Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, eine Möwe in Bansin und die Belebung der Bilder durch Vögel

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Usedom, September 2015

Mein Gott, was bin ich doch für ein begnadeter Fotograf !

Die Möwe ermuntert mich zu einer ungesteuert erdachten Fingerübung, ohne gedruckte Lexika und Wikipedia.

Der Vogel in der Kunst – Eine spontane Blödsinnigkeit

Eine chaotische, gnadenlos anspruchslose und überflüssige Aufzählung. Einfach nur eine Senioren-Beschwichtigung und die Feststellung, bzw. Hoffnung, dass mein Cerebrum als Erinnerungs-Gelee noch nicht als Sülze verarbeitet werden sollte.

Innerhalb der prähistorischen Kunst sind mir keine Vogeldarstellungen gegenwärtig.
Altamira und Lascaux, ich stand schon fasziniert vor beiden Höhleneingängen, bieten Bisons, Wisente, Pferde, Rehe, Antilopenartige, doch keine Vögel.
Mit den damaligen Jagdmaterial sicher schwer zu erlegen und nahrungsmitteltechnisch etwas zu dürftig, um eine Herde menschlicher Frühformen zu sättigen. Deshalb unergiebig für gemalte Vorbereitungsriten.
Eine nebulöse Erinnerung könnte bei mir vielleicht in Altamira enden, mit Abbildungen weniger, sicher flugunfähiger Vögel.

Voluminöse Vierbeiner wurden natürlich bevorzugt.

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Lascaux

Um 15000 v.Chr. oder älter. Die Forschung ist sich uneinig.
Ohne Vögel

Diese vollendete Abstraktion berauscht mich.

Als Picasso erstmalig in der Höhle von Lascaux stand, soll er gesagt haben: „Wir haben nichts dazugelernt“
Es wundert nicht, dass gerade Picasso diese Höhlenkunst feierte. Denn auch bei ihm genügte z.B. ein gekrümmter Strich und das Rudiment eines Stieres zeigte sich unverkennbar.

Ich erinnere mich aber z.B. an die altägyptischen Wandmalereien mit Nilgänsen und an Giottos Franziskus-Gespräche mit Vögeln, in Asissi.

Natürlich Picassos Taube. Überhaupt wird dieses Flattervieh ausgesprochen häufig als ikonografisches Mittel genutzt. Im Zeichen der Trinität (El Greco im Prado/Madrid), als Arche-Passagier, den Noah über das Wasser jagt (Paolo Uccello, ich vermute in Florenz, Santa Maria Novella ? Ich spüre etwas Unsicherheit) oder als Attribut von Thomas v. Aquin.
Auch bei Michael Pachers spätgotischem Kirchenväteraltar gurren weiße Tauben durch die engen Kirchenväterkisten (München, Alte Pinakothek).

Körperlich üppigere Dimensionen erreicht der Adler.
Zu allen Zeiten der Kunstgeschichte hockt er dem Evangelisten Johannes zur Seite (bei tausenden Altären zu beobachten). Prometheus, dem Feuerspender, knabbert er unablässig an einem unverzichtbaren Organ (Gustave Moreau, Paris, Gustave-Moreau-Museum), Halbgott Ganymed kreischt pinkelnd in den grobschlächtigen Adlerklauen (Rembrandt, Dresden, Kunstsammlungen) und innerhalb der Heraldik ist der Raubvogel ohnehin Stammgast.
In griechischen und römischen Kulturen thronte der Adler als Attribut oberster Götter, desgleichen in Sumer oder bei den Hethitern.
Um 1100, etwa in salischer Zeit, wurde er zum Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Dem Pinguin gelang das nie, sehr „niedlich“ aber vielleicht auch etwas albern, weniger herrisch wie der Adler. Außerdem schlurfte es zu weit im Süden.

Auch der Schwan bleibt nicht unbeachtet. Besonders Zeus, das alte Ferkel, wird bei der Annäherung an Leda mit dessen Erscheinung gekennzeichnet. Von dem französischen Rokoko-Maler Francois Boucher gibt es dazu einige feine Beschreibungen.
Im Moskauer Puschkin-Museum hängt ein Stillleben mit totem Schwan des flämischen Malers Frans Snyders, doch eher eine Seltenheit. Snyders malte oft im Atelier von Rubens, wodurch die Urheberschaft einzelner Bilder nicht eindeutug zu klären ist.
Außerdem agierte er auch als Zuträger des Tittenmalers und vollendete dessen Arbeiten mit einem Stillleben oder einer Jagdszene.
Bei Jagd-Küchen-Wald-u.Mahlzeitstillleben dominiert doch eher das vierbeinige Wildbret, gelegentlich auch Fasane, Rebhühner, Wildenten und Hühnerartige. Außerdem reichlich Fisch.

