Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Art Deco und Josef Albers im Leipziger Grassimuseum, Rietveld in Utrecht, das schönste Verbrechen, Art Deco auf Java, eine Haupthalle in Frankfurt, Handwerker-Hymnen Ruskins, Turbinen-Grossberg, Plastik-Belling, King Kongs Art-Deco-Gefecht und der Würgreflex eines Backofens.

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Leipzig, Grassimuseum, Haupteingang

Der Eingabe „Art Deco“ in Wikipedia folgt der erste Blick auf Leipzigs Grassimuseum.
Also keineswegs werden zunächst die zahlreichen Buildings in den USA gefeiert, die zahlreich mit den Formen und Farben dieser Mode (?) – dieses Stils (?) montiert worden. Auch Reims, Brüssel, Sydney, die Frankfurter Hoechstwerke mit ihrer bemerkenswerten Konstruktion der Haupthalle oder Rietvelds Beitrag in Utrecht (das ist der mit dem Stuhl) werden zunächst ignoriert.

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New York, Chrysler Building

Aufnahme während meines ersten Aufenthalts in New York.

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New York, Chrysler Building

Selbst das Chrysler Building muss sich Leipzigs Museumsbau unterordnen.
Ich vermute, Le Corbusier sprach so liebenswürdig ambivalent über New York: „Das schönste Verbrechen“ oder „Die schönste Katastrophe“.
Der präzise Wortlaut ist mir entfallen.
Doch ein recht gelungenes Bonmot.
Bei „Art Deco“ wird immer die Frage nach der kunsthistorischen Rolle gestellt, Stil oder Mode ?
Das ist mir weitgehend Pansen.
Nach zwanzig Jahren (1920-40) wurde der Eklektizismus aus erlesener Plakativität, kultivierter Form und edler Werkstoffe, aus floraler Schablonisierung und flächig-dekorativen Meisterleistungen abberufen.
Natürlich ausschließlich der Vorgänger und Nachgänger (Brüssel, Palais Stoclet, Josef Hoffmann ; F.L. Wright in Los Angeles, beide Häuser am Beginn des 20.Jahrh. / Louisville, Kentucky, Humana Medical Corporation Building, 1.Hälfte 80er Jahre, 20. Jahrh.
Für eine Mode-Erscheinung der angemessene Existenzverlauf.
Andererseits überwand „Art Deco“ den Atlantik, Nordsee und Indischen Ozean(USA, Kopenhagen, Marrakesch, Java). Also doch einflussreicher als eine begrenzte Mode?

Natürlich ist „Art Deco“ ein Konglomerat von höchster Pefektion und mit vielfältigen Zutaten angereichert. Jugendstil, Neue Sachlichkeit, Bauhaus, Futur- u. Kubismus tragen ihr Scherflein bei.
Ohne wesentliche Beklemmungen kann auch das 19. Jahrhundert als Traditionskübel für „Art Deco“ abgearbeitet werden.

Ruskin und Morris mit Ihren Handwerker-Hymnen bei der Bewegung „Arts and Crafts“ bieten sich dabei vorzüglich an.
Der Weg zu den Präraffaeliten und Rossetti ist dann auch überschaubar und mit Geduld könnte ich dann in Lascaux und Altamira enden.
Jeder Backofen würde bei der Bearbeitung eines Teiges mit derart reichlich Zutaten vor Ekel explodieren.

Doch bei „Art Deco“ hat man trotz des Melange-Charakters immer die optische Gewissheit, sich Kostbarkeiten zu nähern.
Und ständig sickert auch der eigene Triumph ins Bewußtsein, diesen Cocktail in die einzelnen Zutaten entwirren zu können.
Doch drängt es bald wieder, die sanften Detail-Mutationen erneut zu einem ansehnlichen Hybrid mit erweiterten Dimensionen zu vereinen.
Ich denke auch, dass King Kong (1933) sein letztes Gefecht auf dem Dach von Art-Deco-Architektur absolvierte und der Terror in „Metropolis“, fiktive Stadt Fritz Langs, in ähnlichen Bauteilen kulminierte.

Aber auch bei der Malerei von Turbinen/Generatoren/Raffinerien/Papiermaschinen-Grossberg (Carl), bei Plastik-Belling und der dramatisch übermüdeten Autofahrerin Tamara de Lempickas, gleichfalls bei Schad und Kanoldt, dem neusachlichen Fanfarenduett, können Elemente der Art Decorativen Kunst, nuanciert und mit unterschiedliche Wertigkeiten gesetzt, nicht unterschätzt werden.
Gleichfalls bei Boccioni, Gris, O’Keeffe…..u.s.w.
Vielerorts wurde „Art Deco“ auch nur als Zwischenmahlzeit zelebriert.
Mir scheint, irgendwie und irgendwann hat jeder Teilnehmer an künstlerischen Verrichtungen während der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts einmal art-decorativistisch gemalt, gezeichnet, lithographiert, bildhauerisch geformt, getöpfert, gehämmert, gewebt, gezimmert, goldig geschmiedet, Glas geblasen….

Jedenfalls werde ich in Bälde das Berliner Bröhan-Museum besuchen.

Ein wesentlicher Störbrocken bei meiner gehofft störungsfreien Aufnahme dieser Kunst besteht bei mir seit Jahrzehnten in dem Gefühl, vorrangig bei Architektur, zumindest mit einem Teil des Auges auch die Entsetzlichkeiten faschistoider Kunst akzeptieren zu müssen.

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Chrysler Building, Eingangshalle

Die Beleuchtung war übel, außerdem bin ich ein lausiger Fotograf. Zumindest bei den technischen Raffinessen in diffizilen Gegebenheiten.

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Grassimuseum, Pfeilerhalle

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Grassimuseum, Pfeilerhalle

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Grassimuseum, Pfeilerhalle

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Grassimuseum, Pfeilerhalle

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Grassimuseum, Fenster des Treppenhauses

Von Josef Albers, Bauhausstratege, 1933 nach Amerika, belehrte u.a. Rauschenberg, Judd, Noland, eine vorzügliche Wahl.

Die Bläulichkeit des Fensters ist fotografisch etwas überzogen, Abendstimmung.

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Grassimuseum, Fenster des Treppenhauses

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Eigentlich wollte ich nur über die außerordentlich ansehnliche Keramik/Glas-Ausstellung im Grassimuseum berichten (bis März kommenden Jahres).
Vielleicht nun in ein ein paar Wochen.
Hier verliert die keramische Form weitgehend ihre traditionelle Funktion als Gefäß, als Vase, Krug, Schnabeltasse, Nachtgeschirr oder Spucknapf und wird als Skulptur wahrgenommen, als Objekt und Installation.
Nachfolgend einige Beispiele, unkommentiert.

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juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

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Dezember 13, 2013 - Posted by | Kunst, Leipzig

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