Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne mit Verstreungen und Verstrickungen, Freude und Flaute von 0 bis 0 oder 12 bis 12

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Jürgen Henne als Meister der Organologie…..

Violine und Klavier im Schlösschen (Gohliser Schlösschen in Leipzig/Gohlis).
Eine Konzertanzeige in der einzigen Leipziger Tageszeitung (1./2. August).

Im weiteren Text wird dann die Teilnahme des Pianisten und eines Cellisten angekündigt.
Ein Cellist bei einem Konzert mit Werken für Klavier und Violine.
Das lässt mich durchaus stutzen.
Sicher sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, nicht päpstlicher sein als der Papst, nicht den Kümmel aus dem Käse pulen und überhaupt die Kirche im Dorf lassen.

Und sicher rüttelt oder streicht man mehr oder weniger gewalttätig sowohl am Cello als auch an der Violine mit einem Bogen über die Saiten.
Beide Hohlkörper wurden in die Kategorie Streichinstrumente aufgenommen.

Ich stelle mir aber nun vor, in einem Konzertprogramm werden Hendrix-Variationen für Klavier und E-Gitarre annonciert, ein Zupfinstrument.
Auf der Bühne stehen aber ein Klavier und eine Harfe, gleichfalls ein Zupfinstrument. Also dann „Purple Haze“ und „Voodoo Child“ in Debussy-Manier.
Ich liebe Debussy, aber „All Along the Watchtower“ (Eigentlich von Dylan) an der Harfe. Müsste man sich daran gewöhnen.

Oder ein Konzert für Klavier und Triangel wird empfohlen, eindeutig ein Schlagzeug.
Doch die Bühne betreten ein Pianist und ein Kesselpauker, also ein Schlagzeuger für ein Schlaginstrument.
Als Ersatz für lieblich sanfte Triangelmusik ist die Kesselpauke nur bedingt geeignet. Eher als akustische Grundierung auf Charons Fähre bei der Fahrt auf dem Styx, unterstützt durch die dusslige Bellerei von Kerberos.

Oder der feierlich majestätische Gong (bzw. Tamtam), natürlich Schlaginstrumente, bei Mussorgskis Kiew-Tor wird durch eine Kesselpauke ersetzt. Oder durch eine Triangel oder durch ein Tamburin, auch ein Schlaginstrument.

Und wenn ich ein Stück Violine hören will, würde mich der Cello-Ersatz stören.
Und wenn ich mich auf ein Cello-Konzert vorbereite, könnte eine Violine missmutige Grundstimmung bei mir erzeugen.
So einfach ist Leben.
Natürlich sind beide Instrumente Wundergaben aus dem Elysium.

Ich bitte also, zukünftig die Benennung der Streichinstrumente in Beiträgen mit auffällig geringem Umfang präziser zu handhaben.

Ich weiß es immer noch nicht. Säbelte gestern, nur wenige Meter von meiner Behausung, nun ein Geiger oder ein Cellist an seinem Instrument herum.

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….. als bedeutender Züchter der Gemeinen Pertersilie…..

Für ein eingetragenes Mitglied der Senioren-Gesellschaft „Ewig köchle der Eintopf“ muss natürlich eine regelmäßige Ernte dieses Grünzeugs gewährleistet sein.
Nahrungssoziologische Umfragen machten deutlich, dass besonders der deutsche Mann eine kontinuierlich angebotene Schüsselverpflegung bevorzugt.
An meiner ausufernden Männlichkeit sollte deshalb nicht gezweifelt werden.
Und im sächsischen Ableger der UNESCO wird gemunkelt, meine Kartoffelsuppe und meine Erbsen-bzw. Reiseintöpfe zumindest in das mitteldeutsche Kulturerbe aufzunehmen.

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…..als Fachmann serieller Kunsttheorien in der Funktion eines Meisters der seriellen Fotografie (Leipzig/Eutritsch)…..

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…..als Meister der Obstbearbeitung (Johannisbeeren)…..

Wenn ich Mitmenschen begegne, die in Kaufanlagen ihren Beerenkorb mit ein paar Gramm vom benachbarten Gefäß anreichern, um sieben Cent zu sparen und sich dabei selbst und ihre atemberaubende Coolness feiern, würde ich gern die Aufforderung entgegennehmen: „Henker von Leipzig, walte Deines Amtes.“
Oder Pfirsiche kneten, bis der Fruchtstein sichtbar wird.
Oder wenn Brot und Brötchen bearbeitet werden, bis sich der Naseninhalt oder das feuchte Schamhaar von gerade abgeschlossenen Kratzhandlungen unter den schmutzigen Fingernägeln gelöst haben und mit der Teigware eine schmierig-körnige Einheit bildet.

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…..als Meister der Entomologie

Verbunden mit einem Beitrag der eher unregelmäßigen bearbeiteten aber beispiellos begehrten Serie: „Wo ist das Tier?“
Heute: „Wo ist die lebende Dekoration auf der Balkon-Flora?“

Filmtipp

„Die große Stille“
Über die „Grande Chartreuse“, Mutterkloster der Kartäuser, ein radikaler Schweigeorden, unweit von Grenoble.
Fast drei Stunden Natur-u.Klostergeräusche, einschließlich religiöse Abläufe.
Fast ohne die „normale“ menschliche Stimme.

Musiktipp

Brahms Konzert für Violine (es gibt nur das eine)
Dvorak Konzert für Violoncello (es gibt nur das eine)

Besonders geeignet für Journalisten (siehe oben)

Literaturtipp

Lyrik und Prosa von Ulrich Zieger (gest. 23. Juli 2015)

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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August 4, 2015 - Posted by | Leipzig, Musik, Presse, Verstreutes

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