Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Status quo und Kansas gestern in der Leipziger Arena

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Cover einer Status-quo-Scheibe von Amiga, DDR, 1980
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Konzert von Status quo in der Leipziger Arena

Aus Konzerten mit Van Morrison, Patty Smith, Led Zeppelin, John Cale, Lou Reed oder Elvis Costello bin ich natürlicher beseelter entschwebt. Doch wollte ich einfach wieder einmal zwei Stunden Krach hören, auf einem überschaubaren Niveau, ohne Mätzchen und befreit von bombastischen Tiefsinn.

Und Status quo lärmte genau das herunter, was ich erhoffte. Von „Pictures Of Matchstick Men“ und Ice In The Sun“, die Uraltgurken aus der Bronzezeit über Titel der 70er Jahre im Umfeld von „Down Down“ und „What you`re proposing“ bis zu „In The Army now“. Natürlich auch „Rockin All Over The World“, ein Liedchen, das mir allerdings schon nicht im Original mit Fogerty von CCR behagt hatte.

Geradlinig, bei einer soliden Beherrschung der Instrumente, ohne die Gefahr für den Besucher, von komplizierten Tonstrukturen malträtiert zu werden, knüppelten Francis Rossi, Rick Parfitt und ihre Mitstreiter mit begnadeter Sorglosigkeit und wuchtiger Spiellust ihr Programm zwischen die 5000 Rentner.

Bei meiner Analyse der Alterstruktur der anwesenden Zuhörer, neigte ich ohnehin zu der Annahme, dass in manchem Körper sich bei diesen erhöhten Phonzahlen der Herzschrittmacher verbog, die Bypässe aus den Ohren geschleudert wurden oder danach der Tinnitus neue Ebenen der pfeifenden Belästigung erklimmen wird. Leider konnte ich mich dabei altersmäßig nicht vollständig ausschließen, sah allerdings dabei noch beträchtlich besser aus als die Halbmumien um mich herum.

Sorfältig gesetzte Gitarrensoli, ein gnadenlos, fast schmerzhaft abgehämmerter Schlagzeugpart, manch eine kleine Clownerie, einige Textbeiträge von Rossi, aber alles ohne Verkrampfungen und Originalitätsgedröhne, spendeten mir eine Dosis unbeschwerte Lebensfreude.

Doch danach hat sich natürlich eine ausufernde Begierde aufgestaut, wieder einmal „Astral Weeks“ von Morrison zu hören, oder Lou Reeds „Transformer“ und „Blue Mask“, denn täglich Status Quo……?

Als Vorgruppe agierte Kansas, grundsolider, melodielastiger Rock mit angenehm schrägen Intermezzi und etwas Bombast. Durchaus hörbar, doch nach 45 Minuten glitt allmählich mein Kopf etwas gelangweilt nach links unten. Mancher Melodiebogen ähnelte außerdem musikalischen Rücksichtslosigkeiten der Scorpions. Denn bei deren „Wind of Change“ und anderen Grottensongs eile ich geschwind in meinen Keller und vergrabe mich in der Kartoffelkiste.

Und „Dust In The Wind“ empfinde ich immer noch als Zumutung.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com
juergen-henne-leipzig@web.de

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Oktober 30, 2009 - Posted by | Leipzig, Musik

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