Juergen Henne Kunstkritik

Der Leipziger Jürgen Henne und 1000 Jahre Leipzig in einer Leipziger Zeitung

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„Da staunst du…..was diese Stadt zu bieten hat“ (Zitat)

Überschrift zur abgebildeten Seite in Leipzigs einziger Tageszeitung (11./12. Juli 2015)

Zum 1000-jährigen Jubiläum Leipzigs erinnert das Blatt an „Bewundernswertes, Einzigartiges und Liebenswertes“ (Zitat)

Gegenüber der schier unzumutbaren Gestaltungsqualität dieses Bilderhaufens war ich vor über fünfzig Jahren ein wahrer John Heartfield.
Denn ich agierte in unserer Thälmann-Pioniergruppe als Wandzeitungsgestalter und musste z.B. Themen wie: „Unsere Deutsche Demokratische Republik – Meine Heimat“ bearbeiten.
Oder „Ein Pioniernachmittag bei unseren sowjetischen Patensoldaten.“

Aber nicht diese formale Demütigung für alle Leser beeindruckt mich, das ist Alltag.

Mich irritiert eher die Auswahl an „bewundernswerten, einzigartigen und liebenswerten“ Personen, Traditionen, Dingen und Abläufen.

Ist das oben rechts nicht Philipp Lahm, eine enge Verbindung zu Leipzig ist mir nicht erinnerlich. Aber vielleicht hat er einmal auf dem Hauptbahnhof Softeis geschlabbert.

Dann holpert noch unästhetisch eine Art Straßenbahn durch das Bild. Eine Seilbahn kann es ja wohl nicht sein. Leipzigs Berge schafft jeder fette Dackel.
Elektrisierte Straßenbahnetze wurden z.B. schon in Frankfurt, Gera Halle, Plauen, Hamburg, Dortmund, Chemnitz, Dresden, Erfurt, Gotha….. installiert, bevor Leipzig aus der Hüfte kam.
Also auch kein Originalitätsknaller.

Ich sehe dann noch Lottokugeln, keine Ahnung, weshalb.
Und irgenwelche goldenen Töpfe, deren Inhalt ich nicht erkennen kann, ich bin doch kein Mikroskop.

Außerdem gibt es noch einige asiatische Akzente, die lieblos zwischen die anderen Fetzen gekracht wurden. Ein Hinweis auf das Grassimuseum hoffentlich, das verstehe ich, das ist angemessen. Trotzdem bleiben es beknackte Aufnahmen.

Unten links verharrt ein Mann, der scheinbar an irgendwelchen Mammut-Bäumen nach oben schaut. Oder die Kakteen-Stacheln zählt. Toll, ein feiner Einfall.
Die Hässlichkeit des Messe-Männchens nervt mich ohnehin schon seit Jahrzehten, hat aber aussdehnungsmäßig einen höheren Stellenwert als Balkenhols Richard Wagner.
Etwas Messe muss natürlich sein, doch weshalb dieser Knallkopf?

Und das Buch. Ich sehe nichts Gedrucktes. Für die Buchstadt Leipzig etwas wenig. Gut, links oben lese ich „Fahrradweg“. Und einige Zahlen auf Lotto-Dreckdingern. Bleibt dennoch etwas wenig.

Und die Musik. Neben Wagner flötet noch etwas der Thomanerchor, der auf der Collage aber derartig bedrängt wird, dass die Matrosensänger bei der Johannis-Passion ersticken würden.
Und wer steht als Gigant neben den Thomanern, natürlich Frank Schöbel, der größte Sohn Leipzigs.

Kein Bach, kein Mendelssohn, kein R.Schumann, keine C.Schumann, kein Mahler, kein Grieg, kein Gewandhaus mit Nikisch, Furtwängler, Walter, Konwitschny, Neumann, Masur……nicht einmal Karl Liebknecht, Leibniz….

Nein, Frank Schöbel muss es sein. Er wurde immer Frankie-Boy genannt. An meinen Wänden hingen aber die Bilder von Jagger-Boy, Zappa-Boy, Hendrix-Boy, Marriott-Boy, Burdon-Boy, mitnichten Frankie-Boy.

Oder ich übersehe etwas.
Doch lange kann man diese Seite nicht anschauen, da bekommt man ja Augen-Scharlach.

Oder vielleicht doch Gewandhaus. Denn im Bild unten lächeln heiter ein Bassist und eine Blechbläserin (oder Holzbläserin?), sehr volkstümlich. Wirkt eher wie eine Schrebergarten-Hochzeit.
Doch, wer weiß das schon.
Den viereckigen Randtext habe ich nicht gelesen, meine Motivation näherte sich dem Mittelpunkt der Erde.

Außerdem blieben Ulbricht, Paul Fröhlich und Walter Kresse unberücksichtigt, das finde ich gemein.

Frankie-Boy Schöbel im kulturellen Zentrum von Leipzigs 1000-Jahr-Feier.
Das muss man mögen.

Musik der Woche

Mit einem Querschnitt von „Hüsker Dü“, „Bauhaus“, „Cabaret Voltaire“ und den „New York Dolls“ kommt man gut über die Woche.
Und danach vielleicht etwas Debussy


juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de
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Juli 14, 2015 - Posted by | Geschichte, Kunst, Leipzig, Presse

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