Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, 75 Jahre Philip Glass, fast 75 Jahre Steve Reich, mit Adams und Nixon nach China, mit Einstein an den Strand, Bratkartoffeln mit Glass, Koyaanisqatsi am Lago Maggiore und Zar, Zimmermann und Glass

Philip Glass

Heute vor exakt einem 3/4 Jahrhundert wand sich Philip Glass aus einem weiblichen Schoß, in Baltimore (Maryland). Fast exakt acht Monate später entschied sich Steve Reich zur gleichen Aktion, allerdings in New York, nur dreihundertundzwanzig Kilometer entfernt. Eine gute Zeit, eine gute Landschaft.
In Baltimore nutzten z.B. auch Zappa und Billie Holiday die Möglichkeit, sich aus der mütterlichen Bauchhöhle zu trollen, um einige Jahre später die Welt musikalisch zu entflammen. Eine feine Stadt.
Glass und Reich, Komponisten, die u.a. mit Terry Riley, später John Adams und dem Briten Michael Nyman der globalen Musikkultur nicht nur ein vertrocknetes Häppchen mit Noten-Design beifügten, beide neunzehnhundertsiebenunddreißig geboren, wirklich ein gutes Jahr.
Sicherlich hält der Verbrauch dieser Musik mitunter inflationäre Entgleisungen bereit
Und wenn in irgendwelchen blöden Kochsendungen zwischen den Geräuschen bratender Kartoffeln und blubberndem Glühwein diese Klänge erniedrigt werden, würde ich mich einer kraftvollen Übelkeit nicht entziehen können, sicher weniger wegen der Bratkartoffeln.

CD, Musik von P.Glass

Über Glass ist grenzenlos gelabert wurden, meine dilettantische Meinung will ich deshalb nicht gleichfalls noch dranhängen.
Jedenfalls ist es möglich, dass Glass sich seit einigen Jahren einer Banalisierung seiner eigenen Musik nähert. Dieses Urteil ist tatsächlich fern von jeder Laberei
Doch bleiben eben seine Noten davor. Die Arbeiten für ein reduziertes Ensemble, mit denen er unverkennbare Konturen in die Musikgeschichte schlug.
Und es bleiben eben seine Opern „Einstein on the Beach“ oder auch „Akhnaten“ und „Satyagraha.“ Bühnenwerke denen man natürlich mit anderen Erwartungen als an Lortzings „Zar und…“ oder Nicolais „Lustigen Weiber…“ begegnen sollte. Klingt irgendwie doch etwas anders.

Ich habe Philip Glass 2010 in Stresa (Lago Maggiore) bei einem Musikfestival erlebt. Er (Klavier) und seine Truppe spielten live
die Musik zum Film „Koyaanisqatsi“, der gleichzeitig im Hintergrund abgespult wurde. Unvergesslich.
Beste Wünsche für Philipp Glass und ein paar Noten kann er schon noch rausknallen.

Gewandhaus Leipzig, Mendelssohnsaal, 5. Februar, 18 Uhr, Konzert mit Musik vom Steve Reich, Philip Glass, Samuel Barber, John Adams.

Zur akustischen Vorbereitung wäre „Shaker Loops“ von Adams eine vorzügliche Wahl.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

Januar 31, 2012 - Posted by | Leipzig

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