Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne, das große Gähnen , Alexander Solschenizyn, Willy Tonn und die Pädagogik in Dresden

 

Tonbänder mit realsozialistischem Design und Ausschnitten aus „Archipel Gulag“ und anderen Büchern Solschenizyns, begleitet von realsozialistischem Hass
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Raucherverbot und Nichtraucherverbot – Raucherkneipen mit Nichtraucherkabinen und Nichtraucherkneipen mit Raucherkabinen – Rauchen im Zoo innerhalb des Zebra-Geheges ist untersagt, die hellen Streifen könnten nachdunkeln – Rauchen erlaubt im Gehege der südchilenischen Rasselratte, aber nur wenn die Weibchen ihre Mittagsruhe halten…….gähn…….

Clement bleibt in der Partei als Raucher, raus aus der Partei als Nichtraucher, rein in die Partei als südchilenische Rasselratte, rein in die Raucherkneipe als Zebra….. gähn…..

Bsirske kostenlos in die Südsee, in den Südharz, in eine Nichtraucherkneipe mit anschließender Kostenerstattung…gähn……

Doping in Peking oder bei Stephen King oder Ben
Kingsley….gähn……

Die alltägliche Pein deutscher Prioritäten

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Aber Alexander Solschenizyn ist tot und kein Gähnen, sondern Trauer. Doch war er schon Neunzig, die Trauer relativiert sich, die Erinnerungen relativieren sich nicht

Während meines Pädagogigstudiums in Dresden (Kunsterziehung/Deutsch) vor fünfunddreißig Jahren erhielt Solschenizyn den Status eines Alkoholikers, eines Schlägers, der vollgedröhnt  den handgreiflichen Konflikt mit fleißigen Sowjetbürgern provoziert und eines lausigen Schriftstellers, der die Kriegstreiberei des Imperialismus unterstützt. Bei sogenannten Prüfungen und der Frage „Charakterisieren Sie Solschenizyn“ musste etwa diese Antwort gegeben werden, um als Primus der Literaturwissenschaft gefeiert zu werden.

Wobei die Pädagogische Hochschule in Dreden damals als sicherlich dümmste Bildungseinrichtung Mitteleuropas eingeordnet werden muss. Ein derartiges Regiment an dogmatischen Hohlrollern und intellektuellen Pantoffeltierchen hat Hochschulgeschichte geschrieben.

Ich hatte Mitte der 70erJahre einen wesentlichen Teil des „Archipel Gulag“ bei einer Lesung des RIAS im Radio auf mein wundervolles Spulentonband aufgenommen und empfand das Bedürfnis, zumindest einige Kommilitonen der Sektion Deutsch/Kunsterziehung in einen literarisch-russischen Rausch zu versetzen. Denn schon Dostojewski, Turgenjew, Tschechow, Puschkin und Gogol agierten damals als zentrale Figuren meiner Literatur-Propaganda.

Mein Streben vermied dabei durchaus eine grenzenlose Huldigung Solschenizyns, um diesen demagogischen Provinzideologen keine grünlich wütende Gesichtsfarbe zu verpassen. Ich verurteilte aber die primitive Vorlesungs- u. Seminarstrategie von Doktoren und Professoren, welche Schriftsteller in die Kläranlage drückten, ohne den Studenten auch nur einen Satz dieser Autoren zur individuellen Beurteilung angeboten zu haben – wie bei Solschenizyn,Pasternak.

Meine Strategie erwies sich als naive Mission, ich wurde „verpetzt“, sollte die Tonbänder abliefern und  musste vor zwei Seminargruppen Buße zelebrieren. Und ich widerrief zum Teil, ich Feigling. Die Tonbänder lieferte ich nicht ab.

Als Hauptvetreter der kommunikativen Enthauptung agierte an der Hochschule der Roland Fr. – Verschnitt Willy Tonn. Er laberte uns mit irgendeinem „Wissenschaftlichen Kommunismus“ die Ohren zu und promovierte mit einer Abhandlung über den „Kampf um die Aktionseinheit der Arbeiterklasse im Bezirk Halle-Merseburg in den Jahren 1921-1923.“ Schon bei dem Titel berstet man fast vor Spannung. Auf meine Frage nach Pfarrer Brüsewitz, der sich am 18.August 1976 in Zeitz anzündete und wenige Tage darauf starb, entgegnete Willy Tonn forsch, uns Studenten zu kreativ-selbstständigen Diskussionen antreibend: „Herr Henne, ich habe mein Diplom, Sie noch nicht und über Irre unterhalten wir uns nicht. Setzen, sonst noch Fragen.“ Ich setzte mich. Ich habe dieses Diplom nie erhalten.

Bei der Deutschstunde einer achten Klasse in Neustadt b.Dresden nutzte ich 1977 als Praktikant eine Scheibe mit der Musik von Jimi Hendrix, um literarische Erkenntnisse zu vertiefen und erwähnte gleichfalls  den Namen Solschenizyns. Diese Vertiefung wurde erneut „verpetzt“ und mir als bewusst klassenfeindliche Propaganda ausgelegt. Ich hüstelte triumphierend und verwies auf „Amiga“, die Firma der DDR, welche diese Scheibe vertrieben hatte.

Durchaus bemerkenswert, welche Erinnerungen der Tod Solschenizyns aktiviert.

juergen-henne-leipzig@web.de

August 5, 2008 - Posted by | Kunst, Leipzig, Neben Leipzig, Verstreutes

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