberg malte heftig expressionistisch.
Und E.T.A. Hoffmann hat ohnehin bei allen Künsten dieser Welt Brauchbares geschaffen.

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Eduardo Chillida, der unschlagbare „Iron Man“ innerhalb der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. Er bevorzugte Eisen als Material. Eben darum „Iron Man“. das kann doch gar nicht so schwer sein.
Wer seine plastischen Arbeiten kennt, wird ohne zögernden Augenblick sowohl diese Lithografie als auch die Aquatinta dem Spanier zuordnen

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Cy Twombly, für mich von einsam-qualitativer Kategorie.

Dennoch eines der wenigen Bilder dieser Ausstellung, das mich etwas irritiert.
Als exzessiver Twombly-Verbraucher habe ich mich an eine andere Bedeutsamkeit seiner Kunst gewöhnt.
Ich blättere fast täglich in einem wundervollen Band der „Menil Collection“ (Houston/Texas), auf deren Terrain Neunzehnhundertfünfundneunzig die Cy Twombly Gallery eröffnet wurde.

Einhundertundfünf Farbtafeln von Twombly, damit kommt man vorzüglich über den Tag.

Außerdem bietet die „Menil Collection“ afrikanische, pazifische, mittelalterliche, byzantinische Kunst sowie u.a. Flavin, Basquiat, Reinhardt, Duchamp, Lam, Rothko, de Kooning, Stella, Newman, Suvero, Matisse, Mondrian, Seurat, Johns, Rauschenberg, Tinguely, Picasso, Dubuffet, Lichtenstein, Klee, Ruscha, Warhol, Ray, Wols, Braque, Schwitters, Rothko, Miro, Klein, Brauner, Picabia, Fontana, Giacometti, Oldenburg, Oppenheim, Bacon, Kelly, Bellmer, Pollock, Matta, Calder, Serra, Morris, Still, Nauman, Kiemholz, Gorky……
Damit kommt man vorzüglich über den Monat.
Ich habe soeben beschlossen, nicht eher in die Kiste zu steigen, bevor ich diese Sammlung im Süden von Texas besucht habe

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Christo kann eben nicht nur Brücken, Steilküsten und Reichstage verpacken. Mit der sensiblen Technik des Siebdrucks gelingt ihm die sorgfältige Umhüllung eines Baums.

Bis 28.November
Di. – Fr. 14 – 18 Uhr
Sbd. 12 – 17 Uhr
Ohne Eintritt



juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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November 18, 2015 - Posted by | Leipzig

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