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Zeisig

In der Gemäldegalerie Berlin hängt Dürers Bild „Madonna mit dem Zeisig“
Kleinkind Jesus lümmelt dabei auf Marias Schoß, während auf seinem Wulstarm ein Zeisig ihm seinen Auftrag, seine Bedeutung und Passion einflötet.
Der Zeisig ernährt sich u.a. von Disteln, also ein direkter Hinweis auf die abschließende Leidensgeschichte.

Eine ähnliche Mission erfüllt der Stieglitz, auch als Distelfink bezeichnet.
Der Niederländer Carel Fabritius hat einen wundervollen Distelfink gemalt.
Fabritius kam bei einer Detonation in Delft ums Leben. Doch zuvor malte er noch diese köstliche „Torwache“ (Kunstmuseum Schwerin).

Ein Tummelplatz für alles Federvieh dieser Welt sind Paradies-u.Paradiesgartendarstellungen.
Auf der zinnenartigen Mauer des „Frankfurter Paradiesgärtleins“ (Frankfurt/M, Städel) vom Beginn des 15.Jahrh. hüpfen, zwitschern und grölen die vielfarbigsten Paradiesvögel.
Während ein drachenähnlicher Unhold als Symbol des Unglaubens und der Bösartigkeit auf dem Paradiesrasen bereits verbleicht ist (rechts unten) und daneben ein Affe, gleichfalls von dämonischem Zuschnitt, auch keine gute Figur abgibt.
So einfach kann christliche Ikonographie sein.

Und irgendwie ist jedes Tier einmal dran, einschließlich der Vögel, mit unterschiedlichster Wertigkeit.
So kann ein Pelikan durchaus als Christussymbol agieren, eine Henne als Symbol der Beharrlichkeit. Ich vermute, weil sie so dümmlich und ausdauernd in irgenwelchen Haufen scharrt.
Mir fielen jetzt noch spontan die Amsel als Symbol der Versuchung, die ungläubige Eule, der geizige Rabe und die eitle Elster ein.

Auch als Wasserspeier an Kirchen, besonders seit romanischen Zeiten, wurden vogelähnliche Wesen mit meißt unsympathischer Grundstruktur eingesetzt.
Ihre vorrangige Aufgabe bestand ja darin, Dämonen vom Gotteshaus abzuwehren. Das äußere Erscheinungsbild eines Quasimodo erschien deshalb natürlich wirkungsvoller als ein gemeiseltes Porträt von Marilyn Monreo.

Kapitelle und Archivolten wurden gehäuft mit vogeligen Motiven gefüllt (Hamersleben, Laon, Amy)

Auch bei Illustrationen zur Fabel, dieser schulmeisterlich belehrenden Wundertüte voll edler Moral und Sittlichkeit, verkünden fliegende Wesen mit menschlichen Umgangsformen das eherne Ziel vom Triumph des Guten und Klugen.
Äsops Einsatz von Adler und Storch oder La Fontaines „Taube und Ameise“ oder „Rabe und Fuchs“ wären dazu gewichtige Beispiele.
Paul Klees „Zwitschermaschine“ oder die geflügelten Zweibeiner in den Frottagen und Collagen bei Max Ernst zeugen u.a. von der Nutzung dieser Wirbeltierklasse für symbolische Verallgemeinerungen im 20.Jahrhundert

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„Der Fischersohn“ – Grusinisches Märchen

Aus „Die Wunderblume“.
Mein kindliches Lieblingsbuch in der Sparte Märchen.

Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1957
Illustration:Gerhard Gossmann

Der Vogel als Opfer und als furchtloser Akteur

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„Werlioka“ – Russisches Märchen

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„Der Edelsteinberg“ – Turkmenisches Märchen

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„Der Fuchs und der Adler“ – Ewenisches Märchen

Und da blieben natürlich noch die vogelartigen Ungeheuer Rok, Greif, Phoenix, Harpien, Basilisk, Sirenen….natürlich weniger in der christlichen Ikonographie ansässig, eher aus persischen und griechischen Mythen und so weiter und so anstrengend……

Es gäbe noch viel zu schreiben. Doch ich ermüde.
Und jetzt bereite ich mir einen Reiseintopf, mit Hühnerfleisch


Zugabe

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Leipzig, Verkaufseinrichtung, 10.September…..würg.

Vorfreude, schönste Freude, Freude im Advent……



juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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September 14, 2015 - Posted by | Leipzig

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