Juergen Henne Kunstkritik

2005 – die Filme: Neu gesehen – Alte Kritik, Teil III: Jürgen Henne und „Transamerica“, Felicity Huffman, „Brokeback Mountain“, Peter Dinklage

Wenn Bree am Schluss des Filmes ihren betont genervt vorgetragenen Zorn über Tobys Rüpeleien am neuen Möbel sicherlich nur mimt, beide sich dann auf dem Sofa platzieren, nicht sonderlich angeschmiegt, dann hat sich ein filmischer Bogen geschlossen, um den man damals auch durchaus um die Oscarstatue hätte legen können. Zumindest Felicity Huffmans Liebkosung mit diesem Metall-Golem an ihrer männlichen bzw. weiblichen Brust hätte mich milde gestimmt, doch P.S. Hoffman war ja auch nicht schlecht.

„Transamerica“ kommt mit sexuellen Konflikten und Identitätsproblemen nicht so unverzichtbar und bedeutungsvoll daher, es riecht nicht nach schwerer Erde wie bei „Brokeback Mountain“.

In Duncan Tuckers Streifen duftet die Transpiration dezenter, die Emotionen verteilen sich luftiger. Der Film wirkt gedämpfter, unangestrengt, unterlegt mit einem Humor, der auch markig sein kann, sich doch eher still in die Lachfalten des Zuschauers eingräbt, ohne blökend die Kniescheibe des Nachbarn zu zertrümmern.

Transsexualität wird nicht dem Klamauk ausgeliefert, wird nicht verhöhnt, dient aber durchaus für amüsante, ironische Selbstreflexionen.

Vergleichbar mit dem wundervollen, aber in Deutschland leider nicht angemessen beachteten „The station agent“ von Tom McCarthy und Peter Dinklage in der Hauptrolle eines Kleinwüchsigen.

Felicity pendelt hinreißend zwischen Euphorie und Verzweiflung, zwischen Selbstsicherheit, Verlegenheit und Scham. Doch werden keine tosenden Gefühlskaskaden gestapelt. Diese lärmreduzierte Inszenierung und das ausgewogene Maß an panischen Attacken und melancholischen Zwischentönen , vorrangig bei Nebenrollen ,beschenken diesen Film mit einem hohen Grad an Verlässlichkeit.

Inhaltlich trostlos und als dürftiges Zugeständnis für schlichte Gemüter erweist sich dann aber kurz vor dem Abspann die genitalüberhitzte Annäherung Tobys an seinen Vater. Das folgende Bekennnis zum väterlichen Status hätte man auch anders, mit etwas erweitertem Feinsinn für psychische Abläufe erreicht. . Dennoch ein bemerkenswerter, eindringlicher Film, ohne Spott und Arroganz, gegenüber angeblich „Unnormalen“

 

September 20, 2008 - Posted by | Film, Leipzig

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