Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, Amedeo Modigliani, Markus Lüpertz, Moholy-Nagy und Kulturempfehlungen für die Phlegmabeseitigung von BachBeethovenBrahmsNeurotikern und Rheinsberg, Bredemeyer, Bernd Alois Zimmermann und vor allem Steffen Schleiermacher

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___Vor diesem Haus in Venedig entsann ich mich im vergangenen Jahr mit mimisch angemessen vorgetragener Wertschätzung, aber auch mit der sorgfältig inszenierten Unruhe des reifen, aber noch hellhörigen Mannes, der nicht von fader, die Gegenwart beleidigender Nostalgie geplagt, doch Reminiszenzen aufgeschlossen ist, an die pubertäre Drüsenhysterie bei den Blicken auf die Akte Modiglianis.
Neben einer, kaum wahrnehmbaren Drüsenentschleunigung wurde bis heute mein Verhältnis zu dieser Kunst durch eine unbändige Wollust an ästhetischen Vergnügungen bereichert.

Modigliani studierte u.a. in Venedig.

Amedeo Modigliani in der Bonner Kunsthalle, bis 30. August

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__Markus Lüpertz ist ein schwer erträglicher Simpelsülzer, ohne Humor, der mit plakativer Kraftmeierei und ohne Selbstironie, das wahre Zeichen eines weisen Geistes, nur schlichten Gemütern den Atem verschlägt. Ich habe das Buch mit einem beleidigend umfangreichen Interview nach einigen qualvollen Stunden aus meinen Händen geschleudert und durch eine Packung Salzstangen ersetzt. Da lese ich doch lieber die Lebenserinnerungen von Bodo Bottich.

Außerdem ist Lüpertz ein lausiger Klavierspieler, der jetzt regelmäßig auf der Leipziger Buchmesse das Publikum mit seinem Dilettantismus behelligt. Seine Mitspieler erkennen diese Defizite, hüpfen und schleimen aber dennoch auf der Bühne großzügig um ihn herum.

Seine bildende Kunst bleibt aber ein Höhepunkt deutscher Kultur der vergangenen Jahrzehnte. So einfach ist das.

Markus Lüpertz in den Chemnitzer Kunstsammlungen bis 24.Mai

Außerdem in Chemnitz: Künstlerplakate der DDR bis 10. Mai

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__–Arbeiten von Laszlo Moholy-Nagy, Ungar, Konstruktivist und zwischen 1923 und 1928 am Bauhaus gibt es im bemerkenswert agilen Kunsthaus Apolda Avantgarde bis 21.Juni.

Außerdem leuchtet das Bauhaus bei Ausstellungen in Weimar, Erfurt, Jena, nur Dessau scheint etwas zu schwächeln.

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Thomaskirche in Leipzig bei Nacht

__Johann Sebastians Walhalla und heute Ausgangspunkt der hiesigen Musikkultur. Musik zwischen Bach, Beethoven und Mendelssohn, mit einer überschüssigen Prise Händel in diesem Jahr. Doch will ich nicht ständig Oratorien und Passionen hören, hier ein Fugchen, dort ein Motettchen, auch nicht fünfte und neunte Sinfonien, mit Schicksalsakkorden und Töchtern aus dem Elysium…gähn. Desgleichen nicht Feuerwerksmusiken und Hochzeitsmärsche. Alles ordentliche Musik, doch schräger und aktueller könnte es 2009 doch wenigstens vereinzelt sein.
Deswegen sollten alle Hüte vor Steffen Schleiermacher gezogen werden, der mit einer wundervollen Penetranz und einer grenzenlosen Ausdauer und Widerborstigkeit in Leipzig zeitgenössische Musik anbietet.
Ich werde wieder möglichst jedes Konzert besuchen, auch hechelnd mit Schweinegrippe.

Am 6. Mai im Leipziger Mendelssohnsaal: Werke von Bredemeyer, Bernd Alois Zimmermann und Schleiermacher.

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Außerdem gibt es Pfingsten in Rheinsberg, also in der Gegend, wo schon Fontane und Tucholsky herumlümmelten, die Tage für zeitgenössische Musik. Unbedingt empfehlenswert!

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April 30, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Musik, Presse | Hinterlasse einen Kommentar