Juergen Henne Kunstkritik

Jürgen Henne und Otto Niemeyer-Holstein auf Usedom. Die Kirchen von Mellenthin und Koserow

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Garten zum Atelier Otto Niemeyer-Holsteins – Koserow/Lüttenort

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Eingang zum Atelier Otto Niemeyer-Holsteins

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Otto Niemeyer-Holstein ( 1996 – 1984) verbannte romantische Weltfluchten  und sehnsuchtsvolle Wehleidigkeit aus seinen Bildern. Bei aller Naturverbundenheit beharrte er auf rational nachvollziehbare Beobachtungen, vermied er, die Abläufe der Natur in vordergründig bombastische und philosophisch durchwachsene „Weltbewegungen“ einzuordnen. Er entsagte einer idyllisch-nervenden Harmoniewut und zelebrierte nicht selten unspektakuläre „Strandstücke“. Analog zur „Schule von Barbizon“ mit ihren „paysages intime“ (Millet, Corot, Daubigny).

Nach dem 1.Weltkrieg war er Stammgast in Ascona, wo auch Mühsam, Lasker-Schüler, Hesse, Arp und Jawlensky ihre Kreise zogen, genießt deren  Weltoffenheit und versucht bald, die Faszination des südlichen Lichts mit der nördlichen Unterkühlung zu verbinden.

Mit einem ausrangierten S-Bahnwagen zieht er 1933 nach Koserow an die schmalste Stelle zwischen Bodden und Meer, nennt sie Lüttenort und lebt bis 1945 in weitgehender Abgeschiedenheit. Am Höhepunkt der Formalismusdebatte 1953 werden zur 3.Deutschen Kunstausstellung in Dresden alle Arbeiten abgelehnt und eine offizielle Zustimmung zum Einmarsch in die CSSR 1968 lehnt er ab. Doch inzwischen von den kulturpolitischen Deppen der ehemaligen DDR geduldet , erhält er den Nationalpreis, den Professorentitel und Ausstellungen in der Berliner Nationalgalerie und im Albertinum Dresden.

Niemeyer-Holstein war  sicher kein Rebell, der traditionelle Kunstformen einäscherte.  Doch hat er vielleicht mehr bewirkt als viele wichtige „Starktöner“, welche mit dilletantischem Klamauk die Dürftigkeit ihrer künstlerischen Qualität tarnen wollen. Er blieb Traditionalist, orientierte sich früh am Expressionismus der Fauves und ignorierte auch nicht die impressionistische Malkultur. Niemeyer -Holstein verfeinerte kontinuierlich die Beschreibung der Küstenlandschaft und ihre jahreszeitlich bedingten Veränderungen. Dabei verzichtet er auf lineare Abgrenzungen, auf eine zeichnerische Betonung. Die Flüchtigkeit der Wasserbewegungen, die subtilen Veränderungen des Lichts treiben Niemeyer-Holstein  zu Bildern von höchster Farbkultur. Beerdigt wurde er auf den Friedhof in Benz/Usedom, in unmittelbarer Nähe zum Grab Rolf Ludwigs, der Soldat im DEFA- Film „Das Feuerzeug“ von 1958.( „Eins,zwei, Eins,zwei, so zieh ich in die Welt, eins,zwei, eins,zwei, wohin es mir gefällt. Ich diente einst dem König treu und glaubte, dass er gnädig sei….“ – Wanderarie am Beginn des Filmes ) Auch Carola Stern schlummert in Benz in die Ewigkeit. 

Das Museum wird professionell geführt. Der Garten kann besichtigt werden, mit wunderbar skurrilen Quadratmetern. Atelier und Wohnräume nur mit Führung. Ständiges Abspulen eines ruhigen,schönen Filmes über Niemeyer-Holstein ( „….und der Strand ist meine große Geliebte“ – ein außerordentlich alberner Titel) und ständige Wechselausstellungen. Bis 16.Dezember das Frühwerk von Otto NHS. Kein großer Knaller, aber durchaus ansehnlich.

15.April – 15.Oktober     täglich 10 – 18 Uhr           

 16. Oktober – 14. April   Mi/Do, Sa/So   10 – 16 Uhr

Neue Galerie und Garten   3 Euro                               

 Eintritt mit Führung    7 Euro

  

 

 

Koserow/Lüttenort – Atelier Otto Niemeyer-Holsteins – Bildhauerei im Ateliergarten. Beachtlich die Aggressivität der Pflanze am Bein des Athleten, ein Laokoon-Solist von Usedom

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Mellenthin (Usedom)- Spätgotische Backsteinkirche mit Kreuzrippengewölbe und gemalten Torturen des Jüngsten Gerichts im Chor. Fotografischer Blick von romantischer Bescheidenheit ohne kunsttheoretisches Diskussionsangebot.

 

 

 

 

 

 

 

Koserow (Usedom) – Feldsteinkirche um 1300 mit unergiebigen Öffnungszeiten am Freitag (bis 16 Uhr). Jürgen musste deshalb mürrisch von dannen ziehn, getrieben von der heimtückischen Vorstellung einer Hinterkopfverformung beim Pfarrer durch den Glockenklöppel bei einer Hörprobe in Nahdistanz.

juergen-henne-leipzig@web.de

Juni 25, 2008 - Posted by | Kunst, Neben Leipzig

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