Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und ein Leserbrief an „Die Zeit“ (14.8.2015) zu einem Gespräch mit Juli Zeh, letzte Seite des Magazins. Außerdem die Weiterführung der außerordentlich begehrten Serie: Wo ist der Jürgen?

Sehr geehrte Damen und Herren,

Juli Zeh zog vor einigen Jahren von Leipzig in ein Dorf Brandenburgs, in der Hoffnung,dem „Polizeistaat“ Leipzig entfliehen zu können. Sie konnte Verbote, bzw. Einschränkungen in öffentlichen Arealen nicht mehr ertragen.
Sie sprach von Regelwut und Sicherheitswahn

Sie nervte das Verbot einer Radtour auf Bürgersteigen, einer Anleinung von Hunden in bevölkerten Bereichen und der Lärmreduzierung, gleichfalls in Zonen mit gehobener Homo-sapiens-Dichte.

Sie akzeptiert dabei abgefahrene Kleinkind-Beine und vom Fahrradlenker zerstörte Rentner-Nieren, sie verharmlost gleichfalls zerfleischte Säuglingsgesichter, hündisch organisierte Risswunden in breiter Palette und billigt den lärmenden Einfluss auf die nächtliche Schlafnotwendigkeit für Kinder und Mitmenschen mit entsprechenden Arbeitsrhythmen.

Aber dann freut sich Juli Zeh über ihren brandenburgischen Nachbarn, der seine Kreissäge erst ab 14 Uhr zum Einsatz bringt, die Stunde der Bettflucht von „Nachteule“ Zeh.

Sie folgert aus dieser freundlichen Geste, „….dass die Grundlage aller Freiheit Rücksichtsnahme ist.“

Ich erstarrte bei dieser vielleicht wahren, doch unerträglich populistisch- „philosophischen“ Mundhöhlen-Blähung, verglichen mit den Gründen ihrer Leipzig-Flucht (siehe oben).

Also Rücksichtnahme auf Julie Zeh, außerhalb ihres Einzugsgebietes darf herumgehackt werden.

An die Mittelmäßigkeit ihrer Literatur habe ich mich gewöhnt, sie interessiert mich nicht mehr.

Doch die Unaufrichtigkeit, die Manie nach medialer Präsenz und eine Spießigkeit, die nur Abläufe gelten lässt, die ihren infantil strukturierten Freiheitsvorstellungen entsprechen und andere Möglichkeiten eines zivilen, freiheitlichen Lebens in die Kategorie „Polizeistaat“ einordnet, um dann, bei egozentrischem Bedarf, leichtfüßig die anfangs vorgestellten Positionen zu verbiegen, beunruhigt und erheitert mich zugleich, ihrer markanten Dürftigkeit wegen.

Liebe Juli Zeh, bleiben Sie in Brandenburg, Leipzig braucht Sie mitnichten.

Und weshalb muss ich ….„lockte mich die Stadt mit einem Freiheitsversprechen…“ lesen und kurz darauf…„Freiheit war damals im Osten ja noch ein Versprechen…“
Was für ein doppeltes Gesülze! Ein Gespräch des Grauens.

Natürlich ist Deutschland eine Republik ausufernder Verbote und Anordnungen.
Doch im Angesicht von Merckx-Fanatikern und unangeleinten Hunden aus Baskerville in belebten Stadtarealen sowie der nächtlichen, phonstarken Belästigung durch zumeißt grauenhaft schlechte Musik, die selbst Wildkanichen zur Ohrenverstopfung treibt, kann ich kein Argument gegen gewisse Maßregelungen finden.
Denn wie sagte schon Juli Zeh: Die Grundlage aller Freiheit ist Rücksichtnahme.

Jürgen Henne

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de

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IMG_0365

Aus der schier unglaublich begehrten Serie „Wo ist der Jürgen ?

Heute: Wo ist der Jürgen auf einer Insel ?
Kenmare, Steinkreis, Südwest-Irland.

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August 17, 2015 - Posted by | Leipzig, Literatur, Neben Leipzig, Presse

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