Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und Teil Eins des „Kunst-Ausblicks“ der „Leipziger Volkszeitung“, 6.Januar 2009, Seite 9

Abgesehen davon, dass mich die Überschrift des Artikels „Quo vadis, Leipziger Malerei?“ mit ihrem lärmend-wichtigen Frontalklischee nervt, verblüfft die Reduzierung hiesiger Kunst auf Malerei. Wodurch natürlich das unsägliche Thema „Leipziger Schule“ wieder festgezurrt wurde. Und dann wieder Rauch, Weischer, Perlet, Plogsties, Loy, Schnell. Es fehlen Eitel, Ruckhäberle, Baumgärtel. Die sind dann im Teil II dran.

Und wieder diese völlige Ignoranz gegenüber möglichen Stimmen, welche dieser Kunst keine Orgien der Begeisterung entgegenschluchzen. Bemerkenswert schlicht verbunden mit dem markigen Hinweis, dass der Neid immer ein guter Kritiker war, welcher die Leipziger Erfolge aus allen Richtungen begleitete. Die Verdünnung von Kritik, berechtigt oder unberechtigt, auf Auswürfe von Neid, ist dann wohl die einfältigste Reaktion und bietet ein intellektuelles Gesprächsangebot, welches sich einem labernden Nichts nähert.

Der Verfasser bietet auch keinen Ansatz, sich über qualitative Fragen dieser Kunst zu verständigen, über Entwicklungen, auch unter Einbeziehung anderer Tendenzen gegenwärtiger Malerei in Leipzig, abseits von Rauch, Weischer, Perlet, Plogsties, Loy, Schnell. Diese Notwendigkeiten tendierten in Leipzig der vergangenen Jahre hartnäckig gegen eine scharf geschnittene Null. Und die Erleuchtung, Traditionslinien von Uralt – Alt – Mittel – Neu – Ganzneu – Schulen in Leipzigs Malerei und Grafik erkannt zu haben, erscheint mir als Ausgangsmaterial von etwas kargem Zuschnitt.

Unkompliziert und mit geradliniger Leichtfüßigkeit wird eher auf die Sammlung Essl verwiesen, die mit Bildern der „Neuen Leipziger Schule“ immer noch durch Europa tourt (Ich habe mich in Torgau durch diese Schlichtbildchen-Galerie gequält) und auf Weischer und dessen Reise zur New Yorker Armory-Show. Na, dann ist ja alles gut und alles wie immer.

Und des Verfassers Hinweis, dass die figurativen Maler zur Zeit den Trend gegen sich haben könnten, besticht durch eine fast beleidigende Überflüssigkeit. Selbstverständlich gibt es diese welligen Bewegungen bei der Popularität einzelner Kunstströmungen. Diese Erkenntnis ist alt wie das Rosental. Doch der Schreiber begründet diese „böswillige“ Entwicklung mit globalen Neidattacken. Doch bald wird der Trend wieder der figurativen Malerei entgegen stürmen. Und dann kann der Verfasser wieder über Weischer, Rauch, Eitel, Schnell, Ruckhäberle, Baumgärtel, Perlet, Plogsties, Loy plaudern. Und ich werde mich um eine Kommunikation mit den Steinköpfen auf den Osterinseln bemühen.

Teil II werde ich nicht lesen, mich schaudert bei dieser Vorstellung.

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

Januar 6, 2009 - Posted by | Kunst, Leipzig, Presse

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