Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, die Leipziger Volkszeitung am 14. April 2009, Händel, Hartmut Klopsch, Thomas Mayer und die Bereitstellung eines Speikübels

Da kommt man wohlgesinnt von einem österlichen Jahresintermezzo am weiten Meer und wird sofort von der intelligenz-asketischen Armseligkeit in Leipziger Zeitungen angesudet.

Ich bin sicher kein Fanatiker der Zelebrierung von Jubiläen, doch Händels Verbleichung vor zweihundertundfünfzig Jahren am heutigen Tag sollte doch auch in Leipzigs Infantilpresse angemessen gewürdigt werden. Aber erst auf Seite zwei des Kulturlappens der Leipziger Volkszeitung gibt es eine Würdigung Händels durch Howard Arman.

Ich nahm dieses journalistische Hierarchie-Begehren zur Kenntnis und erwartete einen kulturellen Elite-Kracher auf Seite Eins. Ich erstarrte und fiel vom Stuhl, als eine Abhandlung der Bildhauerei von Hartmut Klopsch durch Thomas Mayer meine Augen und vor allem mein intellektuelles Bedürfnis zum Speikübel trieb.

Abgebildet ist eine menschliche Figur mit blöd ausgebreiteten Armen, die sich über eine handwerklich dürftig bearbeitete Mauer schwingt. Zwölf Zentimater ist diese Gurke groß, brauchte scheinbar acht Jahre zur Fertigstellung und heißt „Mauersegler.“ Eine grandiose Symbolik.
Ein Mensch mit Flügeln. der über eine Mauer segelt, heißt „Mauersegler“. Mir wird übel. Und dann wird noch eine politische Symbolik hinzugekotzt.

Hartmut Klopsch, vor fünfundzwanzig Jahren Referent für Kunst beim Rat des Bezirkes, dessen eigene Kunst durch unterirdische Plakativität, schwer erträgliche Folklore und handwerkliche Mittelmäßigkeit verdrießt, hat im Schlichtheitseuphoriker und Anbiederungsfachmann Thomas Mayer einen adäquaten Partner gefunden. Doch warum muss man Leipzigs Zeitungen damit zumüllen?
Und muss sich denn jeder Dilettant bemüßigt fühlen, über Kunst zu schreiben.

Und das die Namen Klopsch und Mayer mit den Namen Thomas Mann und Ringelnatz in Verbindung gebracht werden, verlangt nicht nur einen Speikübel, sondern einen Speicontainer.

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April 14, 2009 Posted by | Kunst, Leipzig, Presse | Hinterlasse einen Kommentar