Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne bei Fred Thieler und Joseph Beuys in Chemnitz. Und mitnichten bei Klinger in Leipzig

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Fred Thieler

Art Informell,     Abstrakter Expressionismus,     Tachismus,     Farbfeldmalerei,    Color Field Painting,    Action Painting,    Hard Edge,    Lyrische Abstraktion,     Konkrete Kunst,    Art Brut,    Neue Pariser Schule,    Minimalismus…..

Bei dieser Kette edler Kunstangebote leuchten meine Seniorenaugen wie Arktur im Sternbild des Bärenhüters.

Um die vergangene Jahrhundertmitte wurden vorrangig in Amerika und Europa diese  Wunderkerzen gezündet. Sie gelten für mich auch noch heute als wuchtige Verlagerung künstlerischer Modelle und Strategien, seit vor zweihundertundfünfzig  Jahren sich Europa von flächendeckenden Kunstepochen verabschiedete und allmählich in jeder Region ein eigener, künstlerischer Brei köchelte.

Sicherlich hatten  auch Pollock, Tobey, Kline, Yves Klein…..ihre Ahnen. Bei guter Laune kann man bis William Turner zurückgehen oder bis  Ciurlionis, der seine Bilder nicht selten mit musikalischen Fachausdrücken betitelte. Und bei „Allegro“ oder „Presto“ begann er dann heftig zu spachteln. Auch Monets Seerosen haben vielleicht inspirierend gewirkt und Vincents letzte Bilder  mutierten zu einer einzigartigen, göttlichen „Schmiererei“. Und dann kamen natürlich Kandinsky und später Wols als Türöffner für den europäischen Tachismus.

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Jackson Pollock, aktiv

Und dann erreichte die Zeitrechnung die Jahre um 1950 und Pollock kam auf das Tablett,  gleichfalls die „Nouvelle École de Paris“, die informelle Truppe in Deutschland entwickelte sich ( Hoehme, Schumacher, Götz…) und Jürgen quickte erstmalig dümmlich in die Welt hinein. Welch grandiose Zusammenhänge.

R wie Raffael und Rothko,   P wie Pollaiuolo und Pollock,  T wie Tintoretto und Twombley,  F wie Fragonard und Francis,  B wie Botticelli und Bill,  D wie Dürer und Dubuffet,  S wie Schongauer und Still,  K wie Kalf und Kline, N wie Notke und Newman…….eine wundervolle Reihung. Ich sehe da auch keine qualitative Hierarchie zwischen den beiden R’s, den beiden F’s, den beiden N’s.  u.s.w…….alles herausragende Kunst.

Allerdings würde ich  sicher das Gedröhne einer kollektiven Kotzorgie ertragen müssen, wenn unsere Traditionalisten diese Zusammenstellung zur Kenntnis nehmen sollten, „denn früher konnten sie wenigstens noch richtig malen“ und „Triegel ist ohnehin der beste Maler der Gegenwart, der kann wenigstens richtig malen, so wie früher, ätsche, ätsche.“ Spätestens nach dem zweiten „ätsche“ verdrehe ich meine Augen gen Spinnweben, wende mich ab und dem Rotwein zu.

Als DDR-Depp  war mir eine tiefschürfende Beschäftigung mit dieser Kunst nur begrenzt möglich. Entweder man zog durch die Budapester Buchläden oder schloss sich Raubzügen an, die sich während der Leipziger Buchmessen an den westlichen Ständen organisierten. Die Verleger tolerierten  weitgehend diese Aneignungspraxis und schauten in den Himmel, wenn wieder einmal  Bücher unter weiten Mänteln verschwanden.

Eigentlich wollte ich aber nur auf zwei Ausstellungen verweisen.

Fred Thieler

Informelle Kunst aus Deutschland

Chemnitz, Museum Gunzenhauser, bis 21.September

Joseph Beuys

Zeichnungen

Chemnitz, Kunstsammlungen, Theaterplatz, bis 21. September

Wenn am Stammtisch über Beuys gesülzt wird, wird ausschließlich über die Fettecken gesülzt. Seine außerordentliche Eignung für die Zeichnung bleibt unbesülzt. Das ist schade.

Auch die ständigen Sammlungen der beiden Häuser sind dramatisch ansehnlich, schon Jawlenskys wegen (Gunzenhauser).

Da fahre ich eben nach Chemnitz, wenn in Leipzig über den Sommer nur Max Klinger und 199999 Bilder von allen „Leipziger Schulen“ zu sehen sind (Harry Blume, Hachulla, Mattheuer, Peuker, Rauch, Rink, Stelzmann, Tübke, H.Wagner, D. Ziegler…….schnarsch…Das zu Leinwänden gewordene Grauen).

 

Musik des Wochenendes

Vielleicht wieder einmal ein Dvorak-Fest.

Natürlich unbedingt das Cello-Konzert, natürlich die 9.Sinfonie, auch die slawischen Tänze sind hörenswert und die Streicher-Musik, ebenso Ausschnitte aus „Rusalka.“

Es muss ja nicht immer Feldman sein

Obwohl, nach Dvorak anschließend „Rothko Chapel“ und „For Samuel Beckett“ (für 27 Instrumente) von Morton Feldman könnte passen.

Oder das einzige Album von „Blind Faith“ (1969). Mit Eric Clapton, Ginger Baker, Steve Winwood und Ric Grech.

Immerhin besser als ein Quartett aus Gus Backus, Costa Cordalis, Wolfgang Lippert und Matthias Reim.

 

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

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Juli 28, 2014 Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig | Hinterlasse einen Kommentar