Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne zwischen den Jahren in Ahrenshoop mit Naturkitsch, Albert Einstein, Herbert Tucholski, Ludendorff, George Grosz, Strandlyrik, Strand mit Bunker und 0,1 L Sanddorngeist bei Edeka für 6.90 Euro

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Körperstellung auf frostigem Boden nach der Einschüttung von 0,1 Liter Sanddorngeist und der Erstarrung nach der Kenntnisnahme des Hohlraumes, welcher dieser Kauf in die Kleingeldabteilung meiner Geldbörse geschlagen hat ( Edeka für 6.90 Euro). Für 0,1 Liter Sanddorngeist mit 45 Umdrehungen werden 6.90 Euro gefordert, dabei füllen 0,1 Liter gerade einmal einen männlich-herben Karieszahn.

Bodden zwischen Ahrenshoop und Wustrow, Ende Dezember 2008

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Strandlyrik auf den Resten einer Strandburg-Variante des vergangenen Sommers. Andere Sandarchitekturen wurden mit Weinflaschen, benutzten und unbenutzten Kondomen, mit Hinweisen auf die Zugehörigkeit zu Fan-Sekten im fußballerischem Bereich und zerschlissener Markenkleidung veredelt.

Zwischen Ahrenshoop und Prerow

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Ahrenshoop, Dorfstraße 6, Altes Zollhaus, Aufenthaltsort Albert Einsteins während des Sommers 1918.

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Ahrenshoop, Ortsteil Althagen, Dornenhaus, erbaut vor über 350 Jahren. Brecht und Helene Weigel trieben hier ihr munteres Spiel im August 1950.
Der Grenzweg zwischen Ahrenshoop/Ortsteil Althagen und Ahrenshoop/Ort markiert den Übergang vom Fischland zum Darß und die Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern.

1311 Erste urkundliche Erwähnung von Ahrenshoop
1395 Zerstörung durch eine Streitmach der Hansestadt Rostock
1395 Sturmflut zerstört das Dorf
1628 Ahrenshoop im Dreißigjährigen Krieg
1648 Vorpommern wird schwedisch, deshalb auch Ahrenshoop
1771 Ahrenshoop zählt achtunddreißig Einwohner
1809 französische Besatzung
1892 Bildung der Ahrenshooper Malerkolonie
1928 Ahrenshoop mit 2153 Badegästen
1949 –
1989 DDR
Seit fünfundzwanzig Jahren erfreut Jürgen Henne als Ehrengast die Einwohner in Ahrenshoop (etwa 3-5 Tage im Jahr)

In Ahrenshoop des 20. Jahrhunderts zeichneten, malten, schrieben, faulenzten und meditierten neben Jürgen Henne außerdem u.a. Gerhard Hauptmann, Jawlensky und Marianne von Werefkin, George Grosz, Feininger, Kandinsky, Gerhard Marcks und Johannes R. Becher, der bemerkenswerte Dichter des Expressionismus, der später zu einem Parteilyriker mutierte.

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Holzschnitt von Herbert Tucholski in der „Galerie Alte Schule“ in Ahrenshoop

Herbert Tucholski (1896-1984)
Studium in Berlin und Dresden. Bedeutsam vorrangig die Holzschnitte mit einer maßvollen, überschaubaren Komposition und eindeutig definierten Proportionen. Ekelte sich vor allen manierierten Mätzchen und betonte den Eigenwert der Materialwirkung.
Es könnte sich allerdings nach längerer Aufmerksamkeit für diese Kunst die Gähnmuskulatur aktivieren. Dennoch eine handwerklich solide Kunst ohne scharlataneskes Herumgehample. Im Leipziger Reclam-Verlag erschien 1985 der Band „Herbert Tucholski – Bilder und Menschen.“ Dieses kleine Buch steht sicherlich nicht in der ersten Reihe meines Regals, verstaubt und verfettet aber auch nicht im unzugänglichem Hintergrund.

Ausstellung bis März 2009

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Ahrenshoop, Dorfstraße 18, von Paul Müller-Kaempff 1892 erbaut und als erstes Künstlerhaus in Ahrenshoop die architektonische Wiege der Malerkolonie, die heute als Tradition der „Schule von Barbizon“ angepriesen wird.
Natürlich sehr gewagt. Von kunsthistorischen und kunstsoziologischen Traditionslinien sicherlich ein angemessener Anspruch. Doch die Kunst wird natürlich durch qualitative Universen getrennt. Sich auf einer Höhe mit Millet, Th. Rousseau und den lockeren Mitgliedern Corot und Daubigny zu bewegen, erfordert aber auch tatsächlich titanische Kräfte.
Vielleicht eher vergleichbar mit der Truppe in Worpswede, 1895 gegründet, die etwas südlicher als die Ahrenshooper Zeitgenossen ihre Beschreibungen der norddeutschen Moor u. Heidelandschaft einem markanten Industriealisierungstumult gegenüberstellten. Anders als die Impressionisten und ihren optimistischen Zukunftsvisionen verharren diese Landschaftsfetichisten, ob in Ahrenshoop, Worpswede oder Barbizon, bei einem melancholisch-arkadischen Landschaftsideal.

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Ahrenshoop, Dorfstraße 52
Ludendorff, Hindenburgs General, „erhob“ das Haus zu einem „kleinen Hautquartier“ und ödete dort nicht selten als Gast seine Mitmenschen voll. Deshalb das Haus eigentlich abreißen. Doch auch Gerhard Hauptmann betrat 1930 die Räume dieser Villa. Also doch nicht abreißen.

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Ahrenshoop, Kunstkaten, Eröffnung am 11.Juli 1909

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Kunst von Alda Siguroardottir im „Neuen Kunsthaus Ahrenshoop“

Am 30. Dezember durfte ich in diesen Räumen mich an einer bemerkenswerten Video-Tanz-Performance mit Philine Sollmann aus Ulm und dem Indonesier Ruben Reniers erfreuen.

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Ursprünglich eine alte Doppelbüdnerei, vom Berliner Künstler Hermann Abeking 1904 gekauft. George Grosz schwärmte von den Abekings als „einer wahren Boheme-Familie, ganz ohne Vorurteile.“

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Ahrenshoop, Haus Elisabeth
Elisabeth von Eicken (1862 – 1940) bewohnte das Haus von 1894-1936, einflussreichste Künstlerin der Ahrenshooper Malerkolonie.

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Ahrenshoop, Haus Elisabeth, Ausstellung u.a. mit Arbeiten von Hubertus von der Goltz.
„Flucht“ – Messing, Ätzung, 2008

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Ahrenshoop, Strand mit Sonnenuntergang

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Ahrenshoop, Wald

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Ahrenshoop, Bodden mit Schnee

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Ahrenshoop, Landschaft mit Haus

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Ahrenshoop, Strand mit Bunker

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

Januar 4, 2009 - Posted by | Kunst, Neben Leipzig, Verstreutes

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