Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Clemens Meyer………lange Pause………und Else Buschheuer, Bernd-Lutz Lange, Andreas Reimann, eine Leipziger Zeitung und der unsägliche Triumph der Mittelmäßigkeit

Andreas Reimann–Clemens Meyer–Else Buschheuer–Bernd-Lutz Lange

„Heeme ist`s am schönsten. Was genau ist zu Hause? Und wo? Was macht es aus?“
( Zitate aus der Leipziger Volkszeitung, 6./7. März über eine Lesung in der LVZ-Baracke)

Ich schrie verzückt auf. Endlich einmal ein mitreißendes Thema, intelligent und sprachlich souverän formuliert….“Was genau ist zu Hause? Und wo? Was macht es aus?“….. Das sind die wegweisenden Originalitätstornados, die ich bislang vermisste. Diese seltenen Vorstöße in Bereiche, die sonst furchtsam gemieden werden.
Noch nie darüber gelesen, noch nie etwas gehört über:….“Was genau ist zu Hause? Und wo? Was macht es aus?“…. Es sind die Sternstunden zwingend vorgetragener Denk-u.Geprächsangebote.—–„Was genau ist zu Hause? Und wo? Was macht es aus?“
Genial !

Genug gescherzt!

Was ist nur los mit Deutschlands Kultur. Da veranstaltet eine Leipziger Gurkenzeitung für besonders Genügsame eine Banal-Session über ein Thema, welches überragend geeignet ist, die Müdigkeitsgene anzuspornen und der Vorlesungs-Bunker ist scheinbar flächendeckend mit Besuchern besetzt.
Und bei Lesungen mit Autoren, deren Gedanken und sprachliche Werte tatsächlich neue Dimensionen öffnen, schlurfen nur drei Besoffene mit Hund über das Parkett, auf der Suche nach Getränken mit erweiterter Umdrehungszahl.

Ich bin ja durchaus geneigt, mich auch dem Koplex „Heimat“ zu stellen. Doch wenn ein Stoff zum belanglosen, alltäglichen Ritus mutiert, greife ich zu Kettenhemd und Kopfhörer.
Und wenn ich dann die Asthmatruppe zur Kenntnis nehme, welche die Kühnheit entwickelt hat, im LVZ-Tunnel ihre heimatlichen Dürftigkeits-Bonmots zwischen die Zuhörer zu quetschen, meditiere ich lieber einsam….

….im benachbartem Rosental bei frühabendlicher Stimmung über meine Heimat, oder….

….gemeinsam mit einem rattenartigen Nage-Unhold an einem der zahlreichen Flussläufe meiner Heimat

Denn warum muss Leipzig immer von den gleichen Zombies behelligt werden, die schon mit Robin Hood gelesen haben und erbarmungslos auf ihrem ärmlichen Niveau verharren.

Ich habe das Buch „Gebrauchsanweisung für Leipzig“ von Bernd-Lutz Lange „quer“gelesen. Es „gerade“zu lesen, überforderte meine Kräfte. Ein derartiger Rausch bieder belangloser Privatpositionen, diese einfältigen Kalauer von bemerkenswerter Humor-Abstinenz, schon tausend mal gelesen und gehört, sind kaum zu ertragen.

Und Else Buschheuer mit dem Antlitz einer Schneekönigin, ich denke da an die russische Zeichentrick-Version der 50er Jahre, brachte dann sicherlich Beiträge mit einem philosophisch-kristallinen Grundgestus zum Vortrag, der jeder durchschnittlichen Begabung schmerzvoll die Grenzen markiert, wie z.B.:

“ Noch ein Wunsch?“, fragt die Kassiererin kaugummikauend. „Ja“, sage ich, aus fernen Gedankenwelten auftauchend, „ich wäre so gerne ein besserer Mensch.“

Bei einer derartigen Keuscheit gegenüber sprachlichen und intellektuellen Ansprüchen faltet sich mein Gehirn zu einem Radieschen.
Andreas Reimann ist auch nicht viel besser, vielleicht ein wenig.

Eine eindeutige Fehlbesetzung zwischen diesen literarischen Faxenmachern ist natürlich Clemens Meyer, dessen Buch „Als wir träumten“ ich „gerade“ und nicht nur „quer“ gelesen habe. Ein Werk voller Aufrichtigkeit. Er müsste eigentlich bei den ersten Halbsätzen seiner Lesepartner transpirierend aus dem Saal toben, laut klagend über die veranstalterische Anmaßung, ihn mit dem Rest-Terzett zu einer Lesung verführt zu haben.

Doch vertraut man weitgehend Lange, Reimann, Buschheuer und den anderen Bannerträgern des unteren Mittelmaßes. Keine Experimente bei den Veranstaltern. Nur der Kniefall vor der Mittelmäßigkeit wird als gymnastisch vorgetragene Anbiederung genehmigt. Man muss Mittelmaß anbieten, ein wenig darunter darf es auch sein, um zu dominieren. Erhöhte Qualität wird ausgegrenzt und gemieden. Es sind meine Erfahrungen mit zahlreichen Malern, Graphikern und Dichtern. Die Mittelmäßigkeit kotzt ihre Ergebnisse aus. Das Publikum kotzt seinen Beifall zurück. Und Veranstalter, Juroren, Journalisten und Verlagsleiter kotzen genau dazwischen.

Und die Schreiberin dieser LVZ-„Kritik“ labert und labert, auch nicht von der geringsten Ahnung bedrängt, dass sich zwischen diesen „Perlen“ der Literaturwelt vielleicht auch ein kleines Kügelchen Modermasse von garstig dilettantischer Fasson gebildet hat, die man auch so benennen sollte.

Und warum eigentlich „Heeme ist`s am schönsten“? Wenn schon diese affige Inszenierung der sächsischen Sprache, `dann sollte man durch „Heeme ist`s am scheensten“ wenigstens Konsequenz bevorzugen.
Doch das ist im Grunde bei diesem Blatt auch schon egal.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

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März 7, 2010 - Posted by | Leipzig, Literatur, Presse

1 Kommentar »

  1. Die getwitterte Buschheuer und die 400€ Kassiererin-eine unendliche Geschichte.

    So, nun den Tangospieler weiterlesen, der fährt jetzt in den Leipziger Süden, muß mir noch die Straße ausdenken.
    Schöne Woche noch.

    Kommentar von Dirk | März 9, 2010 | Antwort


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