Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und ein Halbfreund, der Rembrandt „besser“ als Rubens findet und Gauguin „besser“ als van Gogh

Ein Halbfreund brüllte mir herrisch zu, dass Rembrandt eindeutig besser sei als Rubens. Ich erstarrte und erwartete ängstlich weitere Beiträge. Ich versuchte zu erklären, dass sich dieses „besser“ doch als etwas problematisch erweisen könnte.
Vielleicht wäre es in derartigen Fällen hilfreicher, von einem Künstler zu sprechen, dessen malerischer Gestus oder zeichnerische Linie, dessen gedanklich-intellektueller Kosmos und privates Weltverständnis sich den eigenen, individuell geprägten Grundanlagen eher nähern, als dies bei anderen möglich wäre.
Eine Frage der Qualität ist das aber nicht.
Denn Rubens und Rembrandt in eine Hitparade einzuordnen, vielleicht neben Frans Hals, neben den Spaniern Murillo und Velazquez, den Franzosen Lorrain und Poussin usw., alle geboren zwischen 1580 und 1620, dürfte wenig ergiebig sein
Mein Halbfreund lachte hysterisch und vertiefte seine Kompetenz mit der Feststellung, das ja auch Gauguin besser als van Gogh sei.

Ich liebe die Kunst von Ensor und Rouault, ich sehe mir lieber Bilder von Kandinsky oder Delaunay an, als von Klee, die Malerei von Francis Bacon ist vollendet. Tanguys Horizonte sind bemerkenswert, Magritte langweilt mich und der Surrealismus war für mich ohnehin nur eine Kurzzeitbegeisterung in pubertären Zeiten.
Ich kniee ab vor Mondrian, weniger vor Leger, vor Macke und Modigliani, weniger vor Marc, vor Schiele, weniger vor Klimt.
Und ich entschließe mich zu einer Dauerabknieung vor Twombly und dem Abstakten Expressionismus mit seinen zahlreichen Varianten. Also Pollock, de Kooning, Motherwell, Kline, Rothko, Newman….. und den Europäern Hartung, Wols, Francis, Schumacher…..
Aber ich weiß, dass die Künstler, dessen Arbeiten von mir weniger begehrt werden, zu Recht einen festen Platz in der Kunstgeschichte verdient haben.
Diese eigene Hierarchiebildung ist eben nicht unbedingt eine Frage der Qualität.
Doch zelebriere ich auch die Wahrheit meines Urteils über Künstler, die nur eine Randnotiz verdient hätten. Paula Modersohn-Becker ist überbewertet, Frieda Kahlo ohnehin. Das Gesamtwerk von Munch, bis auf einige Ausnahmen ist qualitativ grenzwertig, ähnlich Matisse, de Chirico ist außerordentlich grenzwertig, Immendorf gleichfalls überbewertet und bei der „Neuen Leipziger Schule“ fehlen mir die Worte.

August 8, 2009 - Posted by | Leipzig

Du hast noch keine Kommentare.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: