Juergen Henne Kunstkritik

Nachtrag zum vorgängigen Text (8.Mai) und Thomas Brussig, Uwe Tellkamp, Ingo Schulze, eine anbiederungsgigantische Literaturkritik und eine Herde von Vespinae, Untergruppe der Vespidae

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Jürgen Henne auf der Suche nach einer Literaturkritik (+Kunstkritik) ohne Herden-Ekstase, ohne nachplappernde Anbiederungsgiganten, aber mit Risikomentalität und vor allem mit der sprichwörtlichen „Eigenen Meinung“

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Thomas Brussig glaubt, Bukowski und Philip Roth in seine Vorkämpferkolonie aufnehmen zu müssen. Ein Kritiker mutet Salinger einen Vergleich mit Brussig zu und die Einordnung des Recken der „Sonnenallee“ als „Balzac vom Prenzelberg“ wurde scheinbar auch schon in Erwägung gezogen.
Ingo Schulzes „Simple Storys“ werden mit Hemingway verglichen und dessen „Neue Leben“ mit E.T.A.Hoffmann und den Brüdern Grimm.

„Für sein erstes Buch „33 Augenblicke des Glücks“ orientierte er sich an Meistern der russischen Moderne, für das zweite, „Simple Storys“ an amerikanischen Vorbildern wie Sherwood Anderson oder dem Lakoniker Raymond Carver, und in seinem furiosen Briefroman „Neue Leben“ knüpfte er klug an einige der ehrwürdigsten Traditionen der deutschen Literaturgeschichte an.“ („Welt“ über Ingo Schulze.)

Schulze knüpft an gar nichts an. Weder an russische, noch an amerikanische und deutsche Traditionen. Ingo schreibt eben wie Ingo, und das ist unverwechselbar und eine Tortur.
Ich habe in einem mitteldeutschen Kultursender reichlich Lesungen aus Schulzes „Adam und Evelyn“ zu Kenntnis genommen. Schon dieser Buchtitel ist eine Zumutung.

Und ich erstarrte auf meinem Stuhl, schon bei den ersten Sätzen. Diese Starre wurde nur durch eine Fäulnis meiner Gehörgänge aufgelockert, je länger ich mir diesen akustischen Masochismus zumutete. Mich faszinierte diese sprachliche und intellektuelle Dürftigkeit, diese Askese bei stilistischer Sensibilität und gedanklichen Ansprüchen. Was ist los im literarischen Deutschland, wenn Brussig, Schulze oder Tellkamp als Nationalldichter hofiert weden?

Tellkamps „Turm“ wird mit den „Buddenbrooks“ verglichen und auch Hofmannsthal bzw. Richard Strauss bekommen ihr Fett weg. Denn ein Kritiker findet Anhaltspunkte, dass in Tellkamps Roman in irgendeiner Dresdner Bruchbude eine Figur wie die Marschallin aus dem „Rosenkavalier“ gehaust haben soll……Moment, mir wird kurz übel…. Und irgendwie muss im „Turm“, entdeckt scharfsinnig ein anderes Kritikfrettchen, auch nach der Zeit gesucht werden. Also müssen Vergleiche mit Proust ran. Hesse, Döblin, jeder darf den „Turm“ besteigen…..mein Gott, ist das alles dürftig.
Was ist nur los im literaturkritischen Deutschland?

Da lese ich eher Thomas Bernhard, Wolfgang Hilbig und Kurt Drawert, um im deutschsprachigen Raum zu bleiben. Hochwertige Literatur.
Oder Bräunig und Clemens Meyer. Nicht ganz so hochwertig, doch aufrichtig und ohne kalkuliert-triefenden Blick auf Marktstrategien, mit einer erbärmlichen, teils lächerlich-infantilen Verbiegung der eigenen Biografie der 80er Jahre (Tellkamp).

Oder…..

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…ich liebkose optisch meine Lieblingsblume

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….schwelge im Dunst von Weißdorn und Bärlauch im nahen Rosenthal

Herr Henne a. nach Wespenstich

….oder ich verdeutliche einer Herde von Wespen den Unterschied zwischen Sympathie und Antipathie und vertiefe in ihrer Anwesenheit meine Ahnung, sie in die zweite Kategorie einordnen zu müssen.

(Jürgen nach einem Wespenstich)

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Mai 15, 2009 Posted by | Leipzig, Neben Leipzig, Presse, Verstreutes | Hinterlasse einen Kommentar