Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und die unregelmäßig bearbeitete Serie: „Journalistischer Sprachkehricht des Tages.“

GERMANY-NAZI-ART-HISTORY

Zwei Pferde, zwei Reiter + Wasser, Max Liebermann zugeschrieben.

Dieses Bild gehört zu dem Nonett, das aus Gurlitts Sammlung nun seit Tagen mit schauderhaften Penetranz durch alle Medien kreist. Im Hörfunk werden sie dann beschrieben. Matisse z.B.: „Eine Frau mit Blumen auf der Bluse…..“ Toll.

Unter dem Reiterbild wird Liebermann in Spiegel-Online folgendermaßen charakterisiert:

„Auch dieses Bild wurde in München entdeckt. Es stammt wohl vom deutschen Spätimpressionisten Max Liebermann. – dem Maler wird das Zitat zugeschrieben, er könne angesichts der Naziherrschaft gar nicht „so viel fressen“ wie er „kotzen möchte.“

Spätimpressionist Liebermann. Einfach nur dummes Zeug.

Es sollte beachtet werden, daß in Deutschland die MonetRenoirDegasPinselei (nicht abwertend) doch erheblich später als in den Ursprungsregionen die Galeriewände und Museen belagerte.
Also einfach nur Impressionist Max und damit Pumpe.
Ich bin zufrieden, wenn Seurat und Signac als Spät/Post-Impressionisten eingeordnet werden. Oder fachlich korrekter als Vertreter des Pointilismus.
Meinetwegen auch noch die Nabis, mit  Einschränkungen. Bei Denis und Vallotton wäre es dann doch weitgehend schwierig, nach der absoluten Herrschaft impressionistischer Stilmittel zu fahnden.

Also bitte, Liebermann agierte als Mitglied des herausragenden Impessionisten-Trios Deutschlands, neben Corinth und Slevogt. Natürlich alle mitunter mit expressionistischen Tendenzen in späten Phasen, besonders bei Corinth.
In unmittelbarer Nähe zu diesen Edel-Impressionisten müsste zweifellos Robert Sterl in der deutschen Kunstgeschichte eine erweiterte Achtung geschenkt werden.
Seine „Steinbrecher“ und die gemalten Konzertmitschnitte sind z.B erstrangig.
Aber auch Trübner, Putz, Kühl oder Zügel als Maler aller tierischen Milchspender hatten gute Stunden impressionistischer Pinselführung, zumindest in Teilen ihres Ouevres.

Doch darum geht es mir in diesem Spiegel-Online-Zitat nicht.
Liebermann trieft ja nun in der internationalen Kunstgeschichtsschreibung nicht gerade als nichtsnutziger Kobold vor sich hin.
Es gäbe also viel zu sagen, auch in wenigen Worten, auch bei Spiegel-Online.
Mich hat Liebermanns Verdauungsspruch schon als Vierzehnjähriger erheitert und er wurde inzwischen als Brauchtum in den folkloristischen Wundertüten zum ständigen Gebrauch abgelagert.
Kurzum, diesen Satz kennt jede Sau.
Und dieser Spiegel-Stil zeugt von einer weiteren Latrinenannäherung des Magazins, von einer nervend-schmierigen Anbiederung an die unterste Mittelmäßigkeit.

Die gedruckte Ausgabe nutzte ich seit Jahren ohnehin nur noch in den Wartezimmern von Zahnärzten, Urologen und in der Gedulds-Nische einer Tierpraxis zur Behandlung meines sulawesischen Babirusas.

Aber ich spüre inzwischen auch die Dürftigkeit der Online-Ausgabe und deren entbehrlichen Status als kurzfristig verwertbare Informationsquelle.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de

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November 7, 2013 - Posted by | Kunst, Leipzig, Medien

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