Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und die Hamburg Blues Band mit Chris Farlowe, Clem Clempson, Hans Wallbaum…..im Leipziger „Spizz“

dsc08041 Gestern im Leipziger „Spizz“ Chris Farlowe neben Gert Lange von der Hamburg Blues Band. Im Hintergrund Schlagzeuger Hans Wallbaum

Emotionale , doch sicherlich nicht qualitativ-musikalische Höhepunkte waren natürlich „All Or Nohting“ der Small Faces und „Out of Time“ von Jagger/Richards. Beeindruckend die Textsicherheit bei weiten Teilen des kreichenden, zuckenden und hüpfenden Publikums.

Farlowe versäumt nie, auf seinen Freund Steve  Marriott zu verweisen, dessen Song „All Or Nothing“ er dann unvergleichlich zelebriert. Marriott gründete nach den Small Faces gemeinsam mit Peter Frampton ( von Herd: „From The Underworld“) die grandiose Livetruppe „Humble Pie“ und verbrannte 1991 in seinem Haus. Mit der Version von „Out Of Time“  hatte Chris Farlowe 1966 seinen ersten überregionalen Hit und Clem Clempson, inzwischen festes Mitglied der Hamburg Blues Band, spielte auch schon bei Humble Pie und gemeinsam mit Farlowe bei Colosseum.

Farlowe gab wieder alles, brüllt gegen die Lampen, lispelt Clempsons Gitarre an, röhrt in Bass-Regionen, wogegen Gottlob Frick als Gurnemanz oder Boris Godunow  wie ein übellauniger Farinelli verkümmert wäre, und wirbelt seine Arme unter die Decke. Farlowe ist Jahrgang 1940.

Der Bassist  Michael Becker liefert ein solides Fundament, auf dem sich die anderen Artisten  austoben dürfen. Der Auftritt des Schlagzeugers Hans Wallbaum nähert sich einer schweißtropfenden Performance, bei der er wie ein extrem cholerisches Rumpelstilzchen auf seine Töpfe und Pfannen eindrischt, doch das auf höchstem Niveau.  Neuzugang Adrian Askew  malträtiert die Tasten, dass selbst Farlowe zum Handtuch für die tropfende Stirn greifen muss und bei Clempsons Gitarrenvirtuosität kann Gert Lange, Sänger und Rhythmusgitarrist, manchmal nur ungläubig lächeln oder sich resignierend zusammenfalten. Clempson wird auch schon einmal qualitativ neben Clapton gestellt. Um das beurteilen zu können, fehlt mir allerdings das tiefschürfende, musiktheoretisch fundierte Urteilsvermögen. Doch nach Claptons Auftritt bei dem Leipziger Konzert vor einigen Wochen würde ich den Kampf um dessen Podest einer Mount- Everest-Besteigung auf Ellenbogen und mit Badehose gleichsetzen.

Ergänzug: Am heutigen Samstag in der Leipziger Lokalzeitung nicht ein Komma über das Konzert. Die Hauptseite des Kulturteils wird von einem Gespräch mit Uri Geller terrorisiert. Er will mit Außerirdischen Kontakt aufnehmen.

                                     Reicht mir

                                     schnell

                                     den Übelkübel,

                                     sonst wir mir

                                     ohne Kübel

                                     übel !  

                                                                                                                                                                                                                        

 

juergenhennekunstkritik.wordpress.com

juergen-henne-leipzig@web.de

November 14, 2008 - Posted by | Leipzig, Musik

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