Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Musik um 1969 und Captain Beefheart

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Eine CD – meine Wiederentdeckung im Januar

Marvin Gaye aus Washington schickte 1969 „I Heard It Trough the Grapevine“ um die Erde, ein meisterhafter Song, den vorher schon Gladys Knigth intonierte und der später CCR zu einem treibenden, Transpiration anregenden Nebenhit verhalf.
Im gleichen Jahr kreischten sich Sly & the Family Stone wundervoll über die Meridiane, die Temptation spielten sich zuverlässig in Hochform und Flock ihr bestes Album ein, Velvet Underground mit Lou Reed gönnte sich „Velvet Underground“, ohne John Cale aber immerhin mit „Walk On The Wild Side“ und die göttlichen Blood, Sweat & Tears erklommen zurecht die höchsten Ruhmesgipfel.
Alles frohe Botschaften aus dem Morgenland, um 1969. Bei Blood, Sweat & Tears heute nicht mehr so recht nachvollziehbar. Denn die öffentliche Ignoranz ist seit Jahrzehnten gegenüber dieser Musik derartig aggressiv, als hätte diese Formation nie existiert.
Und auch Chicago entschloss sich zu einer beachtlichen Musik ( „25 Or 6 to 4“), bevor sie in deren Niederungen verkümmerte („If You Leave Me Now“)

Aus England tönte 1969 Led Zeppelin und brachte mich mit „Whole Lotta Love“ an den Rand eines euphorischen Fenstersturzes. David Bowie begann mit „Space Oddity“ den Reigen seiner beachtlichen Musikkultur, Colosseum boten 1969 ihre erste Scheibe an, noch ohne Chris Farlowe, Jethro Tull beglückte mich mit „Sweet Dream“ und Soft Machine produzierten ihr hochwertiges „Volume Two“.
Blind Faith mit Eric Clapton (Yardbirds,Cream), Steve Winwood (Traffic, Spencer Davis Croup – „Keep on Running“ und „Gimme Some Lovin‘ “ ) veblüfften durch die Schönheit ihrer etwas schrägen Musik und Humble Pie rasteten aus und gelten bis heute als herausragende Live-Gruppe – Mit Peter Frampton, früher bei Herd, Greg Ridley, früher bei Spooky Tooth und den göttlichen Steve Marriott von den Small Faces, der 1991 im Umkreis seiner unausgelöschten Zigarette verbrannte. Bei Chris Farlowes Konzerten gehört Marriotts „All Or Nothing“ zu einem stabilen Programmpunkt. Ich bin nicht gerade der zuverlässige Konzert – „Mitgröler“, doch wenn Marriott, Farlowe und Henne zusammentreffen, darf gegrölt werden.

Auch in Deutschland gab es 1969 Musik, Ostdeutschland erwähne ich nicht, dann falle ich sofort ins Koma. Aber auch aus bundesrepublikanischen Radios und Schallplattenspielern klangen leckere Noten. Es dominierten Karel Gott…schauder…..James Last….Entsetzen…..Roy Black……Grauen……Heintje……Plumps, ich liege mit schauderndem Entsetzen auf dem Boden.
Ausnahmslos Nr.1 in der deutschen LP-Hit-Parade.

Captain Beefheart

Und dann gab es 1969 natürlich noch Captain Beefhaert und seine Scheibe “ Trout Mask Replica“ (Foto oben), produziert von Schulfreund Frank Zappa. Bei dem Versuch, dieser Musik eine zeitgemäß-verständliche Signatur zu vergeben, würde jede Schublade bersten, jeder Einordnungsversuch in Hoffnungslosigkeit verdämmern. Thomas Mießgang schrieb vor einigen Jahren in der „Zeit“, diese Musik sei “ ein organischer Klang-Wildwuchs, ein in sich geschlossenes Paralleluniversum, das sich zum Rest der Pop-Musik verhält wie „Finnegans Wake“ zum Reader’s Digest.“
Don Van Vliet (bürg. Name) zelebrierte röchelnd, gurgelnd eine wilde Flucht vor kommerziellen Ansprüchen, vor geordneter Verkäuflichkeit und mischt Delta-Blues, Free-Jazz, Rock’n Roll und elektroakustische Elemente zu einem unvergleichlichen Avantgarde-Gewühle. Ein dadaistischer Lyrik-Terror vereint sich dabei mit rhythmische Brüchen, die dem gefälligkeitsgewohnten Edel-Ohr den Schmalz bis zum Gehirn treibt.
Der Einfluss seiner Musik auf die Kulturen des Punk und New Wave sollte nicht unterschätzt werden. Pere Ubu mit ihren herausragenden Scheiben „Dub Housing“, „Modern Dance“ und „New Picnic Time“ würden z.B. diesen Hinweis sicher unterstützen
Meine musiktheoretischen Kenntnisse verharren auf dem Stadium eines Faustkeilträgers. Doch meine fanatische Liebe zur Musik, meine uneingeschränkte Zuneigung zu zeitgenössischer Kunst und eine Toleranz ohne vereiste Vorurteile ermöglichen mir eine grenzenlose Aufnahmebereitschaft, welche für diese Scheibe vorausgesetzt werden sollte.
Die 28 Songs zu „Trout Mask Replica“ soll der „Captain“ in zehn Tagen geschrieben haben. Seit 1986 vernachlässigte er die Musik und malt, soll einträglicher sein.
Und ich werde jetzt eine CD einlegen. Sie beginnt mit „Trout….“

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de

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Januar 20, 2010 - Posted by | Musik

1 Kommentar »

  1. Schöner Artikel!
    Ich gebe es zu, obwohl ich Zappa-Fan bin, habe ich noch nie Beefhearts Trout Mask Replica angehört.
    Werde ich jetzt nachholen.

    Kommentar von Mick | Januar 21, 2010 | Antwort


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