Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Tante Irmtraud aus Pennsylvania, ein Wunderstein aus Findhorn, vorpubertäre Walnussverpackungen,Sven Schlurz und Norbert Nöbel aus Meppen, Schiele-Porträt und Streicholzschachteln, ein Museum in Böhmen, Kunstkehricht, Uhr und Streichholzschachtel, nebeneinander auf der Postkiste und Kirchners, Rothkos, Modiglianis…..Grottentage

Postkiste, erste Ansicht

Bei der ersten Besichtigung der Dimensionen dieses Papp-Quaders wollte ich schon ein heftiges „Ein Klavier, Klavier…“ abnölen. Doch Mütter kann ich nicht mehr vorweisen, Großmütter ohnehin nicht, auch die männliche Verwandschaftsmasse dieses Grades surft inzwischen irgendwo über den Wolken.
Und „Ein Klavier, ein Klavier, Tante Irmtraud aus Pennsylvania, wir danken Dir“ klingt reimtechnisch einfach beknackt, Loriot würde mich mit der Nudel auf seinem Rüssel erwürgen.

Postkiste, Uhr mit Verpackung, neben dem Postkiste, erste Ansicht

Ich dachte zunächst an ein Überraschungs-Ei von einem Gönner, auch einen Wunderstein aus Findhorn, einer Gemeinschaft im Nordosten Schottlands, die wir vor einigen Jahren besuchten, hatte ich vermutet.
Gleichfalls ein Stück Käse, gehärtet, zur anspruchsvollen Zubereitung von Spaghettis zog ich in Betracht.
Ich erinnerte mich auch an vorpubertäre Exzesse, als wir Geschenke vobereiteten, um eine Walnuss gefühlte neunhundertundsechsundvierzig Papierlagen schnürten und uns dabei bedrohlich dem Heiterkeits-Koma näherten.

Jedenfalls ratterte das obskure Objekt gnadenlos von einer zur anderen Begrenzung der Kiste.
Doch klaubte ich eine Uhr mit normalen Ausmaßen aus diesem postalischen Unfug. Keine Kuckucksuhr für den Kölner Dom und keinen Wecker für King Kongs Nachtgrotte, also eine normale Armbanduhr, auch geeignet für Sven Schlurz und Norbert Nöbel aus Meppen.

Mir erschließen sich nicht die Gründe für die Versendung einer einfachen Armbanduhr in diesem Container, welche auch Sven Schlurz und Norbert Nöbel aus Meppen um ihre durchschnittlich geformten Unterarme tragen könnten.
Vielleicht erwägt man zukünftig den Einsatz eines Baggers.
Ich agiere jetzt einmal als Klischee-Tornado und spreche von den kleinen Dingen, die als Summe durchaus maßgeblich die Umweltverrottung bannen könnten.
Den Tschibo-Heinis sollte man vielleicht einmal mit einem Mega-Propeller so richtig prall ihre blöden, ungemahlenen Kaffeebohnen in die Analöffnungen blasen, um sie in der Erkenntnis zu unterstützen, dass Volumen und Objekt, das dieses Volumen füllt, durchaus eine sinnvolle Relation ergeben können.
Sven Schlurz und Norbert Nöbel aus Meppen würden mir beipflichten

Postkiste, Uhr ohne Verpackung, neben Postkiste, erste Ansicht

Postkiste, Uhr ohne Verpackung, auf der Postkiste, erste Ansicht

Postkiste, Uhr und Streichholzschachtel, neben der Postkiste, erste Ansicht

Als ich nach einem Gegenstand fahndete, um das törichte Missverhältnis zwischen Behälter und Inhalt optisch plausibel zu präsentieren, fand ich eine Streichholzschachtel mit dem Porträt Egon Schieles.
Und mein Unbehagen wurde etwas gemindert.
Vor vier Jahren befuhren wir für einige Wochen die Gebiete von Tschechien und der Slowakai und begannen in Cesky Krumlov, auch Böhmisch Krumau, im südlichem Böhmen. Neben Schloss und dessen Theater in barocker Originalausstattung gibt es natürlich ein Schiele-Museum.
Er wohnte um 1910 in der Stadt und mein Begehren manövrierte mich selbstredend in seine Spuren und in ein kleines, sorgfältig bearbeitetes Museum.
Mir ist mit wenigen Ausnahmen kein Künstler der vergangenen einhundertundfünfzig Jahre erinnerlich, der nicht wenigstens einige Quadratmeter Kunstkehricht hinterließ.
Doch eben mit wenigen Ausnahmen.
Selbst der unvergleichliche Kirchner hatte grottenschlechte Tage, auch z.B. Pollock, Ensor, Soutine, Twombly, Beckmann, Macke, Seurat, Modigliani, Rothko, also Künstler, denen ich durchaus huldige. Der großartige Liebermann versah sich auf seiner Palette, von Munch ganz zu schweigen.
Bei van Gogh sind mir keine Schludereien gegenwärtig. Einohr konnte sich auch eine Binde vor die Augen klemmen, er malte trotzdem einzigartig.
Und eben auch Egon Schiele. Vielleicht lag es an seiner Lebensdauer von nur achtundzwanzig Jahren.
Diese präzise Linienmagie, diese aggressiven Auswürfe eines tragischen Geistes, verzahnt mit morbiden, fast zerstörerischen Selbstdarstellungen und einer bedingungslosen Erotik nahm er mit in sein, zu früh geschaufeltes Grab.
Andenken-Tineff ist mir ja weitgehend fremd, doch erwarb ich im Schiele- Museum eine Packung mit zwanzig dieser Streichholzschachteln.
Als kleines Gastgeschenk wird dieser Einfall immer wieder bejubelt.
Ich könnte ja auch Papier umwickeln, bis zur Containergröße, wie diese Kaffee-Ulfs.
Ich werde es aber nicht.

Postkiste, Uhr und Streichholzschachtel, nebeneinander auf der Postkiste, erste Ansicht

Postkiste, Uhr und Streichholzschachtel, untereinander auf der Postkiste, erste Ansicht

Postkiste, zweite Ansicht

Postkiste, Uhr mit Verpackung, neben der Postkiste, zweite Ansicht

Postkiste, Streichholzschachtel, neben der Postkiste, zweite Ansicht

PPostkiste, Uhr ohne Verpackung, neben der Postkiste, zweite Fassung

Postkiste, Uhr und Streichholzschachtel, nebeneinander auf der Postkiste, zweite Ansicht

Postkiste, Uhr und Streichholzschachtel, untereinander auf der Postkiste, zweite Ansicht

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November 29, 2011 Posted by | Kunst, Leipzig, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar